Willkommen bei Der Betze brennt!




AnmeldenRegistrierenPasswort vergessen?Benutzername vergessen?


Quick-Links:

 

Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-Münster

DBB-Analyse: Preußens Gloria versinkt im Flankengewitter

20.09.2025, 21:30 Uhr - Autor: Eric Scherer

Was für ein toller Fußballabend. Der 1. FC Kaiserslautern schlägt Preußen Münster mit 4:1. In einem Spiel, in dem die Gäste stärker waren, als das Endergebnis es aussagt. Doch Lauterns Stürmer Prtajin wurde für sie zu Ivan, dem Schrecklichen.

Titelfoto

Hat in unserem Gegner-Check am Mittwoch tatsächlich jemand behauptet, in diesem Spiel wären keine taktische Winkelzüge in der Art zu erwarten, wie Friedhelm Funkel sie vornahm, als er beim FCK-Gastspiel in Hannover im März 2024 die Raute spiegelte, mit der sein Kollege Stefan Leitl sein Mittelfeld formiert hatte? Für so viel Unverstand können wir uns im Nachhinein nur entschuldigen. Denn Torsten Lieberknecht bot zu dieser Partie zwar die gleiche Startelf auf wie beim 3:0-Sieg in Fürth vergangenen Sonntag, nahm aber eine Verschiebung im Mannschaftsgerüst vor, die sich als äußerst wirksam erwies.

Er zog Luca Sirch, der bislang als halbrechter Innenverteidiger in der Dreierkette unterwegs war, in die zentrale Abwehrsituation. Und aus dieser schob Sirch sich permanent ins Mittelfeld, um sich der vorderen Spitze der Preußen-Raute anzunehmen. Fabian Kunze, Semih Sahin und Naatan Skyttä neutralisierten den Rest des zentralen Quartetts. Hochkonzentriert, laufstark und, wenn's angezeigt war, mit Manndeckung über den Platz. So legten sie den Grundstein für einen rundum überzeugenden Sieg gelegt.

Erfolgsfaktoren: Der Sirch-Move und das Flügelspiel



In einer Partie allerdings, in der sich die Gäste erst nach dem 4:1 geschlagen geben sollten. Denn dazu, dass es ein für Zweitliga-Verhältnisse ein Klassespiel wurde, leisteten auch sie ihren Beitrag. Schon ihre Startformation deutete an, dass Coach Alexander Ende seinem offensiven Spielansatz auch auf dem Betzenberg treu bleiben. Auf der Position seines verletzten Stamm-Zehners Joshua Mees bot er mit Etienne Amenyido einen gelernten Stürmer.

In einem Punkt lagen wir in unserem Gegnercheck allerdings richtig. "Sollen die Preußen doch die Mitte kontrollieren, fünf seiner jüngsten Treffer bereitete der FCK über die Flügel vor", hieß es da. Ebenso, dass es die Betze-Buben am besten mit Köpfchen versuchen sollten. Und siehe da:

Wow! Drei Kopfballtreffer in 25 Minuten

Schon nach vier Minuten serviert Faride Alidou Skyttä eine halbhohe Flanke von rechts auf den Elfmeterpunkt. Pfosten. Nach sieben Minuten flankt Sahin aus dem rechten Halbfeld auf den Schädel Ivan Prtajins - 1:0. Nach 17 Minuten flankt Mika Haas von links Richtung langes Eck. Prtajin legt per Kopf in die Mitte auf, wo Skyttä ebenfalls mit der Stirn zur Stelle ist - 2:0. Nach 24 Minuten marschiert Paul Joly über die rechte Seite fasst bis zur Grundlinie, flankt aus dem Lauf - und findet abermals Prtajin, der's erneut mit Köpfchen macht. 3:0.

Ältere Fußballbetrachter mit noch funktionierendem Gedächtnis werden sich in diesem Moment vielleicht an zwei Herren namens Horst Hrubesch und Manfred Kaltz erinnert haben, die im Pleistozän des Fußballs mit ähnlichen Flanke-Kopfball-Tor-Automatismen für Furore sorgten. Jüngere sollten die Namen vielleicht mal googeln.

Der FCK 2025/26 gewinnt weiter an Kontur

Notorische Besserwisser sowie Immer-noch-Lieberknecht-Skeptiker werden jetzt vielleicht darauf hinweisen, dass das FCK-Spiel in diesem Punkt keiner wirklich innovativen Idee folgte. Die Weisheit, dass Teams mit Mittelfeld-Raute am besten über die Flügel zu knacken sind, findet sich schon in Lehrbüchern, die über 20 Jahre alt sind. Mag sein, aber was gestern erfolgreich war, kann durchaus auch heute noch erfolgreich sein.

Und forciertes Flügelspiel scheint, siehe auch die jüngsten Partien gegen Darmstadt (3:1) und in Fürth, der Markenkern des FCK 2025/26 zu werden. Das durch frühe Ballgewinne eingeleitet werden kann, wie vor dem 1:0 und 2:0. Durch strukturierte Flankenwechsel, die mit kurzen schnellen Pässen eingeleitet werden, wie vor dem 2:0. Oder durch lange Diagonalbälle wie der von Sirch auf Joly vor dem 3:0. Was auch denen ein wenig Denkstoff geben sollte, die Lieberknecht zuletzt immer wieder unterstellt hatten, er habe kein Offensivkonzept.

Aber: Preußen gibt nicht auf

Unterm Strich bleibt die furioseste erste halbe Stunde einer FCK-Elf seit dem Dreierpack im Oktober 2023 in Düsseldorf unter Dirk Schuster, der anschließend allerdings in einen Skandal ausartete. Diesmal blieb's die helle Freude. Auch wenn die Roten Teufel diese Intensität natürlich nicht über die volle Spielzeit hochzuhalten vermochten. Und die Gäste, das muss einfach anerkannt werden, sich auch nach dieser Serie von Wirkungstreffen nicht aufgaben.

Kurz nach der Pause belohnten sie sich mit einem Treffer. Der eingewechselte Oscar Vilhelmsson markierte ihn. Er war zur Pause für Amenyido gekommen und in die Spitze gerückt. Sehenswert per Chipball aufgelegt hatte ihm der einstige Lautrer U17-Junior Oliver Batista Meier, der nun auf der Zehn spielte.

Die Phase nach der Pause war entscheidend

Es folgte eine hochspannende Phase, in der die Preußen die stärkeren Szenen hatten. In der die Pfälzer auch nicht mehr souverän wirkten, aber nicht so die Kontrolle verloren, wie es in der Vergangenheit öfter zu sehen war. Vor allen Dingen ließen sie nicht hintenrein drängen, blieben hoch positioniert. Dies belegt diese "Wyscout"-Visualisierung, die einen Überblick darüber gibt, wie sich Aufstellungslinien im Lauf der Partie verschoben.

Durchschnittliche Aufstellungslinien FCK-Münster

Der Ballbesitzanteil der Münsteraner schraubte sich in dieser Phase auf 76 Prozent hoch. Das ist gewaltig. Über die komplette Partie betrachtet lautet das Ballbesitz-Verhältnis übrigens 61:39 zugunsten der Gäste. Andererseits hat sich auch unter der Woche gerade mal wieder gezeigt, dass Ballbesitz nicht alles ist. Eintracht Frankfurt hatte in seinem Champions-League-Spiel gegen Galatasaray den Ball auch nicht öfter, gewann aber 5:1.

Ohne Frage aber waren die Preußen in dieser Viertelstunde am Drücker, die Pfälzer aber auch nicht aus dem Spiel. So dass sich von Minute zu Minute stärker der Eindruck aufdrängte: In wessen Richtung dieser Abend endgültig kippt, entscheidet sich erst nach dem nächsten Treffer.

Ein großes Plus: Die Wechsel schwächen nicht

Dass der für den FCK fiel, ist einer neuen Stärke zu verdanken, über die Roten Teufel ebenfalls seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr verfügten: der auch qualitativ breit aufgestellte Kader. Nach 62 Minuten schickte Lieberknecht Marlon Ritter und Richmond Tachie aufs Feld. Zehn Minuten später Afeez Aremu und Jan Elvedi, und wieder sechs Minuten später Leon Robinson. Und jeder aus diesem Quintett war sofort präsent. Fünf Wechsel, kein Leistungsabfall.

Das 4:1 fiel dann unmittelbar nach ersten Wechsel. Joly köpft eine zu kurz abgewehrte Ritter-Ecke in den Strafraum zurück, Prtajin steht plötzlich völlig frei vorm Tor und wird für Preußen-Keeper einmal mehr zu Ivan, dem Schrecklichen. Und erst damit war die Partie endgültig zugunsten des FCK entschieden.

Seditativ auf der Sechs: Kunze

Drum wird an diesem Wochenende nun alle Wellt das Hohelied auf den Dreifach-Torschützen anstimmen. Das sei ihm dick gegönnt. Bei uns aber ist es gute Tradition, an dieser Stelle auch mal den Fokus auf einen richten, der leicht mal übersehen wird. Ein lieber Kollege hat ihn unlängst im Podcast "Teufel im Detail" sogar als "unsung hero" bezeichnet, als unbesungenen Helden.

Die Rede ist von Fabian Kunze. Der stets nach hinten absichert, wenn andere im Vorwärtsgang glänzen. Lücken stopft, gegnerische Angriffe mit seinen Aktionen manchmal auch nur verzögert, um seinen Mitspielern entscheidende Sekunden Luft zu verschaffen, die Ordnung in der Abwehr wieder herzustellen. Er hat entscheidenden Anteil daran, dass sein Team nach nunmehr sechs Liga-Spielen erst fünf Gegentreffer auf dem Konto hat. Dass der Neuzugang bereits die Kapitänsbinde tragen darf, wenn Ritter auf der Bank sitzt und Hanslik verletzt ist, ist eine gute Entscheidung.

Ganz schön haarig: Lokotschs Topchance

Zu den Grafiken. Die xG-Timeline kündet von einem äußerst knappen Ergebnis. Ursächlich dafür ist vor allem der Ausschlag, den kurz nach der Pause eine Großchance von Preußen-Stürmer Lars Lokotsch verursachte. Doch irgendwie schafften es Julian Krahl, Jisoo Kim und der Torpfosten, den Ball am Übertreten der Torlinie zu hindern.

xG-Timeline FCK-Münster

Die Positions- und Passgrafik des FCK: Viele dünne Linien diesmal, da zeigen sich die lediglich 39 Prozent Ballbesitz. Beeindruckend zu sehen, was für eine wichtige Schaltstation Paul Joly (Nr. 26) bereits geworden ist.

Passmap FCK

Zum Vergleich die Passgrafik der Adlerträger: Ja, das nennt man wohl eine "Ballbesitzmannschaft". Ergibt jedenfalls mehr Sinn, als die Münsteraner in sportlicher Hinsicht einen "Underdog" der Liga zu nennen. Das sind sie nämlich ganz und gar nicht.

Passmap Münster

Forum:   168 Kommentare

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2025/26: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage