Spielbericht: VfL Osnabrück - 1. FC Kaiserslautern 2:0

Verpasste Chancen

Verpasste Chancen


Der FCK lässt beim 0:2 in Osnabrück einiges liegen. Nicht nur eine ganze Reihe guter Torchancen, sondern auch die Möglichkeit, nach verpatztem Saisonstart auf Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen zu gehen. Die stimmungsvolle Bremer Brücke hätte dafür den passenden Rahmen geboten.

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So bitter wie bei den auf den letzten Drücker verpassten Siegen in Zwickau, Jena oder zu Hause gegen Köln ist es dieses Mal nicht. Dennoch steht die Nachspielzeit auch in der Partie des 1. FC Kaiserslautern beim VfL Osnabrück nicht auf der Seite der Roten Teufel. Fünf Minuten dauert die Zugabe im Stadion an der Bremer Brücke. Torwart Wolfgang Hesl bringt einen letzten Freistoß in den Strafraum der Gastgeber, der Schuss von Julius Biada wird geblockt, ehe sich Marcos Alvarez gegen komplett aufgerückte Lautrer mutterseelenallein auf den Weg zum Treffer zum 0:2-Endstand macht. Die Entscheidung in einem über weite Strecken packenden Schlagabtausch, mit dem die kleine FCK-Serie von zuletzt zwei Siegen und insgesamt sechs Spielen ohne Niederlage ein Ende findet.

Auf Augenhöhe, aber am Ende mit leeren Händen

Den mitgereisten Fans der Roten Teufel bleibt einmal mehr nichts anderes übrig, als der Mannschaft nach dem Schlusspfiff aufmunternden Applaus zu spenden. "Lautrer geben niemals auf", heißt es wie so oft in den vergangenen Monaten aus dem Gästeblock. Dass es daneben nur zu wenigen wahrnehmbaren Unmutsbekundungen kommt, haben die Gäste ihrer in der ersten Halbzeit sehr ordentlichen Vorstellung zu verdanken. Nach einigen Unkonzentriertheiten und Schreckmomenten zu Beginn dominiert der FCK bis zur Pause klar und hat durch Janek Sternberg, Timmy Thiele und Hendrick Zuck gleich mehrere gute Gelegenheiten, um seine Überlegenheit auch auf der Anzeigetafel sichtbar zu machen. Was fehlt an diesem noch einmal richtig sommerlichen Samstagnachmittag ist die Schussgenauigkeit. Am dichtesten dran an der Führung ist Sternberg, der in der 11. Minute mit einem Abschluss auf die kurze Ecke nur den Pfosten trifft.

Bei allem berechtigten Hadern mit den ausgelassenen Chancen sollte man jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass die Lautrer nach der schläfrigen Anfangsphase mit drei Ecken für den VfL nach nicht einmal acht Minuten sowie einem Fast-Eigentor durch den für Lukas Gottwalt in die Innenverteidigung zurückgekehrten André Hainault auch beim Start des zweiten Durchgangs nicht ganz auf der Höhe sind. Die Quittung kommt in Form des 0:1-Rückstands durch einen sehenswerten Treffer von Manuel Farrona Pulido nach knapp einer Stunde ins Kreuzeck, dem die Roten Teufel im weiteren Spielverlauf dann nicht mehr so viel entgegenzusetzen haben. Zwar bringt Trainer Frontzeck in der Schlussphase mit Christoph Hemlein, Elias Huth und Julius Biada drei frische Offensivkräfte. Richtig zwingend sind die Versuche durch einen Freistoß von Theo Bergmann sowie einen Distanzschuss von Hemlein aber nicht. Huth scheitert später bei der besten Chance am gut reagierenden VfL-Schlussmann Nils-Jonathan Körber. Da steht das Spiel aber auch schon kurz vor dem Abpfiff.

Alles für den Klub: FCK-Fans trotzen Staus und Pannen

Die nicht genutzten Möglichkeiten der ersten Halbzeit sind nach dem Abpfiff das Hauptthema bei den Lautrer Spielern, die zudem zurecht betonen, dass man beim alten und nun auch neuen Tabellenführer doch keinesfalls die schlechtere Mannschaft gewesen sei. Punkte gibt es für diesen vermeintlichen Verdienst jedoch keine. Und wird dieser durch den am Samstag ebenfalls oft gehörten Verweis auf die Ausgeglichenheit der Liga nicht auch ein gutes Stück weit relativiert? Hatte der FCK vor der Saison nicht einen anderen Anspruch formuliert, dem er durch die dritte Saisonniederlage weiter hinterherhinkt? Die Wahrheit ist doch eher, dass die Lautrer als Folge des verpatzten Saisonstarts keinen Unterschied machen können zwischen einer aktuellen Spitzenmannschaft wie Osnabrück und einem Team vom unteren Ende der Tabelle.

Neben der Chance auf Tore, Punkte und einem besseren Tabellenplatz wäre die Partie im kleinen, ganz engen und schon mit weniger als 13.000 Zuschauern bestens gefüllt wirkenden Stadion an der Bremer Brücke auch eine gute Gelegenheit gewesen, um nach dem Eröffnungssieg gegen 1860 München ein weiteres emotionales Ausrufezeichen zu setzen. Knapp 1.500 FCK-Fans hatten sich bei herrlichem Oktoberwetter auf den weiten Weg gemacht, um der Mannschaft im erwarteten Hexenkessel den Rücken zu stärken. Lautstark und allen Widrigkeiten zum Trotz - die Besatzung eines Schary-Busses erreichte das Stadion wegen einer Panne erst in der zweiten Halbzeit, FCK-Fans in den Nachbarblöcken wurden umgesetzt oder mussten ihre Trikots auf links drehen, am Eingang kam es zeitweise zu längeren Wartezeiten - tragen sie ihren Teil zu einer packenden Atmosphäre bei, wie man sie sich als Fußballprofi nur wünschen kann.

Hätte, wäre, wenn: Neuer Anlauf nach der Länderspielpause

Viel stimmungsvoller als an der Bremer Brücke dürfte es auswärts in dieser Drittliga-Saison selten werden und wie hätte der rot-weiße Gästeblock die Mannschaft wohl bei einer Führung weiter durch das Spiel getragen? Wie wäre es gewesen, in der Ecke mit den Betze-Fans frenetisch einen womöglich späten Siegtreffer zu feiern? Und wie ausgelassen wäre die Party nach dem Spiel zur Fortsetzung der Lautrer Aufholjagd wohl ausgefallen? Alles Fragen, die nach dem Spielverlauf nur im Konjunktiv beantwortet werden können. Stattdessen beschwören sich Fans und Team gegenseitig, nicht aufzugeben. Nach der Länderspielpause wartet mit dem Heimspiel gegen den KFC Uerdingen die nächste Gelegenheit. Die Chance, in Osnabrück ein ganz starkes Signal an die Liga zu senden, ist leider verstrichen.

Autor: Ingo

Weitere Links zum Thema:

- Stimmen zum Spiel | Frontzeck: "Spiel in erster Halbzeit verloren" (Der Betze brennt)

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