Fußballthemen, welche den FCK nicht oder nicht direkt betreffen.

Beitragvon Kohlmeyer » 10.09.2020, 11:00


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Foto: Imago Images

Über'n Tellerrand
Keine Genugtuung, nur Freude: Erik Wekesser kehrt zurück


Er galt als eines der größten Talente beim 1. FC Kaiserslautern, scheiterte zunächst, und kehrt nun als Zweitliga-Profi zurück: Erik Wekesser gastiert am Sonntag mit Jahn Regensburg als Gegner im DFB-Pokal auf dem Betze.

Ob er so etwas wie Genugtuung spürt? Vorfreude darauf, in die Gesichter derer zu blicken, die ihm den Sprung nicht zugetraut haben? "Überhaupt nicht", versichert Erik Wekesser. "Ich freu' mich einfach nur aufs Spiel." Er ist in den vergangenen Jahren gereift, versichert er. Profi geworden auch in dem Sinne, als dass er sich nicht zu Äußerungen hinreißen lässt, die ihm hinterher als negativ ausgelegt werden könnten.

Insgeheim aber dürfte da schon ein wenig Genugtuung mitschwingen. Erik Wekesser trug das FCK-Trikot von 2007 bis 2017. Der gebürtige Schwetzinger hat in Lautern im Internat gelebt, in allen Juniorenmannschaften gekickt, anschließend zwei Jahre versucht, es über die Zweite Mannschaft in die Erste zu schaffen. 2017 stieg der FCK II in die Oberliga ab. Die meisten seiner Mitspieler, die den gleichen Traum wie er geträumt hatten, verließen den Verein daraufhin. Auch Wekessers Vertrag wurde aufgelöst.

Der Traum lebt weiter - auch in der Regionalliga

Zu den wenigen, die blieben, zählten Christian Kühlwetter und Carlo Sickinger. Mit den beiden blieb er auch in den vergangenen drei Jahren stets in Kontakt. Der eine ist vor einigen Tagen zum Zweitligisten Heidenheim gewechselt, der andere wird ihm am Sonntag, so Wekesser eingesetzt wird, als FCK-Kapitän gegenüberstehen.

Sein Weg dagegen führte nach seinem Abschied vom Betze in die Regionalliga. Nach Koblenz zunächst, wo ihn nach vielversprechendem Beginn ein Fußbruch zurückwarf. Bis zum Ende der Vorrunde 2017/18 kam er anschließend nur zu Kurzeinsätzen. In der Winterpause ergab sich für ihn die Chance, zum FC-Astoria Walldorf zu wechseln - und so in seine Heimat zurückkehren. Schwetzingen liegt nicht einmal 15 Autominuten von Walldorf entfernt.

Und in der vertrauten Umgebung, mit der Unterstützung seiner Familie, kam sein Talent endlich zur Entfaltung. "Sie hat mir geholfen, den Glauben an mich selbst nicht zu verlieren", erzählt Wekesser. Denn den Traum, es doch noch in die höheren Profiklassen zu schaffen, mochte er nicht aufgeben.

Er konzentriert sich weiter auf den Fußball, schiebt alleine Zusatzschichten, da in Walldorf nur einmal am Tag trainiert wird. In der Spielzeit 2018/19 markiert der Linksfuß 16 Treffer für Walldorf, kommt dabei auf allen Offensivpositionen zum Einsatz.

Last Exit Regensburg: Die Chance wird genutzt

Und sein Engagement wird belohnt. Der SSV Jahn Regensburg klopft an. Cheftrainer Achim Beierlorzer und Geschäftsführers Dr. Christian Keller überzeugen ihn, Wekesser wechselt zum Zweitligisten. Beierlorzer allerdings verlässt den Verein im Sommer 2019, für ihn rückt sein Assistent Mersad Selimbegovic zum Chef auf. Dazu erleidet Wekesser in der Vorbereitung in einen Außenbandanriss am Knie. Keine guten Voraussetzungen, um die wohl letzte Chance zum Sprung ins Profigeschäft zu nutzen - aber immer noch kein Grund aufzugeben.

Am 3. Spieltag feiert der Junge mit dem "linken Huf" (Selimbegovic) seinen Pflichtspieleinstand beim Jahn mit einem 28-Minuten-Einsatz gegen die SpVgg Fürth. Eine Woche später steht er gegen Arminia Bielefeld erstmals in der Startelf. Und er beißt sich fest. Bis Saisonende kommt er auf 28 Einsätze, 16 davon bestreitet von Beginn an. Er trägt das Trikot mit der "13", für viele eine Unglückszahl, die die Torjägerlegende Gerd Müller einst gerade deswegen zu seiner Glückszahl erklärte. Der Trick scheint auch bei Wekesser funktionieren.

Und nun? Germany‘s next Erik Durm?

"Erik ist angekommen", sagt sein Trainer. "Er hat eine überragende Mentalität, bringt Wucht mit, haut sich voll rein und ist auch spielerisch gut dabei." Vor allem aber sei sein Schützling auch mit 23 Jahren noch "lernwillig". In der Vorbereitung testete Mersad Selimbegovic den bis dahin nur in der Offensive variabel eingesetzten Wekesser wiederholt als linken Verteidiger - und urteilt: "Er ist da mehr als eine Alternative."

Vom Stürmer zum linken Verteidiger? Das erinnert an den gebürtigen Pirmasenser und heutigen Frankfurter Erik Durm, der 2012 bei Jürgen Klopp in Dortmund die gleiche Umschulung erfuhr - und 2014 Weltmeister wurde. Ein Rollenvorbild? "Für ihn war es mit Sicherheit der richtige Weg, der Erfolg spricht schließlich für sich", schmunzelt Erik Wekesser. Ob es auch bei ihm nun zum dauerhaften Positionswechsel komme, müsse sich noch weisen. Probleme habe ihm die Umstellung nicht bereitet, er habe auch schon in der FCK-Jugend in der Abwehr gespielt - und sei auch generell dort sehr gut ausgebildet worden, wie er immer wieder betont.

"Bei Lautern ist jetzt eine klare Linie erkennbar"

Mit Marcel Correia (nach Paderborn) und Julian Derstroff (nach Halle) haben zwei Ex-Lautrer, die vergangene Saison noch mit ihm im Kader standen, den Jahn mittlerweile verlassen. Dafür ist Christoph Moritz gekommen, der allerdings erst beim FCK anheuerte, nachdem Erik Wekesser gegangen war.

Seine Bezugspunkte in die fußballerische Heimat sind stets Kühlwetter und Sickinger geblieben. Mit ihnen hat er auch den weiteren Weg der Lautrer verfolgt - und ist mittlerweile guter Dinge, dass es jetzt endgültig wieder aufwärts geht in der Pfalz: "Unter Trainer Schommers ist eine klare Linie erkennbar."

Auch Kühlwetter und Sickinger haben erst nach längerer Vorlaufzeit in der U21 den Sprung nach oben schaffen. Und Florian Pick hat, wie Wekesser, ebenfalls erst mit 23 als Profi Fuß gefasst. Wird Talenten generell zu wenig Zeit zur Entwicklung gegeben? Das ließe sich so allgemein nicht sagen, erklärt Wekesser. "Das ist individuell verschieden. Der eine ist schon mit 18 soweit, der andere erst ein paar Jahre später."

Er jedenfalls ist froh, dass es für ihn nicht "zu spät" geworden ist - und freut sich jetzt, am Sonntag "ein paar bekannte Gesichter" zu treffen. Corona-bedingt werden es leider ein paar weniger sein, als er sich zu seiner Rückkehr erhofft hatte.

Quelle: Der Betze brennt / Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Sonntag, 15:30 Uhr: Auftakt mit dem DFB-Pokal (Der Betze brennt)



Beitragvon Meltl » 10.09.2020, 11:24


Im ersten Moment dachte ich schon da ist unser neuer Offensiver :lol:

Hoffe er wird (bis auf Sonntag) eine tolle Saison spielen!
Dauerkarte Block 6.1



Beitragvon Baru » 10.09.2020, 11:34


Schade, dass es mit Wekesser beim FCK nicht geklappt hat!

Kleine Anmerkung: Christoph Moritz und er waren 2016/2017 zusammen beim FCK, wenn auch Wekesser bei der Zweiten spielte.



Beitragvon Tibon » 11.09.2020, 08:22


Echt schade, dass es für ihn bei uns nicht geklappt hat.

Anderes Thema: Eric Scherers Beiträge sind eine tolle Bereicherung für DBB. Bitte mehr davon! Danke!




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