Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-SVWW

Die DBB-Analyse: Noch ein Sieg, der Signale setzen kann

Die DBB-Analyse: Noch ein Sieg, der Signale setzen kann


Ja, dieses 1:0 gegen den SV Wehen Wiesbaden hat gezeigt, dass der Kader des 1. FC Kaiserslautern doch breit genug aufgestellt ist, um Ausfälle zu kompensieren. Aber noch einiges mehr macht Hoffnung für den weiteren Saisonverlauf. Und Laune.

Nach dem peinlichen Aus im Verbandspokal gegen den Oberligisten TuS Mechtersheim lautete die herrschende Expertenmeinung noch: Der zweite Anzug dieses Aufgebots passt nicht. Nach diesem Samstag darf dieses Urteil revidiert werden, wie auch unser Spielbericht schon deutlich machte. Weil sich etliche Spieler sowohl mit Corona als auch anderen Erkältungsviren angesteckt hatten, hatte Coach Marco Antwerpen seine Startelf gegenüber dem 2:0-Derbysieg beim 1. FC Saarbrücken gleich auf fünf Positionen umstellen müssen. Dennoch präsentierte sich seine Mannschaft vom Anpfiff weg als Einheit, die sich insbesondere beim Verschieben gegen den Ball den Zusatz "geschlossen" verdiente.

Und: Die Betze-Buben attackierten sogar erstaunlich weit vorne. Als wollten sie Publikum und Gegner erst gar nicht den Eindruck vermitteln, sie wären durch die vielen Ausfälle gehemmt. Von den Spielern, deren Einsatz vor der Partie als "fraglich" bezeichnet wurde, hatte immerhin Hendrick Zuck noch den Sprung in die Startelf geschafft, der auch die Kapitänsbinde für den ausgefallenen Jean Zimmer überstreifte. Für die ebenfalls angeschlagenen Felix Götze und Neal Gibs hatte es immerhin noch zu einem Platz auf der Bank gereicht.

Redondo, der Nachrücker: In der Form mehr als ein Klingenburg-Ersatz

Einer, der in die Startelf nachgerückt war und der nach dem Mechtersheim-Desaster ganz schlechte Kritiken bekommen hatte, avancierte in den folgenden 90 Minuten sogar zum überragenden Akteur: Kenny Redondo. Er musste auf der Position des verletzten René Klingenburg ran und bildete die zweite Spitze hinter dem beweglichen Stürmer Daniel Hanslik. Denn den klassischen offensiven Flügelspieler, der Redondo von Haus aus ist, gibt es ja nicht mehr in dem von Antwerpen ausbaldowerten Formationshybriden, der sich am besten als 3-1-4-1-1 darstellen lässt.

Aus der mittleren Position heraus startete Redondo immer wieder auf die Halbpositionen oder ganz auf die Flügel durch, um sich vertikale Zuspiele seiner Mitspieler zu erlaufen. Das immer wieder, mit so hohem Tempo und so gut getimt, dass der Trainer die Qual der Wahl haben wird, wenn sich Klingenburg aus dem Krankenstand zurückmeldet. Ein Redondo in dieser Form lässt sich kaum auf die Bank zurücksetzen.

Zwei Torszenen mit Beispielcharakter

Zwei Mal bot sich dem Deutsch-Spanier die Chance, seine starke Leistung mit einem eigenen Treffer zu krönen. Einmal kurz vor der Pause, als er den besten FCK-Angriff der ersten Hälfte abschloss: Starker Antritt des rechten Innenverteidigers Boris Tomiak durch die Mitte, vertikaler Pass auf Redondo, der auf Hanslik abgab, der sah den halbrechts einlaufenden Marlon Ritter, der flankte direkt in die Strafraummitte - und Redondo flog nur knapp am Ball vorbei. Das ist der Fußball, der 17.080 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion Laune macht.

Das zweite Mal schob Redondo in der 73. Minute den Ball nach einem seiner Sprints sogar über die Linie. Doch da ging leider die Fahne des Schiedsrichter-Assistenten hoch, und das wohl auch zurecht, wenn auch ganz, ganz knapp.

Die zwei geschilderten Szenen veranschaulichen ein Muster, das in diesem Spiel öfter zu erkennen war: Ein ordentlich getimtes Zuspiel aus der Tiefe, Redondo - und, nicht minder wichtig, Hanslik.

Hanslik: Die Spitze, die ihre Mitspieler glänzen lässt

Der zentrale Stürmer hatte ebenfalls selbst zwei Gelegenheiten, Tore zu machen: eine schon nach zwei Minuten, als er eine Wunderlich-Ecke mit dem Kopf am langen Pfosten vorbei bugsierte. Und einmal nach 65 Minuten, als er mit dem Kopf in eine Linksflanke Redondos flog, diese aber nicht richtig erwischte. Als Vorbereiter profiliert hatten sich Dominik Schad als Balleroberer und Schlepper sowie Mike Wunderlich als vertikaler Passgeber.

Einmal mehr glänzte Hanslik somit nicht als Torjäger, sondern als Bälle-Verarbeiter in vorderster Linie, der seine Mitspieler klug und präzise in Szene setzte. So war er Bestandteil nahezu aller Offensivaktionen - und folgerichtig Ausgangspunkt der spielentscheidenden Szene: Hanslik schickte den gerade eingewechselten Felix Götze in die Tiefe, der kam noch vor dem Strafraum ins Stolpern, aber erst innerhalb zu Fall. Referee Nico Fuchs pfiff Elfmeter.

Dabei muss konstatiert werden: Der FCK war diesmal Nutznießer einer fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung, ist in dieser Saison aber auch schon mehrmals benachteiligt worden. Und es war keine Schwalbe, denn Götze hatte seinen Hinfaller nicht simuliert. Kein Grund also, in Sack und Asche zu gehen.

Ritter verwandelte den Elfer dann zum Treffer des Tages. Mit "Verlade"-Technik, die ihrer Risiken und Nebenwirkungen wegen FCK-Freunden mit schwachen Nerven und/oder schwachem Herzen absolut nicht zu empfehlen ist, vor allem nicht wegen des Stop-Motion-Effektes unmittelbar vorm Schuss.

Doch wie lauten nochmal die drei Worte, mit der sich ein Elfmeterschütze wohl ewiglich rechtfertigen kann? "Egal, Hauptsache, drin!"

Götze für Sessa: Der Wechsel, der die Entscheidung bringt

Doch auch das ist festzuhalten - und ein positives Signal für den weiteren Verlauf der Runde: Trotz Ausfällen fast in Mannschaftsstärke, trotz fünf Änderungen, die er bereits in der Startelf vornehmen musste, war Antwerpen immer noch ein Wechsel möglich, der einen deutlichen Schub nach vorne brachte: Mit Felix Götze für Nicolas Sessa bekam das Lautrer Spiel geradezu schlagartig nochmal mehr Zug zum Tor.

Denn so schön Sessa den Ball auch zu streicheln vermag - er hatte einfach zu viele Offensivaktionen verschleppt oder verzögert. Und die anderen Startelf-Nachrücker? Avdo Spahic bestätigte, was schon vor dem Spiel alle gedacht hatten: Um ihn als Ersatz für den bislang überragenden Keeper Matheo Raab musste man sich die wenigsten Sorgen machen. Er zeigte eine souveräne Leistung. Max Hippe? In seinem Startelf-Debüt als zentraler Innenverteidiger für Kevin Kraus präsentierte er sich geradezu als dessen Double: Nichts Spektakuläres, aber ordentlich als ordnende Hand hinter dem zentralen Aufbauspieler Marlon Ritter. Dominik Schad? Im Spiel nach vorne noch längst nicht wieder so stark wie vor seiner Verletzung vergangene Saison, auch nicht so effektiv wie Philipp Hercher jüngst, aber auf jeden Fall gilt für ihn: Mission erfüllt.

Ackern bis zum Führungstor: So lange wie noch nie

Was ebenfalls Mut für die nächste Zukunft macht: Erstmals in dieser Saison musste bis tief in die zweite Hälfte geackert werden, um einen Führungstreffer zu erzielen. Bei allen vorangegangen sechs Siegen sowie in den beiden Remis-Partien gegen Zwickau und Duisburg gelang das erste Tor, das Kopf und Beine leichter macht, noch in der ersten Hälfte. Das Team kann Kraft und Konzentration also auch ohne Erfolgserlebnis über längere Zeit hochhalten. Ein gutes Zeichen.

Wobei freilich nicht vergessen werden darf: Wehen verzeichnete über 90 Minuten zwar nicht sehr viele Torchancen, sodass die FCK-Hintermannschaft nicht von ungefähr mit bislang nur elf Gegentreffern die beste der Liga bleibt. Aber zumindest in der ersten Hälfte waren die qualitativ besseren Einschussgelegenheiten auf ihrer Seite: durch Gustaf Nilsson und Dennis Kempe, beide Male nach Freistoß-Flugbällen.

Was Beleg ist für die Leistungsdichte der 3. Liga, in der er es auch künftig keine Selbstläufer geben wird. Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig ist es, bei Standardsituationen nichts zuzulassen und diese stattdessen selbst zu nutzen.

Ergänzung, 22.11.2021: xG-Timeline: Ohne den Elfer wäre der SVWW sogar leicht vorne

Sander Ijtsmas xG-Plots bestätigen, was wir oben bereits beschrieben haben. Das Endergebnis von 1.30 : 0.64 belegt: Über 90 Minuten hat sich in den Strafräumen nicht viel abgespielt. Und hätten die Wiesbadener nach elf Minuten ihre Kopfballchance verwertet, hätte das Spiel durchaus auch so laufen können wie die Heimpartie zuvor gegen die Würzburger Kickers (0:2). Auch, weil Goppel sich auf der rechten Seite vor allem in der ersten Hälfte ähnlich gut durchsetzte wie Kopacz im Würzburg-Spiel. Ohne Ritters Elfmeter, der in der xG-Timeline ein Sprung von rund 0.75 Punkten bewirkt, würden die Gäste sogar ein leichtes Plus nach qualitativ bewerteten Chancen verzeichnen.

xG-Plot FCK-SVWW

Die Positions- und Passgrafik der Roten Teufel zeigt, dass die Elf auf dem Feld tatsächlich in etwa positioniert war wie auf dem Papier geplant. Die fast durchweg gleich großen Spots belegen: Alle Spieler waren einbezogener, auf der linken Seite wurde wie immer etwas intensiver gepasst, allerdings fiel der Unterschied zum rechten Flügel schon wesentlicher krasser aus. Redondo stand bei der Ballannahme im Durchschnitt sogar ein wenig höher als Hanslik.

Passmap FCK

Auch die Positions- und Passgrafik von Wehen spiegelt eine sehr homogen auftretende Truppe wider. Gut strukturiertes 4-2-3-1 und eine ebenfalls gut übers Feld fließende Passkommunikation.

Passmap SVWW

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Eric Scherer

Weitere Links zum Thema:

- Saison-Übersicht 2021/22: Die DBB-Analysen der FCK-Spieltage

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