Die magere Heimbilanz des 1. FC Kaiserslautern

Wann wird der Betze wieder zur Bastion?

Wann wird der Betze wieder zur Bastion?


Nur 22 Punkte hat der 1. FC Kaiserslautern bislang im Fritz-Walter-Stadion geholt. Die magere Heimbilanz trägt einmal mehr zu einer enttäuschenden Saison bei - und sorgt für Lücken auf den Tribünen.

Es ist eine zusätzliche Last, die der FCK speziell in dieser Saison trägt: Nahezu jeder Gegner in der 3. Liga betrachtet das Auswärtsspiel auf dem Betze als eine besondere Herausforderung. Sogar Daniel Thioune, Trainer von Spitzenreiter VfL Osnabrück, sprach vor Kurzem trotz eines verdienten und souveränen 3:1-Siegs seiner Mannschaft, von der einschüchternden Kulisse und der beeindruckenden Fahrt, hoch auf den Betzenberg. Die drei Punkte nahm er umso zufriedener mit nach Hause. Und nicht nur er.

Osnabrücker Fans schilderten die Siegesfeier auf und unter der Osttribüne mit großer Begeisterung, einige Aalener Anhänger bezeichneten den späten Torjubel am vergangenen Wochenende sogar als eines "der geilsten Erlebnisse in dieser Saison". Ähnliche Worte fanden Spieler und Verantwortliche von Preußen Münster mit Blick auf den Hinrunden-Sieg in Kaiserslautern, Kölns früherer Trainer Uwe Koschinat bezeichnete die Atmosphäre nach dem 3:3 im vergangenen September sogar als wichtige Erfahrung: "Meine Mannschaft hat gesehen, wie ein großes Stadion wirken kann, wie intensiv solche Spiele werden können." Dabei waren offiziell nur 17.588 Zuschauer gekommen.

In der Heimtabelle steht der FCK knapp vor Großaspach

Das Fritz-Walter-Stadion ist zu einer Art Kulisse geworden, zum Härtetest für andere Mannschaften und Fans, die sich - vielleicht nur einmal? - im Glanz der großen Historie ausprobieren wollen. Aalens Trainer Rico Schmitt sagte nach dem 1:0-Sieg des VfR am Samstag: "Es ist ja nicht selbstverständlich, in Kaiserslautern, auf dem Betzenberg, zu gewinnen."

So bitter es ist, dieser Spruch gilt mittlerweile auch für den FCK. Die "Bastion Betzenberg" wurde 2014 sogar mal auf einer Zaunfahne vor der Westkurve verewigt. Premiere hatte sie ausgerechnet bei einer 1:2-Niederlage - gegen den VfR Aalen. 2019 ist die "Bastion" ein Schatten ihrer selbst. Nach 16 Heimspielen in dieser Saison stehen gerade einmal fünf Siege für die Roten Teufel zu Buche. Elfmal gingen die Lautrer im eigenen Stadion ohne Dreier vom Platz - eine schaurige Bilanz für einen Klub, der eigentlich den Wiederaufstieg angepeilt hatte. In der Heimtabelle bedeutet das Platz 12, einen Punkt vor Großaspach.

Die Zaunfahne beim Auswärtsspiel in Aue
Die "Bastion Betzenberg"-Zaunfahne kam auch bei Auswärtsspielen, wie hier in Aue, zum Einsatz.

Die mageren Heimspiele sind seit langer Zeit ein wesentlicher Grund für die verfehlten Zielsetzungen, obwohl nahezu jeder Trainer, egal ob Konrad Fünfstück, Tayfun Korkut, Norbert Meier, Jeff Strasser, Michael Frontzeck oder Sascha Hildmann, mindestens einmal den Anspruch erhoben hat, den Heimvorteil "endlich" wieder für sich nutzen zu wollen.

Zum Vergleich: 2014/15 bewegte sich der FCK das letzte Mal in Tabellenregionen, die er für sich beansprucht. Zwar verpassten die Lautrer am Ende ziemlich kläglich den Aufstieg, im Fritz-Walter-Stadion verloren sie in jener Saison aber nur ein Heimspiel, fuhren elf Siege und fünf Remis ein. Die bittere Ironie: Ausgerechnet die einzige Heimpleite (0:2 gegen Kellerkind St. Pauli am 32. Spieltag) trug maßgeblich dazu bei, die Bundesliga-Rückkehr am Ende noch zu verpatzen.

Der FCK gewinnt seit Jahren nicht mal die Hälfte seiner Heimspiele

In den Jahren danach setzte der Niedergang ein, und mit ihm die wachsende Ernüchterung bei Heimspielen. In drei Zweitliga-Spielzeiten konnte der FCK nicht mehr Spiele in Kaiserslautern gewinnen als Niederlagen einzustecken oder unentschieden zu spielen. 2015/16 sah die Bilanz mit 21 Punkten (5/6/6) schon schwach aus, 2016/17 verbesserte sich die Ausbeute etwas (29 Zähler, 8/5/4), wobei vor allem dank der kleinen Heimspielserie gegen Ende der Saison (drei Heimsiege in vier Partien) der Klassenerhalt gesichert wurde. Den Ansprüchen entsprach aber auch das nicht. Richtig düster wurde es schließlich in der vergangenen Spielzeit: In 17 Anläufen gelangen nur vier Siege, darunter ein bedeutungsloses 1:0 gegen Heidenheim am vorletzten Spieltag. Als Vorletzter in der Heimtabelle ging es runter in die 3. Liga.

Dabei sind sich Spieler, Trainer, Verantwortliche und Fans einig: Gerade in Heimspielen sollen die wichtigen Punkte her. "Wir spielen hier in unserem Stadion, vor unserer Kurve. Da gehört es sich als FCK, seine Heimspiele zu gewinnen", fasste Elias Huth diesen Anspruch Anfang März in der "Rheinpfalz" beispielsweise zusammen.

Dass sein Team diesem Selbstverständnis weiterhin nicht gerecht wird, hat einen weiteren negativen Effekt: Die schwachen Auftritte reißen immer größere Lücken auf den Rängen. Zwar ist der angepeilte Zuschauerschnitt vor allem dank der anfänglichen Euphorie gesichert und der FCK führt das Besucherranking in der 3. Liga unangefochten als Spitzenreiter an, könnte es mit seinem Schnitt sogar locker mit der 2. Bundesliga aufnehmen. Es hätten aber trotzdem weitaus mehr Zuschauer auf den Berg gelockt werden können, wäre die Heimbilanz ansprechender.

Es kommen immer weniger Zuschauer

Zusatzeinnahmen durch Ticketverkäufe (und weitere Einnahmen im Fanshop etc.) bleiben damit aus. Und noch viel schlimmer: Die Identifikation geht Schritt um Schritt verloren. "Ich geh' nimmi nuff", war jahrelang eine halbernste Redewendung. Eine, wie eigentlich jeder wusste, leere Drohung. Doch inzwischen ist sie immer mehr zur Wahrheit geworden. Manch treuer Dauerkartenbesitzer kann sich an manchen Spieltagen kaum noch aufraffen.

Es ist ein Teufelskreis, denn die schwache Kulisse führt auch zu leiserem Support. Und der wiederum kann mitverantwortlich für schwache Heimspiele sein, während sich gegnerische Teams und Fans regelmäßig auf die Schulter klopfen und ein "Spiel des Jahres" erleben können. Ein Teufelskreis, aus dem der FCK dringend ausbrechen muss, soll es wieder nach oben gehen.

Autor: paulgeht

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