Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - Sportfreunde Lotte 2:1

Das nackte Ergebnis zählt

Das nackte Ergebnis zählt


Der FCK ist in der englischen Woche von Platz 16 auf 7 geklettert und hat damit eine wichtige Etappe gemeistert. War das nun die Wende zum Guten? DBB-Autor Dominic Bold schwankt noch zwischen Freude und Vorsicht.

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Am Ende einer englischen Woche hat der 1. FC Kaiserslautern mit dem zweiten Heimsieg seine Punktausbeute innerhalb von acht Tagen verdoppelt und sich in die erste Tabellenhälfte geschoben. Zwischenhoch oder wirkliche Wende - darüber gehen die Meinungen noch auseinander, wenn man sich unter den Stadionbesuchern des 2:1 gegen die Sportfreunde Lotte umhört.

Die unterschiedlichen Wahrnehmungen lassen sich trefflich anhand der ersten 45 Minuten erklären. Der zufriedene Teil des FCK-Anhangs verweist auf die stark verbesserte Organisation des Defensivverhaltens. Die Lautrer schafften es nicht nur, die Zweikämpfe um den Ball weit genug weg vom eigenen Tor zu führen, sondern die überwiegende Mehrheit auch zu gewinnen, so dass die gefürchtete Konterstärke der Lotter nie zum Tragen kam. Wobei wohl nicht nur die knapp 400 im Sonderzug angereisten Fans der Westfalen deutlich mehr von ihrer Mannschaft erwartet hatten, die ja unter ihrem neuen Trainer einen richtigen Lauf hatte. Das Fritz-Walter-Stadion schien auch für die weiß-blaue Elf lediglich das Ziel eines Betriebsausflugs, bei dem man das gegnerische Tor höflichst nicht belästigen sollte.

Fechner korrigiert die Mängelliste

Die Krux aus Lautrer Sicht war, dass man trotz aller Spielkontrolle es ebenfalls kaum schaffte, den Puls der eigenen Anhänger durch eigene Torchancen deutlich zu heben. Dies gelang öfters ungewollt, wenn das erkennbare Bemühen, den Ball möglichst schnell in die Spitze zu spielen, zu Lasten der Präzision ging. Die massierte Lotter Deckung über ein eigenes Flügelspiel zu knacken, gelang nicht mal im Ansatz. Dass trotz der drückenden Überlegenheit nur selten eine Spielidee aufblitzte, die nicht darin bestand, Timmy Thiele lang zu schicken, belässt trotz der jüngsten Siege einen Rest an Unbehagen. Zumal aus sechs Eckbällen exakt 0,0 Torgefahr resultierte - diesen Luxus sollte sich die Mannschaft nicht länger erlauben.

Gestern konnte sie es unter anderem deshalb, weil der FCK die 45 Minuten geführte Mängelliste in der Nachspielzeit (!) der ersten Hälfte selbst korrigierte und mit einem schönen Angriff über die rechte Seite zur dennoch verdienten 1:0-Pausenführung traf, als Zuck gekonnt für Fechner auflegte und dieser die Entschlossenheit zeigte, die der Offensive bis dato zu stark abging.

Ein Häppchen für die Feinschmecker

Mit diesem Treffer im Rücken spielten die Roten Teufel in der zweiten Hälfte deutlich zielstrebiger Richtung Westkurve. Christian Kühlwetter (nach Abschlag von Wolfgang Hesl), Theo Bergmann und Lukas Gottwalt hatten in den ersten 15 Minuten nach dem Wechsel die Chance, die Partie vorzuentscheiden. Doch während die Befürchtungen wuchsen, ein einziger Konter könnte das Spiel auf den Kopf stellen, veredelte Hendrick Zuck den schönsten Spielzug des Tages über Thiele und Bergmann, die jeweils per Hacke auflegten, zum 2:0 (63.). Das war dann doch ein Häppchen für die Fußball-Feinschmecker.

Wie eng bei dieser Mannschaft (und in dieser Liga) Himmel und Hölle zusammenliegen, offenbarte sich in den letzten fünf Minuten. Obwohl die Lautrer das Spiel bis dahin absolut kontrollierten, reichte ein nicht gegebener Foulelfmeter an Jan Löhmannsröben, um eine Unruhe zu generieren, von der Lotte fast noch profitiert hätte. Doch der erste gefährliche Ball der Gäste landete zum Glück nicht im Netz, sondern am Pfosten (88.). Wie anfällig der FCK in solchen Phasen schlagartig wird, beweist der späte Anschlusstreffer durch Al-Azaimeh (90.+2). Denn unabhängig davon, dass er aus klarer Abseitsposition erzielt wurde, hätte der Ball vorher längst geklärt sein müssen.

Willkommen in der 3. Liga

Was bleibt also das Fazit einer erfolgreichen Woche? Kann die Mannschaft im zweiten Anlauf die in sie gesteckten Erwartungen, sprich den Aufstieg, erfüllen? Die Antwort ist ein eindeutiges "Jein". Einerseits gibt es unverändert Defizite, die mit dem Anspruch einer Spitzenmannschaft unvereinbar sind. Andererseits gilt dies für die Konkurrenz genauso, denn auch ein KSC brennt keine Feuerwerke ab, sondern gewinnt einfach seine Spiele. Willkommen in der 3. Liga, wo mehr denn je das nackte Ergebnis zählt!

Nachdem hoffentlich die erste Pokalrunde in Idar-Oberstein genommen wird, muss der FCK beweisen, dass er dort wirklich angekommen ist. Erst wenn er nach den Spielen gegen Osnabrück und Uerdingen noch im ersten Tabellendrittel steht, darf der Blick weiter nach oben gehen.

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Autor: lehrer pöppl

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