Kommentar zu Medienberichten über Stadionverkauf und Ausgliederung

Interessanter Gedanke - aber noch viele Fragen offen

Interessanter Gedanke - aber noch viele Fragen offen


"Das wäre wie ein Sechser im Lotto", lautete heute ein Zitat im Radio. In der Tat klingen die neuesten Medienberichte um Investoren und Millionen verlockend, sind aber dennoch mit Vorsicht zu genießen: Es mangelt an Informationen, viele Fragen sind noch offen.

Der mögliche Idealzustand wird in den Recherchen von "SWR" und "Rheinpfalz" wie folgt dargestellt: Ein Investor kauft das Fritz-Walter-Stadion, baut auf dem umliegenden Gelände Häuser und Büros, und steckt zusätzlich auch noch Geld in den 1. FC Kaiserslautern - bestenfalls sogar bis zu 40 Millionen Euro, die der noch auszugliedernden Lizenzspielerabteilung des FCK zugute kommen sollten. Das Mitspracherecht der Vereinsmitglieder würde dadurch zwar beschnitten, aber mit dem vielen Geld sollte die Rückkehr in die Bundesliga gelingen. So weit die Theorie.

Als diese Meldungen am Donnerstagmorgen online gingen, wurde von offizieller Seite schnell auf die Bremse getreten: Die Gespräche seien erst ganz am Anfang, es sei noch gar nichts beschlossen. Oberbürgermeister Klaus Weichel bestätigte lediglich "ein einziges Gespräch" bisher, FCK-Vorstandsvorsitzender Thomas Gries schränkte ein: "Wir sind aber noch fernab von irgendwelchen Unterschriften." Die "Rheinpfalz" wies sogleich darauf hin, dass solche Verhandlungen in den letzten Jahren schon häufig gestartet und dann doch gescheitert seien.

Mangelhafte Kommunikation seitens des FCK

Den Verhandlungsführern kam dieses "Leak" nicht nur deshalb ungelegen, weil es die Gespräche mit dem potentiellen Investor erschweren könnte. Sondern aus Sicht der FCK-Verantwortlichen auch, weil sie ab heute erstmal über den rein formalen Stand der geplanten Ausgliederung informieren wollten. Im Fritz-Walter-Stadion fand am Donnerstagmorgen ein Pressefrühstück statt, bei dem die aktuellen Planungen vorgestellt wurden. Zu diesem Hintergrundgespräch wurden allerdings nur ausgewählte Medienvertreter eingeladen, unserem Online-Magazin Der Betze brennt und weiteren Journalisten wurde trotz Nachfrage die Teilnahme verwehrt. Dementsprechend können wir an dieser Stelle - leider - nicht nach persönlicher Rücksprache mit den FCK-Verantwortlichen berichten, sondern nur aus anderen uns vorliegenden Quellen:

Nachdem sich im Sommer drei Mal der "Arbeitskreis Ausgliederung" zur Vorbereitung getroffen hatte, war der FCK-Vorstand in den vergangenen Tagen beim Finanzamt Kaiserslautern sowie bei der Deutschen Fußball-Liga zur Klärung weiterer Formalitäten. Unter zukunft.fck.de wurde eine neue Infoseite online gestellt, die aber später wieder vorläufig "unter Bearbeitung" gesetzt wurde. Hier war beispielsweise der im Arbeitskreis Ausgliederung hoch umstrittene zwischengeschaltete Beirat noch in den Planungen aufgelistet, was noch zu unangenehmen Diskussionen führen dürfte. Am 22./23. November sollen in der Pfalz zwei Informationsveranstaltungen stattfinden, ehe auch am 03. Dezember bei der Jahreshauptversammlung über das Thema Ausgliederung informiert werden soll. Und auf einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung - möglicherweise schon im Januar 2018 - sollen die Mitglieder dann über die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung abstimmen.

Alle Chancen und Risiken müssen genannt werden

Nach langen Planungen im Hintergrund kommt nun also endlich Bewegung in die Sache. Aber noch sind sehr viele Fragen offen, sowohl zur Gestaltung der Ausgliederung als auch zu einem möglichen Investor: Wer ist er, wieviel zahlt er, welche Rechte bekommt er dafür? Erst diese Woche gab es vom Hamburger SV wieder ein Negativbeispiel für einen Investor mit zu großen Machtansprüchen.

Wie kann man also den aktuellen Stand der Dinge zusammenfassen? Die Argumente der FCK-Vereinsführung klingen wohlüberlegt, die heutigen Mediengerüchte sogar höchst spannend. Aber es mangelt schlichtweg noch an Informationen, anhand derer sich man ein genaueres Bild verschaffen könnte. Von den FCK-Verantwortlichen darf man verlangen, dass sie die kommunikativen Fettnäpfchen künftig auslassen und ausgewogen über die Chancen, aber auch die Risiken einer Ausgliederung informieren. Immerhin handelt es sich hierbei um die wohl wichtigste vereinspolitische Entscheidung der 117-jährigen Vereinsgeschichte! Nur mit der nötigen Transparenz können die FCK-Mitglieder ruhigen Gewissens in die Abstimmung über eine Ausgliederung und einen möglichen Anteilsverkauf gehen.

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- SWR: Investor prüft Stadionkauf und FCK-Einstieg (Der Betze brennt)
- Vorstand informiert über Pläne zur Ausgliederung (fck.de)

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