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Gegner-Check

Gegner-Check Hertha: Die Alte Dame ist wieder aufgeblüht

05.11.2025, 20:19 Uhr - Autor: Eric Scherer

Das Tabellenbild mag's nicht bestätigen, aber im Fritz-Walter-Stadion steigt am Samstagabend ein echtes Topspiel. Hertha BSC ist formstark und will oben andocken. Der 1. FC Kaiserslautern mischt dort schon mit und will nach zwei Remis den nächsten Sieg.

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Foto: Imago Images

Anspruch und Wirklichkeit: Mehr als sonstwo in der Zweiten Liga wurde an der Spree in diesem Sommer unverhohlen vom Aufstieg geredet. Wieso eigentlich, wird sich so mancher nach dem 6. Spieltag gefragt haben. Nach erst einem Sieg, drei Niederlagen und einem 15. Tabellenrang schienen die Träume wieder mal Schäume zu sein, wie schon so oft in den vergangenen Jahren. Seither hat sich die Alte Dame aber ordentlich berappelt. Vier Siege in fünf Spielen. Nur Uwe Rösler klaute ihr bei seinem Trainerdebüt in Bochum die Punkte (2:3). Hertha scheint nun also auf Kurs. Und im DFB-Pokal schaltete sie sehr eindrucksvoll die Überraschungsmannschaft aus Elversberg aus (3:0). Zu ihren hohen Ansprüchen muss ergänzt werden: Sie gründen im Grunde nicht auf Träumerei, sondern ergeben sich aus den Namen, denn die Hertha verfügt laut "Transfermarkt.de" über den Kader mit dem höchsten Marktwert - auch wenn dieser, wir müssen es immer wieder betonen, mit Vorsicht zu genießen ist und bei den Berlinern teils durch Leihspieler bedingt ist. Sie leisten sich als Zweitligist mit Fabian Reese (27) einen Stürmer, dem allenthalben Erstklassigkeit attestiert wird - TM-Marktwert: fünf Millionen Euro. Mit dem B-Junior Kennet Eichhorn (16) hat sie ein Ausnahmetalent an sich gebunden, das bereits mit sechs Millionen Euro taxiert wird, wenn auch mehr wegen der Perspektive und nicht weil er jede Woche die Liga dominiert. Mit Michaël Cuisance (26) wird sie von einem Mittelfeldmotor angetrieben, der endlich den hohen Erwartungen gerecht zu werden scheint, die zu Beginn seiner Karriere an ihn gestellt wurden, als er für acht Millionen Euro von Gladbach zu den Bayern wechselte. Und mit den Neuerwerbungen Sebastian Grönning (28) und Dawid Kownacki (28) sah man endlich die Lücke im Sturm gestopft, die der Abgang von Haris Tabakovic schon im vorangegangenen Sommer hinterlassen hatte. Da ließen sich selbst die aktuellen Abschiede von Ibrahim Maza (zu Bayer Leverkusen) und Derry Scherhant (zum SC Freiburg) verschmerzen. Obendrein hat die Berliner Führungsmannschaft nach wie vor festes Vertrauen in die Arbeit von Stefan Leitl, der nunmehr seit Februar bemüht ist, an der Spree die Spielkultur zu etablieren, für die er steht.

Die Neuen: Kownacki und Grönning haben wir schon erwähnt. Kownacki hat sich Ende September eine Sprunggelenksverletzung zugezogen und fällt bis Jahresende aus. Grönning hat mit drei Treffern die Liga bislang nicht gerade gerockt. Der aufwärtsmarschierenden Hertha fehlt bislang noch ein echter Torjäger. Bayern-Leihgabe Maurice Krattenmacher (20) kommt erst auf vier Startelf-Einsätze. Vor zwei Wochen schoss er im Heimspiel gegen Düsseldorf allerdings den späten Treffer zum 1:0-Sieg. Der solide Mittelfeld-Handwerker Leon Jensen (28), ablösefrei aus Karlsruhe geholt, fällt seit vier Wochen mit einem Muskelfaserriss aus. Der Wandervogel Paul Seguin (30), zuletzt auf Schalke unter Vertrag, musste im ersten Saisonviertel mit einer Wadenverletzung passen, ist seit der jüngsten Länderspielpause aber voll dabei und war beim 2:0-Sieg gegen Dresden zuletzt der einzige Neuzugang, der in der Startelf stand. Innenverteidiger Niklas Kolbe (28), für kleines Geld aus Ulm geholt, und Grönning kamen erst nach der Pause.

Die Formation: In den jüngsten beiden Partien durfte Luca Schuler (26) in Leitls 4-2-3-1-Formation wieder mal als Sturmspitze ran. So richtig den Durchbruch geschafft hat der Vorderpfälzer, der als B-Junior mal am Betze kickte, aber auch in seinem zweiten Berliner Jahr noch nicht. Die Flügel besetzten zuletzt Kapitän Reese und Krattenmacher, auf der Zehn spielte Cuisance stark auf. Auf diesen Positionen hat die Hertha mit Jón Dagur Thorsteinsson (26), Marten Winkler (23) und Kevin Sessa (25) auch starke Alternativen im Angebot. An Reese und Cuisance dürfte derzeit allerdings keiner vorbeikommen. Das hintere Mittelfeld stabilisierten Seguin und Veteran Diego Demme (33). Die Abwehrkette vor Stammtorhüter Tjark Ernst (22) bildeten Márton Dárdai (23) und der wiederaufgeblühte Toni Leistner (25) in der Innenverteidigung, als Außenverteidiger liefen Michal Karbownik (24) (links) und Linus Gechter (21) (rechts) auf. Gechter verletzte sich allerdings und wurde durch Julian Eitschberger (21) ersetzt, ein Eigengewächs, das zuletzt an Drittligist Essen ausgeliehen war.

Zahlenspiele: Auf dem Papier mutet die Paarung nicht sonderlich aufregend an: Der Tabellen-6. trifft auf den Tabellen-8., na und? Faktisch ist's aber ein Kracher, der eines Prime-Time-Spiels würdig ist, und das nicht nur wegen der traditionsreichen Klubnamen und des ausverkauften Stadions. Betrachtet man sich die Formtabelle, die nur die fünf zurückliegenden Spieltage berücksichtigt, gastiert der Tabellen-2. beim Tabellen-6. - das liest sich schon anders. Beide Teams haben sich nach einem durchwachsenen Saisonstart deutlich stabilisiert. Die Hertha allerdings erzielte nur 14 Treffer bislang, und auch der xGoals-Wert liegt nur wenig höher (15,61). Damit reicht es im Liga-Vergleich nur für einen Rang in der unteren Tabellenhälfte. Bester Torschütze ist zurzeit Grönning mit drei Treffern, und zwei davon hat er allein im Spiel gegen Münster (2:1) erzielt. Das zeigt: Allem Aufschwung zum Trotz hat die Hertha immer noch keinen richtigen Torjäger, und eben das könnte zum Problem werden auf dem weiteren Weg nach oben. Sie hat auch noch keinen Treffer von außerhalb des Strafraums erzielt. Dafür stellt sie hinter Schalke und Darmstadt die beste Abwehr - erst zehn Gegentreffer (FCK: 13). Aber: Ihren "xGoals against"-Werten zufolge müsste die Alte Dame schon mehr als 18 kassiert haben (FCK: 16,32). Auch beim jüngsten 2:0-Heimsieg gegen Dresden erspielte sich der Gast einen xGoals-Wert von 1,54, hätte also durchaus treffen können. Beim 1:0 zu Hause gegen Düsseldorf in der Woche davor kam die Fortuna sogar auf 1,68 xGoals, und zum letzten Gastspiel in der Fremde schenkte Bochum den Berlinern drei sehr reale Treffer ein. Nicht vergessen werden darf aber: Die Hertha verfügt mit Reese über den zweitbesten Torvorbereiter der Liga - fünf Assists bislang, einer mehr als Paul Joly. Und den fleißigsten Flankengeber stellt sie ebenfalls: 83-mal schon servierte Reese einen Ball vom Flügel in den Strafraum. Der Zweitbeste in diesem Ranking, Dresdens Konrad Faber, kommt lediglich auf 52 Flanken. Bester Lautrer ist auch in diesem Vergleich Joly - 37 Flanken, Platz 7. Und: Oldie Leistner ist nach Darmstadts Patric Pfeifer Liga-Bester beim Abfangen von Bällen.

Fazit: Auch wenn's das Tabellenbild nicht so richtig bestätigen mag: Das Betzenberg-Publikum erwartet am Samstagabend ein Topspiel. Da treffen zwei Teams aufeinander, denen der nächste Dreier sehr gut täte, und das schafft immer eine spannende Ausgangssituation. Die extrem heimstarken Lautrer wollen gewinnen, um nach zwei Remis in Folge an den Aufstiegsplätzen kleben zu bleiben, die Berliner, um ihren Aufwärtstrend weiter zu bestätigen und dahin zu klettern, wo die Pfälzer jetzt stehen. Mutmacher für den FCK: Die Gäste lassen vor dem Tor mehr zu, als ihre zehn Gegentreffer bislang aussagen. Und sie haben nach wie vor keinen richtigen Goalgetter in ihren Reihen. Dennoch wird's drauf ankommen, die Kreise von Reese (links) und Cuisance (zentral) einzuengen. Auf der rechten Abwehrseite fallen Joly und Luca Sirch in erster Linie durch ihr starkes Spiel nach vorne auf. Sind sie defensiv stark genug für Reese - oder muss Torsten Lieberknecht sich da was einfallen lassen? Was die Startelf-Besetzung angeht, wird, wie mittlerweile üblich, bis zur Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellung gerätselt werden, ob Marlon Ritter zurückkehrt oder zunächst auf der Bank Platz nimmt. Die für uns spannendere Frage ist aber: Jisoo Kim dürfte nach seiner Zerrung nun wieder hundertprozentig fit sein. Aber wird er tatsächlich für Leon Robinson wieder in die Startelf rücken? Robinson hat ihn in der zurückliegenden Englischen Woche als sein Vertreter auf der linken Innenverteidiger-Position absolut überzeugt. Da steht für den Coach eine echte Härtefall-Entscheidung an.

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