Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - Eintracht Braunschweig 0:3

Nach dem Pokal-Rausch kommt der große Kater

Nach dem Pokal-Rausch kommt der große Kater


Anfangsphase verpennt, Chancen versemmelt und am Ende böse abgestraft: Der FCK kassiert gegen Braunschweig eine derbe 0:3-Klatsche. Eine Woche nach dem Pokal-Coup ist der Liga-Fehlstart der Roten Teufel perfekt.

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Ein Sieg aus den ersten fünf Saisonspielen, schon wieder drei Heimspiele ohne Dreier, Tabellenplatz 13: Es sind ernüchternde Zahlen, die den Fehlstart des 1. FC Kaiserslautern in die neue Drittliga-Saison statistisch abbilden. Der FCK ist Mitte August 2019 nicht einmal Mittelmaß in Liga drei. Ingolstadt, Duisburg und Braunschweig auf den ersten drei Plätzen sind den Lautrern bereits um acht bzw. sieben Zähler enteilt.

Fast noch schlimmer als dieser nüchterne Blick auf das Zahlenwerk wiegt allerdings, dass es viele im Umfeld des Pfälzer Traditionsvereins fast haben kommen sehen. Trotz der zuletzt durchaus unterhaltsamen Auftritte in der Liga - die gleichwohl deutlich zu wenig Punkte auf die Habenseite gebracht haben - und trotz der rauschenden Pokal-Party vor Wochenfrist gegen den ungeliebten Erstligisten aus der Landeshauptstadt. Selbst Sascha Hildmann spricht nach der Klatsche von einer “Komfortzone”, in der es sich seine Spieler nach dem Coup im Cup ungewollt bequem gemacht hätten.

In der Komfortzone: Rückfall nach fast jedem guten Spiel

Das sind deutliche Worte des Trainers, der sich allerdings die Kritik gefallen lassen muss, dass die Einstellung der Mannschaft, genauer das Herausholen der Spieler aus dieser Komfortzone eben die ureigene Aufgabe des Trainerteams ist. Darüber hinaus ist so ein Rückfall nach einem guten Spiel alles andere als ein Einzelfall. An der Hürde, auch einmal zwei Partien in Folge zu gewinnen waren die Lautrer schon in der Vorsaison immer wieder gescheitert. Die Neigung, zu schnell zufrieden zu sein, ist gefühlt seit Jahren ein Merkmal eines jeden FCK-Kaders. Ganz unabhängig von den aktuell auflaufenden Männern in Rot.

Einige Stunden zuvor beginnt der 5. Spieltag eigentlich hoffnungsvoll. Rund um den Bahnhof und auf dem Weg hinauf auf den Berg ist vielen der insgesamt 20.494 Zuschauern der Pokaltriumph gegen Mainz noch deutlich ins Gesicht geschrieben. Am Denkmal für die 54er-Weltmeister hinter der Westkurve bildet sich schon vor der Öffnung der Stadiontore ein großer Pulk, um die ersten Mottoshirts für das Derby gegen Waldhof Mannheim zu ergattern. DAS Highlight-Spiel der Saison wirft seine Schatten immer deutlicher voraus. Umso wichtiger ist die unter der Woche gemachte Vorgabe, den Anschluss in der Liga im Vorfeld des Duells nicht zu verlieren.

Im gewohnten System, aber ungewohnt träge

Kommen wir also zum Spiel: Nicht wirklich überraschend setzt Coach Hildmann im fünften Pflichtspiel in Serie auf ein 4-1-4-1-System und beantwortet die einzig etwas offene Personalfrage mit Christoph Hemlein für Simon Skarlatidis, der nach seinem Debüt im DFB-Pokal erneut als Joker von der Bank kommen soll. Verwunderlich ist derweil, dass bis auf einige Ausnahmen weder die Stimmung und schon gar nicht die Vorstellung der Mannschaft auf dem Platz an die zuletzt gezeigten Leistungen herankommen. Die ersten 15 bis 20 Minuten dominiert Braunschweig gegen träge Gastgeber klar und kommt alleine in dieser Phase zu fünf, sechs Torabschlüssen.

Die Lautrer finden nach der ersten, immerhin sehr guten Möglichkeit von Dominik Schad (19.) etwas besser in die Partie. Viel mehr als das taktische Foul von Philipp Hercher, der auf Kosten einer Gelben Karte einen gefährlichen Gegenangriff unterbindet sowie zwei am kurzen Pfosten einigermaßen gefährlich verlängerten Eckbällen ist trotzdem nicht lobend zu erwähnen. Auf das erste Ligator aus einer Standardsituation müssen wir weiter warten. Stattdessen gelingt Hercher kurz vor der Pause nach Ablage von Kühlwetter aus dem Spiel heraus um ein Haar die Führung (43.).

Kühlwetter vergibt, dann ist in neun Minuten alles vorbei

Noch um einiges besser ist die Gelegenheit für Kühlwetter nach Wiederbeginn. In Folge einer Ecke von Manfred Starke lauert der Angreifer am langen Pfosten, kann die Kugel aber aus kürzester Distanz nicht im Kasten unterbringen (50.). Ungläubige Blicke und massenhaftes Haare raufen auf den Tribünen, aber nun auch bessere Stimmung. Das Spiel steht jetzt auf des Messers Schneide und die Gäste haben ihrerseits aus dem folgenden Abstoß eine Riesenchance, um selbst das 1:0 zu markieren. Nachdem auch Timmy Thiele aus einer guten Abschlussposition nur eine bessere Rückgabe zustande bringt, ist es mit der Lautrer Herrlichkeit allerdings wieder vorbei.

Ein drittes Unentschieden im dritten Heimspiel konnte zwar auch nicht der Anspruch der Roten Teufel in der 3. Liga sein. Am Ende hätte man die Punkteteilung aber doch gerne genommen. Stattdessen schießen Mike Feigenspan (70.), Leandro Putaro (76.) und mit einem zweifelhaften Handelfmeter Nick Proschwitz (79.) binnen neun Minuten die deutliche Pleite heraus. Die Pfiffe für die sich zögerlich der Westkurve nähernde Mannschaft halten sich nach dem Spiel zwar einigermaßen in Grenzen, viele Zuschauer sind zu diesem Zeitpunkt allerdings auch schon gegangen. Vorfreude auf das nahende Derby sieht anders aus.

Autor: Ingo

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