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Blick in die Kurve

"Rote Ecke zum Sieg": Last-Minute-K.o. sorgt für Ekstase im Gästeblock

19.10.2025, 13:11 Uhr - Autor: Thomas Hilmes

Vor dem Spiel fliegen symbolisch die Fäuste, danach real. Beim Derby in Karlsruhe stehen im Gästeblock zwei Lautrer Legenden, zwei ungeliebte Nachbarn und ganz viel Freude über den K.o.-Sieg im Pfalz-Baden-Duell im Fokus.

Titelfoto

Über Lautern lacht die Sonne, über Karlsruhe die ganze Welt: Dieser etwas abgewandelte Spruch der SC-Freiburg-Fans aus den 1990er Jahren traf zumindest mit Blick auf das Wetter schon vor Spielbeginn zu, denn der Gästeblock des Wildparkstadions wurde hell von der Oktobersonne angestrahlt. Offiziell 3.600, aber tatsächlich wohl fast 5.000 Fans des 1. FC Kaiserslautern hatten Karten für das ausverkaufte Derby beim Karlsruher SC ergattert. Wie viele Betze-Anhänger tatsächlich auch außerhalb des Gästeblocks saßen, ließ sich beim Torjubel zum 3:2 erkennen. Denn aufgrund der strengen Kontrollen konnten sie vorher nicht ihre roten Farben zeigen.



Zum Intro hatten die Lautrer Fans diesmal FCK-Box-Legende Karl Mildenberger mitgebracht, dessen Konterfei im Kampfmodus, untermalt von roten Fahnen, Konfetti und weißen Papptafeln, das Motto des Tages vorgab: "Rote Ecke zum Sieg!" Dazu wurde der Zaun als Boxring mit Ecken und Ringseilen beflaggt.

Choreo im Gästeblock

Der Pfälzer Anhang legte wie bisher immer im neuen Wildparkstadion mit seinem großen Eck-Gästeblock einen geschlossenen Auftritt hin und zeigte nicht nur beim "Badnerlied" seine Antipathie gegen den Gegner. Während die 2:0-Führung ausgelassen gefeiert wurde, wurde es nach dem 2:2-Ausgleich spürbar zitterig, ehe Marlon Ritters 3:2 in der Nachspielzeit die Emotionen explodieren ließ. Der Kapitän stürmte nach seinem Treffer mit dem gesamten Team im Schlepptau an den Gästeblock, sprang über die Werbebande und jubelte fast hautnah mit den Auswärtsfahrern. Die nach dem Schlusspfiff folgende Feier war ebenso ausgiebig wie ausgelassen, inklusive dem mittlerweile schon obligatorischen Siegerfoto von Mannschaft und Fangmeinde.

FCK-Fans im vollbesetzten im Gästeblock

Torjubel von Spielern und Fans

Im Gästeblock wurden außerdem einige Spruchbänder gezeigt. Unter anderem wurde der Geheimtest gegen Hoffenheim in der zurückliegenden Länderspielpause kritisiert: "Hinterzimmer-Testspiele gegen Mäzen-Verein - Geheimniskrämerei statt Haltung. Keine Akzeptanz für Hoffenheim!" Und einer neben Karl Mildenberger anderen Legende des FCK wurde gratuliert: "Alles Gute zum 70. Walz aus de Palz". Hans-Peter Briegel feierte just an diesem Abend auf der schöneren Seite des Rheins seinen Geburtstag nach und hatte sich zuvor "mal wieder in Karlsruhe gewinnen" als Geschenk gewünscht. Auftrag erfüllt!

Spruchband im Gästeblock: Keine Akzeptanz für Hoffenheim

Spruchband im Gästeblock: Alles Gute zum 70. Walz aus de Palz

Eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff flogen schließlich noch tatsächlich kurz die Fäuste dort, wo sie vorher Karl Mildenberger eigentlich nur symbolisch erhoben hatte. Ein paar hundert Karlsruher konnten die Schmach im Derby nicht ertragen und mogelten sich hinter der Gegentribüne in Richtung Gästeblock, neben dem sie schließlich durchs Mundloch im Nachbarblock O1 auftauchten. Fragwürdig ist hier auch die Rolle der Polizei, die beim Derby vor fünf Monaten noch Schlagzeilen mit übertriebener Gewalt gegen KSC-Anhänger machte, diese nun aber ungehindert in Richtung Gästefans durchlaufen ließ. Erst mit Verspätung kamen die Einsatzkräfte an den Ort des Geschehens und gingen dann auch noch im Gästeblock dazwischen anstatt gegen die Angreifer auf der anderen Seite des Zauns. Untermalt und angeheizt wurde die ganze Szenerie vom Stadionsprecher, der ebenfalls die angegriffenen FCK-Fans in den Senkel stellte. Falscher Film, oder was?! Der FCK hat dazu bereits am Samstagabend eine Stellungnahme veröffentlicht. Im unteren Bereich der Tribüne kam es dann zum besagten kurzen Schlagabtausch, ehe die Ordnungshüter die Lager doch noch trennen konnten. Begleitet von "Derbysieger"-Schlachtrufen der noch verbliebenen Betze-Anhänger löste sich die Situation langsam auf, wobei einige der angegriffenen Lautrer noch ihre Personalien bei der Polizei abgeben mussten.

Ergänzung, 14:00 Uhr: Auch der KSC hat mittlerweile eine Stellungnahme veröffentlicht, in der für Augenzeugen ebenso wie für Betrachter von Internet-Videos doch sehr überraschend davon die Rede ist, "dass das Ordnungspersonal, die Polizei sowie auch unser Stadionsprecher unmittelbar und angemessen deeskalierend eingegriffen haben".

Auseinandersetzungen am Gästeblock

Foto: Imago Images

In der Heimkurve wurde zu Spielbeginn eine Choreo gezeigt, nachdem selbige beim letzten Duell aufgrund des besagten Polizei-Einsatzes kurzfristig abgesagt worden war. "Allez Karlsruh'" war mit Papptafeln und einem Banner zu lesen.

Auch auf Seiten der KSC-Fans war das ganze Spiel über und vor allem in der heißen Schlussphase diese knisternde Derby-Atmosphäre spürbar. Mit dem Gästeblock wurden verbale Nettigkeiten ausgetauscht, von der Gegentribüne flogen Becher bei kontroversen Entscheidungen des Schiedsrichters. Am Ende blieb aber nur der Frust für blau-weiß. K.o. in der letzten Runde!

Choreo der KSC-Fans in der Heimkurve

Zur kompletten Fotogalerie vom FCK-Spiel in Karlsruhe:

- Fotogalerie | 9. Spieltag: Karlsruher SC - 1. FC Kaiserslautern

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