Kummt Senf druff

Schon wieder Chaoslautern – oder alles halb so wild?

Schon wieder Chaoslautern – oder alles halb so wild?


Ist "Chaoslautern" zurück? Reflexartig werden auf dem Betze mal wieder die Rollen "Gut" gegen "Böse" verteilt – aber ganz so einfach ist es diesmal nicht. Ein Kommentar zum kolportierten neuen Machtkampf beim FCK.

Der Aufsichtsrat wollte den Sportdirektor absägen und der Vorstand ist in letzter Sekunde dazwischen gesprungen?! Die Medien schlachten genüsslich die neuen Turbulenzen beim 1. FC Kaiserslautern aus und die Fans schreiben sich die Finger wund. Für viele Beobachter scheint klar, dass beim FCK ein Machtkampf zwischen Gut und Böse tobt. Doch mit diesem einfachen Schwarz-Weiß-Vergleich wird man der Lage auf dem Betze nicht gerecht.

Der Aufsichtsrat hat nicht alles falsch gemacht ...

Denn der Aufsichtsrat hat keineswegs alles falsch gemacht: Die Gesamtbilanz des FCK ist schon die ganze Saison nicht zufriedenstellend (Abstiegskampf, Trainer-Rücktritt, Zuschauerrückgang usw.). Dafür gibt es verschiedene, teilweise auch nachvollziehbare Gründe. Dass im Aufsichtsrat in solch einer heiklen Lage über Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert wird, ist legitim und sogar wünschenswert. Viel zu oft hat das Gremium in den letzten fünf Jahren stillschweigend dem Niedergang des Fritz-Walter-Klubs zugeschaut.

Dass allerdings die Idee mit Mathias Abel als Sportvorstand einfach nicht gut war, dürfte sich mittlerweile auch im Aufsichtsrat als Erkenntnis durchgesetzt haben. Weil Abel momentan vermutlich der einzige ist, der für den FCK ehrenamtlich einen Fulltime-Job übernehmen würde, ist zwar der reine Gedankenaustausch darüber auch noch okay. Aber nach Abwägung aller Argumente hätte die Entscheidung eigentlich schnell klar sein müssen: Keine sinnvolle Idee!

... und der Vorstand hat nicht alles richtig gemacht

Auf der anderen Seite hat auch der Vorstand keineswegs alles richtig gemacht: Dass Thomas Gries und Michael Klatt sich für den Sportdirektor ihres Vertrauens einsetzen, ist richtig und ebenfalls legitim. Nachdem der Aufsichtsrat am Freitag seine Gedankenspiele in die Tonne kloppte und Uwe Stöver doch noch sein Vertrauen aussprach, hätte der Vorstand aber am Samstag nicht noch weiteres Öl ins Feuer gießen und einen Protestbrief sowie vermeintliche Rücktrittsdrohungen an die Presse durchstecken müssen.

Apropos Presse, auch dass das Thema überhaupt an die Öffentlichkeit gelangte, ist aus FCK-Sicht natürlich nicht gerade positiv. Hier darf der Vorwurf aber ausdrücklich nicht an die Medien gehen: Wenn die Planungen schon so weit fortgeschritten sind (Uwe Stöver wurde laut eigener Aussage am Donnerstag vom Aufsichtsratsvorsitzenden Nikolai Riesenkampff informiert), dann ist eine Berichterstattung darüber normal und nicht zu verhindern. Aber wer auch immer der Maulwurf in dieser Angelegenheit war, hat seinem Verein – vermutlich aus Eigeninteresse – damit einen Bärendienst erwiesen. Die entstandene Unruhe ist negativ für den FCK als Ganzes.

Es ist gut, dass Uwe Stöver seine Arbeit als Sportchef fortsetzen darf

Aber: Derartige Unruhe ist ein ganz normaler Malus bei Traditionsvereinen und sollte nicht überbewertet werden. Dafür gibt es zu viele Eigeninteressen im großen Umfeld und die vorhandenen Emotionen kochen zu schnell negativ hoch. Auf der anderen Seite steht der Bonus als Traditionsverein, wo sich viele Kompetenzen im Umfeld tummeln und sich die Emotionen auch schnell positiv kanalisieren könn(t)en. Wichtig ist vor allem, dass unterschiedliche Meinungen zugelassen werden und man anschließend trotzdem noch konstruktiv zusammenarbeiten kann.

Unter dem Strich bleibt festzuhalten: Es ist gut, dass Uwe Stöver bis auf weiteres seine begonnene Arbeit als Chef im sportlichen Bereich fortsetzen kann. Den Aufsichtsrat zum alleinigen Sündenbock zu machen, wäre falsch. Aber das fünfköpfige Gremium muss sich jetzt am Riemen reißen und wieder mehr seiner eigentlichen Aufgabe – kontrollieren statt einmischen – nachkommen. Der jetzige Fehltritt war nicht der erste, mit dem Riesenkampff, Abel und Co. ihren nicht gerade wenigen Kritikern ganz selbst einen Angriffspunkt freilegten.

Möglichkeit zur Kurskorrektur bietet sich im Herbst

Nicht vergessen darf man aber, dass der Aufsichtsrat gar nicht als "der Aufsichtsrat" zu beurteilen ist, sondern aus fünf ziemlich unterschiedlichen Einzelpersonen besteht. Aus Abnickern und Übereifrigen. Aus Kuntz-Huldigern und Kuntz-Absägern. Auch die jetzige Sportvorstand-Diskussion war laut SWR-Informationen nicht einstimmig.

Eigentlich ist eine gewisse Meinungsvielfalt im Kontrollgremium wünschenswert, aber im Moment scheint die Mischung nicht zu stimmen. Schon bald, im Herbst 2017, wird der Aufsichtsrat turnusmäßig neugewählt. Dann bietet sich den FCK-Mitgliedern die Möglichkeit für eine Korrektur – und bis dahin dürfen sie von Aufsichtsrat, Vorstand, Sportdirektor und allen anderen eine professionelle Zusammenarbeit im Interesse des Vereins erwarten.

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- Medien: Aufsichtsrat wollte Stöver entmachten (Der Betze brennt, 18.02.2017)
- Aufsichtsrat nimmt Stellung: "Nur Optionen geprüft" (fck.de, 19.02.2017)

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