Spielbericht: Erzgebirge Aue - 1. FC Kaiserslautern 1:0

Countdown statt Erlösung

Countdown statt Erlösung


Im Erzgebirge hatten es die Roten Teufel am 33. Spieltag in der Hand, den vorzeitigen Schlussstrich unter eine verkorkste Saison zu ziehen. Stattdessen setzte es eine schmerzhafte Pleite und das Zittern geht jetzt erst so richtig los.

- Fotogalerie | Fanfotos: Erzgebirge Aue - 1. FC Kaiserslautern
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Etwa 1.500 Fans des 1. FC Kaiserslautern reisten am Muttertag nach Sachsen, wo die mit insgesamt 10.000 Zuschauern ausverkaufte Baustelle Erzgebirgsstadion wartete. Schließlich galt es gegen Erzgebirge Aue gemeinsam mit den FCK-Profis die Mission „Unzerstörbar“ vom Schlingerkurs zurück auf den rechten Weg zu bringen. Während sich die Heimfans schon auf der überdachten neuen Tribüne eingerichtet haben, bleibt für die Gästefans im „Schacht“ noch alles beim Alten. Provisorische Toiletten, raue Betonstufen, in deren Lücken sich Unkraut einnistet, verstaubter oder schlammiger Boden und keine Überdachung. Ein ideales Ambiente für Arbeitssiege, die zusammen errungen werden müssen.

Die alten Zäune in der halben Gästekurve wurden reichlich mit Zaunfahnen bestückt. Im Vordergrund prangte „Unzerstörbar“ neben vielen Fanclub-Bannern, hinter den Fans die „Bastion Betzenberg“, für die erst noch eine entsprechende Erweiterung der Rückwand gebastelt werden musste. Ansonsten blieb der seitliche rechte Bereich im Gästeblock leer – denn außer grauem Beton sieht man von dort gar nichts mehr, weil der halbseitige Rohbau der neuen Tribüne einem die Sicht auf das Spielfeld versperrt.

Steigerlied vs. You'll never walk alone

Im Sonnenschein wurden erste Lieder angestimmt, die vom Stadionradio im Verbund mit dem Auer Publikum allerdings des öfteren übertönt wurden. Die Schalparade zum traditionellen „You‘ll never Walk Alone“ beim Einlauf der Mannschaften ging im „Steigerlied“ sang- und klanglos unter und damit wäre auch schon der Spielverlauf überspitzt formuliert vorweggenommen.

In den ersten 45 Minuten verhinderten effektive Rote Teufel gute Chancen von Erzgebirge Aue, strahlten aber auch selbst kaum Torgefahr aus. Alles wie gehabt, bis auf eine irritierende Langsamkeit bei der Ballannahme: Der eine Schritt zurück, weil der zugepasste Ball ja in die eigene Richtung unterwegs war. Das kann man schon machen, nur sollten dann keine motivierten Gegenspieler in der Nähe sein. Zahlreiche Bälle gingen sofort oder bei einem überhasteten Pass in der Folge verloren. Ein müdes Null zu Null zur Pause war das logische Resultat.

Die zweite Halbzeit begann etwas spektakulärer und sollte nicht an Fahrt einbüßen. Die Offensivbemühungen der Lautrer gipfelten vereinzelt in Torchancen, was allerdings auch für die Gegenseite galt. So wurden die Roten Teufel aus dem Gästeblock immer weiter, immer lauter nach vorne getrieben, ebenso wie auch das heimische Team von „Wismut Aue“. Und in der 59. Minuten zappelte der Ball nach einem erfolgreichen Angriff der Veilchen im Netz des FCK. Fehler Koch, Abschluss Kvesic, 1:0 für Aue.

Nach dem Rückstand beginnt die Stimmung zu kippen

Wo die Schlachtenbummler aus der Pfalz gerade noch fanatisch Richtung Klassenerhalt und für den Verein brüllten, kippte die Atmosphäre kurz zu einem energischen „Wir woll'n euch kämpfen sehn“, dass knapp zehn Minuten mit etwas mehr Wut und Verzweiflung wiederholt angestimmt wurde. Als die Fans sich gegen Ende auf ein „Lautrer geben niemals auf" einigten und es stur zur Selbstvergewisserung und Richtung Mannschaft bellten, schien die Elf von Norbert Meier endlich aus der Lethargie aufzuwachen. Wie schon gegen St. Pauli drängte der FCK in den allerletzten Minuten auf einen Ausgleich.

Aue hatte die Partie nun nicht mehr im Griff, aber der Druck von Kaiserslautern reichte nicht mehr für den Ausgleich. Zu allem Überfluss kassierte Marcel Gaus auch noch seine zehnte Gelbe Karte und ist nun im Saisonfinale gesperrt. Ein Tor sollte nicht mehr gelingen und Schiedsrichter Robert Hartmann pfiff nach dreiminütiger Nachspielzeit ab.

Es folgte das große Durchschütteln. Konsternierte FCK-Fans fanden sich auf, neben und vor dem Zaun wieder, wollten die Spieler zur Rede stellen, während andere vor dem einsetzenden strömenden Regen aus dem Block in Richtung Hügel flüchteten. Als die Mannschaft regungslos an der Gästekurve vorbeizog und stattdessen behelmte Polizisten in Stellung gingen, kochten die Emotionen noch mal ordentlich hoch und es fiel so manches böse Wort, aber alles blieb auf verbaler Ebene und kein Spieler wurde körperlich angegangen oder ähnliches.

Lamentieren bringt nichts: Nächste Woche kann nur zusammen gewonnen werden

Die Abfahrt der Roten Teufel verzögerte sich in der Folge dennoch, weil zahlreiche Fans noch Redebedarf sahen, dem sich die Spieler und Verantwortliche nach rund einer Stunde Wartezeit auch stellten. Alle sind vom Zweifel und der Sorge geeint, dass diese Saison noch so richtig vor die Wand gefahren wird. Die Gemüter hatten sich zu diesem Zeitpunkt aber schon wieder etwas abgekühlt, so dass alle Spieler und Fans nach diesem ersten reinigenden Gespräch zumindest friedlich auseinander gingen und die weite Heimreise nach Kaiserslautern und Umgebung antraten.

Trotz der Nervosität und der kurzen Unruhen nach Abpfiff wollen (und müssen) wir doch noch mindestens einmal geschlossen hinter unserer Mannschaft stehen. Was bleibt der FCK-Familie angesichts dieser Situation auch anderes übrig? Und wenn ein Signal vom Feld in Richtung Kurve wieder mal verpufft, müssen die Fans sicherstellen, dass der Druck und Schwung von den Rängen kommt.

Es ist angerichtet: Zum Saisonfinale kommt der 1. FC Nürnberg ins Fritz-Walter-Stadion und der 1. FC Kaiserslautern braucht jeden Mann und jede Frau, um nicht doch noch auf den Relegationsplatz abzustürzen. Lasst uns den Zuschauerrekord dieser Saison nach oben zu treiben. Bringt eure Kollegen, Freunde und Familie mit. Schnappt euch eure Trikots, T-Shirts, Schals, Fahnen oder Kutten, werft euch in Schale. Ölt die Stimmbänder. Helft mit, dass diese 90 Minuten das große Finale einer Saison zum Vergessen werden. Kämpfen, Lautern, kämpfen!

Autor: Toco

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