Reportage: Mit dem FCK durch die 3. Liga

Betze auswärts: Mehr als nur Fußball

Betze auswärts: Mehr als nur Fußball


Das erste Halbjahr des 1. FC Kaiserslautern in der 3. Liga und im Verbandspokal ist Geschichte. DBB-Autor Flo reiste zu den Auswärtsspielen quer durch die Republik und erzählt von Kuriositäten und Erlebnissen abseits des Platzes.

"Eine neue Liga ist wie ein neues Leben" - im Falle der 3. Liga stimmt das sogar irgendwie. Zumindest für mich. Das Auseinandersetzen mit der für den FCK vollkommen neuen Spielklasse beginnt der Tabellensituation in der zweiten Liga geschuldet schon relativ früh im Jahr 2018. Schnell steht für mich fest: In den Osten fahre ich nicht. Viel zu gefährlich. Als Anfang Juli dann der neue Spielplan veröffentlicht wird, erinnere ich mich jedoch an mein altes Credo: Sich nicht nur die Dinge erzählen lassen, sondern selbst seine Erfahrungen machen. Bis hierher nur so viel: Bis zum Jahresende werde ich alle FCK-Pflichtspiele live im Stadion gesehen haben, meistens im Gästeblock, manchmal auch auf der Pressetribüne für Der Betze brennt. Doch der Reihe nach...

In Großaspach schlägt die 3. Liga zum ersten Mal zu

Anfang August ist es also soweit. Relativ früh machen wir uns am Morgen dieses heißen Sommertages auf den Weg zum ersten Auswärtsspiel der Saison nach Großaspach. Auf dem Hinweg passieren wir das bekannte Hotel Sonnenhof, wenige Minuten später sind wir auf dem Stadionparkplatz. Stadionparkplatz? Es ist wohl eher ein besserer Acker, den man zum Spiel gegen den FCK als Abstellmöglichkeit für Autos nutzt. Auch im Stadioncatering wird die Überforderung relativ schnell deutlich, die Kombination aus über 6.000 Gästefans und der Hitze passt irgendwie nicht recht zusammen. Schnell bilden sich lange Schlangen, selbst als ich zehn Minuten nach dem Anpfiff noch mal aus dem Block gehe, ist immer noch nichts zu machen. Obwohl die Menschen hinter der Theke ihr menschenmöglichstes tun, sie können den Ansturm an diesem Nachmittag nur langsam bewältigen. Im oberen Teil des Gästeblocks müssen die Fans einen Teil der Werbeplakate abmontieren, um Frischluft zu bekommen.

Nur eine Woche später geht es nach Halle - wir hatten die Fahrt vor dem Anpfiff des Heimspiels gegen Münster ausgemacht. Diesmal auf die Pressetribüne. "Für Akkreditierungen ist es nie zu spät", lässt mich der Pressesprecher des HFC drei Tage vor dem Spiel wissen. Gesagt, getan. Alles ist naturgemäß zwei Nummern kleiner als in Kaiserslautern, aber für einen Klub wie Halle genau angemessen. Das schmucke kleine Stadion beeindruckt mich. Drei Wochen später wird die These "Man sollte nicht zum Fußballgucken in den Osten fahren" ein weiteres Mal widerlegt. In Zwickau verläuft alles reibungslos. Der provisorische Gästeparkplatz liegt zwischen mehreren Plattenbauten, die Ordner dort sind nett. Wir kommen sogar in ein nettes Pläuschchen mit ihnen: "Wie lange stehen sie denn schon hier?" Das sei seit morgens um acht Uhr der Fall, antwortet ein Herr in sächsischem Dialekt.

In Jena ist das Mitte September allerdings ein wenig anders. Weil wir Karten für die Haupttribüne haben, müssen wir auf die gegenüberliegende Seite des Gästeblocks. Augen aufhalten ist angesagt. Auf dem Vorplatz der Tribüne ist aber alles wieder entspannt, aufgrund des atemberaubenden Spiels gibt es jedoch am Rande des Gästeblocks ein bisschen Ärger, der aber von beiden Seiten ausgeht. Ein erstes Negativerlebnis der Auswärtssaison. Wir kommen im Verlauf der Partie mit ein paar Jenaern ins Gespräch, sie freuen sich über ihre Tore, wir uns über unsere. Nach Abpfiff wird sich noch viel Glück für die Restrunde gewünscht und ab geht es nach Hause.

Komischer Getränkemix in Braunschweig

"Pures Bier darf ich heute nicht ausschenken", heißt es im Gästeblock drei Tage später in Braunschweig. Es gibt nur "Radler", allerdings in einer speziellen Mischung: Zu 97 Prozent ist Bier im Becher, der Rest ist Limo. Nun ja. Es schmeckt so "gut", dass es neben einer Cola zum Nachspülen mein einziges Getränk im Stadion an diesem Spieltag ist. Dann folgt die Lautrer Premiere im Verbandspokal in Idar-Oberstein. Auf den Presseplätzen - es sind Bierzeltgarnituren aufgestellt - gibt es nur wenig Steckdosen, das Internet ist schlecht. Vor Anpfiff bin ich bei einem Lokalsender als Gesprächspartner zu Gast. Wenigstens die Ergebnismeldung kann man posten, für den Spielbericht und die Fotos bedienen wir uns im WLAN unseres Grill-Gastgebers, bei dem wir anschließend noch eingeladen sind. Trotz unserer Technik-Probleme ein schöner Ausflug in den Hochwald, wie uns auch die Fans aus den anderen Stadion-Bereichen bestätigen.

In Osnabrück müssen die FCK-Fans außerhalb des Gästebereichs dann ihre Fanartikel unter der Jacke verstecken, alternativ ihr Trikot auf links drehen, um ins Stadion zu kommen. Viele werden aus den neutralen Bereichen in den eigentlichen Sitzplatzblock für Gästefans gelotst, der Supervisor des Osnabrücker Ordnungspersonals läuft denselben Weg gefühlt 50-mal. Weil der VfL die Begegnung intern zunächst als Risikospiel eingestuft hatte und erst wenige Tage vorher auf "Grün" korrigierte, war es zu diesem kleinen Chaos gekommen.

Im Verbandspokal muss improvisiert werden

Nach der Länderspielpause und einem Heimspiel gegen Uerdingen geht es zum Verbandspokal nach Pirmasens, immerhin ein Regionalligist. Organisatorisch ist es aber zwei Klassen schlechter, jedenfalls wenn man wie wir für die zuhause gebliebenen FCK-Fans einen Live-Ticker anbieten möchte. Plötzlich sitzen wir mit Akkreditierung und Laptop, aber ohne irgendwelche Infos im VIP-Raum, auf der Tribüne gibt es kein WLAN und diesmal funktioniert auch das Mobilfunknetz nicht wirklich. Manche Sitzplatzbesucher müssen sogar stehen - dem Modus "freie Platzwahl" sei dank. Wir müssen also erneut improvisieren, der Ticker geht in die Hose, der Rest klappt irgendwie. Den Spielbericht poste ich nach Abpfiff aus einem Pirmasenser McDonalds.

In Aalen sind wir am darauffolgenden Montagsspiel so früh vor Ort, dass das Stadion noch nicht geöffnet ist. Und wenn man das Polizeiaufgebot an diesem frühen Abend nicht sehen würde, hier käme niemand auf die Idee, dass hier gleich ein Fußballspiel stattfindet. Jedenfalls kehren wir in der Vereinsgaststätte des naheliegenden SSV Aalen ein. In gemütlicher Runde mit anderen Fans Schnitzel essen und ein Bier trinken, auch das ist 3. Liga. Bei der Partie in Rostock ist das erwartungsgemäß nicht möglich. Statt Schnitzel mit Pommes sehen wir dort auf dem Weg zum Stadion Wasserwerfer und ein paar Mittelfinger. Die weiteste Auswärtsfahrt der Saison überbrücken wir durch eine Übernachtung in Hamburg von Freitag auf Samstag. Am Sonntagmorgen um vier sind wir zurück in Kaiserslautern. Zum ersten Mal bezeichnen mich meine Freunde in dieser Saison als "verrückt" - aber was ist bitteschön verrückt daran, unserem FCK in allen Lebenslagen und erst recht in der Krise zu folgen?!

Das Verbandspokalspiel gegen Gau-Odernheim findet zum Glück am Mittwoch danach in Worms statt - die kürzeste Anreise für mich in dieser Halbserie. Mit dem Laptop auf den Oberschenkeln versuchen wir die Daheimgebliebenen wieder bestmöglich zu informieren, denn die Pokalspiele werden bekanntlich nicht im Fernsehen übertragen. Das nächste Auswärtsspiel in der 3. Liga führt die Roten Teufel dann nach Unterhaching. Eigentlich will ich bei einem Freund in München schlafen, der ist aber kurzfristig in Moskau. Schnell muss ich also ein einigermaßen günstiges Hotelzimmer suchen, was am Ende auch gelingt. Nach einem kurzen Aufenthalt im Brauhaus geht es in einem etwas längeren Fußweg von der S-Bahn-Station im Dauerregen zum Stadion. Dort kann man vor dem Spiel hinter der Heimkurve an der Vereinsgaststätte der Hachinger in lockerer Atmosphäre noch das ein oder andere Bier trinken - schön.

Keine Nacktkontrollen in Meppen

Zwei Wochen später sitze ich wieder in einem Vereinslokal, dieses Mal in dem des SV Meppen. Vorher habe ich irgendeinem Spieler der Gastgeber die Hand geschüttelt. "Das ist bei uns immer so. Hier ist noch alles sehr familiär", erzählt mir Sven, mit dem ich vor dem Spiel auch das Gegner-Interview geführt hatte. Irgendwie ein völliger Kontrast zum FCK. Die erneut über tausend mitreisenden FCK-Fans hatten im Vorfeld der Partie unwürdige Ganzkörperkontrollen befürchtet, weil es wenige Wochen zuvor den Anhängern des KSC so ergangen war - dazu kam es aber zum Glück nicht.

Zum Abschluss dieses auf dem Platz katastrophalen Jahres geht zu den Münchner Löwen ins kultige Grünwalder Stadion. Von der Fan-Party vor der Partie werde ich an Weihnachten vielen Verwandten und Freunden erzählen - einfach eine super Veranstaltung. Imponierend empfinde ich an diesem Tag auch die Gastfreundschaft, die den FCK-Fans in München entgegenschlägt. Das wird in dieser Saison sicher einzigartig bleiben.

Mehrmals habe ich in diesem halben Jahr den Satz "Für Fußball fahre ich schon lange nicht mehr auswärts mit" gehört. Für die Restrunde hoffe ich, dass man auch auf dem Platz mal wieder was zu feiern hat. Den immer zahlreich mitreisenden FCK-Anhängern wäre es zu gönnen. Am besten schon beim nächsten FCK-Spiel in der Fremde am 1. Februar 2019 in Münster. Ich werde da sein.

Welche Erfahrungen habt Ihr bei den bisherigen Auswärtsspielen des FCK in der 3. Liga gesammelt? In welcher Stadt und in welchem Stadion war es besonders angenehm und wo gab es eher unschöne Erlebnisse? Erzählt uns davon im Diskussionsforum von Der Betze brennt!

Autor: Flo

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