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Gegner-Check

Gegner-Check Münster: Ende setzt auf Raute

17.09.2025, 15:38 Uhr - Autor: Eric Scherer

Mit Preußen Münster erwartet der 1. FC Kaiserslautern am Freitagabend einen Gegner, der sich auf dem Feld als das genaue Gegenteil eines "Underdogs" präsentieren dürfte, den viele erwarten. Denn diese Gäste wollen spielen - im besten Sinne.

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Foto: Imago Images

Anspruch und Wirklichkeit: Der Trainerwechsel auf der Saisonzielgeraden kam in diesem Frühjahr ja groß in Mode. Bekanntlich ging auch der FCK diesen Schritt, und ebenso und zur Überraschung vieler Preußen Münster. Der doppelte Aufstiegs- und Rekord-Langzeittrainer Sascha Hildmann musste gehen, das Assistenten-Duo Christian Pander / Kieran Schulze-Marmeling übernahm. Und im Gegensatz zu manch anderen Klubs, die kurz vor Toreschluss einen "neuen Impuls" setzen wollten, um zum Ziel zu kommen, hatten die Preußen Erfolg. Sie sicherten sich den Klassenverbleib. Und jetzt wird wieder mit Bedacht weitergearbeitet. Der Stadionausbau, der zu stabilen Zweitliga-Strukturen beitragen soll, schreitet voran, und der Kader wurde im Sommer eben nicht heftig umgekrempelt. War auch nicht nötig, da sich die Abgänge sich in Grenzen hielten: Mit Luca Bazzoli, Lukas Frenkert und dem nunmehr 37-jährigen Kapitän Marc Lorenz verließen nur drei Stammkräfte den Klub. Alle anderen, die sich verabschiedeten, waren nicht mehr gefragt, darunter die Ex-Lautrer Florian Pick und Dominik Schad. Mit Alexander Ende verpflichtete Sportchef Ole Kittner einen neuen Cheftrainer, der zu den wenigen seiner Branche gehört, die noch nie entlassen worden sind. Sowohl bei Regionalligist Fortuna Köln als auch bei Drittligist SC Verl erfüllte der heute 45-Jährige seine Zweijahresverträge von Anfang bis Ende. Und er lässt einen interessanten Fußball spielen, der alles andere bedient als das "Underdog"-Klischee, das dem Klub aufgrund seiner bescheiden dimensionierten Rahmenbedingungen anheftet. Sieben Punkte haben die Preußen nach fünf Partien auf dem Konto stehen. Dabei spielten sie jedesmal starke erste Hälften und ließen wenn, dann erst nach der Pause Federn. Zuletzt setzte es eine sehr unglückliche 1:2-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf.

Die Neuen: Alle Neuverpflichtungen seien bereits in enger Abstimmung mit dem neuen Coach getätigt worden, heißt es. Als Königstransfer galt eigentlich Antonio Tikvic (21), ein linksfüßiger Innenverteidiger, der vom FC Watford kam und den sich die sparsamen Preußen 700.000 Euro kosten ließen. Ärgerlicherweise zog sich der Kroate gleich zur Saisonpremiere beim Karlsruher SC (2:3) einen Kreuzbandriss zu. Worauf sich Kittner kurzfristig vom FCK Jannis Heuer (26) lieh, der direkt einen guten Job machte, in Düsseldorf aber zuletzt wegen einer Lebensmittelvergiftung pausieren musste. Gegen seinen Stammklub ist er am Freitag wohl wieder einsatzbereit. In Münster aufgeschlagen ist nunmehr auch Oliver Batista Meier (24), der einst von der U17 des FCK zu den Münchner Bayern und danach weiter und weiter zog, um die Fußballwelt zu erobern. Die bislang stärkste Halbserie seiner Karriere spielte Batista Meier in der Hinrunde 2023/24 in Verl - unter Coach Alexander Ende. Auch die erneute Zusammenarbeit lässt sich vielversprechend an, Batista Meier stand bereits viermal in der Startelf, beim unglücklichen Pokal-Aus gegen Hertha BSC (3:5 n.E.) stand er 120 Minuten auf den Platz. Aus Verl brachte der Trainer auch Stürmer-Kante Lars Lokotsch (29) mit. Für kleines Geld holten die Preußen Stürmer Oscar Vilhelmsson (21) von Darmstadt 98, er aber kam wegen Oberschenkelproblemen bislang nur zu einem 16-Minuten-Einsatz gegen Düsseldorf. Direkt Fuß gefasst haben die erfahrenen Paul Jaeckel (27), zuvor Innenverteidiger bei Union Berlin, sowie der Ex-Hannoveraner Marvin Schulz (30) im zentralen Mittelfeld. Rechtsverteidiger Marco Meyerhöfer (29) muss sich dagegen weiterhin hinter dem etablierten Jano ter Horst (23) anstellen. Nur zu Kurzeinsätzen kam bislang der dänische Mittelfeldspieler Zidan Sertdemir (20).

Die Formation: Sieh an, Alexander Ende ist ein Verfechter des 4-4-2 mit Raute, die er seit seiner Zeit bei Fortuna Köln bevorzugt und wegen ihrer Flexibilität schätzt, wie er zuletzt im "Kicker"-Interview verriet. Im modernen Fußball war die Raute bis um die 2010er Jahre herum höchst populär, ist danach aber zusehends seltener geworden. Beim FCK war sie zuletzt 2016 unter Tayfun Korkut häufiger zu sehen. Dummerweise für den SCP fällt der Spieler, der davon bislang am stärksten profitierte, nun bis auf Weiteres aus: Zehner Joshua Mees (24), bislang mit zwei Treffern und einem Assist erfolgreich, zog sich in Düsseldorf einen Sehnenriss zu. Im Tor steht mit Bayern-Gewächs Johannes Schenk (22) eines der stärksten Torhüter-Talente der Liga. Die Viererkette zwischen den Verteidigern ter Horst (rechts) und Luca Bolay (23) (links) sowie Innenverteidiger Jaeckel komplettierte gegen Düsseldorf Routinier Simon Scherder (32), der den Treffer den Münsteraner erzielte. Ob Heuer schon am Freitag für ihn zurückkehren kann, ist noch offen. In der Mittelfeldraute präsentiert sich mit Kapitän Jorrit Hendrix (30), Sechser Rico Preißinger (29) sowie Schulz viel Erfahrung. Mees wird wohl von Yassine Bouchama (29) ersetzt. In der Doppelspitze sind Batista Meiser und Lokotsch zu erwarten. Es sei denn, Vilhelmsson hat seinen Rückstand aufgeholt und gibt sein Startelfdebüt. Malik Batmaz (25), beim Durchmarsch durch die Dritte Liga vor zwei Jahren noch Torjäger des Teams, ist allerdings auch noch da. Ebenso Etienne Amenyido (27), der gegen Düsseldorf aber nicht einmal im Kader stand.

Zahlenspiele: Mit einer Passpräzision von 89,7 Prozent führen die Preußen gegenwärtig den Liga-Vergleich in dieser Disziplin an. Und ihr durchschnittlicher Ballbesitzanteil liegt bei 55 Prozent, was Platz zwei hinter der SV Elversberg bedeutet. Lautern belegt in diesen Rankings nur Mittelfeldplätze. Mit Jaeckel und seiner Passquote von 96,69 Prozent stellen die Münsteraner obendrein den passsichersten Spieler der Liga. Wobei der zweitbeste nicht unerwähnt bleiben soll, zumal man ihn soweit oben wohl kaum erwartet hätte: Der nämlich heißt Maxwell Gyamfi (95,71 Prozent) und spielt beim FCK. Gegen Düsseldorf verzeichneten die Westfalen sogar 63 Prozent Ballbesitz und gewannen nach xGoals 2,48 : 2,12 - allein das zeigt, wie unglücklich dieses 1:2 war. Egal, was andere erzählen, da kommt ein spielstarker Gegner nach Lautern. Wie die Betze-Buben da am besten gegenhalten könnten? Mit Köpfchen natürlich. Im Liga-Ranking der gewonnen Kopfballduelle haben sie nunmehr Rang 1 erklommen, Preußen Münster dagegen ist gerade mal 15. Umso besser, dass mit Ivan Prtajin zuletzt in Fürth ein weiterer Kopfballspezialist seine Form gefunden hat. Allerdings sollten die Roten Teufel zu diesem Zweck noch an der Qualität ihrer Flugbälle nach Freistößen und Ecken feilen. Da kam bislang noch nicht viel.

Fazit: Kann sich noch einer erinnern, wie sich der abstiegsbedrohte FCK im März 2024 ein wichtiges 1:1 in Hannover sicherte, indem Friedhelm Funkel, der alte Fuchs, die Mittefeldraute seines Kollegen Stefan Leitl spiegelte und den 96ern so den Zugriff im Zentrum nahm? Solche Winkelzüge sind am Freitag eher nicht zu erwarten. Wir vermuten mal, dass Torsten Lieberknecht seinem zuletzt praktizierten 3-4-1-2 treu bleibt. Sollen die Preußen die Mitte doch kontrollieren, fünf seiner jüngsten sechs Treffer bereitete der FCK über die Flügel vor, so kann's gerne weitergehen. Spannend wird natürlich wieder die Besetzung der Startelf. Wird Marlon Ritter erneut auf der Bank sitzen, Mahir Emreli gar auf der Tribüne? Die Darbietungen von Naatan Skytää, Faride Alidou und Richmond Tachie zuletzt in Fürth geben eigentlich keinen Anlass für viele Änderungen. Und der Konkurrenzkampf, den die starken Nachrücker ausgelöst haben, sollte auf die vermeintlich etablierten Kräfte einen Leistungsdruck ausüben, der allen nur gut tun kann. In Fürth hat sich erneut ein Einwechselspieler aufgedrängt: Florian Kleinhansl, der zur Pause für den durch eine Gelbe Karte gehandicapten Mika Haas kam, doppelt so viele Zuspiele verzeichnete wie sein Vorgänger und auch das 3:0 durch Prtajin vorbereitete. Der Autor spekuliert mal: Kleinhansl für Haas - das wird der einzige Wechsel in der Startelf sein, den Lieberknecht am Freitag vornimmt.

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