Im Blickpunkt: Die Personalplanungen beim 1. FC Kaiserslautern

Wer kommt, wer bleibt, wer geht? Kaderplanung beim FCK

Wer kommt, wer bleibt, wer geht? Kaderplanung beim FCK


Beim 1. FC Kaiserslautern wird hart an der finanziellen Zukunft gearbeitet, aber auch sportlich gibt es einiges zu tun: Wo sind Verstärkungen nötig, wer kommt zurück und wer könnte die Roten Teufel verlassen? Wir geben einen Überblick zum Stand der Kaderplanung.

Selten hatten Verantwortliche des FCK so komplizierte Rahmenbedingungen wie in diesem Jahr. Das Damoklesschwert der Insolvenz schwebt mehr denn je über dem Fritz-Walter-Stadion. Dieser Umstand hat natürlich auch Auswirkungen auf die Kaderplanung der Roten Teufel. Klar ist: Fast alle Stammspieler haben für die kommende Drittliga-Spielzeit noch einen Vertrag - eigentlich.

Die Sache mit dem Sonderkündigungsrecht: Was passiert bei Insolvenz?

Denn sollte im September tatsächlich das Insolvenzverfahren eröffnet werden, dann würden laut dem Generalbevollmächtigten Dirk Eichelbaum alle Angestellten ein Sonderkündigungsrecht bekommen. Deshalb müssen in den kommenden Wochen viele Einzelgespräche mit allen Spielern geführt werden: Wer sich nicht zum FCK bekennt und mit der Kündigung liebäugelt, könnte vorzeitig auf die Verkaufsliste gesetzt werden, um wenigstens noch eine Ablöse zu kassieren. Eigentlich möchten die FCK-Verantwortlichen aber alle Leistungsträger halten. Gleichzeitig soll der aufgeblähte Kader insgesamt verkleinert und dennoch punktuell verstärkt werden.

Wir geben einen Überblick zum Planungsstand auf den einzelnen Positionen:

Tor: Grill verlässt den FCK, Spahic neue Nummer 1, Ersatz-Position noch nicht geklärt

Schon seit Längerem steht fest, dass Lennart Grill für rund zwei Millionen Euro zu Bundesligist Bayer Leverkusen wechseln wird. Sein Nachfolger als neue Nummer 1 im Tor soll Avdo Spahic werden, der dafür schon vor einem Jahr aus Cottbus verpflichtet wurde und sich in seinen bisher wenigen FCK-Einsätzen als starker Rückhalt erwies. Nach Grills feststehendem Abgang verlängerte Spahic langfristig bis 2023. Dahinter kämpfen Nachwuchskräfte wie Lorenz Otto, Jonas Weyand oder Matheo Raab um den Platz auf der Bank. Keine Zukunft mehr wird trotz Vertrag bis 2021 dem einstigen Stammkeeper Jan Ole Sievers eingeräumt.

Abwehr: Kraus und Schad bleiben, Hainault und Nandzik wackeln, Winkler kommt, eine weitere Verstärkung und ein Backup gesucht

In der Defensive sind den Kaderplanern Boris Notzon und Soeren Oliver Voigt schon zwei viel beachtete Vertragsverlängerungen gelungen: Innenverteidiger Kevin Kraus unterschrieb bis 2022, Rechtsverteidiger Dominik Schad bis 2023. Der Kontrakt des soliden Linksverteidigers Philipp Hercher, der auch für rechts eine Alternative ist, gilt noch zwei Jahre. Dagegen laufen die Verträge von Innenverteidiger André Hainault und des von Jahn Regensburg ausgeliehenen Linksverteidigers Alexander Nandzik am Ende dieser Spielzeit aus. Während beim zeitweise sogar als Kapitän spielenden Hainault, der gerne in Kaiserslautern bleiben würde, verschiedene Faktoren wie Alter, Fehleranfälligkeit und Schnelligkeit eine Rolle spielen, konnte Nandzik als Backup im Verlauf der Rückrunde nicht wirklich überzeugen - zuletzt sah er in Würzburg und Rostock bei entscheidenden Gegentoren schlecht aus. Der FCK hat eine Kaufoption, dennoch lautet die Tendenz: Nandzik und wohl auch Hainault könnten die Roten Teufel verlassen. Sollte die Kaufoption bei Nandzik tatsächlich nicht gezogen werden, steht auch noch ein variabel einsetzbarer Außenverteidiger als Backup auf dem Lautrer Einkaufszettel.

Als ersten Neuzugang hatten die Lautrer Anfang April Alexander Winkler von Ligakonkurrent SpVgg Unterhaching verpflichtet, der somit der Nachfolger von Hainault werden könnte. Winkler kann sowohl innen als auch auf der linken Abwehrseite spielen. Vor allem soll er aber ein Führungsspieler für das zu oft wackelige, junge FCK-Team werden. Weil Lukas Gottwalt noch länger verletzt ausfällt, darf auch der junge Jonas Scholz sich nochmal als Backup für die Innenverteidigung beweisen. Aufgrund der hohen Belastung nach der Corona-Krise zog Trainer Boris Schommers Carlo Sickinger in den letzten Saisonspielen in die Viererkette zurück, um abwechselnd Kraus und Hainault eine Pause zu ermöglichen. Auf dem Transfermarkt schauen sich die Verantwortlichen deshalb auch bei anderen Vereinen nach einem weiteren starken Innenverteidiger mit Stammspieler-Potential um.

Jo Matuwila kehrt nach halbjähriger Ausleihe, aber wenigen Einsätzen aufgrund des Abbruchs der Regionalliga West, von Rot-Weiß Essen vorerst zurück in die Pfalz - trotz gültigem Arbeitspapier bis 2021 gilt aber auch er unter Trainer Schommers als Streichkandidat.

Mittelfeld: Fechner und Bergmann wohl weg, Kleinsorge vor Wechsel, Spezialfälle Skarlatidis und Starke

Kapitän Sickinger ist auch in der kommenden Saison als Führungsspieler eingeplant. Im defensiven Mittelfeld hat der FCK aber auch 2020/21 andere Möglichkeiten, sollte Sickinger weiter als eine Option für die Abwehr gesehen werden. Janik Bachmann (Vertrag bis 2023) und der im Winter gekommene Hikmet Ciftci (Vertrag bis 2022) können diese Position spielen, aber auch Anas Bakhat ist dort eine neue Alternative. Der bis 2022 gebundene Youngster hat sich nach der Corona-Pause in die erste Elf gespielt und konnte dort weitestgehend überzeugen. Ein starker Zentralspieler könnte trotzdem noch gesucht werden, falls der Markt etwas Entsprechendes hergibt.

Auf dem Flügel will in der kommenden Saison der immer wieder verletzte Simon Skarlatidis, dessen Kontrakt noch ein Jahr gilt, den Durchbruch schaffen. Sicher hatten sich der Deutsch-Grieche und auch die FCK-Verantwortlichen mehr von seinem ersten Jahr im Trikot der Roten Teufel versprochen - sollte sich ein gutes Angebot ergeben, würden Skarlatidis wohl keine Steine in den Weg gelegt, ansonsten bekommt er eine neue Chance. Auch Hendrick Zuck blieb erneut hinter den Erwartungen zurück, auch wenn er nach seiner "Reaktivierung" durch Schommers immer mal wieder Akzente setzen konnte. Tendenz: Zuck bleibt mindestens als variabler Einwechselspieler.

Die größte Baustelle im Mittelfeld besteht somit nach wie vor auf den Außenbahnen, wo mit Ausnahme von Florian Pick zwei schnelle Spieler fehlen, die auch mal ins Eins gegen Eins gehen. Eine dieser Planstellen soll der vom SV Meppen nach Kaiserslautern wechselnde Marius Kleinsorge einnehmen. Der Transfer des rechten Flügelspielers dürfte zeitnah bekanntgegeben werden.

Der noch bis 2021 unter Vertrag stehende Manfred Starke kam über den Status des Ergänzungsspielers nicht hinaus und könnte aufgrund der geplanten Kaderverkleinerung ebenfalls ein potenzieller Kandidat für einen Wechsel sein. Das Bewerbungsschreiben von Mohamed Morabet, im kommenden Spieljahr konstant zum Aufgebot der Profis zu gehören, hätte kaum besser ausfallen können: In seinem ersten Einsatz von Beginn an erzielte Morabet am Dienstag in Rostock gleich ein Tor. Um seine Rückkehr von der U21 zu den Profis kämpft zudem Antonio Jonjic - viele Plätze im Kader sind allerdings nicht mehr frei.

Gino Fechner, der selbst während der hohen Belastungen in den Spielen nach Corona keine Chance erhielt, wird den FCK nach drei Jahren verlassen - sein Vertrag läuft aus und er konnte sich nicht für eine Verlängerung empfehlen. Den Durchbruch ebenfalls nicht geschafft hat Theo Bergmann. Trotz Vertrag bis 2021 will und darf sich der talentierte, aber verletzungsanfällige Ballkünstler nach einem anderen Klub umschauen. Still und heimlich läuft am Saisonende außerdem der Kontrakt des ehemaligen Kapitäns Christoph Hemlein aus. Der oft laut auftretende Hemlein ist seit November ausgemustert und wird den FCK durch die Hintertür verlassen - zuletzt war er nur noch durch stänkernde Instagram-Postings aufgefallen.

Angriff: Pick und Kühlwetter sollen bleiben, Huth kehrt zurück, Röser oder Bjarnason könnten wackeln

In der Offensive hat sich Florian Pick zum echten Leistungsträger der Roten Teufel entwickelt. Die konstant guten Leistungen haben auch höherklassige Vereine auf den Plan gerufen - Picks Vertrag läuft 2021 aus. Deckungsgleich ist die Situation bei Christian Kühlwetter. Die beiden Topscorer (zusammen 25 der 54 FCK-Saisontore) sollen aber auch in der nächsten Spielzeit das Trikot der Roten Teufel tragen und ihre Verträge nach Möglichkeit sogar vorzeitig verlängern - konstruktive Gespräche hierzu laufen. Ob die FCK-Verantwortlichen auf dem Stürmermarkt zuschlagen, dürfte somit maßgeblich von beiden Personalien abhängen.

Andri Bjarnason konnte sich dagegen nicht durchsetzen. Wie Teamkollege Skarlatidis war der Isländer viel zu oft verletzt und kam deshalb nie an seine Bestleistung heran. Bjarnason könnte ein Kandidat für einen Wechsel werden, falls ein Angebot reinkommt oder falls bei Insolvenz die Sonderkündigungsrechte - dann auch für den Verein - greifen sollten. Gleiches gilt für den eigentlich bis 2022 gebundenen Lucas Röser, der zwar nach der Corona-Pause endlich besser in Tritt gekommen ist, aber als teuerster Spieler im FCK-Kader einfach nicht die erforderte Leistung gebracht hat.

Gegen Röser und/oder Bjarnason spricht zudem, dass Elias Huth nach einjähriger Ausleihe aus Zwickau zurückkehrt. Aufgrund einer für ihn persönlich starken Saison bei den Westsachsen wird Huth (trotz schwerer Verletzung elf Saisontore), dessen Arbeitspapier noch bis 2021 läuft, in Kaiserslautern nochmal angreifen und ist von Notzon und Schommers fest eingeplant. Das Tor noch viel öfter treffen darf kommende Saison auch Timmy Thiele (bisher neun Saisontore), der sein letztes Vertragsjahr bei den Roten Teufel erfüllen und sich für eine Verlängerung empfehlen möchte. Nicht seriös geplant werden kann hingegen mit Lukas Spalvis, dessen Knieverletzung weiterhin keine klare Prognose über eine Rückkehr zulässt.

Wie lautet Deine Einschätzung: Auf welchen Positionen braucht der FCK noch echte Verstärkungen? Welche Spieler müssen unbedingt bleiben, von wem sollte der Verein sich trennen und wo siehst Du mögliche Wackelkandidaten? Diskutiere darüber mit anderen Fans im DBB-Forum!

Quelle: Der Betze brennt | Autor: Flo

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