Neues vom Betzenberg

 

Fans fordern mehr Unterstützung für Fanprojekt

Das Fanprojekt Kaiserslautern startete vor fast genau einem Jahr einen Neuanfang. Personell und finanziell wurden damals neue Wege eingeschlagen - auch als Reaktion auf die scharfe Kritik aus der Fangemeinde des 1. FC Kaiserslautern (siehe ältere Meldungen auf „Der Betze brennt“). Nun wenden sich die Ultras aus der Westkurve erneut mit einer Pressemeldung an die Öffentlichkeit sowie mit einem offenen Brief direkt an die Politik und die Träger des Fanprojekts. Kritisiert werden insbesondere die mangelhaften Räumlichkeiten und die nicht ausreichende Finanzierung des Fanprojekts Kaiserslautern. Wir dokumentieren die beiden aktuellen Stellungnahmen:

Die Pressemitteilung der Ultras:

Fanarbeit im Schuhkarton

Das Fanprojekt Kaiserslautern stand einst bei den Fans in der Kritik. Nach einem personellen Neuanfang, hat sich vieles zum Besseren entwickelt. Doch ein Problem bleibt: Für die Arbeit fehlen die nötigen Mittel, die Stadt Kaiserslautern und das Land könnten helfen.

Zwei Zimmer, eine Küche und ein Büro, mehr kann das Fanprojekt in Kaiserslautern seinen Besuchern an Platz nicht bieten. Ziemlich klein für seine Zielgruppe von mehreren hundert Jugendlichen, mit denen das Fanprojekt gerne arbeiten möchte. „Wenn in den Räumen des Fanprojekts mehr als 15 Leute sind, dann ist die Bude voll“, sagt Nicolas, Sprecher des FCK Fanclubs Frenetic Youth. Vertrauliche Gespräche seien in dieser Atmosphäre nicht möglich, so der FCK Fan weiter. „Würden Sie in einem vollen Raum über Problem in der Ausbildung, der Schule oder mit den Eltern sprechen?“, fragt Markus vom Pfalz Inferno. Und auch für andere Veranstaltungen seien die Räume viel zu klein, so Markus weiter: „Diskussionsrunden, Workshops oder ein Frühstück am Spieltag, nichts davon ist aktuell möglich. Und immer Räume zu mieten kann ja nicht der Sinn der Sache sein.“

Das Fanprojekt bemühe sich, neue Räumlichkeiten zu finden, hat auch Markus beobachtet. Die Schuld sieht er bei der Stadt Kaiserslautern. „Wir haben von der Stadt gehört, dass das Fanprojekt nur Räume bekommt, die im städtischen Besitz sind. Das liegt daran, dass die Anmietung der Räume der einzige finanzielle Beitrag der Stadt für das Fanprojekt ist. Aber es gibt nun mal keine Räume, die groß genug für die Bedürfnisse von uns Fans sind“, sagt Markus. Nicolas von Frenetic Youth stimmt ihm zu. Die gute Arbeit, die das Fanprojekt leiste, werde durch die zu kleinen Räumlichkeiten sehr geschmälert, so Nicolas. Die jungen FCK -Fans stehen mit ihren Problemen exemplarisch für die gesamte Jugend der Stadt Kaiserslautern, in der Sozialarbeit mit Jugendlichen kaum einen Wert zu haben scheint.

Auch die Finanzierung des Fanprojektes durch das Land Rheinland-Pfalz ist ein Streitthema. So erhält das Fanprojekt des FSV Mainz 05 fast doppelt so viel Geld wie sein Pendant aus Kaiserslautern. Das führt dazu, dass in Mainz 3,5 Stellen für festangestellte Mitarbeiter zur Verfügung stehen, während es in Kaiserslautern nur 1,5 Stellen sind. Eine Begründung gibt es nicht.

“Quantität erhöht in diesem Fall auch die Qualität. Die beiden Fanprojektmitarbeiter leisten jetzt schon sehr viel, da muss dringend Entlastung her“, so Nicolas von Frenetic Youth.

„Wenn man sich die Besucherzahlen der Stadien in den letzten Jahren anschaut und wenn man sieht, dass die Westkurve jede Woche mit 14 000 Menschen besetzt ist, dann macht es keinen Sinn, dass das Land die Mainzer hier bevorzugt“, sagt Sebastian Scheffler, Vorsitzender der Perspektive FCK. Er wünscht sich für das Fanprojekt mehr Geld und neue Räumlichkeiten. „Fanarbeit im Schuhkarton funktioniert nicht. Wenn die Mitarbeiter gute Arbeit machen sollen, dann muss man ihnen auch die Mittel dafür geben“, so Scheffler.

Der offene Brief der Ultras:

Fanprojekt: Die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen!

Über ein Jahr ist seit unserem öffentlichen Schreiben an die Träger des Fanprojektes schon wieder ins Land gezogen. Seitdem hat sich vieles zum positiven geändert, weshalb wir seit dem Amtsantritt von Christian und Stefan zur Saison 2013/2014 absolut von einem, in seinen Möglichkeiten, sehr gut arbeitendem Fanprojekt sprechen können.

So wurden einige Punkte aus unserem Schreiben bestens umgesetzt. Hier sind unter anderem die stets aktuelle Facebook-Seite, feste Öffnungszeiten (Sprechzeiten) an jedem Dienstag, regelmäßiges Fußballspielen, bei dem unter der Woche zum Teil über 30 Personen teilnehmen, im Bereich Freizeitangebote, soziale Beratung, Unterstützung von Aktionen aus der Fanszene, Vermittlung bei Problemen zwischen Verein und Fanszene oder auch Polizei aufzuzählen. Auch steht das Fanprojekt Anregungen oder Vorschlägen zu verschiedenen Veranstaltungen immer offen gegenüber und unterstützt diese soweit es möglich ist. Auch sind die Mitarbeiter bei jedem Spiel anzutreffen und klären diverse Differenzen direkt vor Ort. Die Arbeit wird gut angenommen und der angegangene Weg wird als durchweg positiv bewertet.

Zwei Punkte bleiben dennoch weiterhin mangelhaft und schränken das Fanprojekt in seinen Möglichkeiten leider stark ein. Der erste Punkt sind ganz klar die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten. Auch diese wurden bereits in unserem letzten Schreiben kritisiert. Die aktuellen sind zu klein und reichen für die Größe der Fanszene unseres 1. FC Kaiserslautern einfach nicht aus. So bleiben sie an Spieltagen geschlossen, wodurch die breite Masse an Fans nicht erreicht werden kann. Am Fancontainer stehen die Mitarbeiter zwar stets mit einem offenen Ohr zur Verfügung, mit geeigneten Räumlichkeiten wäre die Arbeit durch sich neu bietende Möglichkeiten allerdings um einiges Vielfältiger und damit effektiver. Das Problem bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten ist, dass diese im Besitz der Stadt Kaiserslautern sein müssen, da die einzige „finanzielle“ Unterstützung der Stadt durch das zur Verfügung stellen der Räume besteht.

Zum anderen ist das Budget viel zu niedrig und reicht kaum zu mehr als der Spieltagsbetreuung aus. An dieser Stelle möchten wir gerne die ungleiche Verteilung der Gelder durch das Land Rheinland-Pfalz thematisieren. Das Fanprojekt Mainz bekommt vom Land beispielsweise fast doppelt so viel Geld zur Verfügung gestellt wie das in Kaiserslautern, obwohl die Fanbasis trotz Bundesliga keinesfalls größer ist. Das Mainzer Fanprojekt hat dadurch doch erheblich mehr Möglichkeiten. Dies lässt sich schon alleine an der Anzahl der Mitarbeiter absehen. Im Fanprojekt Mainz sind 3,5 festangestellte Mitarbeiter, sowie eine Honorarkraft beschäftigt. In Kaiserslautern hingegen 1,5 Mitarbeiter, genauso viele wie im Fanprojekt des Regionalligisten Eintracht Trier, bei deutlich kleinerer Fanbasis. Der Vergleich zu Mainz zeigt, dass es trotz guter Arbeit nahezu unmöglich ist mit 1,5 Mitarbeitern den Bedürfnissen der großen Fanszene, sowie den eigenen Ansprüchen vollends gerecht zu werden ohne auf Dauer mit einem Burn-Out rechnen zu müssen. Mehr Mitarbeiter bedeuten ganz klar auch größere Möglichkeiten. Halten wir fest: Die Mindesthöhe der Drittelfinanzierung, bei der sich die Kommune, d.h. die Stadt Kaiserslautern durch das Bereitstellen der Räume, sowie das Land Rheinland-Pfalz und der DFB die Kosten teilen reicht keineswegs aus, um die strukturellen, personellen und finanziellen Ressourcen hier in Kaiserslautern zufriedenstellend abzudecken. Es ist zudem nicht zu akzeptieren, dass das Bundesland RLP sich lediglich mit 30.000 Euro an der Finanzierung beteiligt.

Um das Fanprojekt für die Zukunft gut ausgerichtet aufzustellen, sollte sich die Stadt daher entweder intensiv um größere, geeignete Räumlichkeiten bemühen, oder ihre finanzielle Unterstützung dahingehend überdenken, diese auf die Auszahlung von entsprechenden Geldern abzuändern, sodass man sich auch nach Räumen umschauen kann, welche nicht im Besitz der Stadt sind. Die aktuellen Räume platzen bei 15 Fans schon aus allen Nähten.

Gerade in einer im Vergleich strukturschwachen Stadt wie Kaiserslautern sollte der Förderung der Jugend- und Sozialarbeit ein hoher Stellenwert zukommen. Die eigenen Räumlichkeiten sollen definitiv mehr sein als „nur“ ein reiner Treffpunkt für vorwiegend jugendliche FCK-Fans. Sie sollten im Idealfall Räume sein, in denen sich Jugendliche wohl fühlen, wo sie gerne zugegen sind. Die Folge wäre, dass die Jugendlichen Vertrauen zu den Sozialarbeitern aufbauen, welche dann helfen könnten Alltagsprobleme wie Schulden, Drogen oder Probleme in der Schule zu lösen.

Rein aus fantechnischer Sicht fehlt es an Platz um Veranstaltungen wie Workshops abzuhalten. An das Anfertigen von kleinen Choreos oder Bannern kann man aktuell gar nicht denken. Dass für Vorlesungen oder Vorträge aktuell immer Räume angemietet werden müssen, kann kein zufriedenstellender Dauerzustand sein.

Das Fanprojekt braucht allgemein eine größere finanzielle Unterstützung, um die wirklich gute und nützliche Arbeit fortzuführen und durch die engagierten Mitarbeiter weiter ausbauen zu können.

Ideen für Aktionen wie ein Fanfrühstück am Spieltag, Filmvorführungen, diverse Veranstaltungen mit Referenden, Podiumsdiskussionen, Grillen, Beiratssitzungen, KOS-Veranstaltungen oder Tagungen von Fanbündnissen und bildungspolitischen Veranstaltungen gibt es en masse, leider fehlt es an Entfaltungsraum im Sinne von angemessenen Räumlichkeiten sowie an Budget.

Wenn man kein Geld zu verschenken hat, sollte man es möglichst sinnvoll investieren... erst recht, wenn das höchste Gut der örtliche Fußballverein ist.

In diesem Sinne:
Pro Fanprojekt

Unterstützer:
Generation Luzifer
Frenetic Youth
Pfalz Inferno

Quelle: Szene KL

Weitere Links zum Thema:

- Ultras hinterfragen Arbeit des Fanprojekts (Szene KL, 01.02.2013)
- Fanprojekt: Nach Gesprächsrunde bereit für Neuanfang (Szene KL, 21.02.2013)
- Fanprojekt hat sich neu aufgestellt (Fanprojekt KL, 11.07.2013)
- Fanprojekt Kaiserslautern für 2014 gesichert (SWR, 19.11.2013)

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