Spielbericht: Preußen Münster - 1. FC Kaiserslautern 3:2

Ein Elfmeter als Knackpunkt

Ein Elfmeter als Knackpunkt


Bei Preußen Münster kassiert der 1. FC Kaiserslautern die erste Niederlage der Saison. Ein packendes Spiel, das die Roten Teufel aber niemals verlieren dürfen. Nach dem Schlusspfiff ist gegenseitiger Trost am Gästeblock angesagt.

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Es lief die 52. Spielminute im Preußenstadion, als Florian Pick in den Strafraum in des Gegners eindrang und zu Fall gebracht wurde. Schiedsrichter Florian Heft entschied sofort auf Elfmeter. Jubel brandete auf im Gästeblock. Zu diesem Zeitpunkt führte der FCK bereits mit 1:0, Pick hatte die Roten Teufel Sekunden vor der Halbzeitpause mit seinem bereits vierten Treffer im vierten Saisonspiel in Front geschossen. Nach kurzen mannschaftsinternen Diskussionen war der Schütze auserkoren. Carlo Sickinger hatte die Chance, für die Vorentscheidung zu sorgen. Der Defensivspieler lief an, schoss in die linke Ecke, aber Münsters Torhüter Maximilian Schulze Niehues hatte keine Probleme, den zu schwachen Schuss zu parieren und sogar festzuhalten. Ein Strafstoß, der das komplette Spiel kippen ließ.

Naive Lautrer lassen sich auskontern

Das Entsetzen war groß bei den knapp 1.500 Gästefans, die sich an diesem wechselhaften Samstagnachmittag auf den Weg ins Münsterland gemacht hatten. Doch es sollte noch schlimmer kommen - viel schlimmer. Im Anschluss an den vergebenen Elfmeter kassierte die Hildmann-Elf im direkten Gegenzug den Ausgleichstreffer. Rufat Dadashov schloss 16 Sekunden (!) nach Sickingers Fehlschuss einen Konter zum 1:1-Ausgleich ab. Einen Elfmeter kann man mal verschießen, auch wenn das beim FCK beängstigend oft vorkommt. Aber sowas darf nicht passieren! Fragende Blicke auch in der Fankurve: "Was war das denn?"

Doch die beschriebene Szene sollte noch nicht das Ende der Achterbahn der Gefühle sein. Die Gastgeber waren jetzt am Drücker und FCK-Torhüter Lennart Grill hielt sein Team wie schon in der ersten Halbzeit im Spiel. Der Gästeblock zeigte sich vom Schock des Ausgleichstreffers schnell erholt und der Stimmungskern, der sich im Gegensatz zum Spiel im Februar auf der linken, flacheren Seite des Blocks einfand, animierte schnell auch den Rest wieder zum Anfeuern. Eine Bemerkung am Rande wert: Alle Zaunfahnen der FCK-Fans waren diesmal im Inneren des Gästesektors hinter den Zäunen aufgehängt. Nach den Vorfällen im Februar galt "Safety First".

Thiele trifft zur erneuten Führung - Grill patzt entscheidend

Auch das FCK-Team zeigte sich nun willens, hier heute die drei Punkte mitzunehmen. Eine Viertelstunde vor dem Ende steckte der starke Janik Bachmann auf Manfred Starke durch, der spielte quer zu Timmy Thiele - 2:1 für den Betze! Frenetischer Jubel im Gästeblock, Menschen lagen sich in den Armen, Bierbecher flogen. Endlich hat sich das FCK-Team mal nach einem Rückschlag geschüttelt und eine kraftvolle Reaktion gezeigt. Das sollte es doch gewesen sein - jetzt bloß gut verteidigen.

Dieses Vorhaben wurde zwei Minuten später bereits Makulatur. Nach einer Ecke war die FCK-Abwehr wie so oft an diesem Nachmittag nicht auf der Höhe und Münsters Simon Scherder durfte zum 2:2 abstauben. Fünf Minuten vor Abpfiff patzte dann der bis dahin überragend haltende Grill entscheidend. Eine Freistoßflanke bekam der FCK-Keeper nicht richtig zu greifen und legte sich den Ball selbst ins Netz - 3:2 für die Gastgeber. Zwar hatten die Roten Teufel in der Nachspielzeit noch die große Chance zum Ausgleich, doch der Ball wollte nicht mehr über die Linie. Eine völlig unnötige Niederlage, da waren sich auch die FCK-Fans bei der Abreise aus dem Preußenstadion weitgehend einig. Auch der Satz "So etwas habe ich selten gesehen" fiel sehr oft. Zusammenfassend: Ein Spiel, das die Lautrer einfach nie und nimmer verlieren dürfen. Nach dem Schlusspfiff suchte die Mannschaft aktiv den Weg zum Gästeblock - gegenseitiger Trost und Aufmunterung am Zaun waren angesagt.

Merkwürdiges Münsteraner Sicherheitskonzept greift

Im Vorfeld des Spiels hatte Gastgeber Preußen Münster zusammen mit der Polizei mit einem neuen Sicherheitskonzept für die anreisenden Gästefans für Verwunderung gesorgt. Im Gegensatz zum Spiel im Februar durften PKWs nicht mehr direkt vor dem Gästesektor parken, sondern mussten einen extra ausgewiesenen, viel zu kleinen Parkplatz nutzen und den Weg zum Block zu Fuß zurücklegen. Nicht nur dort war das Polizeiaufgebot beachtlich. Eine merkwürdige Idee von den Sicherheitsbehörden, denn eine strikte Fantrennung wie für ein Hochsicherheitsspiel üblich konnte so nicht gewährleistet werden. Trotzdem blieb es während des Spiels bei einzelnen Pöbeleien nach Toren zwischen Gästeblock und den SCP-Fans auf der Gegengeraden, einen Platzsturm oder ähnliche Aktionen wie im Februar gab es nicht. Auch über sonstige Vorfälle vor und nach dem Spiel ist nichts bekannt.

Mit mäßigem Saisonstart ins Pokalduell gegen Mainz

Nach vier Spielen in 14 Tagen macht die 3. Liga nun erstmal eine Spielpause. Mit fünf Punkten ist die Ausbeute des FCK eher mäßig ausgefallen, auch wenn in der englischen Woche ein spielerischer Aufwärtstrend zu erkennen war. Das Punktekonto müsste schon viel besser gefüllt sein, wenn es im nächsten Liga-Spiel gegen das Spitzenteam Braunschweig geht. Zunächst steht am kommenden Samstag für die Roten Teufel aber im DFB-Pokal das Rheinland-Pfalz-Duell mit Bundesligist Mainz 05 auf dem Spielplan. Vor großer Kulisse im Fritz-Walter-Stadion kann der FCK als unterklassiger Außenseiter eigentlich nur gewinnen. Dazu muss aber natürlich alles passen und die Nackenschläge von Münster schnellstmöglich abgeschüttelt werden.

Autor: Flo

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