Taktik-Nachlese zum Spiel SVE-FCK
Die DBB-Analyse: Kampflos, mutlos, ideenlos - punktlos
Man könnte es sich ja einfach machen. Wer im zweiten Heimspiel der Saison zum zweiten Mal durch einen späten Treffer nach einem Eckball gewinnt, hat Glück. Und wer durch so einen späten Treffer noch verliert, nachdem er einen Rückstand aufgeholt hatte und durch kurzfristige Ausfälle gebeutelt war, hatte Pech. Aber die Kommentare im DBB-Forum wie auch die Spieler-Statements nach dem Anpfiff zeigen unmissverständlich: So billig kommen die Lautrer nicht davon.
Es war ein deprimierender Auftritt des FCK im zweiten Auswärtsspiel der Saison. Wie schon zum Auftakt gegen Hannover (0:1) ging's erneut gegen eine Mannschaft, die im Sommer einen viel härteren personellen Umbruch hinnehmen musste als die Roten Teufel. Die sich aber dennoch fußballerisch bereits viel weiter entwickelt präsentierte als diese. Diesmal kamen zudem noch zwei Gegentreffer hinzu, die den Glauben an das Wenige erschüttern, was in den ersten Partien besser geworden zu sein schien.
Erst patzt Krahl, dann versagt die Verteidigung nach einer Ecke
Beim 0:1 leistete sich Julian Krahl erneut einen seiner kapitalen Abspielböcke, die er unlängst, nach der Generalprobe gegen den AS Rom (0:1) eigentlich abstellen wollte und sollte. Diesmal spielte er seinen zentralen Abwehrmann Maxwell Gyamfi auf kurzem Weg viel zu riskant an. Der kam dem Ball auch nicht entgegen. Der aufmerksame Bambasé Conté ging dazwischen, Luca Schnellbacher besorgte im Zusammenspiel mit ihm den Führungstreffer.
Beim 1:2 missglückte die Verteidigung eines Eckballs - auch das hatte in den ersten Liga-Partien eigentlich gut geklappt. Der eingewechselte Carlo Sickinger durfte am langen Ecke zwischen Jisoo Kim und Faride Alidou vollkommen unbedrängt hochsteigen, Krahl parierte den Kopfball stark, doch der ebenfalls neu ins Spiel gekommene Frederik Schmahl drückte den Abpraller über die Linie.
Astas früher Ausfall sorgte für einen Bruch
Doch selbst wenn es angesichts der Mannschaftsleistung insgesamt für viele nach fauler Ausrede klingt: Ganz außer Acht lassen darf man die kurzfristigen Ausfälle nicht. Schon nach zwölf Minuten musste der rechte Außenbahnspieler Simon Asta verletzt vom Feld, und prompt begann der Gegner über die linke Seite Tor-Aktionen zu inszenieren. Auch wenn die erste vom rechten Flügelmann Lukas Petkov mit einem genialen Zidane-Gedächtnismove eingeleitet wurde - zum Abschluss kam der eingerückte linke Offensivmann Tom Zimmerschied. Die nächste Chance trug dieser dann ganz über seine Seite vor, und anschließend brach der Linksverteidiger Lasse Günther über den Flügel Richtung Krahl durch. Der FCK-Schlussmann parierte abermals stark.
In die ersten zehn Minuten der Partie dagegen waren die Betze-Buben gar nicht mal soo schlecht gestartet. Sie zeigten mit forschem Angriffspressing, wie sie dem spielstarken Gegner beikommen wollten. Der wiederum zeigte schon früh mit einem coolen Überspielen der Pressinglinie, dass er in der Lage war, auf diese Herausforderung angemessen zu reagieren. Es versprach also ein richtig abwechslungsreiches Spielchen zu werden. Bis sich mit dem Wechsel der erste Bruch im FCK-Spiel vollzog.
Alidou für Asta: Eine gute Idee?
Wie Torsten Lieberknechts Idee, für Asta die Offensivkraft Faride Alidou zu bringen, in diesem Zusammenhang zu bewerten ist? Auf jeden Fall war's eine Überraschung. Das etatmäßige Asta-Backup Frank Ronstadt stand nach dreiwöchiger Verletzungspause zwar nicht im Kader, aber es boten sich Lösungen an, die mehr defensive Stabilität versprochen hätten. Etwa Leon Robinson oder Jan Elvedi für den Posten des rechten Innenverteidigers, die rechte Außenbahn hätte dann Luca Sirch beackern können. Auch der laufstarke Tobias Raschl wäre in der Rolle denkbar gewesen. Und wenn schon ein gelernter Stürmer, warum nicht Richmond Tachie, den Lieberknecht in der Vorbereitung schon mal als rechten Schienenspieler getestet hatte?
Der Coach entschied sich für Alidou. Der nach wie vor verzweifelt versucht, beim FCK in die Spur zu finden. Auch zu Beginn dieses Einsatzes wirkte er unsicher. Später festigte er sich - und in der 78. Minute war er indirekt am Ausgleichstreffer beteiligt, als er nach einer Raschl-Ecke in die Luft stieg und von SVE-Keeper Nicolas Kristof am Kopf getroffen wurde. Der mittlerweile eingewechselte Tachie verwandelte den Elfmeter souverän. Möglicherweise hat dieses So-etwas-wie-ein-Erfolgserlebnis nach einer unterm Strich passablen Auftritt Alidou endlich ein wenig Selbstsicherheit gegeben. Dann hätte sich diese Einwechslung gelohnt.
Auch Hanslik fehlte - und Skyttä kam zu seinem Debüt
Wegen Problemen an der Achillessehne hatte Daniel Hanslik kurzfristig passen müssen, hier wollte man lieber kein Risiko einer größeren Verletzung eingehen. Das mochten viele vielleicht nicht als Schwächung empfunden, weil dadurch der 1,8-Millionen-Einkauf Naatan Skyttä zu seinem ersten Startelf-Einsatz im FCK-Trikot kam. Das Fehlen des laufstarken und spielintelligenten "Hansi" sollte man aber nie zu gering schätzen. Zumal Mahir Emreli, der statt seiner im Sturmzentrum agierte, in dieser Rolle gar nichts riss.
Und Skyttä? Zeigte schon, dass es spannend wird, seiner weiteren Entwicklung zuzuschauen. So beteiligt er sich beispielsweise gerne und mit Inbrunst am Angriffsspressing. Dass er Fußball spielen kann, war ebenfalls zu sehen. 80 Prozent Passpräzision sind nicht schlecht für einen Kicker, der so weit vorn im Feld unterwegs ist - und das in einem Team, das im Schnitt nur auf 73 Prozent kam. Während der Gegner 82 Prozent seiner Zuspiele an den Mann brachte.
Es war aber auch zu sehen: Skyttä war als rechte/halbrechte Offensivkraft längst nicht so im Spiel wie Nebenmann Marlon Ritter, der die andere Seite besetzte. "MR7" war fast doppelt so oft am Ball wie Skyttä: Lauf "Sofascore" 44-mal, der Finne nur 26-mal. Fußballerische Feingeister sind beide. Da tut sich ein riesiges Verbesserungspotenzial auf, wenn diese Unwucht beseitigt wird.
Alles aufzählen, was schief lief, ist müßig
Ansonsten ist es müßig aufzuzählen, wo das FCK-Spiel gegenüber dem der Gastgeber krankte. Wie die "Elv" den Ball am gegnerischen Strafraum entlang laufen lassen durfte, während Lautern in dieser Zone gar nichts zustande brachte - da zuschauen zu müssen, war nichts für Hypertoniker.
Semih Sahin versuchte sich am einen oder anderen Zuspiel in die Spitze, das Emreli und Skyttä aber nicht mitzunehmen oder zu erreichen vermochten. 66 Prozent Passpräzision, das ist zu wenig einen zentralen Mittelfeldspieler, zumal auch Nebenmann Fabian Kunze keine Sicherheit ausstrahlte: nur 53 Prozent Passgenauigkeit. Allein das spricht Bände, erst recht, wenn man sich die Schaltstelle der Gegenseite betrachtet: Amara Condé 86 Prozent, Lukasz Poreba 83 Prozent.
"Wir sind alle extrem angepisst" - Oh ja!
Torsten Lieberknecht sprach hinterher davon, dass vor allem in der ersten Hälfte die Zweikampfbereitschaft fehlte. Und vom fehlenden Mut, "in die Räume zu spielen", beziehungsweise "die Passwege zu suchen, die vielleicht auch mal bisschen risikoreich sind". Semih Sahin sah sogar "Undiszipliniertheit" und, "dass wir nicht bei unserer Taktik bleiben." Und Julian Krahl fasste zusammen: "Wir sind alle extrem angepisst." Darauf gilt es nun aufzubauen.
Lichtblicke bleiben die erneut solide Darbietung von Youngster Mika Haas, aber auch der Auftritt von Richmond Tachie nach seiner Einwechslung. Wie souverän er kurz darauf den Elfmeter verwandelte, zeigt, dass er Verantwortung übernehmen und "Teil dieser Mannschaft sein will", wie es Lieberknecht unlängst im DBB-Interview ausdrückte. Tachie war kurz darauf auch für die einzige Tor-Aktion, die der FCK aus dem Spiel heraus inszenierte. Ansonsten war der FCK nur durch zwei Freistöße Ritters gefährlich.
Fallen Hanslik und Ivan Prtajin weiterhin aus, wäre Tachie damit wohl ein Kandidat für den Startelf-Platz als Mittelstürmer. Und für Asta, von dem heute Mittag die Hiobsbotschaft überbracht wurde, dass er mit einem Teilriss des Kreuzbandes für den Rest der Hinrunde ausfällt? Für die Position des rechten Schienenspielers gibt es neben Frank Ronstadt noch einen Ex-Kapitän, der im Sommer zur U21 heruntergestuft wurde und sicher darauf brennt, es nochmal allen zu zeigen. Diese Optionen erscheinen jedenfalls sinnvoller, als Schnellschüsse auf dem Transfermarkt zu fordern, der sich in Kürze schließt.
Skyttä nur halb so gut im Spiel wie Ritter
Zu den Grafiken. Die xG-Timeline sähe ohne den Ausreißer, den der Elfmeter verursacht hat, für den FCK noch erbärmlicher aus.
Die Positions- und Passgrafik des FCK: Diesmal wurde mehr das Aufbauspiel über die linke Seite versucht. Interessant: Die Innenverteidiger Kim (Nr. 5) und Gyamfi (4) interagieren kaum oder gar nicht mit Sechser Kunze (6).
Zum Vergleich die Passgrafik der SVE: So sieht das bei einer Mannschaft aus, in der der Ball im wahrsten Sinne des Wortes rund läuft.
Zur Verfeinerung hier noch die Übersicht über die Lautrer Passkombinationen. Hier ist, wie oben beschrieben, zu sehen, dass Ritter viel besser im Spiel war als Skyttä. Da ist noch viel Luft nach oben.
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