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Gegner-Check

Gegner-Check VfL: Absteiger im Sinkflug

01.10.2025, 12:30 Uhr - Autor: Eric Scherer

Mit dem VfL Bochum erwartet der 1. FC Kaiserslautern einen Gegner, bei dem in dieser Saison noch gar nichts zusammenläuft. Macht ihn dies zur leichten Beute? Stand jetzt eher zu einem schwer berechenbaren Widersacher.

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Foto: Imago Images

Anspruch und Wirklichkeit: Die spannendste Frage zum VfL Bochum, die auch FCK-Fans beschäftigt, lautet wohl: Wird bereits am kommenden Samstag ein neuer Trainer auf der Bank sitzen, und wenn ja, wer? Stand Mittwoch, 12:00 Uhr gibt es hieraus noch keine Antwort. Der zu Wochenbeginn heiß gehandelte Robert Klauß wird von vereinsnah recherchierenden Kollegen mittlerweile schon wieder als unwahrscheinlich angesehen, ebenso wie Ex-FCK-Coach Markus Anfang, dessen Name auch schon gefallen. Als neuester Kandidat wird Uwe Rösler genannt. Derzeit scheint aber am wahrscheinlichsten zu sein, dass Interimscoach Jan Siebers auch auf dem Betzenberg die Bank drückt. Abgesehen davon könnte wohl kaum noch einer kommen, der diese Mannschaft bis Samstag auf- und neu auszurichten vermag. Zu vieles wirkt bereits festgefahren in den wenigen Wochen dieser Spielzeit. Sechs Niederlagen in sieben Spielen, zuletzt fünf in Folge. Platz 17. Der erfahrene Trainer Dieter Hecking ist bereits entlassen, Sport-Geschäftsführer Dirk Dufner ging gleich mit. Damit ist der Bundesliga-Absteiger gezwungen, sich noch stärker umzukrempeln, als er es im Sommer bereits getan hat. 15 Spieler, zumeist ältere, gingen, 15, zumeist jüngere, kamen, da der Altersdurchschnitt im Kader gesenkt werden sollte. Doch die Neuen enttäuschten, die verbliebenen Alten, die dem Team Struktur geben sollten, ebenso. Andreas Luthe, vor zwei Jahren noch FCK-Keeper, bei seinem Heimatverein nun seit Juni Vorstandsvorsitzender, hat da noch jede Menge Nüsse zu knacken. Erstmal braucht er neben einem neuen Trainer einen neuen Sportchef. Dass dieser Thomas Hengen heißen könnte, ist bislang auch nicht mehr als ein wenig glaubhaft anmutendes Gerücht. Erwähnt werden muss aber auch: Mit Ibrahima Sissoko (29), Koji Miyoshi (28) und Moritz-Broni Kwarteng (27) fehlen dem VfL zurzeit gleich drei Akteure, die dem Mannschaftsgerüst mehr Stabilität verleihen könnten.

Die Neuen: Vier Jahre Erste Liga mit entsprechenden TV-Geldeinnahmen machten es möglich: Der VfL hatte im Sommer einen Lizenzspieleretat von 21 Millionen Euro zur Verfügung, also einen der höchsten der Liga. Daher war der Anhang gar nicht mal so pessimistisch gestimmt, dass auch Qualität zum Absteiger transferiert wird. Eine dieser Hoffnungen hieß Ibrahim Sissoko (29), der ablösefrei vom AS St. Etienne kam, aber angesichts eines Marktwertes von geschätzt 1,8 Millionen Euro ordentlich was an Handgeld gekostet haben dürfte. Bislang aber bringt der es lediglich auf sechs Kurzeinsätze. Immerhin traf er mal zu Sieberts Einstand gegen den 1. FC Nürnberg (1:2). Mathis Clairicia (23), aus Frankreichs Dritter Liga gekommen, hat ebenfalls noch nichts gerissen. Hoffnungsfroh erwartet wurde auch das Verteidiger-Talent Colin Kleine-Bekel (22) aus Kiel, das aber bringt es bislang nur auf 20 Einsatzminuten in der Liga. Romario Rösch (26), der vergangene Saison in Ulm Betrieb auf der linken Seite machte, muss sich bislang hinter Stammkraft Maximilian Wittek (30) anstellen. Ihm nach Bochum gefolgt ist der linksfüßige Innenverteidiger Philipp Strompf (27), den eine Muskelverletzung zurückwarf. Von den Leihspielern hat sich Leandro Morgalla (21) aus Leipzig in der Innenverteidigung etabliert, auch der Dortmunder Kjell Wätjen (19) entwickelt sich ordentlich. Der Leverkusener Farid Alfa-Ruprecht (19) setzte ihm zuletzt bei seinem 15-minütigen Einsatz gegen Düsseldorf (0:1) Akzente. Sein mit vom Niederrhein geliehener Teamkollege Francis Onyeka (18) hat schon ein paar Kurzeinsätze mehr gesammelt. Bei Stürmer Michael Obafemi (25) aus Burnley lief noch gar nichts zusammen. Immer mit dabei war dagegen der erfahrene Kevin Vogt (34) . Dem Routinier traute man zu, mit seinen über 350 Erstliga-Einsätzen für Hoffenheim, Union Berlin und Köln der Abwehr Halt zu geben können - aber auch er enttäuscht bislang. Zu den wenigen erfreulichen Überraschungen zählt Eigengewächs Cajetan Lenz (19), der seit dem 3. Spieltag auf der Sechs gesetzt ist.

Die Formation: Dieter Hecking hatten in seinen finalen Spielen als Verantwortlicher nochmal auf Viererkette umgestellt, Liebers kehrte jedoch zu Formationen mit Dreier-/Fünferkette zurück. Ihm sei gelungen, "das Flügelspiel zu verbessern und durch intensives Pressing hohe Ballgewinne zu provozieren", schreibt der "Kicker". Im lahmen Offensivspiel des VfL dagegen vermochte er bislang noch nicht zum Besseren zu wenden. Ex-Lautrer Philipp Hofmann (32) hängt durch, blieb bislang aber als Keilspitze gesetzt - weil es an Alternativen fehle, heißt es. Linksaußen Gerrit Holtmann (30) und der hinter ihm postierte Wittek zählen noch zu den konstantesten Kräften im Team, rechts mühten sich zKapitän Matus Bero (30) und zuletzt gegen Düsseldorf Youngster Kacper Koscierski (18). Mit Felix Passlack ließ Liebers einen seiner in Formkrise befindlichen Leistungsträger die volle Spielzeit auf der Bank schmoren. Das zentrale Mittelfeld vertraute Siebers mit Lenz und Wätjen zwei Unter-20-Jährigen an - das muss man sich erstmal trauen. Die beiden machten das gar nicht mal schlecht. Zumindest in der zweiten Hälfte bot sogar die gesamte VfL-Elf eine recht ansprechende Leistung, der unglücklichen 0:1-Heimniederlage zum Trotz. Vogt, Morgalla und der von einer Leihe nach Fürth zurückgekehrte Noah Loosli (28) bildeten die Dreier-Abwehrkette, das Tor hütete der Ex-Kölner Timo Horn (30). Daran wird sich wohl auch am Samstag nichts ändern.

Zahlenspiele: Es heißt, für mindestens einen kapitalen Bock pro Spiel sei die Bochumer Hintermannschaft immer gut. Das kennen wir doch von irgendwoher. Und in der Tat: Wenn man sieht, wie leicht sich die Bochumer gegen Düsseldorf und in Nürnberg Gegentreffer nach ruhenden Bällen einschenken ließen, könnten einem die glatt die Tränen kommen. Aber: Die Ruhrpottler haben ihre Spiele fast durchweg nur knapp verloren, in Nürnberg erst in der Schlussminute. Richtig gedengelt wurden sie nur zum Saisonauftakt in Darmstadt (1:4). Die Gesamtbilanz ist und bleibt jedoch deprimierend: Nur sechs Treffer erzielt, das ist zweitschlechtester Liga-Wert. Zwölf kassiert, da sind nur fünf schlechter. Merkwürdigerweise holen die Bochumer die meisten Ecken aller Zweitligateams heraus. Der Ertrag aber ist erbärmlich. Nur ein Treffer, erzielt vom nunmehr verletzten Sissoko beim bislang einzigen Saisonsieg gegen Elversberg (2:0). Krass lesen sich die Statistiken von der jüngsten Heimniederlage gegen Düsseldorf: 65 Prozent Ballbesitz, 88 Prozent Passpräzision - das klingt nach Barca. Aber: 23:7 nach Torschüssen insgesamt, aber nur 4:3 nach Torschüssen, die auch wirklich auf den Kasten kamen. Und 0:1 verloren. Noch Fragen, woran's hängt?

Fazit: Die Ausgangslage für den VfL erscheint so besch... eiden, dass sie ihm schon wieder zum Vorteil gereicht. "Die haben nichts zu verlieren", pflegt da das Phrasenschwein zu grunzen, "und können dementsprechend befreit aufspielen." Vom Vergleich mit dem angeschlagenen Boxer, der besonders gefährlich ist, mal ganz abgesehen. Egal, was man von solchen Weisheiten hält: Die Formschwankungen, die die vermeintlichen Korsettstangen des Teams gegenwärtig durchlaufen, eröffnen Siebers - oder wer auch immer am Samstag Bank sitzt - die Option, eine komplett neu durchgemischte Elf aufs Feld zu schicken. Das macht den Gegner schwer berechenbar. Änderungen in der Startelf des FCK wird's ebenfalls geben. Nicht nur, weil Maxwell Gyamfi rotgesperrt gefehlt. Erster Nachrücker für ihn ist Jan Elvedi, und Luca Sirch dürfte auf die Position des zentrales Abwehrmann rücken. Oder bekommt Leon Robinson mal wieder eine Chance von Beginn an? Bei seinen Kurzeinsätzen zuletzt war er stets direkt voll im Spiel. Die erste Niederlage nach zuvor drei Siegen könnte Torsten Lieberknecht aber auch dazu veranlassen, im Mannschaftsgefüge ein paar neue Reizpunkte zu setzen. Vielleicht schlägt dann ja die Stunde von Marlon Ritter oder Mahir Emreli, die zuletzt außen vor waren und prompt von den Medien zu "Sorgenkindern" hochstilisiert wurden, was freilich nach so wenigen Spielen übertrieben ist. Eins ist dagegen klar: Gegen diesen VfL Bochum ist "Fehler provozieren" angezeigt, also scharfes Pressing - und nach dem "Elversberg-Gesicht" in Paderborn wieder die entschlossene Mimik aus dem Match gegen Münster.

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