Blick in die Kurve
"Vom Betze in die Republik": FCK-Ultras zelebrieren Pyro-Jubiläum
Die Spielplan-Macher haben in der Saison 2025/26 nicht lange gefackelt und mit der Partie des 1. FC Kaiserslautern gegen Schalke 04 eines der Stimmungs-Highlights gleich auf den 2. Spieltag gelegt. Klar, dass die Begegnung des vierfachen Deutschen Meisters aus der Pfalz gegen den siebenmaligen Titelträger aus dem Pott zum Topspiel-Termin am Samstagabend ausgetragen wird. Und ebenso klar, dass das Fritz-Walter-Stadion mit 49.327 Zuschauern bis auf den letzten Platz ausverkauft ist. Wobei das immer wieder lesenswerte Magazin "Die falsche 9" korrekterweise bemerkt hat, dass für einen FCK-Heimspiel-Auftakt letztmals vor 15 Jahren überhaupt keine Tickets mehr zu haben waren. Damals wurde der FC Bayern vor ausverkauftem Haus mit 2:0 nach Hause geschickt.
Bevor es gegen Schalke losgeht mit der Partie, heißt es allerdings erstmal Abschied nehmen von einem Spieler, der den FCK in den vergangenen Jahren gelebt und geprägt hat wie kaum ein anderer Profi. Jean Zimmer beendete in der Sommerpause seine Profikarriere und spielt künftig nur noch für den FCK II in der Oberliga. In den Minuten vor dem Anstoß bekommt er nun noch einmal seinen wohlverdienten Moment vor der Kurve, zu der Zimmer immer schon eine ganz besondere Beziehung pflegte und pflegt.
Stilecht mit "Westkurve"-Shirt kommt der frühere Kapitän um kurz nach 20:00 Uhr zu seinen ehemaligen Teamkollegen auf den Rasen. Während Vorsänger Justin über das Stadion-Mikro ein paar Worte an den Landstuhler richtet und unter anderem daran erinnert, wie Zimmer 2021 "in der dunkelsten Stunde" des Abstiegskampfs in Liga drei zurück zum FCK gewechselt ist, geht vor der Westkurve ein riesiges Banner nach oben mit Zimmers Zitat: "Ich möchte kein anderes Trikot als das des FCK mehr tragen". Nach einigen donnernden Sprechchören und sicher auch dem ein oder anderen Tränchen im weiten Rund geht es für Zimmer auf die Ehrenrunde - der dazu angestimmte Fangesang "Mein Leben hab’ ich dir vermacht, jeden Tag und jede Nacht", hätte passender kaum sein können.
Als Intro zum Spiel präsentieren die Betze-Ultras dann ein weiteres Spruchband über die komplette Breite der Westkurve mit der Aufschrift: "Von der Pfalz in die Republik - Seit 40 Jahren brennt der Betze". Dazu leuchten kurz nach dem Einlaufen der Teams Dutzende Bengalos über die gesamte Tribüne verteilt und erinnern an die erste Pyro-Show auf dem Betzenberg und in einem deutschen Stadion überhaupt im Jahr 1985. FCK-Fans, die ein Spiel des damals zu Hellas Verona gewechselten Hans-Peter Briegel besuchten, hatten das hierzulande bis dahin unbekannte Stimmungs-Element der italienischen Ultras in Norditalien kennengelernt und kurzerhand nach Kaiserslautern mitgebracht. Viele Jahre bevor in den deutschen Bundesligen die ersten großen Ultra-Gruppierungen überhaupt gegründet wurden, war der Betze bei einem der heute präsentesten Elemente der Fankultur einmal mehr der Vorreiter.
Per Spruchband sendet die Lautrer Fanszene später im Spielverlauf solidarische Grüße in Richtung der befreundeten Anhängern des FC Metz, die sich nach Vorfällen in der erfolgreich bestrittenen Aufstiegsrunde mit einer Sperrung einiger Zuschauer-Bereiche des Stade Saint-Symphorien durch die Ligue 1 konfrontiert sehen. Ansonsten heißt es, mitfiebern, mitschreien und alles geben für den wichtigen ersten Dreier der Saison. Mit zwei VAR-Entscheidungen, satten zwölf Minuten Nachspielzeit und viel Betze-typischer Hektik vor allem in der Schlussphase ist das Auftaktspiel nichts für schwache Nerven. Die nach der Führung durch Marlon Ritter immer besser werdende Stimmung reißt sogar Einwechselspieler Leon Robinson mit, der beim Warmlaufen mehrfach mit einstimmt: "Wir sind da, für unser’n FCK!" Nach dem Schlusspfiff ist es wiederum Jean Zimmer, der nun in der Westkurve in der ersten Reihe steht und zusammen mit 10.000 weiteren Fans dem siegreichen Betze-Team huldigt, auch sichtlich zur Freude seiner ehemaligen Mitspieler.
Die Schalke-Fans sind mit rund 6.500 Fans wie gewohnt stark vertreten und haben neben zahlreichen Schwenkfahnen eine stattliche Zaunbeflaggung inklusive des großen "Nordkurve Gelsenkirchen"-Banners im Gepäck. Erstmals richtig bemerkbar macht sich der blau-weiße Anhang mitten in der Verabschiedung für Jean Zimmer, was bei den FCK-Fans gar nicht gut ankommt. In der ganz heißen Phase der Partie versuchen die Schalker zwar vergeblich, ihr Team zur großen Schlussoffenisve zu schreien. Trotzdem wird die Mannschaft nach Spielende mit ordentlich Applaus verabschiedet.
Zur kompletten Fotogalerie vom FCK-Heimspiel gegen Schalke:
- Fotogalerie | 2. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern - FC Schalke 04
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