Willkommen bei Der Betze brennt!




AnmeldenRegistrierenPasswort vergessen?Benutzername vergessen?


Quick-Links:

 

Gegner-Check

Gegner-Check SVE: Die Kaiserlinde wankt, aber entwurzelt nicht

20.08.2025, 19:13 Uhr - Autor: Eric Scherer

Die SV Elversberg hat einen härteren Cut hinter sich als alle anderen Zweitliga-Teams. Vorprogrammiert ist ihr Absturz aber noch lange nicht. Der Kader ist mit Sinn und Verstand neu geordnet, lässt aber noch Offensivqualität vermissen.

Titelfoto

Foto: Imago Images

Anspruch und Wirklichkeit: Mal ehrlich: Wer hat der SV Elversberg keine schwere Saison prophezeit? Es kam für die Saarländer ja auch knüppeldick, unmittelbar, nach dem sie in den Relegationsspielen gegen den 1. FC Heidenheim knapp den dritten Aufstieg in vier Jahren verpasst hatten. Manuel Baum, Semih Sahin, Robin Fellhauer, Maurice Neubauer, Fisnik Asllani, Muhammad Damar - alles Leistungsträger, alle weg. Und dann ging mit Horst Steffen auch noch der Trainer, der sieben Jahre lang für Erfolg stand, für gute Ergebnisse ebenso sorgte wie für guten Fußball. Und wie läuft's nun tatsächlich nach diesem Cut? Ein später 1:0-Siegtreffer gegen Nürnberg. Ein 0:2 in Bochum, bei dem die "Elv" aber schon nach sechs Minuten nur noch zu zehnt war. Ein 1:0 im DFB-Pokal bei Zweitliga-Absteiger Ulm, das auf dem Papier knapper aussieht, als es war. Diese Resultate lassen noch nicht allzu viele Schlüsse zu, wohin der Weg der SVE in dieser Spielzeit führen könnte. Außer vielleicht: Nach dem allgemein erwarteten tiefen Fall sieht's noch nicht aus. Warum auch? Nicht nur Steffen stand für Kontinuität - Sport-Vorstand Nils-Ole Book tut's immer noch. Ist zwar erst seit 2022 Fußballchef, aber immerhin schon im achten Jahr an der Kaiserlinde aktiv. Und mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Frank Holzer und Präsident Dominik Holzer weiß Book Funktionäre mit Sachverstand hinter sich, für die Kurzschlusshandlungen untypisch wären. Das Stadion soll im Rahmen eines Zweijahresplans auf eine Kapazität von 15.000 Zuschauern ausgebaut werden. Damit wäre der SVE auch ein äußerer Rahmen geschaffen, der für die Zweite Liga okay ist. Der Blick der Verantwortlichen richtet sich also auch weiterhin nicht nach unten.

Die Neuen: Die spannendste Neuerwerbung ist der Trainer. Vincent Wagner verfügt nicht über die Liga-Erfahrung, die Klubchefs vor einer Verpflichtung gern zur Voraussetzung machen, ist zuletzt aber mit der U23 der TSG Hoffenheim Regionalliga-Meister geworden. Welche Referenz wohl mehr verspricht? Das wichtigere Entscheidungskriterium für Book und die Holzer-Family dürfte ohnehin sein: Wagner verfolgt einen offensiven Ansatz, der dem Steffens gleicht. Der Neue selbst betont allerdings, dass es auch einen Unterschied zwischen ihm und seinem Vorgänger gäbe: "Horst ist leise, ich bin laut." Einen weiteren Aufsteiger präsentieren die Saarländer mit Felix Keidel (22), den sie von seinem Heimatverein, dem Drittligisten Ingolstadt, loseisten. Als Ersatz für den zum 1. FC Kaiserslautern abgewanderten Sahin verpflichteten sie mit Amara Condé (28) einen erfahrenen Sechser, der zuletzt im niederländischen Herenveen unterwegs war, davor aber drei Jahre in Magdeburg überzeugte. Von dort kam auch Flügel-Moskito Jason Ceka (25), der beim FCM aufs Abstellgleis geraten war. Der ehemalige Augsburger Lasse Günther (22) tritt Neubauers Nachfolge als linker Verteidiger an. Um Baum zu ersetzen, in der vergangenen Runde der vielleicht besten Rechtsverteidiger seiner Klasse war, wurde Jan Gyamerah (30) vom FCK verpflichtet. Die Position kann aber auch Keidel bekleiden, ebenso Nicholas Mickelson (26), der aus dem dänischen Odense ins Saargebiet wechselte. Mit Luca Pfeiffer (29) engagierte Book einen Stürmer, der 2022/23 für die seinerzeit von Torsten Lieberknecht trainierten Darmstädter ordentlich netzte, danach aber in Stuttgart und als Leihspieler in Karlsruhe weitgehend glücklos blieb. Obendrein ist er nach einer Fuß-OP noch nicht wieder fit. Gute Erfahrungen haben sie an der Kaiserlinde zudem mit Leihspielern gemacht: Vor Asllani und Damar haben sich da unter anderem Paul Wanner und Nick Woltemade profiliert, die in Heidenheim und Stuttgart mittlerweile feste Bundesliga-Größen sind. Ob Bambasé Conté (22), Jarzinho Malanga (19) und Mohammad Mahmoud (19), die aus Hoffenheim, Stuttgart und Zürich geliehen sind, in deren Fußstapfen treten, ist derzeit noch nicht abzusehen. Am meisten zugetraut wird Conté, der in der vergangenen Runde bereits in Karlsruhe Spielpraxis sammelte. Lukasz Poreba (25), vom Hamburger SV vorerst geborgt, aber mit Kaufoption ausgestattet, kann dagegen als Ad-hoc-Verstärkung angesehen werden.

Die Formation: Wie Steffen lässt auch Wagner vorzugsweise im 4-2-3-1 starten. Im Tor ist weiterhin Nicolas Kristof (25) gesetzt. Mit Lukas Pinckert (25)strong> konnte der ebenfalls umworbene Kapitän und Abwehrchef bislang gehalten werden. Ihm zur Seite stehen Maximilian Rohr 30), der zum Saisonauftakt gegen den FCN den Siegtreffer erzielte, oder der Franzose Florian Le Joncour (30). Links hat sich wie erwartet Günther festgespielt. Rechtsverteidiger Gyamerah sah in Bochum schon früh Gelb-Rot, am Freitag könnte der letztjährige FCK'ler von Keidel ersetzt werden, der in Ulm den Siegtreffer markierte. Im zentralen Mittelfeld muss sich der Ex-Lautrer Carlo Sickinger (28) nun gegen die starken Mitbewerber Condé und Poreba behaupten. Auf dem rechten Flügel hat Stammkraft Lukas Petkov (24) weiterhin die Nase vor Neuzugang Ceka, links Tom Zimmerschied (26) vor Malanga. Auf der Zehn hat Conté bislang noch nicht die Wirkkraft seines Vorgängers Damar erreicht. Gleiches gilt für die Asllani-Erben im Sturmzentrum. Da startete in den Liga-Partien Luca Schnellbacher (31), im Pokal Younes Ebnoutalib (21). Gescored haben beide nicht. Pfeiffer fällt weiterhin aus. In der Gerüchteküche wird David Mokwa als mögliche Last-Minute-Leihe aus Hoffenheim gehandelt, um die offensive Qualität nochmal anzuheben.

Zahlenspiele: Unter Steffen zeichnete die SVE vor allem durch hohe Laufintensität aus. Die lässt sich unter Wagner bislang noch nicht bestätigen. Was "Sprints" und "intensive" Läufe angeht, belegt sie, wie auch der FCK, im Liga-Vergleich Plätze in der unteren Tabellenhälfte, bei gelaufenen Kilometern insgesamt rangiert sie laut "bundesliga.de" sogar auf dem letztem Platz (FCK: Rang 11). Das muss nach zwei Spielen aber noch nichts heißen, zumal die "Elv" in Bochum schon nach sechs Minuten nur noch zu zehnt war. Auf jeden Fall weiterhin erkennbar ist der Wille zur Dominanz. 54 Prozent Ballbesitz gegen Nürnberg, 59 Prozent in der Pokalpartie gegen Ulm, die nach xGoals übrigens 2,44 : 0,30 für Elversberg endete. Selbst in Bochum kam die SVE trotz Unterzahl auf 46 Prozent Ballbesitz. Und sie setzte bereits ein Glanzlicht, das unter Steffen kaum zu sehen war. Rohr erzielte den Siegtreffer in der 90. Minute nach einem Eckball. Das war der Mannschaft in der vergangenen Saison nur ein einziges Mal geglückt.

Fazit: Nein, solche Wörter wie "Angstgegner" mögen wir nicht, zumal sie oft nur auf Gefühlen statt auf Fakten beruhen. Die Bilanz könnte dennoch gerne am Freitag verbessert werden, denn: Seit dem 3:2-Sieg im August 2023 mit dem fulminanten Zimmer-Treffer kurz vor Schluss hat der FCK gegen diesen Gegner dreimal nicht gewonnen. Auch diesmal hängen die Nüsse an der - übrigens in Wirklichkeit schon 2015 gefallenen - Kaiserlinde hoch. Offensiv mag Elversberg noch nicht zur Durchschlagskraft der vergangenen Jahre gefunden zu haben, aber: Sie hat bislang durchweg bessere xGoals-Ergebnisse als FCK, auch wenn man punktemäßig gleich steht. Nach nunmehr zwei Liga- und einer Pokalpartie sollten die Lautrer aber nun das in Vorbereitung ausgefallene Testspiel aufgearbeitet haben. Und das 7:0 in Potsdam gegen Stahnsdorf sollte ihnen Gelegenheit gegeben haben, das Bespielen von Gegnern zu üben, die sie kompakt geordnet erwarten. Wichtig wird sein, sich nicht hinten reindrängen zu lassen. Denn grundsätzlich werden die Elversberger auch diesmal wieder dominieren wollen. Und sie können immer noch Fußball spielen, auch wenn sie vorne noch nicht wieder die Offensivqualität erreicht haben, die sie mit Asllani und Damar hatten.

Forum:   762 Kommentare

Weitere Links zum Thema:

- Freitag, 18:30 Uhr: Kurztrip an die Kaiserlinde