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Blick in die Kurve

Der Fußball ist sicher: Fans von Kaiserslautern und Kiel protestieren gegen Innenminister-Pläne

24.11.2025, 08:59 Uhr - Autor: Ingo Konrad

Die Partie des 1. FC Kaiserslautern gegen Holstein Kiel steht auf den Rängen im Zeichen der Fanpolitik. Die Anhänger beider Vereine schließen sich mit mehreren Aktionen dem bundesweiten Protest gegen die Fußball-Pläne der Innenminister an.

Titelfoto

"Soll das die Zukunft des Fußballs sein?" Wie die Innenminister der Länder diese auf einem großen Spruchband vor der Westkurve platzierte Frage beantworten würden, weiß man nicht genau. Klar dürfte aber sein, dass die Antwort sämtlicher Stadiongänger bei der Partie des FCK gegen die Kieler Störche ein klares "Nein" ist. Einen Fußball ohne Stimmung, ohne akustischen sowie optischen Support und damit ohne das größte Pfund, mit dem die Bundesligen im internationalen Vergleich wuchern können, kann wirklich niemand wollen.

Stimmungsboykott in der Westkurve

Das Banner mit der Frage ist Teil der zu Beginn des Spiels organisierten Protestaktionen, denen sich in den vergangenen Tagen fast alle deutschen Fankurven angeschlossen haben, um sich gegen die Gedankenspiele mancher Innenminister zu positionieren, die ein härteres Vorgehen rund um Fußballspiele im Sinn haben. Von einer Verschärfung der Stadionverbotspraxis über personalisierte Tickets bis hin zu KI-gestützten Überwachungssystemen ist dabei die Rede. Ein Hauptargument der Fans und Kritiker dieser Überlegungen steht auf einem ersten Spruchband vor der Westkurve: "Der Fußball ist sicher! Schluss mit Populismus - Ja zur Fankultur!"



Zum Einlaufen der Teams gehen in den Blöcken der West zahlreiche weitere Banner nach oben: "Schlechter Populismus löst keine Probleme", "Die Unschuldsvermutung gilt auch für Fußballfans" oder "Fußballstadien sind kein Testing-Ground für totalitäre Überwachung", ist darauf zu lesen. Mehrere Spruchbänder sind zudem am Elf-Freunde-Kreisel und den Straßen rund um das Fritz-Walter-Stadion platziert. Auch Ministerpräsident Alexander Schweitzer, selbst eingefleischter FCK-Fan und jahrzehntelanger Stadionbesucher, bekommt eine Botschaft mit auf den Weg: "Schweitzer: Mit Fankultur für sich werben, doch dein Innenminister reitet uns ins Verderben. Nein zu den IMK-Plänen!"

Protest-Spruchbänder in der Westkurve

Spruchband: @Schweitzer: Mit Fankultur für sich werben, doch dein Innenminister reitet uns ins Verderben. Nein zu den IMK-Plänen!

Am meisten Eindruck hinterlässt allerdings das zwölf Minuten lange Schweigen zu Beginn der Partie, das für eine gespenstische Atmosphäre im mit 45.517 Zuschauern bestens gefüllten Fritz-Walter-Stadion sorgt - unterbrochen lediglich vom zweifachen Torjubel bei den beiden frühen Treffern der Roten Teufel.

Im zweiten Durchgang, als in der Westkurve längst wieder die Gesänge und üblichen Fahnen präsent sind, blicken die FCK-Fans einem recht ungefährdeten Heimsieg entgegen und feiern diesen am Ende sogar mit der schon länger nicht mehr gesehenen Laola - gestartet vom lautstarken Anhang auf der Südtribüne. Die klappt beim ersten Versuch zwar noch nicht optimal, auch weil sie irrtümlich in beide Richtungen statt wie üblich gegen den Uhrzeigersinn geht, dürfte auf den Sitzplätzen aber für etwas willkommene Aufwärmung durch Bewegung gesorgt haben. Kurze Zeit später geht die Welle dann von der Südtribüne und Westkurve aus durchs ganze Stadion.

Von der Südtribüne gestartete Laola

Nach dem Spiel geht es in Sachen Fanpolitik schließlich noch in eine weitere Runde, als Anhänger des FCK und der KSV in der Fanhalle Nord eine gemeinsame Infoveranstaltung organisiert haben. Rund 1.000 interessierte Stadionbesucher hören bei mehreren Wortbeiträgen unter anderem zur drohenden KI-Gesichtserkennung oder zur Bedeutung der Fußball-Fankultur zu. Die Redner von Kaiserslautern und Kiel betonen, dass Fußballfans kein Sicherheitsrisiko sind und dass der Stadionbesuch keine Gefahr darstellt, sondern ein positives Erlebnis. Applaus und gemeinsame Fangesänge kommen aus dem Publikum - auch dies ist ein wichtiges Statement in der laufenden Debatte.

Gemeinsame Inforunde beider Fanszenen in der Nordtribüne

Aus Kiel haben knapp 1.000 Anhänger die Reise nach Kaiserslautern mitgemacht. Bereits am Morgen legen sie gemeinsam mit Vertretern beider Vereine einen Kranz am Grab von Ottmar Walter nieder, der während seiner Marinezeit auch kurz für die KSV spielte. Vor und nach dem Spiel beteiligen sie sich außerdem an den Aktionen gegen die Pläne der Innenministerkonferenz. Außerdem machen die Schleswig-Holsteiner auf ihre häufig sehr weiten Auswärtsfahrten aufmerksam und fordern eine "Kilometerbegrenzung für Sonntagsspiele". Tatsächlich sind es von der Förde bis in die Pfalz hin und zurück rund 1.400 Kilometer. Angesichts solcher Distanzen und angesichts der mageren Leistung ihrer Elf ist auch der Frust der Störche-Fans zu verstehen. "Oh, wie ist das schön", schallt es im zweiten Durchgang sarkastisch aus dem Gästeblock. Nach Spielschluss gibt es noch eine kleine Ansage an die Mannschaft, von der als Bundesliga-Absteiger mehr erwartet wird als das, was auf dem Betzenberg von einem starken FCK-Team zugelassen wurde.

Anstoßzeiten-Protest im Gästeblock

Zur kompletten Fotogalerie vom FCK-Spiel gegen Kiel:

- Fotogalerie | 13. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern - Holstein Kiel

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