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Taktik-Nachlese zum Spiel RSV-FCK

Die DBB-Analyse: Die offensive Handschrift wird erkennbar

18.08.2025, 13:29 Uhr - Autor: Eric Scherer

Ja, es war nur ein Gegner aus der fünften Liga. Aber mit denen taten sich andere Klubs schwer. Der 1. FC Kaiserslautern dagegen räumt den RSV Eintracht problemlos aus dem Weg und lässt dabei auch einige offensive Muster erkennen.

Titelfoto

Viel entspannter lässt sich ein Pokalnachmittag ja wohl nicht erleben. Bereits nach 24 Minuten 3:0 geführt, am Ende 7:0. Gegen einen Fünftligisten. "Das war nicht mehr als ein Trainingsspiel, hat für den Liga-Alltag kaum Aussagekraft", werden die einen jetzt sagen. "Die Tore werden wohl wenigstens ein bisschen Selbstvertrauen gegeben haben", werden die anderen dagegenhalten.

Erklärung Nummer zwei muss nicht weiter kommentiert werden. Die erste Behauptung allerdings wollen wir aber so nicht stehen lassen. Bereits im Finale der vergangenen Saison, aber auch in den ersten beiden Liga-Partien dieser Spielzeit haben viele so etwas wie eine "Handschrift" Torsten Lieberknechts im Offensivspiel des FCK vermisst. War eine solche nun so langsam mal erkennbar - gegen einen Gegner, der auch nach dem frühen tief positioniert blieb?

Zunächst mal: Der FCK-Coach ließ die gleiche Elf starten, die auch im jüngsten Liga-Spiel gegen Schalke begann. Wohl, damit sich das mannschaftliche Grundgerüst weiter stabilisiert. Dass der verletzte Mittelstürmer Ivan Prtajin noch nicht wieder soweit ist, war schon im Vorfeld zu vernehmen. Dass auch Neuzugang Nataan Skyttä keine Chance erhielt und auch nicht eingewechselt wurde, überraschte schon eher. Anscheinend läuft der Finne noch nicht auf hundert Prozent. Andererseits: Die Startelf von vor einer Woche spielte nun ein zweites Mal exakt so zusammen und konnte sich so gut weitere Abläufe einspielen.

Einige Eindrücke aus dem Schalke-Spiel haben sich dabei weiter verfestigt. Luca Sirch ist unter Lieberknecht wohl erstmal weiter als rechter Innenverteidiger eingeplant. Was wohl damit zusammenhängt, dass der Trainer das Aufbauspiel über die beiden Abwehrspieler auf die Seiten bevorzugt. Das bestätigte Sirch eindrucksvoll. Er zeichnete aus der hinteren Reihe für sage und schreibe 113 Zuspiele verantwortlich. Und er gab die Vorlage zum ersten Treffer: Mit einem Chipball hinter die gegnerische Abwehrreihe. Von halbrechts halblinks in den Strafraum. Diagonal gespielt - auch das ist ein Stilmittel, das sich unter Lieberknecht zunehmend deutlicher abzeichnet.

Die Tore: Nicht alles wird in Liga 2 klappen, aber es war Gutes dabei



Der linke Außenbahnspieler Mika Haas leitet den Ball in direkt in die Mitte weiter, Fabian Kunze vollstreckt zum 1:0. Der Sechser, für den es bis dato nahezu unbekannt war, aus dem laufenden Spiel heraus aus in den gegnerischen Strafraum einzudringen. In seinen 96 Einsätzen für seinen früheren Verein Hannover 96 hat der Sommer-Neuzugang nur dreimal getroffen. Einmal nach einer Freistoßflanke, zweimal mit Schüssen aus der zweiten Reihe.

Kurz darauf der zweite Chipball, diesmal nicht ganz so diagonal gespielt: Semih Sahin auf Mahir Emreli. Der schießt direkt aus halber Drehung - 2:0. Einfach aus dem Halbfeld in den Strafraum lupfen? Die Masche wird wohl zu simpel sein, um damit auch im Ligabetrieb dauerhaft Erfolg zu haben, werden wieder andere jetzt sagen. Abwarten. Wie sich die Lautrer an der Abseitslinie positionieren, um im richtigen Moment ins gegnerische Heiligtum einzulaufen, sieht nicht schlecht aus.

Ansonsten fällt wie im Schalke-Spiel auf: Marlon Ritter und Emreli, die Offensivkräfte an der Seite von Mittelstürmer Daniel Hanslik, stellen sich erstmal sehr breit auf, wie echte Flügelstürmer. Ziehen mit zunehmender Dauer eines Ballbesitzes in die Mitte, um den gegnerischen Abwehrblock in Bewegung zu bringen. Auch Achter Sahin ist permanent unterwegs. Auf diese Weise Anspielstationen vorm Sechzehner finden - das klappt nur so mittel. Ist aber auch so ziemlich die schwierigste Disziplin im Ballbesitzspiel.

Erfolgversprechender ist da die gute alte Standardsituation. Ecke Ritter, Kopfball Jisoo Kim - 3:0. Alla, geht doch. Auch generell segeln die ruhenden Bälle in dieser Partie besser in die gefährlichen Zonen als in den ersten beiden Pflichtspielen. Da fielen sie noch zu oft zu weit hinterm langen Eck runter.

Davor hat Sirch mit einem schönen tiefen Ball Simon Asta über den rechten Flügel auf die Reise geschickt. Dessen Zuspiel in den Rückraum erwischt Ritter, bekommt den Ball aber nicht im Tor unter.

Ja, und dann darf der FCK auch mal einen Ball früh erobern und schnell und direkt spielen. Ritter schnappt sich ein missglücktes Zuspiel von Stahnsdorf-Keeper Liam Brem in Höhe der Mittellinie, spielt gemeinsam mit Hanslik und Emreli die Überzahl bis in den gegnerischen Strafraum aus - wobei Emreli noch medienwirksam die Hacke einsetzt -, flankt auf Hanslik, der nickt zum 4:0 ein. Ein Treffer mit Beteiligung des kompletten Offensivtrios. Ist in der Tat bestimmt nicht schlecht für Selbstbewusstsein.

Von den Reservisten nutzt vor allem Raschl seine Chance

Halbzeit. Irgendwas zu meckern bislang? Da muss man schon in den Krümeln suchen. Jisoo hat mal in der eigenen Hälfte einen Ball verdaddelt und seinen Gegenspieler Matthias Steinborn anschließend per Trikotzupfer zu stoppen versucht - das hätte auch Gelb geben können. Den Karton tatsächlich gesehen hat der zentrale Abwehrmann Maxwell Gyamfi nach einer recht rauhen Grätsche gegen Louis Samson. Hätte auch nicht sein müssen.

Gyamfi verließ kurz darauf den Platz. Für ihn kam Florian Kleinhansl, der die linke Innenverteidiger-Position übernahm. Kim rückte dafür in die Mitte. Und Linksfuß Kleinhansl versuchte anschließend ebenfalls, Lieberknechts Vision vom Aufbauspiel mit diagonalen Bällen zu kultivieren. Und auch er zeichnete sich mit einer Torvorlage aus, allerdings per klassischer Linksflanke. Nach dieser setzte der ebenfalls eingewechselte Richmond Tachie mit einem Kopfball aus leicht abseitsverdächtiger Situation den Schlusspunkt zum 7:0.

Zu Beginn der zweiten Hälfte fiel Kleinhansl allerdings auch mal mit einem frühen Ballverlust gegen Steinborn auf, nach dessen Flanke RSV-Mittelstürmer Till Plumpe zur einzigen Torchance seines Teams im ganzen Spiel kam. Da kann man meckern, man kann aber auch sagen: Beim Stand von 4:0 darf das mal passieren.

In der zweiten Hälfte bekommen dann ein paar Reservisten die Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen. Die nutzt vor allem Tobias Raschl, der bis dahin noch keine Einsatzminute in dieser Saison verzeichnete. Erst setzt er mit einem Außenrist-Pass Haas über die linke Seite ein, der mit einer flachen Flanke Ritter bedient - 5:0. Dann beharkt er den ballführenden Keeper Brem energisch, luchst ihm Ball ab und schiebt zum 6:0 ein. Ja, so tritt einer auf, der sich für weitere Einsätze empfehlen will. Nach der Verpflichtung von Skyttä ist es für Raschl ohnehin schwer genug geworden.

Sonderlob für Haas: Mehr Bälle über rechts, aber mehr Torgefahr über links

Ein Sonderlob muss für Haas ausgesprochen werden. Der machte über die volle Spielzeit Dampf und fiel nicht nur durch seine zwei Torvorlagen positiv auf. Will der FCK dem aufstrebenden jungen Mann tatsächlich noch einen Tymo Puchacz vor die Nase setzen? Da sollten Thomas Hengen und Co. nochmal drüber nachdenken.

Zu den Grafiken. Zur xG-Timeline muss angesichts des Endergebnisses wohl nichts weiter gesagt werden:

xG-Timeline RSV-FCK

Interessanter ist schon die Passgrafik des FCK. Da ist zu sehen, dass der Ball mehr über die rechte Seite läuft:

Passmap FCK

Die linke aber produziert mehr Torgefahr. Was wiederum diese "Wyscout"-Grafik verdeutlicht:

Angriffe FCK

Gegen Schalke sah das übrigens ähnlich aus. In Hannover (0:1) dagegen performten beide Flügel gleich schwach.

Für Komplettisten hier die Passgrafik der Stahnsdorfer:

Passmap RSV

Und zum Abschluss die detaillierte Übersicht über Passkombinationen. Wie schon gesagt: Da fällt insbesondere Sirchs Performance auf.

 Passkombinationen FCK

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