Interview mit Aufsichtsratskandidat Johannes B. Remy

"Ich stehe für eine neue Offenheit im Verein"


Mit Johannes B. Remy beginnt heute unsere Interview-Serie zur Aufsichtsratswahl am 03. Dezember 2017. Der 47-jährige Immobilienunternehmer aus Olpe möchte den FCK für die Zukunft fit machen, ohne den speziellen Charakter des Vereins zu verlieren.

Der Betze brennt: Johannes Remy, warum muss sich im Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern etwas ändern?

Johannes B. Remy (47): Schauen Sie auf die Tabelle. Reicht das nicht? Aber tatsächlich wäre das zu kurz gegriffen, denn der Aufsichtsrat steht ja nicht an der Seitenlinie. Trotzdem sind die Probleme öffentlich geworden. Im Februar haben sich, während der Affäre um Uwe Stöver, Vorstand und Aufsichtsrat im "Kicker" gegeneinander gestellt. Mal abgesehen davon, dass man das getrost als wenig professionell bezeichnen darf, ist es doch ein Beleg dafür, dass beide Gremien nicht wirklich gut zusammengearbeitet haben. So etwas darf nicht passieren und wenn eine Situation so verfahren ist wie diese, dann muss man eben gelegentlich die Pferde wechseln. Und die Aufsichtsratswahl steht halt jetzt an.

Der Betze brennt: Stellen Sie sich doch bitte kurz vor: Welche beruflichen Erfahrungen und welche persönliche Verbindung zum FCK qualifizieren Sie für ein Amt im zweithöchsten Vereinsgremium?

Remy: Meine persönliche Verbindung zum FCK beruht im Prinzip auf einer Kette von Zufällen. Aber sie hält ein Leben lang. Ich bin seit Kindertagen FCK-Fan und kann mich noch gut an eine Prahlerei erinnern, als ich behauptete, der FCK würde jetzt noch besser, weil nun Dietrich Weise neuer Cheftrainer würde. Die Älteren werden sich erinnern, dass sich das als völliger Blödsinn herausstellte. Kommen wir also lieber zu den Qualifikationen. Zum einen bin ich wirklich gut vernetzt im Verein. Ich habe in den letzten Jahren auf allen Ebenen Gespräche geführt, angefangen bei Vorstand und Aufsichtsrat, gefolgt von ehemaligen Amtsträgern, über Sponsoren sowie "normalen" Mitarbeitern und so ein gutes Bild von der Lage gewonnen. Beruflich bringe ich neben meinen Fähigkeiten als ausgebildeter Sachverständiger und Werbekaufmann, übrigens mit dem Schwerpunkt Kommunikationssteuerung, auch noch ein paar andere Dinge mit. Wie fast alle Bewerber weiß ich, wie man ein Unternehmen führt, vor allem aber kann ich Immobilienprojekte und die Projektentwicklung einschätzen, sowie exzellent zwischen Parteien vermitteln. Für näheres empfehle ich den Steckbrief des FCK, der im Mitgliederbereich einsehbar ist. Wer mir persönlich Fragen stellen will, kann das auch gern tun. Ich stehe nach den Veranstaltungen der Fanregionen in Krickenbach und Waldsee ohne Zeitlimit für jeden zur Verfügung, der mit mir reden will.

"Der Markt ist hart umkämpft, das fängt schon in der F-Jugend an"

Der Betze brennt: Im Diskussionsforum von "Transfermarkt.de" sind Sie unter dem Nickname "Bertikoks" bekannt und als aufmerksamer Wächter der vereinspolitischen Vorgänge beim FCK. Wo liegt es hier aus Ihrer Sicht noch im Argen?

Remy: Darüber könnte ich einen abendfüllenden Vortrag halten. Weil es so viel ist, und dabei geht es nicht nur um die Außendarstellung. Auch die populäre Idee, dass eine einzige Entscheidung oder eine einzige Person uns ins Unglück gestürzt hat, halte ich für falsch. Es sind die vielen kleinen Entscheidungen, die in der Summe zum logischen Ergebnis geführt haben. Ich will Ihnen ein aktuelles Beispiel nennen: Wir sind ein Ausbildungsverein. Der Markt ist hart umkämpft. Trotzdem haben wir die F-Jugend abgemeldet und so der Konkurrenz freiwillig die erste Auswahl überlassen. Das bringt uns nicht um. Kurzfristig jedenfalls nicht. Mittelfristig führt es aber zu einer deutlichen Schwächung, weil die Konkurrenz gleichzeitig aufrüstet. Das machen die unter anderem deshalb, weil ab 01. Januar 2018 die Ausbildungsentschädigungen im Jugendbereich deutlich steigen und so ein Wechsel von einem anderen NLZ, zum Beispiel dem von Elversberg zum FCK, deutlich teurer würde. Jedes Talent welches man nicht vorher selbst einsammelt kostet so zusätzliches Geld, was wir eigentlich nicht haben. Solche Dinger finden Sie auch in der Vermarktung oder - beinahe genauso schlimm - in der Mitarbeiterführung. Alle sind momentan verunsichert am Berg. Da müssen wir für die Überzeugung kämpfen, dass gerade der FCK "Wunder" immer noch ganz gut drauf hat. Wenn wir an einem Strang ziehen.

Der Betze brennt: Schon bei der Mitgliederversammlung 2015 forderten Sie persönlich Aufklärung über diverse Machenschaften aus der Ära Kuntz/Grünewalt. 2016 kam dieses Thema von anderer Seite erneut auf den Tisch und auch 2017 wird wieder darüber diskutiert werden. Was müsste aus Ihrer Sicht geschehen, um einen Haken unter die Amtszeit der beiden polarisierenden Ex-Vorstände machen zu können?

Remy: Klare Antwort? Das Ding ist gelaufen. Ich selbst habe 2015 ganz vorne für die Aufklärung gekämpft. Und auch 2016 nochmal nachgefasst. Die Versuchung das voranzutreiben ist also da. Aber bringt uns das als Verein wirklich weiter? Es geht doch hier nicht um persönliche Befriedigung. Es geht um den FCK. Und da zählt das Gesamtbild. Wir hatten 2016 die Gelegenheit einen Untersuchungsausschuss einzurichten, der in aller Ruhe die Ära Kuntz aufgearbeitet hätte. Dies wurde, durch ein merkwürdiges Zusammenspiel zwischen dem Versammlungsleiter Nikolai Riesenkampff und einem vermeintlich "besorgten Mitglied" verhindert, welches sich im Nachhinein als der PR-Profi Tom Buschardt herausgestellt hat. Ein höchst seltsamer Vorgang. Trotzdem müssen wir ein Ende finden. Der finanzielle Schaden ist doch vor allem unternehmerisch entstanden und auch aufgrund erteilter Entlastungen heute kaum zu heilen. Erinnern Sie sich doch mal an Jäggis Prozesse. Die haben dem FCK kaum was gebracht - außer jahrelang schlechter Presse, ein paar (beinahe) ruinierter Existenzen und zusätzliche tiefe Gräben im Verein, über die man teilweise bis heute stolpern kann. Wir müssen, soweit wir haftungstechnisch nicht zu anderem gezwungen werden, auch wenn es hart ist, jetzt die Größe besitzen den "Deckel druff" zu machen und unter den Systembedingungen arbeiten, die wir vorfinden. Eine Zeitmaschine gibt es nicht. Der Blick geht nach vorn. Zusammen, wenn möglich.

"Das Geld wird im Fußball immer noch auf dem Rasen verdient"

Der Betze brennt: Zwei miteinander verknüpfte Diskussionen sind zurzeit die geplante Ausgliederung und der Einstieg von Investoren. Wie stehen Sie zu diesem Themenkomplex, was die Notwendigkeit, den Zeitplan und die konkrete Umsetzung angeht?

Remy: Wir werden wohl nicht darum herumkommen. Aber wir müssen sehr genau überlegen was wir tun. Und wann. Ich habe Kontakt zum Arbeitskreis Ausgliederung gehalten und bin keinesfalls davon überzeugt, dass Geschwindigkeit hier weiterhilft. Merkwürdigerweise träumen viele vom Modell des FC Bayern, aber die alten Kollegen von 1860 hat irgendwie niemand so richtig vor Augen. Und wir wollen ja nicht als 2. FC Kaiserslautern in der Kreisliga neu starten, wenn alle Stricke reißen. Eine wichtige Frage ist deshalb der Verbleib der Markenrechte im Verein. Werden die dauerhaft in die Gesellschaft überführt, fallen die üblicherweise in die Insolvenzmasse. Dazu kommt, dass ein erfolgreicher Verkauf des Vereins Kapital in einer Größenordnung in die Kassen spülen müsste, die uns das Stadion wieder in die Hand gibt und die finanzielle Basis für nachhaltigen sportlichen Erfolg bildet. Der VfB Stuttgart ist hier ein gutes Beispiel. Nur ist das in der aktuellen Situation völlig illusorisch. Der Verkauf - und nichts anderes soll die Ausgliederung ja bringen - hilft sicherlich, die größte Not zu lindern, aber strategisch bringt er uns in der jetzigen Situation ohne echten "weißen Ritter" nicht weiter. Und den sehe ich derzeit nicht.

Der Betze brennt: Der noch amtierende Aufsichtsrat versuchte im Kalenderjahr 2017 zwei Mal, einen Sportvorstand zu installieren, scheiterte jedoch mit beiden Anläufen. Wie stehen Sie zu dieser Frage: Braucht der FCK mehr Sportkompetenz - und zwar "ganz oben" im Vorstand?

Remy: Gegenfrage: Können Sie sich DAX-Konzerne ohne Kompetenz für das Kerngeschäft im Vorstand vorstellen? Marketing ist schön und gut. Aber das Geld wird im Fußball immer noch auf dem Rasen verdient. Und wenn es da stimmt, fällt auch alles andere leichter. Wir haben immer noch ein millionenschweres operatives Defizit im Kerngeschäft - wenn man die Sondereffekte rausrechnet. Mit anderen Worten, ohne Transfererlöse sind wir aktuell nicht lebensfähig. Und jedes Jahr wird es schlimmer. Überlegen Sie mal was wir, selbst wenn wir dieses Jahr noch zu einem glücklichen Ende kommen, allein in den letzten drei Jahren an Fernsehgeldern verbrannt haben. Natürlich brauchen wir einen Sportvorstand. Aber unsere Lage ist derart schwierig, dass Sie Leute wie Jörg Schmadtke momentan nicht mal kriegen, wenn Sie denen selbst für deren Verhältnisse viel Geld zahlen. Deshalb müssen wir alle akzeptieren, dass Lösungen in der Realität nicht unbedingt so schön ausfallen wie wir uns das, auch die Kandidaten, erhoffen. Aber ein klares ja, wir brauchen einen Sportvorstand.

Der Betze brennt: In den letzten Jahren ist beim FCK auf allen Ebenen ein rückläufiger Zusammenhalt spürbar - obwohl genau das den Verein früher so stark gemacht hat. Was würden Sie als Aufsichtsratsmitglied tun, um das Wir-Gefühl und das Miteinander wieder zu stärken?

Remy: Der Verein hat auf allen Ebenen enorm an Glaubwürdigkeit verloren. Die Aufsichtsräte machen Fehler und zeigen mit dem Finger auf den Vorstand. Der Vorstand macht Fehler und zeigt mit dem Finger auf den Aufsichtsrat. Die Fans zücken zu einem Teil die Mistgabeln, zünden Feuerwerk und - zeigen mit dem Finger auf den DFB. Der andere Teil hingegen, geht gar nicht mehr ins Stadion, hebt die Hand und winkt ab. Was verständlich aber für den Verein noch schlimmer ist. Das kann so nicht weitergehen. Der Neustart beginnt im Kopf und zwar damit, dass wir uns alle mal überlegen, was wir selbst besser machen können und was jeder Einzelne von uns zum Klassenerhalt beitragen kann. Dafür muss der Verein in den Herzen der Menschen aber überhaupt noch einen Wert besitzen. Und genau dort hat er in den letzten Jahren am meisten verloren. Der neue Aufsichtsrat muss also einen übergeordneten Plan entwerfen, den wir nach außen und nach innen gut und für jeden nachvollziehbar vermitteln können - die Verunsicherung einzelner Mitarbeiter des FCK darf man dabei auf keinen Fall unterschätzen, wenn man die Kräfte bündeln will. Die Menschen müssen das Gefühl bekommen, der FCK hat endlich verstanden. Wenn wir wollen, dass die Menschen wieder ins Stadion kommen und helfen die Klasse zu sichern, und das ist dringend nötig, dann müssen wir sie teilhaben lassen an der Entwicklung des Vereins. Dazu gehört unter anderem eine neue Offenheit. Die will ich unbedingt bieten, kann das aber nur, wenn ich genügend Mitstreiter finde.

"Ich will versuchen, den speziellen Charakter des FCK zu erhalten"

Der Betze brennt: Wie sieht für sie der perfekte Aufsichtsrat aus - sowohl was die Zusammensetzung der fünf Personen angeht als auch ihre Arbeitsweise in dem Gremium?

Remy: Ich glaube, es gibt da eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Fast alle, die sich ernsthaft Chancen ausrechnen gewählt zu werden, sind es gewohnt, in ihrem Umfeld die Entscheidungen selbst zu treffen. Aufsichtsratsvorsitzender wird aber gewöhnlich nur der, der die meisten Stimmen auf sich vereinigt. Und trotzdem ist es enorm wichtig, dass das neugewählte Gremium sehr schnell als Team agiert. Dazu würde ich mir zwei Dinge wünschen. Am 04. Dezember, einen Tag nach der Wahl, sollte sich das neugewählte Gremium den ganzen Tag zusammensetzen. Am Vormittag geht es darum, die Aufgaben des Aufsichtsrates zu definieren und von denen des Vorstandes klar abzugrenzen, damit Kollisionen in Zukunft vermieden werden können. Anschließend sollten die Aufgaben in Sachgebiete zerlegt werden, für die jeweils einzelne Mitglieder die Verantwortung tragen. So kann jedes Aufsichtsratsmitglied verschiedene Felder eigenverantwortlich bearbeiten und man kann Differenzen von vornherein vermeiden. Die jeweiligen Sachgebiete werden referiert und dann wird eine Entscheidung im Gremium getroffen. Im Idealfall der Empfehlung des jeweiligen Referats folgend. Realistisch? Hängt von den Leuten ab, aber Sie haben mich ja auch nach einer Wunschlösung gefragt.

Der Betze brennt: In der letzten Frage bitten wir Sie noch mal um eine prägnante Zusammenfassung: Warum sollten die FCK-Mitglieder Ihnen am 03. Dezember ihre Stimme geben?

Remy: Weil ich nicht weglaufe, wenn wir absteigen. Weil ich mit der Materie bis ins Detail vertraut bin. Weil ich für eine neue Offenheit im Verein stehe. Und nicht zuletzt, weil ich ein unabhängiger Kandidat bin. Ich bin ausschließlich dem Votum der Mitglieder verpflichtet und kenne trotzdem fast alle Akteure persönlich. Ich will dabei helfen, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen und trotz aller Veränderung versuchen den FCK mit seinem speziellen Charakter so zu erhalten, wie er immer war. In welcher Rechtsform und in welcher Liga auch immer. Und denken Sie daran: Fritz Walter ist unsere Ikone. Der FCK aber sind wir selbst.

Der Betze brennt: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für die Wahl!

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- Komplette Interviewserie: Die Kandidaten zur Aufsichtsratswahl am 03. Dezember 2017

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