Im Blickpunkt: Personalplanungen auf dem Betzenberg

FCK 2018/19? Vier Kaderfragen

FCK 2018/19? Vier Kaderfragen


Über die personelle Zusammensetzung des künftigen Drittliga-Kaders wird heftig diskutiert. Doch abseits von Personalien gilt es auch zu entscheiden, welches sportliche Konzept der 1. FC Kaiserslautern in der kommenden Spielzeit verfolgen möchte.

Die Handys von Martin Bader und Boris Notzon dürften in diesen Tagen nicht stillstehen. Mit vollem Einsatz tüfteln beide Kaderplaner an der FCK-Mannschaft, die in der kommenden Saison den direkten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga schaffen soll. "Es ist momentan wahnsinnig viel los, weil wir nicht nur die externen Thematiken prüfen, sondern auch intern Dinge erledigen müssen", beschrieb Notzon kurz nach dem letzten Heimspiel gegen Heidenheim die aktuellen Herausforderungen. "So eine Spieler-Thematik ist halt nicht mit einer E-Mail und zwei Telefonaten erledigt, sondern immer ein langes Projekt. Das geht nicht selten bis in die Nacht. Aber da müssen wir jetzt durch. Am 10. Juni geht es nämlich los."

Bis das neuformierte FCK-Team die Mission Wiederaufstieg angreift, gibt es aber abseits von Neuverpflichtungen weitere Fragen zu klären. Wie werden die Roten Teufel der Herausforderung 3. Liga begegnen?

1) Spielanlage: Dominanz und Offensivpower vs. Absicherung und Vorsicht

Es sind wegweisenden Fragen, die sich stellen und vielleicht auch über die Saison hinaus Wirkung haben. Mit welchem Grundansatz wird der FCK in die kommende Spielzeit gehen? Name, Etat und Anspruch dürften die Pfälzer als unumstrittenen Aufstiegskandidaten und Top-Favoriten auf die Spitzenplätze ausweisen. Wird sich dieses Rollenverständnis auch auf dem Platz spiegeln?

Spielerische Dominanz ist gefragt, gerade um gegen zu erwartende, tiefstehende Gegner Mittel und Lösungen zu finden. Umschaltmomente sind in einer eher destruktiven und auf Vorsicht bedachten Liga selten. Umso wichtiger sind Tempo und Kreativität. Wie es auch anders gehen kann, zeigte der Karlsruher SC im laufenden Wettbewerb. Nach Fehlstart übernahm Kaiserslauterns ehemaliger U23-Trainer Alois Schwartz das Team und impfte den Badenern eines ein: Defensive Stabilität, der aber die Offensive trotz namhafter Verpflichtungen (Dominik Stroh-Engel, Anton Fink) Tribut zollen musste.

Mit nur 47 eigenen Toren - von den ersten 14 Teams hat kein anderes so wenige Treffer erzielt - aber nur 26 Gegentoren (Ligabestwert) steht der KSC in der Relegation. Effektiv, aber nicht attraktiv? Die beiden Aufsteiger Paderborn (86 Tore) und Magdeburg (69) waren mit deutlich mehr Offensivkraft gesegnet. Ähnliches dürfte sich der FCK vorstellen.

2) System: Hat das 4-4-2 Zukunft?

Unter Jeff Strasser fest einstudiert und von Michael Frontzeck fortgesetzt, trat der FCK in der Rückrunde 2017/18 fast durchgehend in einer 4-4-2-Formation an. Zwei Stürmer können nicht nur für mehr Torgefahr, sondern auch für größeren Druck auf die gegnerische Defensive sorgen. Die Raumaufteilung im Mittelfeld stimmt, zudem kann das Zentrum kompakter und der Gegner im Optimalfall besser gelenkt werden. Das Spiel gegen den Ball lässt sich einfacher organisieren und auch zonenabhängig höher oder tiefer aufziehen. Variationen, die dem FCK in der 3. Liga zu Gute kommen.

Die 3. Liga ist kein Ort für taktische Experimente. Klare Strukturen dominieren, was wohl auch an Qualität und Niveau des vorhandenen "Spielermaterials" in den meistens Teams liegt. Das 4-4-2 mit all seinen Vorzügen was Ausgewogenheit, maßvolle Offensive, Flügelspiel und kompakte Defensive angeht, dürfte insofern ein gutes Mittel sein, auch wenn es je nach Spiel und Spielverlauf unterschiedliche Auslegungen erfährt.

Bleibt allerdings eine Frage aus der aktuellen Abstiegssaison über: Wo wird Halil Altintop seinen Platz finden? Vorausgesetzt, der 35-Jährige soll mehr als die aktuelle Ergänzungsrolle einnehmen, muss Frontzeck ihn irgendwo im Zentrum - denn für die Außen fehlt Altintop wohl das notwendige Tempo - unterbringen. Als "Zulieferer", Ball-Festmacher und etwas hängende Spitze hinter Spalvis vielleicht?

3) Konstitution: Fitness und Physis sind gefragt

Egal mit welchem Konzept der FCK in die neue Saison geht: Der Kader muss zwangsläufig eine entsprechende Physis haben. Das bezieht sich nicht nur auf den allgemeinen Fitness-Zustand. Auch im "Alltag" ist Robustheit gefragt. "Wir schauen natürlich nach Spielern, die entsprechende Physis haben", so Notzon.

Abgesehen vom Geschehen auf dem Rasen: Mit drei Wettbewerben und damit zu erwartenden rund 45 Pflichtspielen muss die Mannschaft von Beginn an bei 100 Prozent sein. Ein ähnlicher Nachholbedarf wie in der Hinrunde, als nach Norbert Meiers Weggang der Fitnesszustand wohl zunächst deutlich verbessert werden musste, können sich die Roten Teufel nicht leisten. Zu viel Aufwand, zu wenig Zeit.

Das bringt auch besondere Anforderungen an die Nachwuchs- und Perspektivspieler mit, die für die 3. Liga gewappnet sein müssen. Eine entsprechend harte Sommervorbereitung mit zwei Trainingslagern ist darüber hinaus zu erwarten - was sich auch im einen oder anderen Testspiel-Ergebnis wiederspiegeln dürfte. Hier ist dann Gelassenheit gefragt.

4) Mental: Erfahrung ist viel - aber auch alles?

Auch weil in der 38-Spieltage-Saison immer wieder Ausrutscher zu Stande kommen können, ist die ausgeglichene 3. Liga eine Herausforderung. "Da verliert auch mal der Tabellenerste 0:4 beim Letzten", sagt Manfred Osei Kwadwo, der für die SG Sonnenhof Großaspach 27 Drittligaspiele in der Spielzeit 2016/17 absolviert hat. In der Rückrunde 2017/18 schlug so zum Beispiel Schlusslicht Erfurt die Spitzenteams Magdeburg (3:1) und Paderborn (1:0) relativ souverän.

Allerdings ist - streng nach Statistik betrachtet - Erfahrung kein reiner Erfolgsindikator. Der SVWW (Kader mit insgesamt 2.420 Drittliga-Spielen) schloss die Saison zwar mit dem erfahrensten Kader auf Platz vier ab. Dahinter landeten aber der VfR Aalen (11., 2.199), VfL Osnabrück (17., 2.188), Hallescher FC (13., 1.891) und Sonnenhof Großaspach (14., 1.830) im Niemandsland. Die Mischung macht es: Erfahrung, Talent, Qualität - und vor allem Mentalität.

Autor: paulgeht

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