Pro und Contra zur Trainerdiskussion

Würde ein Trainerwechsel dem FCK weiterhelfen?

Würde ein Trainerwechsel dem FCK weiterhelfen?


Nach dem Fehlstart ist unter den Fans des 1. FC Kaiserslautern die Trainerdiskussion in vollem Gange. Soll Norbert Meier entlassen werden? In unserem neuen Format "Pro und Contra" stellen wir zwei entgegengesetzte Meinungen dazu gegenüber.

Pro Trainerwechsel: Neue Besen kehren gut!


von Flo

Ich bin für eine Trennung von Norbert Meier. Der gemeine FCK-Fan musste schon immer einige Tiefschläge einstecken. Aber der in der Nachspielzeit vom Spiel bei Holstein Kiel könnte eine ganze Saison lenken. Vielleicht in eine falsche Richtung. Der Reihe nach: 19 Stunden war ich am Samstag für 90 Minuten Fußball unterwegs. Man kann jetzt sagen: Selbst schuld. Während des ganzen Spiels regnete es aus Kübeln, das passte irgendwie. Ich persönlich sah wieder keinen guten Auftritt des FCK, der Gegner war in meinen Augen auch nicht viel besser.

Vor allem im Internet wird bereits ein Trainerwechsel gefordert. Für mich völlig zu Recht. Wenn man 17 neue Spieler im Kader hat, dann muss man gerade zu Saisonbeginn auf Standards vertrauen und daraus mal ein Tor machen. Das Gegenteil ist der Fall, es herrscht nahezu null Gefahr. Wie sagte am Samstag ein Fan im Gästeblock zu mir: "Flo, beim Eckball kann man getrost Bier holen gehen, weil eh nichts passiert." Außerdem ist für mich kein echtes Spielsystem zu erkennen. Und wenn sich mal etwas herauskristallisiert, dann wird spätestens zum übernächsten Spiel wild gewechselt. Und das am 5. Spieltag. Wie soll sich da eine Stammelf einspielen?

Osawe und Ziegler? "Das beschreibt vieles ganz gut"

Drei personelle Beispiele vom Spiel in Kiel: Warum spielt Osayamen Osawe immer noch von Beginn? Da sollte doch auch der letzte Beobachter erkannt haben, dass der Spieler nur bedingt zweitligatauglich ist. Wie aus dem Nichts taucht auf einmal Patrick Ziegler in der Startelf auf, der in der abgelaufenen Transferperiode auch als Verkaufskandidat gehandelt wurde. Manfred Osei Kwadwo spielt im ersten Spiel von Beginn an, dann die nächsten Wochen in der Oberliga, wird dann mal eingewechselt und in Kiel ist er dann wieder unter der ersten Elf. Das beschreibt vieles ganz gut.

Mit dem Meier'schen Anti-Fußball und dem Pech und Unvermögen vor dem Ende beider Halbzeiten steigt der FCK diese Saison ab. Auswärts läuft gar nichts und in den Heimspielen nur rennen, kämpfen und treten wird auf Dauer nicht reichen.

Nun folgt eine englische Woche mit Spielen in Sandhausen (die FCK-Bilanz dort ist bekannt), vor einer voraussichtlichen Minuskulisse gegen Aue und dann ein Montagsspiel in Berlin. Ich sage: Wenn aus diesen drei Spielen nicht mindestens ein Sieg gelingt, gibt es in Kaiserslautern spätestens Ende des Monats den nächsten Trainerwechsel.

Contra Trainerwechsel: Das Chaos würde sich vergrößern!


von paulgeht

Ich bin gegen eine Trennung von Norbert Meier. Für mich gibt es dafür zwei ganz entscheidende Gründe. Zum einen: Der schwache Saisonstart hat natürlich ganz viel mit dem x-ten Umbruch auf dem Betzenberg zu tun. Fast 40 Zu- und Abgänge hinterlassen einfach Spuren. Die daraus folgenden Probleme - das Fehlen der sogenannten Automatismen - lassen sich leider nicht mit dem Trainer gemeinsam entlassen.

Ganz im Gegenteil: Kommt ein neuer Coach, wird auch dieser eine gewisse Anlaufzeit bekommen, bringt womöglich andere Ideen mit, die die Findungsphase der Mannschaft verlängern. Und hätte ein Neuer nicht schon wieder ein Alibi? "Das sind ja auch nicht seine Wunschspieler", dürfte es ganz schnell wieder heißen. Der nächste Kader-Umbruch wäre außerdem schon eingeplant. Haben wir das nicht in den letzten Jahren nach Franco Foda, Kosta Runjaic, Konrad Fünfstück und Tayfun Korkut zur Genüge erlebt?

Hierarchie und Verantwortung? "Die Spieler sind in der Pflicht"

Zum anderen fehlt dem FCK ein Anker, eine Person, an der sich im und außerhalb des Vereins alle aufrichten und orientieren können. Meier ist dafür aufgrund seines Amtes zwar denkbar ungeeignet, wie sich an der aktuellen Situation erkennen lässt. Doch wer bleibt denn noch sonst? Innerhalb der Mannschaft scheint sich bislang noch keine belastbare Hierarchie herausgebildet zu haben. Das aber liegt nicht am Trainer, sondern an den erfahrenen Akteuren. Die Spieler sind in der Pflicht.

Kapitän Daniel Halfar bittet quasi jede Woche um mehr Zeit, kritisierte bereits am 3. Spieltag mal wieder die Erwartungshaltung der Fans. Sportdirektor Boris Notzon ist erst neu in seinem Amt und der Vorstand des Vereins äußerte sich in den vergangenen Tagen, wenn überhaupt, nur noch sporadisch. Meier ist nicht nur Trainer, er ist längst das alleinige Sprachrohr des gesamten Klubs. Und wohlgemerkt: Er ist selbst noch nicht einmal ein Jahr da.

Der Trainer ist bemüht, die aktuelle Misere zu überwinden. Er hält nicht stur an System und Personal fest. Und wenn der eine oder andere Spieler nach einer schwachen Leistung erneut in der Anfangsformation steht, ist das wohl auch den mangelnden Alternativen geschuldet. Ich bin deshalb der Meinung, dass ein Trainerwechsel dem FCK in der aktuellen Situation mehr schaden, das Chaos vergrößern würde. Meier sollte deshalb Trainer bleiben.

Autor: Flo, paulgeht

Weitere Links zum Thema:

- Die Trainerdiskussion beim FCK hat begonnen (SWR, 11.09.2017)
- FCK-Fans nicht mehrheitlich für Trainerwechsel (Der Betze brennt, 13.09.2017)

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