Im Blickpunkt: Die erste Etappe der Saison 2019/20

Fünf Erkenntnisse aus dem Saisonstart

Fünf Erkenntnisse aus dem Saisonstart


Spektakel ja, konstante Punktausbeute Fehlanzeige: Wo steht der 1. FC Kaiserslautern nach den ersten vier Saisonspielen? Sind die Roten Teufel besser als im Vorjahr? Eine erste Bestandsaufnahme in fünf Punkten.

Fünf Zähler aus den ersten vier Spielen. Das ist einer mehr als der FCK zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr gesammelt hatte, aber bei weitem nicht genug, um von einem geglückten Saisonstart zu sprechen. Auch das Murren im Umfeld ist zumindest abseits des Stadions schon wieder unüberhörbar. Geht die neue Spielzeit gerade so weiter wie die vergangene aufgehört hat? Oder gibt es Entwicklungen, die Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung machen? Wir haben uns fünf kritische Aspekte der vergangenen Monate einmal angeschaut.

1. Personal und Neuzugänge

José-Junior Matuwila, Philipp Hercher, Janik Bachmann, Manfred Starke, Andri Bjarnason, Simon Skarlatidis sowie Ersatztorwart Avdo Spahic: Mit insgesamt sieben externen Neuzugängen will der FCK die erkannten und analysierten Schwachstellen beheben. Ernsthaft kann man einen ersten Eindruck nur zu den vier Erstgenannten abgeben, von denen Starke und Matuwila rein notentechnisch noch einmal ein Stück vor Bachmann und Hercher rangieren. Gerade Matuwila deutete mit seiner starken Leistung gegen Ingolstadt (0:0) an, dass er die dringend benötigte Lösung für das Tempodefizit im Abwehrzentrum sein könnte. Zudem bringt er mit seiner kompromisslosen Spielweise alles mit, um auf dem Betze zu einem Publikumsliebling zu werden.

Pech hatten derweil die “Königstransfers” Skarlatidis und Bjarnason, die gleich zu ihrer Anfangszeit in Lautern von Verletzungen ausgebremst wurden. Sollten die beiden Offensivspieler ihren Vorschusslorbeeren gerecht werden, spricht trotzdem einiges für eine positivere Transferbilanz als im Vorjahr, als unter dem Strich doch zu viele Spieler des hochgelobten Kaders hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind.

Neben Verstärkungen von außen setzten die FCK-Verantwortlichen auch darauf, dass die jungen Wilden der Vorsaison einen weiteren Schritt nach vorne machen. Komplett auf geht diese Hoffnung derzeit bei Florian Pick. Der Flügelspieler ist bislang nicht nur der notenbeste Lautrer, sondern mit vier Toren in vier Spielen auch deren treffsicherster Schütze. Über noch bessere Noten würden wir bei Lennart Grill sprechen, hätte der Keeper bei der Niederlage in Münster (2:3) nicht entscheidend gepatzt. Dennoch: Mit seinen erst 20 Jahren ist Grill ein großes Torwarttalent, mit dem der FCK auf einer ganz wichtigen Position überdurchschnittlich besetzt ist. Hinter Pick und Grill ist auch Dominik Schad sehr solide in die Saison gestartet, Carlo Sickinger und Christian Kühlwetter liegen noch etwas hinter den in der Vorsaison allerdings auch sehr gewachsenen Ansprüchen.

2. Spielanlage und taktische Formation

An der Bereitschaft, verschiedene Spielsysteme auf den Platz zu bringen, mangelt es den Roten Teufeln unter Sascha Hildmann nicht. Immer wieder hat der FCK-Coach betont, dass er als Trainer in Sachen System auf eine gewisse Flexibilität setzen möchte und hat dies in seiner ersten Halbserie als FCK-Coach auch so praktiziert. Zu viel sollte man in eine Grundformation ohnehin nicht reininterpretieren, erklärte Hildmann im März beim DBB-Interview. Ob eine Formation offensiver oder defensiver ausgerichtet ist, hänge vor allem von den eingesetzten Spielern ab. Und vom Mut der Akteure, ein System entsprechend zu interpretieren, um einen von Hildmann immer wieder gehörten Kritikpunkt an seiner Mannschaft aufzugreifen.

War das teils heftig bemängelte Auftaktspiel gegen Unterhaching (1:1) also das Ergebnis einer zu defensiven Grundausrichtung? Oder ging genau dieser Ansatz nicht in der ersten Halbzeit sogar sehr gut auf? Kamen die Lautrer nach Wiederbeginn nicht immer mehr von ihrer wenn auch etwas defensiveren Ausrichtung ab und verließ sie mehr und mehr eben besagter Mut, um so ein Spiel konsequent nach Hause zu bringen? Fakt ist: Nach dem mageren Start gegen die Münchner Vorstädter stellte Hildmann erneut um auf ein 4-1-4-1. Ein System, das weder in der Vorsaison noch in der Vorbereitung als echte Option galt. In allen drei folgenden Partien besaßen die Lautrer nun die Möglichkeit zum Sieg, hatten viele Torchancen und boten eine attraktive Vorstellung, wie man sie in den Monaten zuvor kaum einmal gesehen hat.

Noch einiges an Luft nach oben gibt es gleichwohl bei der defensiven Stabilität. In allen vier Partien kam auch der Gegner zu teils hochkarätigen Einschussmöglichkeiten. Selbst beim Sieg in Großaspach (3:1) wurde es trotz einer Zwei-Tore-Führung und Überzahl im zweiten Durchgang für eine kurze Phase noch einmal brenzlig. Gefahr für den Pfälzer Kasten entstand dabei sowohl aus dem laufenden Spiel, bei Kontersituationen als auch bei Standards.

3. Standardsituationen

Apropos Standards: Eine der größten Schwächen der Roten Teufel in der vergangenen Spielzeit ist nach wie vor ein großes Problem. Gegen Unterhaching und gegen Ingolstadt kreierten die Lautrer so gut wie keine Torgefahr aus ruhenden Bällen. In Großaspach war Kevin Kraus einmal zumindest nahe dran an einem Kopfballtreffer nach einer Ecke, während Sickinger in Münster dann selbst die “Chance aller Chancen" (O-Ton Hildmann) vom Elfmeterpunkt nicht im gegnerischen Kasten versenken konnte. Die große Bedeutung von Standardsituationen ist den Verantwortlichen bewusst, nicht zuletzt deshalb hat man mit Skarlatidis auch einen ausgesprochenen Spezialisten in die Pfalz gelotst. Dass der frühere Würzburger seine gefährlichen Hereingaben verletzungsbedingt noch nicht unter Beweis stellen konnte, ist aber nur die eine Seite. Am Ende muss die Dinger auch jemand reinmachen.

4. Cleverness

“Wir haben die dümmste Mannschaft der Liga”, war nach der Niederlage in Münster nicht nur einmal im DBB-Forum zu lesen. Dieses Zitat hatte schon vor einigen Jahren der damalige FCK-Stürmer Mo Idrissou geprägt. Hintergrund diesmal war das Gegentor zum zwischenzeitlichen 1:1, bei dem die Preußen 16 Sekunden (!) nach dem von Sickinger vergebenen Foulelfmeter jubeln durften. Doch damit nicht genug. In unangenehmer Erinnerung sind auch die Spiele aus dem vergangenen September, als sich die Roten Teufel dreimal in Folge (!) einen Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit eingefangen haben. Ist das aller nur Pech oder Folge einer strittigen Schiedsrichter-Entscheidung? Dann hätte Trainer Hildmann wohl kaum bereits zweimal in der noch jungen Saison die fehlende Cleverness seiner Jungs moniert und nach den Partien gegen Haching und Münster darauf verwiesen, dass man auch einmal ein taktisches Foul begehen müsse. Immerhin hat der FCK drei der bisherigen vier Saisonspiele geführt, aber nur einmal den Sieg nach Hause gebracht.

5. Konstanz

Der letzte Punkt ist natürlich auch ein Ergebnis der vier Erstgenannten. Mehr Mut und Konsequenz gegen Unterhaching, ein Standardtor gegen Ingolstadt oder ein taktisches Foul nach dem verschossenen Strafstoß in Münster, und die Roten Teufel hätten sicher mehr als nur einen Sieg auf dem Konto. Stattdessen erinnert die Reihe mit Unentschieden, Sieg, Unentschieden, Niederlage schon wieder fatal an die vergangene Saison, als die Roten Teufel unter Hildmann und Frontzeck kein einziges Mal eine auch nur kleine Siegesserie zustande brachten. Der Auf-und-ab-Start drückt sich auch im Tabellenbild aus, wo der FCK exakt die Mitte abbildet. Fünf Punkte hat er auf dem Konto, fünf Punkte sind es bis nach oben, fünf nach unten.

Die Entwicklungen im Kader geben Anlass zur Hoffnung, dass das nicht so bleiben muss, die zuletzt gezeigte Spielanlage mit viel Tempo und vielen eigenen Chancen hat einen als FCK-Fan auch wieder richtig mitfiebern (und mitleiden) lassen. Unbedingt etwas passieren muss allerdings endlich bei den Standards und in Sachen Cleverness. Auch daran werden sich Sascha Hildmann und seine Mannschaft irgendwann messen lassen müssen.

Autor: Ingo

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