Interview: Das E-Sports-Team des 1. FC Kaiserslautern

"Teilweise schwitzt man mehr als auf dem Fußballplatz"

"Teilweise schwitzt man mehr als auf dem Fußballplatz"


Der 1. FC Kaiserslautern steht für Tradition und Leidenschaft auf dem Fußballplatz. Doch jetzt jagt er dem runden Leder auch auf der Konsole hinterher. Wir haben die neuen E-Sportler des FCK gefragt, welche Ziele sie erreichen wollen und was sie vom Vorwurf halten, Fußball am Controller sei kein richtiger Sport.

Manch einer hält es für neumodischen Unsinn, andere sehen es als längst überfällig an: Auf seiner virtuellen Jahreshauptversammlung 2020 kündigte der FCK an, das Thema E-Sports an den Start zu bringen. Genauer gesagt, sollte in Zukunft der Ball auch auf der Konsole rollen und zwar in der allseits beliebten EA-Sports-Reihe FIFA. Hierfür suchte der Verein junge, motivierte und natürlich auch talentierte Sportler, die die Roten Teufel auch virtuell angemessen vertreten sollten. Aus fast 2.000 Bewerbern setzten sich am Ende Jonathan Mayer Garcia (26) (Twitch-Name: JonaMG_) und David Heintz (21) (Twitch-Name: heintzinho), der Bruder des ehemaligen FCK-Profis Dominique Heintz, durch. Auch ein sogenannter Content Creator, der sich hauptsächlich um das Streaming - also das Erstellen und Veröffentlichen der Videos - kümmert, wurde gesucht, und in dem 33-jährigen DICO (Twitch-Name: Dicotainment) gefunden. Sie jagen ab sofort auf dem Twitch-Kanal der Roten Teufel dem virtuellen Leder hinterher. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Der Betze brennt: Hallo Jungs. Seit Eurem ersten Auftritt beim Heimspiel gegen den SC Verl sind jetzt mehr als 14 Tage vergangen. Was war das für ein Gefühl, zum ersten Mal im Trikot des 1. FC Kaiserslautern zu streamen, also Euch online den Fans zu präsentieren?

David Heintz (21): Ich bin ja seit meiner Kindheit FCK-Fan, von daher war es alleine schon besonders, das Fritz-Walter-Stadion mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Unter den Klängen des Betze-Liedes haben wir den Zuschauern das Warmmachen der Mannschaft gezeigt. Da habe ich Gänsehaut bekommen und das, obwohl keine Fans im Stadion sein konnten. Besser hätten wir den ersten Stream gar nicht starten können, da muss auch einfach mal dem ganzen Team einen großen Dank aussprechen. Wir bekommen auch Lob von anderen E-Sportlern, wie beispielsweise aus Bremen. Da hören wir unentwegt, was für eine geile Community wir schon haben. Wir hatten auch durchgehend mehr Zuschauer als der E-Sports-Kanal von Werder Bremen. Das ist Wahnsinn.

Jonathan Mayer Garcia (26): Ich war positiv aufgeregt. In etwa so, wie wenn man in der Schule ein Referat halten soll (lacht). Ich habe mich bestimmt zehn oder 20-mal umgedreht zum Stadion. Die Fans sagen zurecht: Wir haben definitiv das beste Streaming-Wohnzimmer der Welt. Es war einfach Hammer. Meine Zuschauerzahlen haben sich verdoppelt, auch die Abo-Zahlen sind stark gestiegen. Das Feedback der Fans und Zuschauer ist also gewaltig.

DICO (33): Natürlich waren wir vor unserem ersten Stream sehr aufgeregt. Das ist auch für uns oder für mich, der sich mit den Themen FIFA und Content Creating schon sechs Jahre lang beschäftigt, eine besondere Sache gewesen. Wir sind ja auch alles FCK-Fans, von daher war das ein ganz besonderes Erlebnis und ganz toll.

» Zum Video: Jonathan Mayer Garcia stellt sich vor


Der Betze brennt: Zum Einstieg eine Frage, die Ihr sicher oft hört und die sich viele Hobby-Zocker stellen: Wie wird man eigentlich professioneller E-Sportler?

David: Irgendwann erreicht man bei FIFA so einen Punkt, wo man merkt, dass man besser ist, als Hobby-Spieler, in der Fachsprache nennt man die auch "Casual Gamer". Am Anfang zockt man viel Weekend-League, wo du am Wochenende immer 30 Spiele absolvierst und versuchst, so viele es geht zu gewinnen. Als ich gesehen habe, dass der FCK Spieler sucht, habe ich in der Sekunde noch eine E-Mail losgeschickt und habe alles dafür gegeben, Teil des Teams zu werden. Es ist ein echter Traum für mich in Erfüllung gegangen. Was Schöneres gibt es eigentlich nicht. Wenn man schon nicht auf dem echten Rasen stehen kann, dann zumindest auf dem virtuellen.

Jonathan: Mein Einstieg in den E-Sport Bereich waren die deutschen Meisterschaften bei FIFA 18 und FIFA 19. Seitdem stehe ich in gutem Kontakt zu E-Sportlern auch von anderen Vereinen, etwa von Nürnberg oder Gladbach. Wir haben uns die vergangenen Jahre immer gegenseitig gepusht, aber wegen meiner Ausbildung konnte ich E-Sport in der Vergangenheit noch nicht Vollzeit betreiben. Als ich die aber abgeschlossen hatte, habe ich mich entschlossen es "richtig" zu machen. Als Wink des Schicksals kam just in der Zeit der FCK mit dem Thema heraus. Meine Bewerbung habe ich mir bestimmt 100-mal vorm Abschicken durchgelesen. Ich bin unglaublich dankbar, dass sich der Verein für uns drei entschieden hat. Wie David schon sagt: Da ist wirklich ein Traum in Erfüllung gegangen.

DICO: Ich habe in meiner Community die vergangenen Jahre schon immer Witze gemacht, dass ich dabei bin, wenn Lautern mal ein E-Sports-Team gründet. Und alle immer so: "Jaja." Ich bin ja auch schon über 20 Jahre FCK-Fan. Als Content Creator habe ich zwar schon viel gesehen, aber das Ganze in Verbindung mit dem FCK zu erleben, das ist schon etwas ganz Besonderes. Man merkt, was eine Wucht hinter diesem Verein steckt.

David Heintz plant Rückkehr von Bruder Dominique - an der Konsole

Der Betze brennt: David, vor allem Du bist ja durch Deinen Bruder, Bundesliga-Profi und Ex-FCK-Spieler Dominique Heintz, familiär "vorbelastet" was den FCK betrifft. Wie hat er reagiert als er von Deiner Bewerbung erfahren hat und traut er sich überhaupt noch, gegen Dich an der Konsole anzutreten?

David: Klar, meine ganze Familie steht total hinter mir und ist stolz, hat mich auch den gesamten Bewerbungsprozess hindurch begleitet. Dome hat ja schon in einem Interview erzählt, dass er aufgegeben hat, gegen mich zu spielen, weil er keine Chance mehr sieht (lacht). Aber er freut sich total für mich und ist stolz, dass jetzt noch ein Familienmitglied für den FCK unterwegs ist. Auch unsere Mama meinte, sie ist froh, dass sich das ganze Zocken über die Jahre wenigstens gelohnt hat (lacht). Es ist auch angedacht, vielleicht mal mit meinem Bruder gemeinsam etwas zu starten, dann würde er zumindest auf den virtuellen Rasen mal wieder nach Lautern zurückkehren. Das würde die Fans sicher freuen.

» Zum Video: Heintzinho ab sofort am Betzenberg

Der Betze brennt: Wie sieht denn so ein normaler Tagesablauf eines E-Sportlers aus? Was steht bei Euch auf dem Programm, insbesondere wenn ihr Euch auf ein neues FIFA-Spiel vorbereitet?

Jonathan: Ich streame circa sechs bis sieben Mal die Woche. Während der Woche haben wir zwei Streams vom FCK-Kanal aus geplant, Stand jetzt mittwochs und samstags. Zusätzlich versuche ich täglich zwischen vier und sechs Stunden auf meinem eigenen Kanal online zu sein. Wenn die neue FIFA-Reihe erscheint, nehme ich mir bestimmt sechs bis acht Stunden Zeit, wo ich mir alles anschaue und ausprobiere. Ich gucke in dieser Zeit auch sehr viele Streams anderer E-Sportler, einfach um zu schauen, ob sie Tricks haben, die ich vielleicht noch nicht entdeckt habe und versuche so, schnell besser zu werden. In den ersten drei bis vier Wochen kostet das sicher so insgesamt bis zu zehn Stunden täglich, um auf ein gewisses Niveau zu kommen. Ich habe auch noch ein kleines Kind, von daher ist schon immer für Action gesorgt (lacht).

David: FIFA 22 wird mein erstes Spiel sein, das ich so komplett von Beginn an auf E-Sport-Niveau analysiere und ich bin schon sehr neugierig. Es wird auch eine Herausforderung, man muss sich sehr mit dem Spiel beschäftigen, vergleichbar mit einer kleinen Hausarbeit an der Uni, wo du recherchieren, Quellen heraussuchen und analysieren musst, was ist gut, was ist schlecht. Diese Arbeit nimmt dir niemand ab. Ein Beispiel: Aktuell lassen viele in FIFA Außenverteidiger in der Innenverteidigung spielen, weil die Spieler einfach schnell sind. Das sind so Dinge, die weißt du vorher nicht, die siehst du erst im Spiel. Trainieren ist hierfür einfach unerlässlich. Je mehr du tust, desto besser wirst du. Wie in jedem Sport und in allen Bereichen des Lebens.

DICO: Dieses Jahr gab es glaube ich neun Gameplay-Patches. Das heißt für die Jungs: Neunmal das Spiel mehr oder weniger komplett neu entdecken, und das mitten in der Saison. Das ist richtig viel Arbeit. Es gibt E-Sportler, die trainieren, wenn das Spiel neu erschienen ist, zehn Stunden, andere analysieren das Gameplay mit richtigen Analyse-Programmen.

Mehr als ein Hobby: "Sechs bis acht Stunden Training sind unerlässlich"

Der Betze brennt: DICO, Du bist beim FCK ja nicht als E-Sportler, sondern als Content Creator unterwegs. Was sind Deine Aufgaben?

DICO: Ganz genau. Ich schaffe in der Weekend-League um ehrlich zu sein vielleicht mal 20 Siege am Wochenende, da muss ich aber schon sehr schwitzen (lacht). Von daher kann ich von den anderen beiden noch Einiges lernen und bin froh, dass die beiden an der Konsole sitzen. Ich moderiere das Ganze als Content Creator ja eher. Ich überlege mir Inhalte, schreibe Sendepläne, baue Videos für YouTube. Die Videos, die zum Beispiel zu unserer Veröffentlichung online gegangen sind, haben wir gemeinsam gedreht. Das ist meine große Leidenschaft und ich wollte unbedingt Bundesliga-Level für dem FCK erreichen und habe dann Tag und Nacht daran gesessen, diese Videos fertig zu stellen. Wir haben das zu dritt gemacht, als Familie, als Team. Das macht ja glaube ich auch den FCK aus. Zudem werden einige Streams ja auch nicht nur etwas mit dem Videospiel zu tun haben und da komm’ dann auch ich als Unterhalter mit dem nötigen FCK-Fan-Background dazu.

» Zum Video: DICO ist der Content Creator im E-Sport-Team

Der Betze brennt: Du sprichst die Weekend-League schon an. Für alle, die sich mit FIFA nicht so auskennen: Was ist das und welche Modi werdet Ihr überhaupt spielen und zeigen?

DICO: Wenn FIFA 22 im Oktober rauskommt, dann werden die Jungs ordentlich trainieren und dann musst du jedes Wochenende diese sogenannte Weekend-League spielen. Sie umfasst immer 30 Partien, von denen du so viele es geht gewinnen musst. Wenn du da ordentlich abräumst, dann kannst du dich für weitere Turniere qualifizieren. Das ist für den E-Sportler eine tolle Sache, weil es bei bestimmten Turnieren auch Preisgelder gibt, aber auch für Lautern, um sich zu präsentieren. Das sogenannte "Ultimate Team" wird natürlich ebenfalls ein Hauptbestandteil sein, weil das einfach der Modus ist, der gebraucht wird, um dich für die zukünftigen Turniere zu qualifizieren. Aufgrund von Corona konnte da in der Vergangenheit vieles nicht stattfinden, aber wenn die Pandemie überwunden ist, wird es da wieder einiges geben.

Jonathan: Es wird in den ersten Wochen eine Art Qualifikationsphase für die EA-Turniere geben (EA Sports ist der Herausgeber der FIFA-Spielereihe; Anm. d. Red.). Da muss man in den ersten zwei Monaten zwischen 29:1 und 30:0 in der Weekend-League an Ergebnissen liefern, dann ist man sicher dabei und kann gegen andere Profis um die Qualifikation für die großen Turniere und Preisgelder spielen. Von November bis Februar gibt es zusätzlich noch vier Qualifikationsmonate, wo sich circa zwölf Spieler pro Monat für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren können.

Der Betze brennt: Wie lief eigentlich der Bewerbungsprozess ab? Die Resonanz scheint ja gewaltig gewesen zu sein.

Dominik Neumann (Geschäftsführer NMS): Wir hatten über 1.800 Bewerbungen, die Resonanz war gewaltig. Teilweise treffen heute noch welche ein. Wir hatten uns im Vorfeld auf gewisse Kriterien geeinigt, etwa auf eine gewisse Siegesquote in der Weekend-League. Wir haben uns auch die Social-Media-Auftritte der Kandidaten angeschaut. Dann haben wir weiter selektiert, eine Agentur aus Frankfurt hat drei Sichtungsturniere stattfinden lassen, woraus wir dann zu Vorstellungsgesprächen nach Kaiserslautern eingeladen haben, um sie auch persönlich nochmal kennenzulernen, ob es einfach passt. Die besten acht wurden dann zu finalen Gesprächen eingeladen, wo die Entscheidung dann, obwohl wir acht super Kandidaten hatten, am Ende eindeutig auf unsere drei Jungs gefallen ist.

Über 1.800 Bewerbungen fürs FCK-Team: "Wir haben Wert auf Persönlichkeit gelegt"

Der Betze brennt: Warum hat sich der FCK am Ende genau für die drei entschieden?

Neumann: Unsere Prämisse im Auswahlprozess war von vorneherein: Wir wollen nicht unbedingt die skillmäßig besten, sondern die für den FCK am besten geeigneten E-Sportler in unserem Team haben. Dafür wollten wir jemanden, der aus der Fangemeinde des FCK kommt, einer der sich um Content kümmern kann und einer der von seinen Fertigkeiten in FIFA wirklich "rasiert" und uns natürlich auch die gewünschten Erfolge in der Weekend-League einfährt. Wir hatten beispielsweise jemanden der unter den Top-10-Zockern in Deutschland ist, der aber Fan von Eintracht Frankfurt ist. Das passt dann einfach nicht. Wir haben großen Wert auf Menschlichkeit, Persönlichkeit und Kommunikationsfähigkeit gelegt. Und diese ganzen Faktoren zusammen ergeben dann einen Dico, einen Jona und einen Heintzi (lacht). Wir sind wirklich sehr froh, dass wir diese drei in unserem Team haben. Denn mit dem Team steht und fällt auch der Erfolg des Streams.

Der Betze brennt: Der FCK und die Agentur NMS haben dieses Projekt gemeinsam aufgebaut. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Neumann: Wir als Agentur sind ja sehr neu, haben aber direkt das Potential erkannt, was hier drinsteckt. Ende Oktober, Anfang November des vergangenen Jahres hatten wir uns umgehört, welche Vereine überhaupt schon E-Sports Abteilungen besitzen und wo Interesse bestehen könnte. Ich glaube es ist kein Geheimnis, dass Sascha Mockenhaupt (Ex-FCK-Profi, jetzt SV Wehen Wiesbaden; Anm. d. Red.) mittlerweile im E-Sport sehr aktiv ist. Wir kennen uns sehr lange und er gehört zu meinen besten Freunden. Als ehemaliger Spieler war so natürlich auch schnell ein Kontakt zum FCK hergestellt. Wir haben dann Konzepte und Ideen vorgestellt, wie E-Sports in Kaiserslautern aussehen könnte und haben uns im Februar entschlossen, die GmbH zu gründen. Niemand hat uns Steine in den Weg gelegt, alle haben an einem Strang gezogen. Fast jeder Verein der 3. Liga hat ja mittlerweile eine E-Sports Abteilung. Unser Ziel ist es, wenn Corona es wieder zulässt, auch die Fans untereinander zu vernetzten.

Tobias Frey (stellvertretender Vorstandsvorsitzender FCK e.V.): E-Sports ist für uns zunächst einmal ein Projekt, in das wir viel Arbeit und Herzblut gesteckt haben, von dem wir aber erst einmal jetzt ein Jahr sehen wollen, wie es so läuft. Deswegen ist es auch keine eigene Abteilung innerhalb des Vereins. Für uns ist es ja komplettes Neuland gewesen, deswegen haben wir uns mit NMS einen Partner gesucht, mit dem wir diesen Weg gemeinsam gehen können. Denn wir sind der FCK und wenn wir etwas auf die Beine stellen wollen, dann haben wir auch einen entsprechend hohen Anspruch an uns selbst und das Projekt . Aktuell läuft das perfekt an. Wolfgang Erfurt (Vorstandsvorsitzender des FCK e.V.; Anm. d. Red.) hat eine halbe Stunde vor Start des ersten Streams den Jungs folgendes Zitat von Gustav Mahler mitgegeben: "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers". Das sagt eigentlich alles aus. Wenn wir etwas machen, dann machen wir es mit Feuer. Denn nur mit Feuer, kann beim FCK etwas funktionieren. Die FCK-DNA muss da sein, und unsere Jungs verkörpern das bisher überragend.

E-Sport kein Sport?: "Viele wissen nicht, was im Hintergrund passiert"

Der Betze brennt: Ist das Geschäft E-Sports für den FCK überhaupt finanziell erstrebenswert?

Frey: Der ganze Bereich E-Sport unterliegt einer eigenen Budgetierung und belastet nicht in etwa die Finanzlage des FCK e.V. Es ist für uns ein Projekt, das zunächst nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt ist. Gelder und Einnahmen fließen direkt in einen Topf, sodass wir Ende des Jahres eine Kostenneutralität erreichen sollten.

Neumann: In der Bundesliga und 2. Bundesliga bekommen die Vereine von der DFL einen Zuschuss für den E-Sports-Bereich von knapp 120.000 Euro. Das ist natürlich eine Wahnsinnsumme, mit der du ganz andere Dinge machen kannst. Ich habe mir das beispielsweise in Leverkusen und Hamburg angeschaut, die können mit solchen Summen natürlich ganz anders wirtschaften und haben dann Physiotherapeuten, ein Schlaflabor und vieles mehr. Aber das alleine ist keine Erfolgsgarantie. Wir haben mit sehr wenig Mitteln bisher ganz viel erreicht. Sascha Mockenhaupt wird uns da in Zukunft was die Planung angeht auch unterstützen, das eine oder andere Turnier wird mit Sicherheit mit ihm mal stattfinden.

Der Betze brennt: Zurück zu den Haupt-Protagonisten: Wie steht Ihr eigentlich zu dem Vorwurf, E-Sports sei gar kein richtiger Sport?

Jonathan: Ich kann diese Auffassung zum Teil verstehen. Für mich ist es zum Beispiel auch kein E-Sports, wenn ich jetzt mit Chips und Bier vor der Konsole sitze und mal ein bisschen zocke. Aber wenn ich mir die EA-Turniere anschaue, wo du stundenlang unter Hochspannung ohne Pause gegen die besten Gamer der ganzen Welt spielst, und zwar immer mit Hin- und Rückspiel, da schwitzt man teilweise mehr als früher auf dem realen Fußballplatz. Das ist mental eine solch heftige Anstrengung und Herausforderung, da ist das für mich schon Sport. Denn ohne körperliche Fitness und gesunde Ernährung kannst du nicht auf den Punkt die Höchstleistung bringen, die du brauchst, um auf diesem Niveau erfolgreich sein zu können.

DICO: Ich sage meinen Zuschauern gerne: Schach ist auch anerkannter Sport und ich sehe jetzt nicht, in was wir dieser Sportart nachstehen sollten. Viele machen halt aus meiner Sicht den Fehler und sehen Sport ausschließlich als körperliche Bewegung. So definiert sich Sport aber eigentlich gar nicht. Wenn man einbezieht, was im Hintergrund alles geschieht und nötig ist, was viele glaube ich auch gar nicht wissen, dann bekommt man schnell ein anderes Bild vom E-Sport.

Deutsche Meisterschaft im Visier: "Alle sollen sehen, dass der FCK da ist"

Der Betze brennt: Zum Abschluss würden wir gerne von Euch wissen: Was sind Eure ganz persönlichen sportlichen Ziele? Was wollt Ihr mit den Roten Teufeln erreichen?

David: Ich habe mit Start des FCK-Streams ja das erste mal überhaupt gestreamt, während die anderen beiden sich ja schon eine gewisse Fanbase aufgebaut haben. Aber es ist mega gut angelaufen, vor allem auf Twitch, wo es eigentlich sehr lange dauert, bis du dir eine gewisse Zuschauerzahl erarbeitet hast. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin sehr froh, auch mit Jonathan zusammenarbeiten zu dürfen, von dem ich noch sehr viel lernen kann. Mein Ziel ist einfach, mich weiter zu verbessern, und noch mehr aus mir rauszuholen. Auch von DICO kann in Sachen Stream und Content Creating noch jede Menge lernen. Es gibt immer so fünf Prozent, die andere im Training noch aus dir rausholen können, in dem sie dir Tipps geben und Wege aufzeigen, wie du Dinge vielleicht anders und besser lösen kannst. Wir wollen - und da spreche ich denke ich für uns alle - so viel mitnehmen wie möglich, aber auch den Spaß an der Sache nicht vergessen.

Jonathan: Ich war ja bei FIFA 18 und FIFA 19 schon bei den PlayOffs zu den Deutschen Meisterschaften dabei, 2019 sogar im Achtelfinale. Ich will mich zu 100 Prozent wieder hierfür qualifizieren damit auch jeder weiß, dass der FCK da ist. Wenn Corona überstanden ist, dann möchte ich unbedingt an einem internationalen Turnier vor Ort teilnehmen. Die finden von den USA, über Singapur bis nach Rumänien statt und das ist immer eine tolle Möglichkeit sich zu zeigen und damit auch den FCK weltweit zu repräsentieren. Durch den Push, den wir gerade medial erreichen, würden ich außerdem gerne noch in diesem Jahr die Twitch-Partnerschaft erreichen.

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Christian Zercher, Gerrit Schnabel

Weitere Links zum Thema:

- Mit Bruder von Heintz: FCK präsentiert E-Sport-Team (Pressemeldung FCK, 20.05.2021)
- "Der FCK sollte einfach Cristiano Ronaldo verpflichten" (Der Betze brennt, 12.06.2015)

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