Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - Karlsruher SC 0:0

Außer Rudel nichts gewesen

Außer Rudel nichts gewesen


Zum dritten Mal in Folge muss sich der FCK zu Hause im Derby gegen den KSC mit einem 0:0 begnügen. Spieler und Trainer resümieren einen kleinen Schritt nach vorne. Die Kritik der vergangenen Wochen dürfte mit dieser Leistung aber kaum verstummen.

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Um kurz vor 16:00 Uhr tobt der Betze. Auf der Westkurve werden die Fäuste in Richtung Spielfeld gereckt, Schlachtgesänge angestimmt. Auch die Anhänger im Gästeblock sind außer sich, versuchen akustisch dagegen zu halten. Auslöser ist keine fußballerische Leistung auf dem Platz, keine Torchance oder gar ein ganz später Treffer. Vielmehr ist es eine Rudelbildung, wie man sie nicht alle Tage geboten bekommt. Nahezu alle Feldspieler sind im Strafraum der Karlsruher daran beteiligt. Ein wildes Schubsen, bei dem gleich mehrere Akteure zu Boden gehen und bei dem auch die Unparteiischen offenbar nur schwer den Überblick behalten.

Das Chaos kurz vor Schluss ist eine der Szenen, an die man sich im Nachgang der Begegnung wohl mit als erstes erinnern wird. Nicht unbedingt das beste Zeichen für zwei Mannschaften, die nach erst je einem Sieg aus fünf Pflichtspielen doch ziemlich unter Zugzwang standen. So sehen die 27.343 Zuschauer in den etwas mehr als 90 Minuten zwar die ein oder andere gute Möglichkeit für den FCK, sie erleben auch eine ordentliche Druckphase mit Beginn der zweiten Halbzeit und viele von ihnen haben ganz sicher auch schon schwächere Heimspiele im Fritz-Walter-Stadion verfolgen müssen. Zur großen Trendwende, zum wirklichen Schritt nach vorne taugt die Partie gegen den ungeliebten Rivalen aus dem Badischen aber wirklich nicht.

Derbyzeit in Liga drei: Aber kein Spitzenspiel

Rückblende auf kurz vor 12:00 Uhr am Samstagmittag: Zwei Polizeihubschrauber dröhnen über der Stadt, Spruchbänder und andere Botschaften "zieren" die Anfahrtswege aus der Süd- und Vorderpfalz nach Kaiserslautern. Es ist Derbyzeit im Südwesten. Schon am 5. Spieltag beschert der Spielplan dem 1. FC Kaiserslautern das pfälzisch-badische Traditionsduell gegen den Karlsruher SC. Bereits zum 60. Mal in der Geschichte der beiden Klubs, zum ersten Mal aber nur in Liga drei. Dort ist die Partie nicht einmal ein Spitzenspiel. Der Tabellen-15. aus der Pfalz empfängt den Neunten, der in den ersten vier Partien aber zumindest noch nicht verloren hat.

Beim FCK stellt Trainer Michael Frontzeck, der auf die aufgekommene Kritik zuletzt ungewohnt dünnhäutig reagierte, die Startformation auf zwei Positionen um. Erstmals von Beginn an ist Jan Löhmannsröben im zentralen Mittelfeld am Ball und kann dabei durchaus überzeugen. In vorderster Front bekommt "Löhs" kongenialer Partner Timmy Thiele wieder den Vorzug vor Julius Biada. Offensichtlich ist aber vor allem, dass die Lautrer bemüht sind, nicht ganz so verhalten zu beginnen wie in den ersten Saisonspielen. Das Ergebnis ist zumindest eine richtig gute Torchance durch Lukas Spalvis, der den Ball in der 19. Minute aus kurzer Distanz über KSC-Keeper Benjamin Uphoff, aber auch über die Latte des Karlsruher Kastens hebt.

Keeper halten die Null - Sievers bester Lautrer

Nach knapp einer halben Stunde verlieren die Gastgeber jedoch die Kontrolle über die Partie. Schlussmann Jan Ole Sievers, der schon in der Anfangsphase gegen Marvin Pourie retten muss (10.), pariert kurz vor der Pause Distanzschüsse von Marvin Wanitzek (42.) und David Pisot (45.). In der 34. Minute vertändeln die Gäste zudem eine große Konterchance. Der Unmut bei den FCK-Fans ist erstmals deutlich vernehmbar. Nach Wiederbeginn wehren sich die Roten Teufel aber wieder gegen die aufkommende Lethargie. Ecke um Ecke kommt in der Phase bis zur 60. Minute in den Strafraum der Gäste. Mads Albaek (52., 56.) und Kevin Kraus (54.) haben Chancen. "Auf geht’s Lautern, schieß ein Tor": Die Kurve peitscht die Mannschaft nun wieder mit Macht nach vorne.

Spätestens mit der verletzungsbedingten Auswechslung von Lukas Spalvis in der 62. Minute geht die Druckphase dann aber zu Ende. Vor der schon beschriebenen Rudelbildung steht noch einmal Sievers - an diesem Nachmittag der beste Rote Teufel - mit zwei Paraden gegen Florent Muslija (75.) und Justin Möbius in der Nachspielzeit im Blickpunkt. Auf der Gegenseite pariert Uphoff ebenfalls spektakulär gegen den eingewechselten Florian Pick. Es sind späte Highlights, die das Spiel für die eine oder andere Seite hätten entscheiden können. Passender zur aktuellen Lage beim FCK ist allerdings die letzte Ecke, die Florian Dick nach aufgelöstem Rudel ausführen darf: Fast flach in die Beine eines Karlsruhers kommt die abschließende Hereingabe, die letzte Chance auf ein spätes Tor, das den Betze doch noch zum eskalieren gebracht hätte.

Stimmung kippt ein bisschen: Erstmals Pfiffe nach dem Spiel

Unmittelbar danach pfeift Schiedsrichter Winkmann das Spiel ab. Während die Lautrer Profis und auch Trainer Frontzeck nach eigenem Bekunden zumindest einen kleinen Schritt in die richtige Richtung erkennen, geht der Daumen der Westkurve eher nach unten. Erstmals in dieser Saison sind Pfiffe deutlich vernehmbar. Bei fünf Punkten Rückstand auf Platz drei, sechs Zählern auf einen direkten Aufstiegsplatz ist Ende August noch lange nichts verloren. Damit die Stimmung nicht komplett kippt, muss die Mannschaft aber schnellstens anfangen, den vor der Saison geschürten Erwartungen auch Taten folgen zu lassen.

Autor: Ingo

Weitere Links zum Thema:

- Stimmen zum Spiel | Thiele: "Noch nicht die absolute Kehrtwende" (Der Betze brennt)
- Stimmen zum Spiel | Frontzeck: "Müssen anfangen, dreifach zu punkten" (Der Betze brennt)

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