Im Blickpunkt: Investoren-Debatte beim FCK

Russischer Sport-Investor: Wer ist Michail Ponomarew?

Russischer Sport-Investor: Wer ist Michail Ponomarew?

KFC-Uerdingen-Investor Michail Ponomarew, Foto: Imago

Die Meinungen sind gespalten: Ist Michail Ponomarew der (finanzielle) Heilsbringer für den 1. FC Kaiserslautern - oder der Teufel in Person? Wir haben uns umgehört und einen Blick auf die bisherigen Sport-Investments des gebürtigen Moskauers gerichtet.

Entweder als Investor - mit angeblich bis zu 30 Millionen Euro - oder als Kreditgeber könnte Michail Ponomarew dem finanziell taumelnden FCK aus der Patsche helfen. Diese Infos wurden aus Vereinskreisen an die Medien durchgesteckt und werden seit Mittwochabend leidenschaftlich debattiert. Das ist erstmal gar nicht so verkehrt, denn: Lieber vorher über Chancen und Risiken diskutieren, als hinterher über mögliche Fehler klagen.

Wer ist der potentielle FCK-Investor? 2001 gründete Michail Ponomarew in Moskau die Firmengruppe "Energy Consulting Group", die Unternehmen in Bereichen wie Personalverwaltung, Projektplanung, Investitionen und IT-Systeme berät. 2011 wurde eine Europa-Zentrale in Düsseldorf gebildet, seither lebt der heute 44-Jährige in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt und bringt sich auch auf sportlicher Ebene in seine neue Wahlheimat ein.

Düsseldorf: Ponomarews zweifelhafte Zahlungsmoral

Im deutschen Sport tauchte der Name Ponomarew erstmals 2013 auf. Zusammen mit dem Stahl-Unternehmer Peter Hoberg wurde der Russe Gesellschafter beim Eishockey-Klub Düsseldorfer EG und sicherte so die weitere Zugehörigkeit des Traditionsvereins zur Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Das gesetzte Ziel Champions League erreichten die Düsseldorfer zwar unter seiner Führung, Ponomarew sprach aber auch von Meisterschaften und viel Geld, dass er ranholen wolle, steckte Medienberichten zufolge aber kaum eigenes Kapital in die DEG. Die meisten (Millionen-)Summen zahlte demnach sein Mitgesellschafter Hoberg, der den Verein so immer wieder vor dem Kollaps bewahrte. Auch mit der Presse geriet Ponomarew zu seiner Düsseldorfer Zeit mehrmals aneinander, ließ bei kritischen Artikeln auch mal seine Anwälte vorstellig werden.

In Düsseldorf wurde ebenfalls berichtet, dass Ponomarews Geld erst mit großer Verspätung fließe. Beim heutigen Bundesligisten Fortuna, bei dem er sich ebenfalls mal mit einer sechsstelligen Summe engagierte, sei es an der Tagesordnung gewesen, Abmahnungen rauszuschicken, bevor der Russe dann aber doch zahlte. Auch bei der DEG habe es Zahlungsrückstände für gemietete VIP-Logen gegeben, was der Investor selbst nur halbherzig dementierte. Da viele Verträge nicht schriftlich fixiert wurden, wartet die DEG dem Vernehmen auch heute noch auf Geld. Auch dadurch geriet der Klub 2016 finanziell in schwere Not. Sportlich erreichte die DEG tatsächlich die Champions League und auch das DEL Winter Game 2015 holte der Russe in die Stadt.

Im Mai 2016 verkaufte Ponomarew seine Anteile an Hoberg und bezeichnete die DEG im Anschluss in einem Interview als den "unprofitabelsten Klub Europas". Aktuell steht Düsseldorf auf Platz 3 der DEL-Tabelle.

Uerdingen: Sportlicher Erfolg, aber auch fragwürdige Auftritte

Auch im Fußball hat Ponomarew schon seine Spuren hinterlassen, gleichfalls mit Licht und Schatten, aber aus sportlicher Sicht deutlich erfolgreicher als im deutschen Eishockey. 2012 wurde er mit seiner Firma zunächst Hauptsponsor beim damaligen englischen Drittligisten AFC Bournemouth und stieg zusammen mit zwei russischen Landsleuten in den Vorstand ein. Drei Jahre später gelang dem Klub der erstmalige Aufstieg in die Premier League.

Mit der Vision, in den Profifußball zurückkehren, engagiert sich der russische Geschäftsmann seit März 2015 auch beim heutigen Ligakonkurrenten des FCK, dem KFC Uerdingen, wo er als Hauptinvestor und Vereinspräsident quasi allmächtig ist. Sportlich geht es für die Krefelder seither nach oben: In drei Jahren gelangen zwei Aufstiege, von der Oberliga über die Regionalliga in die 3. Liga. Begünstigt durch die Investitionen Ponomarews, der die 50+1-Regel ähnlich wie 1860-Investor Hasan Ismaik und Hannovers Martin Kind als Hindernis sieht. Der gebürtige Moskauer hält etwa 97,5 Prozent der Fußball GmbH, die übrigen 2,5 Prozent hält der e.V., der zur Wahrung der 50+1-Regel offiziell auch die Stimmenmehrheit in der Fußball GmbH besitzt.

Außerhalb des sportlichen Erfolges sorgt Ponomarew aber immer wieder für skurrile Auftritte und Skandale. So soll er nach einem Spiel in der vergangenen Saison mal der Mannschaft in der Kabine die Leviten gelesen oder auch einzelne Spieler nachgeäfft haben. Im Mai dieses Jahres drohte der Russe öffentlich damit, sich aus Uerdingen zurückzuziehen, sollte dem Verein die Drittliga-Lizenz nicht erteilt werden. Die KFC-Verantwortlichen hatten einen Liquiditätsnachweis zu spät erbracht, erhielten die Zulassung vom DFB erst haarscharf im zweiten Anlauf. Die laufende Saison spielen die Uerdinger nicht an der heimischen Grotenburg-Kampfbahn, sondern im Duisburger Exil, was ebenfalls Unzufriedenheit verursacht.

Auch Trainer sitzen unter Ponomarew keineswegs sicher im Sattel. So musste Aufstiegscoach Andre Pawlak noch vor der dem Start der Regionalliga-Saison gehen, Nachfolger Michael Wiesinger erging es im März 2018 nicht besser. Obwohl der Verein zu diesem Zeitpunkt nur zwei Spiele verloren hatte und auf Tabellenplatz zwei stand, musste Wiesinger gehen. Unter seinem Nachfolger Stefan Krämer klopfen die Uerdinger nun tatsächlich an die Tür zur zweiten Liga, hatten zwischendurch - rund um das verlorene Spiel in Kaiserslautern - aber auch schon eine Krise zu überstehen. In der Winterpause wurde mit dem Ex-Lautrer Osayamen Osawe ein weiterer teurer Transfer getätigt.

Neuestes "Spielzeug": Die Krefeld Pinguine - und der FCK?

Vor Beginn dieser Eishockey-Saison wurde bekannt, dass sich Ponomarew Anteile an den Krefeld Pinguinen und deren GmbH gesichert hat. Mit seinem Geld will der Krefelder Traditionsverein wieder an alte Erfolge anknüpfen. Michail Ponomarew hat seine Investitionen in den beiden Sportarten schon immer unterschieden. Eishockey bezeichnete er als "eine Herzensangelegenheit", Fußball sei für ihn "ein Geschäft".

Autor: Flo

Weitere Links zum Thema:

- Rheinpfalz: Diskussionen um Investor Ponomarew (Der Betze brennt)
- Ponomarew dementiert: "Das sind nur Gerüchte" (Der Betze brennt)

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