Spielbericht: Dynamo Dresden - 1. FC Kaiserslautern 4:3

Tor-Spektakel ohne Happy End

Tor-Spektakel ohne Happy End

Foto: Imago Images

Der FCK liefert Tabellenführer Dresden einen offenen Schlagabtausch und verliert unglücklich mit 3:4. Es hätte ein Ausrufezeichen werden können. So pendelt die Stimmung der Fans zwischen Anerkennung für den guten Kampf und der Suche nach einem Schuldigen.

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Viel hat nicht gefehlt und das packendste Spiel des 1. FC Kaiserslautern in dieser Saison bei Tabellenführer Dynamo Dresden hätte gar nicht stattgefunden. Die ersten Eindrücke aus der Sachsen-Metropole, die am Vormittag via Internet und soziale Medien bei den FCK-Anhängern eintrudeln, zeigen eine dick mit Schnee bedeckte Rasenfläche im Rudolf-Harbig-Stadion. Das Spiel der beiden mehrfachen Titelträger aus Dresden und Kaiserslautern steht zu diesem Zeitpunkt schwer auf der Kippe.

Dynamo-Fans packen an: Platz rechtzeitig vom Schnee geräumt

Nur der Tatkraft zahlreicher Dynamo-Fans, die nach einem Aufruf des Vereins den Rasen von den Schneemassen der vergangenen Nacht befreien, ist es schließlich zu verdanken, dass die Unparteiischen um Schiedsrichter Christof Günsch nach einer Platzbegehung um kurz vor 13:00 Uhr grünes Licht geben. In der Rückschau der Saison wird das nur ein kleiner Randaspekt bleiben. Er zeigt trotzdem, was einen Traditions- und Mitgliederverein wie die SGD oder den FCK von so manchem Kunstprodukt im Profifußball unterscheidet. Selbst wenn es wie in diesem Fall nur ums Schneeschippen geht. Wohlgemerkt für ein Spiel, bei dem Zuschauer Corona-bedingt dann nicht einmal im Stadion mit dabei sein können.

Als die Mannschaften zwischen den mit roter Farbe gezeichneten Linien und ausgestattet mit einem roten Winter-Ball schließlich zum Anpfiff bereitstehen, präsentiert sich der Rasen jedenfalls wieder in einem ordentlichen Grün, auch wenn die Bodenverhältnisse natürlich alles andere als optimal sind. Böse Zungen könnten behaupten, dass die Lautrer solche Verhältnisse vom heimischen Betzenberg ganz gut gewohnt sein dürften, trotzdem ist es Linksverteidiger Adam Hlousek, der nach einem Laufduell als erster aus der Balance gerät und Dresden so die erste Möglichkeit durch einen Kopfball von Philipp Hosiner ermöglicht.

Zimmer macht’s möglich: Schnelle Gegenangriffe über rechts

FCK-Trainer Jeff Saibene ordnet die Mannschaft wie erwartet in einer 4-1-4-1-Grundformation an mit Tim Rieder auf der Sechs und Kenny Prince Redondo auf der linken Seite. Die beiden verdrängen nach abgebrummter Gelbsperre Carlo Sickinger und Daniel Hanslik aus der Startelf, wobei Hanslik gleich komplett aus dem Spieltagskader gestrichen wird. Auch der ausgedachte Plan der Roten Teufel beim Tabellenführer wird relativ bald klar. Mit einer ersten, etwa auf Höhe der Mittellinie postierten Linie warten die Gäste auf die Angriffe des Gegners. Bei Ballgewinnen soll dann schnell in den Gegenangriff umgeschaltet werden. Zwar ist gerade fehlende Geschwindigkeit eines der auch von Coach Saibene immer wieder monierten Probleme, durch den Zugang von Jean Zimmer, dessen Tempo und Ballsicherheit ergeben sich jedoch hier auf einmal bessere Möglichkeiten.

Nach einer ersten dicken Chance für Dynamo, bei der Christoph Daferner aus zentraler Position im Strafraum vorbei schießt, nimmt Zimmer auf der rechten Seite Tempo auf und serviert eine Hereingabe punktgenau in den Rücken des Dresdner Abwehrchefs Sebastian Mai. Redondo kann den Ball unbedrängt annehmen und vollendet sicher zur 1:0-Führung. So in etwa dürfte Saibenes Matchplan ausgesehen haben. Und nach knapp einer halben Stunde kommt es fast zu einer identischen Situation. Wieder bringt Zimmer die Kugel flach von rechts nach innen, doch dieses Mal kommen weder Marvin Pourié noch Redondo an den Ball. Es ist nicht die einzige verpasste Gelegenheit, die sich an diesem Nachmittag noch rächen wird.

Defensive anfällig, Pourié lässt Vorentscheidung liegen

Im Gegensatz zu den meisten Spielen der vergangenen Monate ist es in Dresden nämlich nicht die Defensive der Roten Teufel, auf die man sich im Kampf um Punkte am ehesten verlassen kann. Wiederholt trägt Dynamo über rechts gefährliche Angriffe vor den Kasten von Avdo Spahic. Nach einer Flanke von Philipp Hosiner hat Darfener schließlich die Lufthoheit gegen Philipp Hercher und köpft entschlossen zum 1:1 ein. Glück haben die Gäste, dass wieder Darfener bei einer weiteren Kopfballchance aus kurzer Distanz an den Rücken von Hercher köpft. Sekunden vor dem Pausenpfiff klingelt es nach einem Abschluss von Hosiner aber doch - 1:2. Alle leisen Hoffnungen der leidgeprüften FCK-Fans scheinen zu diesem Zeitpunkt schon wieder enttäuscht zu werden.

Was dann in den zweiten 45 Minuten passiert, hat es in dieser Saison allerdings noch nicht gegeben. Nur Sekunden nach Wiederbeginn glückt dem FCK der Ausgleich - zunächst wird Pourié per Hacke als Schütze vermeldet, es kann aber auch ein Eigentor gewesen sein -, ehe Redondo die Gäste nach knapp einer Stunde mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze und mit seinem zweiten Tor wieder in Führung und auf die Siegerstraße bringt. Der FCK ist in dieser Phase klar besser und man fragt sich, wieso eine Mannschaft mit den individuellen Möglichkeiten eines Redondo oder eines Pourié eigentlich mitten im Abstiegskampf steckt. Nun, die Antwort liefert Pourié zehn Minuten nach dem Führungstor gleich selbst. Alleine vor Dynamo-Schlussmann Kevin Broll kann er das Leder nicht im Kasten unterbringen, verpasst das vorentscheidende 4:2 und lässt die Sachsen noch einmal zurück ins Spiel.

Wer ist schuld? Saibene und Pourié im Zentrum der Fan-Kritik

In den letzten 20 Minuten ist nicht mehr viel übrig von der Dominanz der ersten Hälfte des zweiten Durchgangs. Und da die erneute Drangphase der Gastgeber sowie die Tore zum 3:3 und 3:4 durch Ransford Königsdörffer und wieder Hosiner mit der Einwechslung von Sickinger, Marius Kleinsorge und Elias Huth für Marlon Ritter, Pourié und Zimmer einhergehen, deuten nicht wenige enttäuschte Fans nach dem Schlusspfiff auf Trainer Saibene. Der wiederum schiebt nach dem Spiel Pourié für dessen vergebene Großchance den schwarzen Peter zu, was ebenso wie die Gelben Karten für Saibene und den schon ausgewechselten Zimmer vor allem zeigt, wie sehr der andauernde Negativlauf das Nervenkostüm der Roten Teufel belastet.

Trotz dreier Tore und einer zweimaligen Führung beim Spitzenreiter, der eine der besten Defensivreihen der Liga besitzt, muss die Mannschaft die Rückreise aus Dresden mit leeren Händen antreten. Das von vielen Pessimisten schon im Vorfeld abgeschriebene Spiel hätte ein positives Ausrufezeichen zum Jahresbeginn setzen können. Die Leistung und die Einstellung waren in vielerlei Hinsicht auch tatsächlich gut. Dass die Lautrer dafür aber nicht mehr allzu viel Applaus und Schulterklopfen erwarten dürfen, haben sie sich in erster Linie selbst zuzuschreiben.

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Ingo

Weitere Links zum Thema:

- Stimmen zum Spiel | Starke Teufel verlieren spät: "Ganz, ganz schlimm" (Der Betze brennt)

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