Gegner-Check
Gegner-Check Fürth: Zwei Extreme begegnen sich

Foto: Imago Images
Anspruch und Wirklichkeit: Mit seinem 5:4-Auswärtssieg über Magdeburg triumphierte das Kleeblatt im bislang wohl turbulentesten Spiel dieser Zweitliga-Runde. Doch es passt zur am Ronhof eigentlich üblichen Besonnenheit, dass der Erfolg am Ende nicht nur Lach-, sondern auch Sorgenfalten warf. Einen Zwei-Tore-Vorsprung in Überzahl nochmal zu verbaseln, sorgte hinterher für viel kritische Reflexion, trotz des Happy Ends, für das der eingewechselte Marco John (23) dann doch noch sorgte - in der neunten Minute der Nachspielzeit. Zumal die Franken bislang noch in keiner Partie stabil standen: Ein 3:2-Sieg zum Saisonauftakt gegen Dresden, eine 2:3-Niederlage in Braunschweig, ein 0:2 zuhause gegen Kiel - mindestens zwei Gegentreffer standen hinterher immer auf dem Konto, so sehr die zehn erzielten Treffer auf der anderen Seite auch Freude machen. Doch die defensive Festigkeit wiederzufinden, hatte für diese Saison höchste Priorität. Nach einer Spielzeit, in der die Fürther lange gegen den Abstieg kämpften, mit 59 Gegentoren die drittschlechteste Abwehr der Liga stellten und zeitweise sogar die am Ronhof eigentlich übliche Besonnenheit zu verlieren schienen. Vier verschiedene Übungsleiter drückten die Trainerbank, bis der Abschluss auf Rang 13 geschafft war. Der Aderlass im Sommer hielt sich in Grenzen. Der talentierte Keeper Nahuel Noll, ohnehin Vereinskapital der TSG Hoffenheim, zog nach Hannover weiter. Mit Gideon Jung, Marco Meyerhöfer und Simon Asta verließen drei langjährige Stammkräfte den Verein ablösefrei. Ein paar Euro gab's nur für den Ex-Stuttgarter Roberto Massimo, der in Fürth aber nie richtig in die Gänge gekommen war. Im Sommer war von einer "sportlichen Neuausrichtung" die Rede, die Sport-Geschäftsführer Holger Schwiewagner und Sportdirektor Stephan Fürstner unlängst bei einem Fantreffen aber revidierten: "Der grundlegende Weg, mit jungen Spielern mutigen Fußball zu spielen", soll auch künftig nicht in Frage gestellt werden.
Die Neuen: Geldgeber Thomas Sommer machte es möglich: Für Offensivkraft Aaron Keller (21) und Lukas Reich (18) überwiesen die Fürther 700.000 und 500.000 Euro nach Unterhaching und zu den Münchner Löwen. Recht viel für ihre Verhältnisse. Keller ist mittlerweile in die Stammelf gerückt, Reich hat erst in dieser Länderspielpause seinen verletzungsbedingten Trainingsrückstand aufgearbeitet und angeklopft. Für kleineres Geld kamen aus Ulm Felix Higl (28), der bislang nur von der Bank kommt, sowie aus Norwegen der Isländer Brynjar Ingi Bjarnason (25), der sich als Innenverteidiger direkt einen Stammplatz erkämpfte. Ablösefrei holte Fürstner den früheren St. Paulianer Philipp Ziereis (32) aus Österreich nach Deutschland zurück. Der soll den erfahrenen Abwehrchef geben, überzeugte bislang jedoch kaum, ebenso wenig der vom 1. FC Köln verpflichtete Sechser Mathias Olesen (24). Dagegen hat sich der Ex-Hannoveraner Jannik Dehm (29) wie erwartet den Platz auf der rechten Abwehrseite gesichert. Im Tor steht seit Saisonbeginn der Niederländer Pelle Boevink (27), der aus Ingolstadt kam.
Die Formation: In Magdeburg ließ Coach Thomas Kleine erstmals mit Viererkette spielen, davor hatte er mit Dreier-/Fünferketten operiert. Angesichts der vier Gegentreffer dürfte ihn diese Formation allerdings kaum so sehr überzeugt haben, dass er sich auch gegen den FCK zwingend dafür entscheidet. Auf jeden Fall dabei sein dürfte Stammkraft Luca Itter (26), egal, ob als linker Verteidiger oder linker Innenverteidiger. Über Kapitän Branimir Hrgota (32), seit Jahren der Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld, muss ebenfalls kein Wort verloren werden. Vorne sind Noel Futkeu (22) sowie Felix Klaus (32) gesetzt. Das Talent und der Routinier haben bereits jeweils vier Treffer auf dem Konto und sind damit bislang die großen Glücksbringer im Kleeblatt. Julian Green (30), ebenfalls feste Größe seit Jahren, kam in Magdeburg nur von der Bank. Am Sonntag allerdings dürfte Kleine keine Alternative bleiben, als ihn wieder von Anfang an zu bringen. Der sehnlichst zurückerwartete Sacha Bansé (24), in Magdeburg nach langer Pause über 60 Minuten endlich wieder Schwungrad im Fürther Spiel, hat sich schon wieder am Knie verletzt. Ebenso Maximilian Dietz (23), der den schwächelnden Ziereis in der Innenverteidigung ersetzen könnte, gegen Kiel aber auch für eine Halbzeit den ebenfalls nicht überzeugenden Olesen auf der Sechs ablöste. In Magdeburg fehlte mit Jomaine Consbruch (23) eine weitere Option fürs zentrale Mittelfeld. Das in Bielefeld einst hochgehandelte Talent kam allerdings auch zuvor schon nicht über den Status eines Kurzarbeiters hinaus.
Zahlenspiele: Es fielen Gegentreffer gegen die bereits formierte Abwehr über rechts, über links und durch die Mitte. Via Distanzschuss bezwungen wurde Boevink ebenfalls schon, auch Kontertore haben die Fürther gefressen. Es gibt eigentlich kein Muster, nach dem sich diese Hintermannschaft bevorzugt ausspielen lässt, sie ist in dieser Beziehung - Achtung, jetzt wird's doppelsinnig - nach allen Seiten offen. Damit stellt die Spielvereinigung das bislang einzige Team, das bereits eine zweistellig Zahl an Gegentoren kassiert hat. Aber auch das einzige, das schon zweistellig getroffen hat, dank Futkeu und Klaus. Andere statistische Daten sind weniger auffällig. Als "Ballbesitzteam" (47 Prozent im Schnitt) sind die Franken ähnlich mäßig ambitioniert wie der FCK (45 Prozent), in punkto Passpräzision (82,5 Prozent) liegen sie im Mittelfeld, während die Lautrer (76,3 Prozent) im Liga-Vergleich Vorletzter sind. Ganz schwach stellt sich Fürth bislang in den Laufdistanzen dar: Letzter bei "Intensive Läufe" und bei "Sprints". Da hat sich Lautern mittlerweile wenigstens Plätze im Mittelfeld erarbeitet.
Fazit: Was soll man da groß sagen? Futkeu und Klaus an die Kette legen und abwarten, bis der Gegner hinten patzt ... Als wenn das so einfach wäre. Das Problem ist halt: Lauterns Abwehr ist nicht ganz so gut, wie Fürths Abwehr schlecht ist. Da ist ebenfalls immer der eine oder andere Bock drin, auch wenn sich das im Vergleich zur Vorsaison schon reduziert hat. Spannend wird sein, wie die Trainer auf die jüngsten Entwicklungen reagieren. Kleine müsste auf die Formschwächen seiner Abwehrspieler eigentlich reagieren, doch fehlen ihm, wie's aussieht, die Alternativen. Und Torsten Lieberknecht? Inwieweit haben sich die Joker, die das Darmstadt-Spiel drehten, für einen Startelf-Einsatz aufgedrängt? Beim Test in Heidenheim (2:3) machte auch Leon Robinson weiter auf sich aufmerksam. Dass der Coach bei der zuletzt formierten Doppelspitze bleibt, vermuten wir mal stark. Bei der Probe gegen den Erstligisten harmonierten Ivan Prtajin und Faride Alidou ganz gut miteinander. Mahir Emreli ist nach seinem Ausfall gegen Darmstadt und Länderspiel-Trip mit Aserbaidschan auch wieder zurück, der von seiner Achillessehne geplagte Daniel Hanslik zumindest teilweise wieder im Mannschaftsraining. Wer also wird auflaufen? Genau wissen wir es erst am Sonntag um 13:30 Uhr.
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