Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-VfL

Die DBB-Analyse: Funkel nutzt seine(n) Chance

Die DBB-Analyse: Funkel nutzt seine(n) Chance


Drama, Baby. Beim 3:2 des 1. FC Kaiserslautern gegen den VfL Osnabrück durften endlich mal wieder alle Höhen und Tiefen durchlebt werden, die einen Betzenberg-Besuch so geil machen. Einige Schlüsse müssen aber auch ganz nüchtern gezogen werden.

Ja, das war wieder mal große Oper, die da im Fritz-Walter-Stadion geboten wurde, und es fehlt auch nicht an Helden, über die nun Arien geschmettert werden dürfen. Einmal mehr natürlich über Ragnar Ache, der seinen drei Treffern beim 3:0 in Rostock direkt zwei weitere folgen ließ, darunter den entscheidenden zum 3:2 in der Nachspielzeit. 14 Treffer hat der Stürmer nun erzielt. Und im Gegensatz zu seinen Nachbarn in der Torschützenliste der Zweiten Liga musste er diese in nur 19 Einsätzen markieren. Das bedeutet: Im Schnitt ein Tor alle 89 Minuten, also eines in jedem Spiel. Und wenn man sich dann noch anschaut, wie er seine Buden macht ...

Nein, wir werden uns jetzt nicht in Spekulationen ergehen, wie lange der 25-Jährige noch am Betzenberg gehalten werden kann. Wir zitieren lediglich Osnabrücks Trainer Uwe Koschinat: "Es grenzt an Wettbewerbsverzerrung, dass der in der Zweiten Liga unterwegs ist."

Ein Sieg, der stark macht für den Rest der Runde

Die zweite Heldengeschichte ist ein wenig vertrackter. Sie erzählt von Chance Simakala. Dem Mann, der den VfL Osnabrück vergangene Saison mit 19 Treffern und sieben Vorlagen in die 2. Bundesliga schoss. Der anschließend zu Holstein Kiel wechselte, dort aber nicht recht zum Zuge kam. Den der VfL in Winterpause gerne zurückgeholt hätte, wäre nicht der FCK dazwischen gegrätscht. Der in Kaiserslautern aber auch nicht zum Zuge kam, von Trainer Friedhelm Funkel in den ersten drei Partien seiner Amtszeit nicht mal in den Spieltagskader berufen worden war. Der an diesem Sonntag aber eingewechselt wurde - und mit einem Traumtor den zweiten Rückstand egalisierte, den sich sein Team eingehandelt hatte.

Womit auch schon angesprochen wäre, weswegen dieser zweite Sieg in Folge so ungleich wichtiger als der davor. An der Ostsee spielte den Betze-Buben ein früher eigener Treffer und, noch in der ersten Hälfte, ein Platzverweis für die Gastgeber in die Karten. Diesmal wurden die Roten Teufel gleich zweimal auf die Verliererstraße geschossen, beide Male in der zweiten Hälfte, in der sie in dieser Saison viel zu oft schon empfindlich abgebaut hatten. Diesmal aber fanden sie beide Male zurück in die Partie - und bescherten sich in der Nachspielzeit sogar noch ein Happy End. Das sind Erfolgserlebnisse, die stark machen für die Rest der Runde. Und die auch dringend notwendig sind: Denn der Abstiegskampf ist noch lange nicht entschieden.

Liga zwei ist zähes Gewerk - auch gegen einen Tabellenletzten

Bei allen Emotionen, die 42.008 Zuschauer auf dem Betzenberg durchleben und durchleiden durften, muss nach diesem 3:2 nämlich auch ganz nüchtern festgehalten werden: Dieses Spiel war ein Lehrbeispiel dafür, was für ein zähes Gewerk diese 2. Bundesliga ist. Weil kaum ein Team über die spielerischen Mittel verfügt, einen Gegner zu bespielen, der die ballführende Mannschaft in geschlossener Ordnung und mit voller Konzentration erwartet. Tore müssen dann eben über ruhende Bälle erzielt werden. Und diese beherrscht ein Tabellenletzter unter Umständen genauso gut wie ein potenzieller Aufsteiger. Drum kann jede Partie in beide Richtungen laufen, und daran wird sich auch für den FCK bis zum 34. Spieltag nichts ändern.

Exemplarisch war die erste Hälfte, in der sich noch lange nicht das Drama abzeichnete, das sich in den zweiten 45 Minuten abspielen sollte. Die Lautrer positionierten sich so, wie es unter Friedhelm Funkel nun die Regel zu werden scheint. Bei gegnerischem Ballbesitz steht die Vierer-Abwehrkette hoch, ungefähr zehn Meter hinter der Mittellinie. Ungefähr zehn Meter davor lauern vier Offensive - Marlon Ritter schiebt sich zu Ache in die Spitze, außen warten Aaron Opoku und Kenny Redondo. Aggressiv nach vorne gepresst wird jedoch nicht, sondern abgewartet, bis der Ball in den kompakt stehenden Block gespielt wird, wo er erobert und möglichst direkt nach vorne gespielt werden soll.

Umschaltspiel klappte in Ansätzen, Kombinationsspiel kaum

Das klappte in der ersten Halbzeit auch zwei, drei Mal recht vielversprechend. Ache wäre nach zehn Minuten beinahe durch gewesen, legte sich den Ball aber zu weit vor, später ging Tymo Puchacz nach einer schnellen Vorlage Ritters auf der linken Seite auf und davon und legte quer auf Ache, der in der Mitte nur knapp verpasste.

Weitgehend wirkungslos blieben dagegen die Aktionen, die die Gastgeber einzuleiten versuchten, wenn der Gegner genug Zeit hatte, seine Defensive zu ordnen. In Minute 30 kam Ritter mal nach einer Kombination ins Zentrum in eine gute Schussposition am Sechzehner, setzte auch gut an, wurde aber geblockt. Ache erwischte, obwohl doppelt gedeckt, mit dem Schädel eine Puchacz-Flanke, bekam aber keinen Druck dahinter. Viel mehr war aber nicht.

Das Spiel der Gäste war ähnlich angelegt, nur ließen diese sich mehr Zeit, bis sie das Spiel durch und über den kompakten Block des Gegners versuchten. Immerhin aber setzten sie das spielerische Highlight der ersten 45 Minuten: Nach einer flachen Flanke von Christian Conteh vor den Fünfmeterraum schob Osnabrücks Mittelstürmer Erik Engelhardt den Ball mit der Hacke knapp am langen Eck vorbei.

In Hälfte zwei hagelt's Ecken - und Tore

Für Taktikfreunde mochte das Ganze interessant anzusehen gewesen sein, für den Mainstream aber war dies alles zu wenig adrenalintreibend, um als unterhaltsam empfunden zu werden. Und zur Pause war eigentlich schon abzusehen: Das erste Tor würde durch eine Standardsituation fallen.

Drei Minuten nach Wiederanpfiff war es prompt soweit. Eine von VfL-Linksverteidiger Florian Kleinhansl getretene Ecke prallt gegen Julian Niehues' Oberkörper, von da vor die Füße von Engelhardt und der vollstreckt aus acht Metern. Ob Niehues da kontrollierter hätte abwehren können? Eher schon hätte Engelhardt enger gedeckt werden müssen. Oder sein Schuss energischer geblockt.

Lautern versuchte zu antworten, attackierte jetzt auch früher, aber das aus dem Spiel heraus auch weiterhin nicht viel gehen würde, war schnell zu erkennen. Die erste ordentliche Ausgleichschance bot sich Ache nach 62 Minuten - nach einer Freistoßflanke von Ritter.

Ache natürlich - aber dann schlägt Engelhardt schon wieder zu

Vier Minuten später durfte es dann erneut ein Eckball sein, der zu einem Treffer führte. Puchacz' Hereingabe wurde lang und länger, und hinter dem zweiten Pfosten stieg Ache hoch und höher, kerzengerade. Er traf das Leder punktgenau und gab ihm exakt die richtige Stärke und Richtung für den Weg ins Netz. Seit Miro Klose hat im Trikot der Roten Teufel keiner mehr Kopfballtore dieser Art gemacht.

Kurz darauf drückt Engelhardt abermals eine Osnabrücker Ecke über die Torlinie. Diesmal durfte Dave Gnaase hinterm langen Eck viel zu unbedrängt aufs kurze zurückköpfen. Zwei Rückschläge so kurz hintereinander, wann konnten die Pfälzer zuletzt so etwas wegstecken?

Aber Friedhelm Funkel hat anscheinend auch die verschüttet geglaubten Comeback-Qualitäten der Lautrer wiederentdeckt. Obwohl der Trainerveteran dergleichen natürlich nüchterner ausdrückt. "Wir haben sind immer kontrolliert geblieben, haben immer eine Restverteidigung gehabt", begründete der Coach, warum sein Team im Gegensatz zum 0:4 gegen den KSC diesmal nicht einbrach. Dazu kam das Quäntchen Glück, ohne dass es nunmal auch nicht geht.

Denn wie oft in seinem Fußballerleben einem Chance Simakala wohl ein solcher Hammer geglückt ist wie der, den er in 78. Minute in Richtung VfL-Tor losließ - oder noch glücken wird? Eine Direktabnahme halblinks vom Sechzehner nach einem zu kurz abgewehrten Eckball. Irre. Simakala war zusammen mit Dickson Abiama und Richmond Tachie ins Spiel bekommen, dafür gingen Redondo, Opoku und Filip Kaloc. Ritter zog sich daraufhin neben Niehues ins Mittelfeld zurück.

Am Ende hieß es dann: "Kontrollverlust"

In der Schlussphase waren dann alle taktischen Fesseln abgelegt. Auch der Tabellenletzte suchte die Entscheidung zu seinen Gunsten. Weil ihm in seiner Situation, wie Trainer Koschinat hinterher bestätigte, nur noch Siege helfen. Im Erfolgsfall wären die Lila-Weißen bei ihrer Heimkehr für ihre Courage wohl mit Lob überschüttet worden. Doch es kam anders.

In der Nachspielzeit verdribbelte Linksaußen Charalambos Makridis den Ball tief in der Lautrer Hälfte, so dass die Gastgeber noch einmal einen Umschaltmoment nutzen durften. Jean Zimmer trieb das Leder nach vorne, Simakala setzte mit einem tollen Schnittstellenpass den rechts durchstartenden Tachie ein, der flankte flach in die Mitte und - wer wohl? - Ache schoss den Betzenberg ins Glück. Und statt seiner Mannschaft für ihren nie erlahmenden Siegeswillen zu huldigen, sprach Uwe Koschinat nun von einem "Kontrollverlust", der ihr das Genick brach.

So eng liegen Freud und Leid eben beieinander. Und darum ist auch der Abstiegskampf für den FCK noch lange nicht zu Ende.

Die üblichen Grafiken zum Spiel haben uns leider noch nicht erreicht, werden aber nachgereicht. Einfach morgen oder übermorgen nochmal reinschauen.

Update, 12.03.2024: Die Daten-Grafiken zum Heimsieg

Zu den Grafiken. Die xG-Timeline bestätigt, wie knapp dieser Sieg war. Und die Szene am Anfang, in der sich Ache den Ball zu weit vorlegt, hat die Computer-Software wohl dramatischer bewertet, als sie war.

xG-Timeline FCK-Osnabrück

Die Positions- und Passgrafik der Roten Teufel. Kaloc (26) war diesmal tiefer positioniert als Niehues. Von Ritter (7), Opoku (17) und Redondo (11) verlaufen keine Linien zu Ache (9). Das macht zunächst mal keinen guten Eindruck, aber: Linien werden erst bei "mehr als drei Pässen" eingezeichnet. Und wenn von den drei Pässen, die die drei vielleicht gespielt haben, jeweils zwei gute dabei waren, wär's auch okay.

Passmap FCK

Die Passmap der Gäste: Philipp Kühn wird oft als Anspielstation seiner Vorderleute sucht, gleichzeitig ist er einer der Hauptzulieferer für Mittelstürmer Engelhardt, das verrät einiges über die Spielweise des VfL.

Passmap Osnabrück

Und zum Schluss die Duell-Übersicht. Wie zuletzt eigentlich immer, überzeugen die Defensivkräfte. Niehues und Elvedi ragen heraus. Puchacz allerdings könnte ein bisschen besser dastehen. Erstaunlich, dass auch Ache als Mittelstürmer sich in der Mehrheit der Duelle behaupten kann.

Zweikampf-Duelle FCK-Osnabrück

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2023/24: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage

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