Kummt Senf druff

Zu viel Zeit verschenkt

Zu viel Zeit verschenkt


Die Trennung von Michael Frontzeck kommt für den 1. FC Kaiserslautern mehrere Monate zu spät. Schrammen hat in der Trainer-Frage vor allem das Ansehen von Sportchef Martin Bader bekommen.

Es war noch Spätsommer, als ein guter Zeitpunkt gekommen war, um beim FCK einen Neuanfang zu wagen - ohne Michael Frontzeck. Die Roten Teufel waren nach dem emotionalen Auftaktspiel gegen 1860 München in einen Negativstrudel geraten und rutschten in die Abstiegszone. Die schon in den entscheidenden Spielen der Rückrunde sichtbaren Fehler traten wieder zutage: Taktische Mängel, leichtfertige verspielte Punkte, fehlende Balance, harmlose Standards und ein Coach, der all das mit zum Teil wunderlichen Rechtfertigungen abtat, ließen den FCK das angepeilte Saisonziel relativ schnell aus dem Auge verlieren.

Die Verantwortlichen klammerten sich jedoch an den Status quo, hielten am Trainer fest. Nur wenige Wochen später war das optimale Zeitfenster zu, die Chance, einen Schnitt zu vollziehen und trotzdem noch ausreichend Zeit zu haben, verpasst. Für eine Trainerdiskussion war daher in der Folge eigentlich kein Platz mehr, vor allem Sport-Geschäftsführer Bader schien alles auf eine Karte zu setzen. Nun müssen sich er, aber auch andere Vereinsverantwortliche, wie der Vorsitzende des Aufsichtsrates Patrick Banf, den Vorwurf gefallen lassen, viel zu viel Zeit verschenkt zu haben.

Kritik wurde nicht nur einmal deutlich abgetan

Warnungen gab es genug, doch sie wurden überhört, stattdessen auf die Medien geschimpft oder das - zum wievielten Male eigentlich? - angeblich so ungeduldige Umfeld beklagt. Sind die Ansprüche denn wirklich zu hoch, wenn man sich als Fan wieder Zweitliga-Spiele gegen Sandhausen und Heidenheim "wünscht" oder einfach nur einen Heimsieg gegen Wehen Wiesbaden? Schiedsrichter-Schelte, fehlendes Glück oder individuelle Fehler hielten in dieser Phase oft genug als Begründung für liegengelassene Punkte her. Was dabei übersehen wurde: Das FCK-Team war häufig von spielentscheidenden Details abhängig, weil es schon zuvor kaum mal ein Spiel komplett dominieren und auf seine Seite ziehen konnte. Kritik wurde allerdings vor und hinter den Kulissen nicht nur einmal deutlich, ja sogar arrogant abgetan.

Die Rechnung gibt es jetzt, das Offensichtliche ist eingetreten. Klubführung, der Aufsichtsrat, Mannschaft und Fans stehen wegen des zu langen Festhaltens am falschen Trainer vor einem Scherbenhaufen. Der FCK ist der Abstiegszone näher als den Spitzenplätzen. Der Rückstand nach oben beträgt zehn Punkte. Das Spiel auf Zeit ist kolossal schiefgegangen, fast eine Halbserie ist vorbei. Geschäftsführung und Aufsichtsrat hätten mehr Mut aufbringen müssen, um frühzeitig gegenzulenken. Nicht nur Sportchef Bader, der in den vergangenen Tagen erstaunlich defensiv kommunizierte, muss sich Vorwürfe gefallen lassen. Sein Ansehen hat erste Schrammen bekommen.

Nun muss ein absoluter Glücksgriff her

Mut ist spätestens jetzt gefragt. Nur ein absoluter Glücksgriff in der Nachfolger-Suche wird den FCK noch einmal in die Nähe der oberen Ränge führen. Ein Glücksgriff, der den kompletten Klub nachhaltig nach vorne bringt und der im Fall der Fälle spätestens in der kommenden Saison die überlebensnotwendige Rückkehr in die zweite Liga hinbekommt. Eine weitere Fehleinschätzung wäre verheerend.

Autor: paulgeht

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