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Gegner-Check

Gegner-Check S04: Glück auf - und vorne drauf

06.08.2025, 15:24 Uhr - Autor: Eric Scherer

Erstes Heimspiel - und direkt eine Samstagabend-Gala für den 1. FC Kaiserslautern. Schalke 04 kommt. Und hat bereits ordentlich Selbstvertrauen getankt. Mit Malocher-Fußball, wie sein Anhang ihn liebt. Und der für Königsblau wieder prägend werden soll.

Titelfoto

Foto: Imago Images

Anspruch und Wirklichkeit: Hinter den Schalkern liegt die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte: Platz 14 in Liga Zwei. Nach wie vor drücken sie Geldsorgen, droht der Verkauf von Torjäger Moussa Sylla (25). Dennoch glaubt ja wohl niemand ernsthaft, dies könne die Euphorie bremsen, mit der Schalkes Anhang auch in diese Saison startet. Auf attraktive Neueinkäufe vermag sich diese Begeisterung diesmal allerdings nicht zu gründen, aber was soll's: Dann verankern die Königsblaugetreuen diese eben in der sportlichen Leitung. Der neue Sport-Vorstand Frank Baumann hat jahrelang Werder Bremen mit ruhiger Hand geführt, also schafft er das doch auch auf Schalke, oder? In Bremen war es zwar noch nie ernsthaft unruhig, jedenfalls nicht im Vergleich zu Gelsenkirchen, aber egal. Und die Referenz des neuen Trainers Miron Muslic, zuletzt mit Plymouth Argyle in die dritte englische Liga abgestiegen zu sein, elektrisiert ebenfalls nur so mittel. Aber der Typ überzeugt mit seiner zupackenden Art, klaren Ansagen und propagiert einen Spielstil, den die Süddeutsche als "Malocher-Umschaltfußball" bezeichnet. Das passt doch auf Schalke wie Veltins zur Currywurst, so what? Zum Saisonauftakt sah das alles auch schon richtig gut aus. Zur Beschreibung des 2:1-Sieges über Hertha BSC hämmerten die diversen Berichterstatter so ziemlich alles in ihre Tastaturen, was der Schalke-Fan lesen will: Lauf- und Kampfbereitschaft, Lust und Leidenschaft, Gier und Galligkeit, das alles sei endlich wieder zu sehen gewesen bei S04, und der neumodische Kram wie hohes Pressing, eine hochstehende Abwehrlinie und so noch obendrauf. Hauptsache aber: Maloche in allen Mannschaftsteilen. Glück auf! Schalke ist wieder da. War eigentlich aber auch nie weg.

 



Die Neuen: Den Treffer zum 2:0 erzielt, kurz vorm Abpfiff aber vom Platz geflogen. Damit hat von allen Neuzugängen Nikola Katic (28) zum Saisonauftakt die meisten Schlagzeilen produziert. Daher wird der 1,94 Meter große Innenverteidiger, der vom FC Zürich kam, auf dem Betzenberg aber auch fehlen. Mit Timo Becker (28) kehrte ein Zögling aus der Knappenschmiede aus dem beschaulichen Kiel in die Heimat zurück. Zur Feier seiner Rückkehr durfte der Abwehrspieler gleich die Kapitänsbinde tragen. Viel Lob gab's schon in der Vorbereitung für Soufiane El-Faouzi (23). Von Drittligist Aachen gekommen, profilierte er sich ohne große Umstellungsprobleme als laufstarkes und ballsicheres Element im zentralen Mittelfeld. Hasan Kuruçay (27), ein ablösefreies Schnäppchen aus dem belgischen Leuven, fand gegen Hertha noch keinen Platz im Spieltagskader. In der Saison 2023/24 sammelte der Innenverteidiger bereits bei Eintracht Braunschweig Zweitliga-Erfahrung. Ansonsten zogen die Schalker lediglich eigenen Nachwuchs in den Profi-Kader hoch. Aus diesem durfte vergangenen Freitag Mertcan Ayhan (18) Arena-Atmosphäre schnuppern. Sein kurzer Auftritt verlief jedoch unglücklich: Er verletzte aus Versehen Teamkollege Katic am Kopf, kurz bevor dieser vom Platz flog. Mittlerweile ist bei Katic eine Gehirnerschütterung diagnostiziert worden, die eine längere Verletzungspause nach sich zieht und zwischen S04 und DFB für Diskussionen sorgt, warum er überhaupt auf dem Platz bleiben durfte.

Die Formation: Ein intensiver Pressingstil lässt sich am besten auf der Basis einer Dreier-Abwehrkette umsetzen. In diesem Punkt geht Muslic mit Torsten Lieberknecht konform. Davor agieren zwei zentrale Mittelfeldspieler, zwei Außenbahnspieler, zwei Halbstürmer und eine Spitze - so war's gegen Hertha. Als Nummer 1 im Tor hat sich nunmehr Loris Karius (32) festgespielt, der nach einer Karriere mit mehr Tiefen als Höhen und vielen Wechseln nun anscheinend doch noch eine fußballerische Heimat gefunden hat. Die Dreier-Kettenbesetzung mit Becker, Katic und Felipe Sanchez (21) erntete gegen Hertha viel Lob, wird nach Katics Ausfall nun aber gesprengt. Möglich, dass nun Taylan Bulut (19) in die Startelf zurückkehrt, der ebenfalls als Verkaufskandidat gilt. Oder Kuruçay zu seiner ersten Bewährungsprobe kommt. Oder Youngster Ayhan zu seinem ersten Startelf-Einsatz. Als Schienenspieler überzeugten gegen Hertha links der Schweizer Adrian Gantenbein (24) und rechts mit Vitalie Becker (19) ein weiterer Debütant. Profi ist der Junge allerdings schon seit einem Jahr. Ins zentrale Mittelfeld zurückgekehrt ist Ron Schallenberg (26), der vergangene Saison oft als Innenverteidiger ranmusste. Neben ihm gefiel Neuzugang El-Faouzi. Halbrechts offensiv trumpfte Peter Remmert (20) stark auf. Vor allem beeindruckte, wie er Syllas 1:0 vorbereitete: Im Strafraum zu Boden gegangen, hätte er den sterbenden Schwan markieren und auf einen Elfmeterpfiff lauern können, doch nach kurzer Reklamation passte er lieber im Liegen zu seinem Mittelstürmer. Halblinks machte Christopher Antwi-Adjei (31) einen guten Job, und Sylla kam einmal mehr seiner Torjägerpflicht nach. Nun darf gerätselt werden, wie Muslin seine Offensive formiert, wenn Kenan Karaman (31) zurückkehrt. Denn am Samstag soll der Kapitän wieder zur Verfügung stehen.

Zahlenspiele: Nur knapp 37 Prozent Ballbesitz laut "Wyscout", andere Quellen nennen nur unwesentlich mehr. Passgenauigkeit zwischen 69 und 73 Prozent, je nach Datenanbieter. Aber: Neun Abschlüsse im gegnerischen Strafraum, Hertha kam nur auf fünf. Drei Großchancen, beim Gegner ist nur eine verzeichnet. 2,17 : 0,45 nach expected Goals - "bundesliga.de" und Co. geben 1,63 : 0,56 an, was immer noch ziemlich eindeutig ist. Und natürlich: 2:1 gewonnen. Gleicht der "Malocher-Umschaltfußball" etwa dem "Schusterball" aus der Lautrer Aufstiegssaison 2022/23? Nicht so ganz: Die Schalker standen im Auftaktspiel um einiges höher als die Betze-Buben unter Dirk Schuster - in der Anfangsphase war die Hintermannschaft 51 Meter vom eigenen Tor weg positioniert. Sie laufen mehr - gegen Hertha insgesamt 117,1 Kilometer, und zogen insgesamt 167 Sprints an. Lautern kam in Hannover nur auf 111,6 Kilometer Gesamtlaufdistanz und 136 Sprints. Wie pflegen die Trainer zu formulieren? Gegen diesen Gegner wird der FCK "mehr investieren" müssen.

Fazit: Die einen haben zum Auftakt einen Dämpfer bekommen, die anderen haben ordentlich Selbstvertrauen getankt. Das muss für den weiteren Saisonverlauf noch nicht viel aussagen, kann aber: Wenn sich diese Ausgangssituation in den nächsten Wochen als Trend bestätigt. Für den FCK ist im ersten Heimspiel der Saison also direkt Kurskorrektur angezeigt. Auf Phrasen wie "Da ist direkt Druck auf dem Kessel" oder "Ein Sieg muss her" sollte aber verzichtet werden, dazu ist es noch zu früh. "Intensiv" wird's so oder so, gegen diesen Gegner und vor dieser Kulisse. Mit Remmert wird über die rechte Seite ein physisch ähnlich starker Offensivspieler kommen wie Mustapha Bundu in Hannover. Da sollte Maxwell Gyamfi ein weiteres Mal den linken Innenverteidiger geben, denn keiner scheint besser dafür konfiguriert. Ob Neuzugang Naatan Skyttä sein Debüt gibt? Wir tippen mal, er wird eingewechselt. Und dass Torsten Lieberknecht an der Startformation von Hannover nicht allzu viel ändert. Vielleicht beginnt Daniel Hanslik für Mahir Emreli? Schalke dagegen muss nach dem Auftaktspiel bereits seine Abwehrkette umbauen, das gilt es nutzen. Scharfes Angriffspressing vom Anpfiff weg wäre ein Mittel, sie sich erst gar nicht einspielen zu lassen.

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