Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - KFC Uerdingen 2:0

Zur rechten Zeit

Zur rechten Zeit


In seinem bislang wohl besten Saisonspiel fertigt der 1. FC Kaiserslautern den prominent besetzten KFC Uerdingen mit 2:0 ab. Der Betze feiert am Ende erleichtert. Die Leistung - vor allem aber den mit Blick auf die kommenden Wochen fast lebenswichtigen Dreier.

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Rund um den Betzenberg wird an diesem Samstag und in den Tagen davor viel in der Vergangenheit geschwelgt. Erinnerungen werden wach an das ereignisreiche 7:3 der Roten Teufel in der Meistersaison 1990/91 gegen Uerdingen in der Grotenburg-Kampfbahn, aber auch an keine geringere Begegnung als das sogenannte "Jahrhundertspiel". DIe Mutter aller Lautrer Siege, als auf den Tag genau vor 45 Jahren die Münchner Bayern nach 1:4-Rückstand noch mit 7:4 aus dem Stadion geschossen wurden.

Trotz Weltmeister und Bundesliga-Torjäger: Ein Dreier muss her

Welch glorreiche Zeiten. Die Realität im Jahr 2018 sieht anders aus. "Oben angreifen oder nach unten orientieren?", ist der Vorbericht auf Der Betze brennt zum Spiel gegen den KFC Uerdingen überschrieben. Nach elf Spielen in der 3. Liga rangiert die Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck im Mittelfeld der Tabelle. Für einen Stimmungsaufheller vor dem langsam aber sicher kommenden grauen Herbstwochen braucht es dringend einen Dreier. Zumal die vor der Saison besonders ambitioniert verstärkten Krefelder dem nicht minder stark ambitionierten FCK bei einer weiteren Niederlage schon auf satte elf Zähler enteilen können.

21.179 Zuschauer - darunter beachtliche 1.200 Gästefans, die ihr Team mit einer kleinen Choreographie willkommen heißen - sind im Fritz-Walter-Stadion dabei und wollen mithelfen, um genau das zu verhindern und stattdessen die Aufholjagd der Roten Teufel wiederzubeleben. Die hatte vor der Länderspielpause bei der Niederlage beim VfL Osnabrück einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Doch auch die 90 Minuten gegen die unter anderem mit Weltmeister Kevin Großkreutz und dem früheren Erstliga-Torjäger Stefan Aigner auflaufenden Uerdinger beginnen eher etwas träge.

Löh auf Thiele: Nur die Tore wollen nicht fallen

Es ist schon fast eine halbe Stunde absolviert, bis es auf dem Rasen zum ersten Mal richtig hoch her geht. Nach Zuspiel von Jan Löhmannsröben taucht Timmy Thiele mit freier Schussbahn vor dem Tor der Gäste auf, kann mit seinem Abschluss aus 20 Metern den Krefelder Schlussmann René Vollath aber nicht überwinden. Wenig später scheitert Thiele erneut - dieses Mal aus sehr spitzem Winkel. Seine Chance in der 32. Minute zählt dann aber schon wieder zur Kategorie: "Den muss er machen". An allen drei Möglichkeiten hat Löhmannsröben mit starken Pässen seine Aktien. Das kongeniale Duo aus Jena funktioniert also auch beim FCK, nur bekommt Thiele den Ball momentan einfach nicht im Kasten unter.

Immerhin bestimmt der FCK jetzt klar das Spiel - und es spricht auch für den Angreifer, dass er trotz der vermasselten Gelegenheiten weiter Akzente setzt. Kurz vor der Pause dribbelt sich Thiele über die linke Seite energisch durch und wird im Strafraum halb von Dominic Maroh, halb von Christopher Schorch zu Fall gebracht. Elfmeter für den FCK. Anstelle des Gefoulten übernimmt Theo Bergmann die Verantwortung und setzt die Kugel ganz genau zum 1:0 ins rechte untere Eck (43.). Die Führung wirkt befreiend. Einer tollen Kombination über Julius Biada, der anstelle von Gino Fechner in die erste Elf gerückt ist, Dominik Schad und Christoph Hemlein per Kopf bleibt der Torerfolg noch hauchdünn verwehrt. Gegen einen satten Distanzschuss von Hemlein aus 22 Metern ins rechte Eck ist dann aber kein Kraut gewachsen. Nach 56 Minuten ist der FCK mit 2:0 klar auf der Siegerstraße.

Hemlein aus dem Hinterhalt: "Ein Schuss, ein Tor, die Lautrer"

"Wir singen und tanzen auf jedem Fußballplatz. Ein Schuss, ein Tor, die Lautrer", singt die Westkurve nach dem sehenswerten Treffer des wie Biada in die Startformation zurückgekehrten Flügelmanns. Nur in einigen wenigen Momenten nach der 70. Minute muss noch etwas gezittert werden, danach können die Siegesfeierlichkeiten auf dem Betze endgültig beginnen. "Ein Leben lang, Rot-Weiß-Rot ein Leben lang" - in den letzten Minuten lässt sich die Erleichterung auf dem Betze förmlich greifen. Auf der Süd- und auf der Nordtribüne hält es niemanden mehr auf den Sitzen. Auch die Lautrer Spieler genießen sichtlich die finalen Momente der Partie und den anschließenden gemeinsamen Jubel vor Fans und Kurve.

Doch wohin führt er nun der Weg der Roten Teufel in dieser Saison? Eine endgültige Antwort auf diese Frage möchte man auch nach dem Uerdingen-Spiel nicht wirklich geben. Dass sich die Lautrer in der Liga aber vor keinem Gegner verstecken brauchen, wird nach nun zwölf absolvierten Saisonspielen immer deutlicher. Sechs Punkte sind es bis auf weiteres bis zur Tabellenspitze. Im schlechtestens Fall hätten es auch elf sein können. Insofern wird es der 2:0-Sieg zwar nicht in die Geschichtsbücher schaffen, für das hier und jetzt kann seine Bedeutung aber kaum hoch genug eingeschätzt werden.

Autor: Ingo

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