Allgemeine Fan-Themen und Fragen zu selbigen.

Beitragvon Gerrit1993 » 19.11.2020, 08:52


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Im Blickpunkt: FCK-Fans erleben Geisterspiele
"Der FCK bleibt mein Leben - auch bei Geisterspielen"

Seit gut neun Monaten begleitet die Corona-Pandemie auch den Fußball. Abgesehen von wenigen Wochen durchweg mit Geisterspielen. Was macht das mit denen, die normalerweise im Stadion für ihren 1. FC Kaiserslautern leben? Beim Gespräch darüber wird schnell klar: Der "Betze" ist nicht zu ersetzen.

Es sind keine einfache Zeiten, in denen wir leben. Eine Jahrhundert-Pandemie bestimmt unseren Alltag, hat Einfluss auf Beruf, Freizeit und Gesundheit. Und auch sportlich findet keine richtige Ablenkung statt: Der Spielbetrieb in der 3. Liga geht zwar größtenteils weiter, seit Ende Oktober vorerst wieder nur mit Geisterspielen ohne Zuschauer zuhause und auswärts. Und auch in den Partien zuvor, war das Erlebnis Stadion von "normaler" Fußball-Atmosphäre so weit entfernt, wie der FCK aktuell von der Bundesliga.

Ohne Fans ist Fußball nichts: "Der FCK ist meine Familie"

Das trifft vor allem die hart, für die der FCK mehr als "nur" ein Lieblingsverein, für die er ein Teil ihrer Identität ist. Und das sind trotz aller sportlichen Krisen noch immer viele. "Der FCK kommt für mich direkt nach meiner Familie an oberster Stelle, denn auch er ist meine Familie", erzählt beispielsweise Anja Jung aus Bad Kreuznach, die nicht nur eine Dauerkarte für Heimspiele im Fritz-Walter-Stadion besitzt, sondern vor Corona zusammen mit meist mehreren tausend anderen auch auf nahezu jedes Auswärtsspiel gefahren ist. Dabei ist die 51-Jährige nicht nur glühende Anhängerin ihrer Roten Teufel, das "Erlebnis Stadion" hat auch einen großen sozialen Faktor für sie: "Durch den FCK sind über Jahrzehnte hinweg tiefe Freundschaften entstanden, die ich auch jetzt noch hege und pflege. Es ist aber nicht dasselbe, so privat in Kontakt zu bleiben oder gemeinsam im Fanblock zu stehen und all die Emotionen gemeinsam zu durchleiden. Manche Freunde habe ich seit März nicht mehr gesehen. Leider merke ich, dass der ein oder andere Kontakt dadurch leidet und abflacht. Manche Fans entfremden sich dadurch auch vom Verein. Das bereitet mir schon Sorgen."

Dazu kommt, dass sich der FCK auch sportlich (mal wieder) in unruhigem Fahrwasser befindet und die aktuellen Ergebnisse nicht gerade dazu führen, dass bei den Fans emotionale Feuerwerke gezündet werden können. Doch das ist ja nichts Neues. Was aber den FCK-Fan immer ausgezeichnet hat, ist, dass er trotz aller Widrigkeiten jedes Wochenende hinter seinen Roten Teufeln gestanden hat. Geisterspiele machen das jetzt unmöglich.

Und so war es für viele Fans zumindest ein kleiner Schritt, als zu Beginn der Saison gegen Dynamo Dresden erst 5.000, zum Südwest-Derby gegen Waldhof Mannheim dann 7.500 Zuschauer zugelassen wurden. "Ich fahre seit meinem zehnten Lebensjahr zu den FCK-Spielen. Für mich war sofort klar, dass ich also gegen Dresden und Waldhof dabei sein will. Ich persönlich war geschockt, dass diese Spiele dann nicht ausverkauft waren", erzählt Anja Jung.

Dies mag viele Gründe gehabt haben. Unsicherheit in Zeiten einer Jahrhundert-Pandemie, fehlendes Stadionerlebnis wegen strikter Corona-Regeln, im Vergleich zu Stehplätzen stark erhöhte Ticketpreise oder einfach eine gewisse Portion Fußball-Verdrossenheit. Das hat die Anhängerin auch in ihrem engsten Freundeskreis festgestellt: "Normalerweise waren wir eine fünfköpfige Gruppe, die zu jedem Spiel gepilgert ist. Davon war nur ein einziger direkt Feuer und Flamme auf die zuschauerreduzierten Spiele." Nicht zuletzt blieb auch die organisierte Fanszene rund um einen Großteil der Ultras den Heimspielen fern, will eventuell erst wieder zu Spielen kommen, wenn wieder "Normalzustand" herrscht. Dafür hat Anja Jung nur bedingt Verständnis: "Der 1. FC Kaiserslautern 1900 ist Bestandteil meines Lebens. Und das werde ich so lange es geht versuchen, live zu erleben. Ich hatte gegen Waldhof auch meine fast 78-jährige Mama dabei, die auch sonst immer mit ins Stadion geht. Ich persönlich muss sagen: Ich habe mich bei den Spielen total sicher gefühlt, es wurde immer auf Abstand geachtet und sich an alle Regeln gehalten. Natürlich war es anders. Aber es war doch besser als nichts. Der FCK hat sich die Situation ja nicht ausgesucht."

Entfremdung findet statt: "Das Gemeinschaftserlebnis gehört dazu"

Eine gewisse Entfremdung nimmt auch FCK-Fanbetreuer Alexander Krist wahr. Und auch er teilt teilweise die Sorgen von Anja Jung. "Vor dem sogenannten 'Lockdown light' haben viele Fans die Spiele mit Freunden, in Kneipen oder zu Hause geschaut. Da ging das teilweise noch zusammen, das geht jetzt aber auch nicht mehr. Das Gemeinschaftserlebnis gehört aber dazu. Diese Kombination der Einschränkungen durch Corona, gepaart mit der aktuellen sportlichen Situation, da muss man schon aufpassen, dass sich die Fans nicht ein Stück weit entfremden. Mit dieser Einschätzung stehen wir beim FCK aber nicht alleine da. In einem Austausch mit den Kollegen anderer Vereine zeigt sich, dass dies nahezu alle Vereine gleichermaßen betrifft. Der Fußball besitzt in dieser Zeit - zurecht, wie ich finde - auch nicht den Stellenwert, wie zuvor. Es gibt derzeit einfach wichtigere Dinge, die wir gemeinsam als Gesellschaft zu meistern haben", berichtet Alex Krist.

Auch an dem Fanbeauftragten selbst gehen die Geisterspiele nicht spurlos vorbei: "Mir persönlich fehlt der direkte Kontakt zu den Fans und unseren ehrenamtlichen Fanvertretern am meisten. In solch einem Austausch erhält man einfach die meisten Informationen zum Gemütszustand, den Sorgen und Wünschen der Fans. Zudem sehne ich mich mal wieder nach einer Westkurve, wie wir sie vor Corona kannten - laut, bunt und auch ein Stück weit chaotisch."

Auch an seinem ganz persönlichen Arbeitsalltag hat sich viel geändert: "Ein Großteil meiner alltäglichen Arbeit ist quasi seit März komplett weggebrochen. Gerade die Erlebnisse und Begegnungen im Stadion sind für einen Fanbeauftragten ein elementarer Bestandteil, um ein Gefühl für die aktuelle Gefühlslage bei den Fans zu erhalten. Vor allem die Ungewissheit, wann der Fußball, aber auch die gesamte Gesellschaft wieder zur Normalität übergehen kann, lässt mich nicht los", erzählt der 27-Jährige, der das Amt des Fanbeauftragten seit 2019 bekleidet.

"Wer einmal in Lotte war, den schocken auch keine Geisterspiele"

Doch von Normalität ist im Fußball wie auch in der Gesellschaft nicht viel zu spüren. Nachdem sich die Infektionszahlen in den vergangenen Wochen bedrohlich nach oben entwickelt hatten, wurden für den November wieder bundesweit Geisterspiele für den Profisport beschlossen, der Amateurbereich ruht sogar wieder komplett. Und vieles deutet darauf hin, dass dies auch im Dezember so bleibt. Doch wie gehen die Fans mit diesem kompletten Liebesentzug um? "Geisterspiele sind nicht schön. Aber was ist die Alternative? Würde die Saison abgebrochen, würden viele Vereine wahrscheinlich nicht überleben. Da sind wir dann beim Thema: Muss Fußball allgemein weiterlaufen in einer Pandemie? Aber der Kommerz steht eben sehr weit oben auf der Liste der Verbände und Funktionäre", ist Anja Jung kritisch. Die 51-Jährige würde sich aber zumindest wünschen, dass wieder eine kleine Anzahl an Personen ins Stadion dürfte. "Es ist nicht der Betze, wie man ihn kennt und wie wir ihn lieben. Aber wir haben gegen Dresden, Waldhof und Ingolstadt versucht, das Beste daraus zu machen. So bald wieder Fans in die Stadien dürfen, bin ich die Erste, die sich hinsetzt und Karten bestellt. Um meinen Verein zu unterstützen und um meiner Leidenschaft nach dem Fußball nachzukommen. Dazu brauche ich auch nicht unbedingt 30.000 Fans. Wer einmal in Lotte war, den können auch keine Geisterspiele erschüttern."

Die Fankultur könnte nachhaltig leiden

Doch so optimistisch blicken bei weitem nicht alle Fans der Zukunft entgegen. Droht am Ende vielleicht auch eine nachhaltige Veränderung der Fankultur? Nutzen Fifa, Uefa und der DFB die Situation vielleicht sogar aus? Oder gibt es doch noch die versprochenen Reformen, um aus der Krise zu lernen, dem Kommerz und der Gewinnsucht ein Stück weit den Kampf anzusagen?

Auch Alexander Krist sieht dem eher pessimistisch entgegen: "Ich sehe durchaus die Gefahr, dass die Fankultur unter den aktuellen Umständen auch dauerhaft leiden könnte. In den ersten Monaten der Pandemie war ich noch der Meinung, dass die Stadien voll sein werden, wenn der Normalzustand wieder eintritt. Mittlerweile bin ich mir da nicht mehr ganz so sicher. Während Faninitiativen wie 'Zukunft Profifußball' viel Zeit und Mühe investiert haben, um detaillierte Konzepte für die Entwicklung des zukünftigen Profifußballs zu entwickeln, hört man von den Verbänden bislang relativ wenig von den angekündigten Reformen. Dies führt nicht gerade dazu, dass die Vorfreude der Fans auf den Tag X, an dem im Stadion wieder Normalität herrscht, steigt." Doch der Fanbeauftragte glaubt, dass zumindest grundlegende Einschränkungen wieder verschwinden werden: "Dass die aktuellen Einschränkungen, wie die Verbote von Gästefans, Alkohol und Stehplätzen oder personalisierte Tickets, auch nach Corona bestehen bleiben, davon gehe ich persönlich nicht aus."

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Gerrit1993



Beitragvon Baru » 19.11.2020, 15:30


Es war der 22.02. diesen Jahres, nach einem 0:0 der trostloseren Sorte gegen Zwickau. Ich stand an meinem angestammten Platz in der Westkurve und verschwendete keinen Gedanken daran, dass dies das vorerst letzte Spiel sein würde, welches ich auf diese Weise verfolgen konnte. Warum auch?

Doch leider änderte sich die Situation in den Tagen und Wochen danach in nicht geahnten Dimensionen, wie wir es in Zwischenzeit alle gewahr wurden. Und ich frage mich, wann wir alle wieder - wie an diesem Tag im Februar 2020 - in einer halbwegs vollen Westkurve stehen werden. Noch schlimmer: ob dies in absehbarer Zeit überhaupt noch einmal der Fall sein wird. Diese Gedanken finde ich sehr bedrückend, doch sind sie von meiner Warte aus leider realistisch.

Denn wie ich die Lage einschätze, wird es kein "nach Corona" geben. Nur ein "mit Corona". Es wird Jahre dauern, bis die breite Bevölkerung geimpft sein wird, einen vollständigen und dauerhaften Schutz wird eine Impfung ohnehin nicht bieten. Vorausgesetzt, es gibt tatsächlich - wie es derzeit aussieht - einen Impfstoff. Und so wird sich das Virus wohl in die Reihe unserer alltäglichen Gesundheitsgefahren, wie auch das Grippevirus, dauerhaft einreihen.

Da kommt in mir die bange Fragen auf: Wann kann man wieder unbeschwert eng neben tausenden Leuten stehen und sich beim Torjubel um den Hals fallen? Gefühlt ist dieser Zustand Lichtjahre entfernt. Ich kann nur hoffen, dass wir dies jemals wieder erleben dürfen.

Zu den Spielen gegen Dresden, den Waldhof und Ingolstadt: Mich hat es zwar auch gewundert, dass diese Spiele nicht ausverkauft waren, schockiert wie Frau Jung war ich jedoch darüber nicht. Denn ich kann jeden Fan verstehen, der - wie auch ich - diese Spiele nicht besuchte. Die Gründe wurden im Artikel genannt. Bei mir war es der erstgenannte Grund, die Verunsicherung aufgrund der Pandemiesituation, auch wenn ich mit 32 Jahren noch ein Stück weit von der Risikogruppe entfernt bin. Nach Monaten des Social Distancing fehlte mir hierzu die Überzeugung und Entschlossenheit. Genauso kann ich aber auch jede und jeden verstehen, die oder der sich dennoch ein Stadionbesuch nicht nehmen ließ.

Während ich die Fortsetzung der vergangenen Saison ablehnte und ich die Spiele auch nur sehr eingeschränkt verfolgt habe, bin ich diese Saison doch wieder mit mehr Interesse dabei und die Spiele haben wieder einen höheren Stellenwert für mich, auch wenn ich sie nur am TV verfolgen kann. Daneben ist der FCK auf verschiedenen Wegen ein treuer Begleiter meines Alltages, sei es wie hier über DBB, das neu erschienene Betze-Buch, oder die Freude über das neue, wunderschöne Fritz Walter-Trikot.
So ist und bleibt der Betze wie ein guter Freund. Zwar auf Distanz, in diesen schwierigen Zeiten jedoch nicht minder wichtig.

Bis der Tod uns trennt, bis die Welt untergeht, für immer FCK!



Beitragvon Dannyzk » 22.11.2020, 20:43


Baru hat geschrieben:Da kommt in mir die bange Fragen auf: Wann kann man wieder unbeschwert eng neben tausenden Leuten stehen und sich beim Torjubel um den Hals fallen? Gefühlt ist dieser Zustand Lichtjahre entfernt. Ich kann nur hoffen, dass wir dies jemals wieder erleben dürfen.


Jemals wieder? Meinst du damit dass wir, bevor wir wieder normal ins Stadion können, finanziell Pleite sind?

Oder glaubst du ernsthaft dass wir für immer in einer Welt leben werden in der wir Abstand voneinander halten und Maske tragen? Wie man auf solch einen Gedanken überhaupt kommen kann :lol:

Lichtjahre ist es auch nicht entfernt. Allerspätestens nächste Saison sind die Stadien wieder voll sofern die Vereine nicht auf die hirnrissige Idee kommen, nur geimpfte Leute ins Stadion zu lassen und den Rest auszuschließen.

Ebenso hoffe ich dass der DFB/die DFL das Alkoholverbot und die personalisierten Tickets nicht übernehmen werden.

Ich habe sogar die Hoffnung, jetzt wo 2 Impfstoffe da sind, dass wir schon Mitte April gegen Saarbrücken wieder Dicht an Dicht stehen werden. Das bleibt denke ich aber noch Wunschdenken :nachdenklich:




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