Spielbericht: Hansa Rostock - 1. FC Kaiserslautern 4:1

Erst Knalleffekt, dann Offenbarungseid

Erst Knalleffekt, dann Offenbarungseid


Bei Hansa Rostock geht der 1. FC Kaiserslautern mit 1:4 unter. Die mitgereisten Fans reagieren ob der gebotenen Leistung ihrer Mannschaft mit wütenden Pfiffen.

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Die längste Auswärtsfahrt der Saison führte rund 1.000 FCK-Anhänger an diesem nass-kalten Novembersamstag nach Rostock zum gastgebenden FC Hansa. In fünf Fanbussen, weiteren Neunsitzern oder per PKW schlugen sich die meisten von ihnen die Nacht um die Ohren, einige zogen vor oder nach dem Spiel aber auch eine Übernachtung unterwegs in Hamburg vor. Busse und Neuner wurden rund 30 Kilometer vor dem Ziel auf einem Rastplatz gesammelt und im Konvoi gen Gästeparkplatz auf der Südseite des Rostocker Hauptbahnhofs geleitet.

Während der Fahrt in Shuttlebussen konnten die FCK-Fans bereits sehen, was sie rund um das mit gut 16.000 Zuschauern gefüllte Ostseestadion erwarten sollte: Zwei Wasserwerfer, ein Hubschrauber und ein selbst für Rostocker Verhältnisse großes Polizeiaufgebot sicherten den Gästeblock ab. Wohl durch die Vorfälle aus dem Pokalspiel gegen Nürnberg aufgescheucht, wollte die Rostocker Polizei diesmal auf Nummer sicher gehen und hatte Verstärkung aus Hamburg, Schleswig-Holstein und sogar zwei BFE-Staffeln aus Rheinland-Pfalz angefordert.

Gottwalt sorgt für Top-Start

Das sportliche Duell mit dem FCH begann für die FCK wie gemalt. Bereits nach sechs Minuten verwertete Lukas Gottwalt eine Ecke von Theo Bergmann zum 1:0! Riesiger Jubel im heute sangesfreudigen Gästeblock, während in der direkt benachbarten Heimkurve schon die ersten Rostocker zur Attacke blasen wollten. Dieser Knalleffekt hätte den Roten Teufeln eigentlich Sicherheit geben müssen, sie gaben das Spiel aber innerhalb einer Viertelstunde völlig aus der Hand. In der 22. Minute startete Linksverteidiger Dominik Schad ins Laufduell mit Merveille Biankadi, fiel nach viel Körperkontakt zu Boden, Schiedsrichter Oliver Lossius ließ aber weiterspielen und so war es für Rostocks Stürmer Marco Königs ein Leichtes, den Ausgleich zu erzielen. Was folgte, waren wütende Proteste der nahezu gesamten Lautrer Mannschaft plus Trainer. Der FCK und die Drittliga-Schiedsrichter - ein mehr als leidiges Thema in dieser Saison.

Auf einmal war Hansa im Spiel und entschied selbiges gegen einen völlig konfusen FCK noch vor der Pause. Kevin Kraus und Theo Bergmann konnten eine Flanke nicht entschärfen und Kai Bülow traf per Fernschuss ins rechte untere Eck. Nur zwei Minuten später spielte Jan Löhmannsröben einen Fehlpass, FCK-Kapitän Florian Dick war nicht auf der Höhe und ließ den bereits erwähnten Biakandi einfach laufen. Dieser überwand Wolfgang Hesl zur 3:1-Halbzeitführung für die Gastgeber, womit der FCK noch gut bedient war. Von der 20. bis zur 45. Minute lief bei den Roten Teufeln gar nichts zusammen.

Rostock dreht das Spiel - Keine Antworten vom FCK

Zu Beginn der zweiten Halbzeit brachte Michael Frontzeck Elias Huth für Theo Bergmann, der bis auf die Vorlage zum 1:0 wenig zustande gebracht hatte. Der FCK-Coach hätte aber auch drei oder vier andere Spieler auswechseln können. Das Spiel seiner Mannschaft jedenfalls wurde nur wenig besser. Die Rostocker stellten das Zentrum geschickt zu und wie schon beim Spiel zuvor gegen Cottbus bewegten sich die Lautrer zu wenig ohne Ball. So kann auch in Zukunft eine dicht gestaffelte Abwehrkette nicht überwunden werden und Timmy Thiele wird noch länger ohne Treffer bleiben!

Dieses Malheur versuchte Frontzeck durch zwei weitere Neue auf den Außenpositionen im Mittelfeld zu beheben. Nach 62 Minuten ersetzten Hendrick Zuck und Florian Pick Christoph Hemlein und Christian Kühlwetter. Vor allem Kühlwetter stand in der Partie völlig neben sich, Hemlein schlug sich nur wenig besser. Trotzdem konnte der FCK nur wenige Chancen erspielen. Rostocks Ioannis Gelios zeigte eine Glanzparade gegen Hendrick Zuck, nachdem kurz zuvor Thiele und Löhmannsröben den Ball nicht über die Linie drücken konnten. Hansa wartete auf den einen Konter und dieser kam rund zehn Minuten vor dem Abpfiff. Wieder war der FCK auf dem Flügel nicht bei der Sache und Hansas Torjäger Cebio Soukou verwertete eine Hereingabe zum 4:1. Zu diesem Zeitpunkt war die Heimkurve natürlich längst obenauf und teilweise stimmten alle vier Tribünen in den Support der Rostocker Ultras ein. Für den FCK hätte Thiele kurz vor dem Ende noch sein langersehntes Tor erzielen können, als er frei vor Gelios auftauchte: Es wäre allenfalls Ergebniskosmetik gewesen.

Gellende Pfiffe nach dem Spiel

Nun waren die FCK-Fans im Gästesektor endgültig bedient und stellten den bis dahin guten Support - wenn man bedenkt, dass auf dem Spielfeld nur wenig Aufbäumen zu sehen war - komplett ein. Nach dem Schlusspfiff folgte ein gellendes Pfeifkonzert der Kurve, die Mannschaft traute sich aber nicht richtig zu den Fans und zog nach wenigen Sekunden auch wieder ab. Bierbecher flogen und auch vereinzelte "Frontzeck raus"-Rufe waren zu vernehmen, ehe es für die tausend Mitgereisten dann wieder hieß: Polizeibegleitung, Shuttlebus und ab auf die knapp 800 Kilometer lange Heimreise.

Die vergangenen Spiele haben gezeigt: Für Mannschaft und Trainerteam steht in der Länderspielpause viel Arbeit an. Spielerisch, taktisch und auch was die Einstellung anbelangt. Will der FCK das Ziel Wiederaufstieg, das nach der Leistung von Rostock erneut in weiter Ferne scheint, doch noch erreichen, müssen vor der Winterpause noch ein paar Dreier her. Am besten schon am nächsten Spieltag zuhause gegen Wiesbaden. Am kommenden Mittwoch steht nun aber erstmal das Verbandspokal-Viertelfinale in Worms gegen Verbandsligist Gau-Odernheim auf dem Programm. Ein Pflichtsieg.

Autor: Flo

Weitere Links zum Thema:

- Stimmen zum Spiel | Frontzeck: "4:1 hört sich zu deutlich an" (Der Betze brennt)

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