Gegner-Vorschau 2019/20

Die Aufsteiger: Derbys, Emotionen und ein Emporkömmling

Die Aufsteiger: Derbys, Emotionen und ein Emporkömmling

Aufstiegsjubel bei Waldhof Mannheim; Foto: Imago

In der neuen Saison bekommt es der 1. FC Kaiserslautern mit vier Aufsteigern aus der Regionalliga zu tun. In Teil 2 unserer Gegner-Vorschau gehen wir auf Waldhof Mannheim, den Chemnitzer FC, Viktoria Köln und Bayern München II ein.

Waldhof Mannheim: Nach mehreren Anläufen aufgestiegen

Die Vergangenheit: Dreimal hatte Waldhof Mannheim in den vergangenen Jahren am Aufstieg zur 3. Liga gekratzt, jedoch immer in der umstrittenen Aufstiegsrunde den Kürzeren gezogen. Im vierten Anlauf und nach Abschaffung der Entscheidungsspiele klappte es: Die Kurpfälzer sind 16 Jahren nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga in den Profifußball zurückgekehrt. Als Meister der Regionalliga Südwest überzeugte das von Bernhard Trares trainierte Team vor allem durch bedingungslose Offensive. 88 Punkte sammelte der SV Waldhof und schoss 88 Tore - so viele wie kein anderer Viertligist.

Kaiserslauterns ewiger Rivale wird nicht zuletzt aufgrund dieser Wucht schon von einigen Fans und Beobachtern als Geheimfavorit gehandelt - vermutlich etwas voreilig. Zum Vergleich: Auch Energie Cottbus spielte 2017/18 eine überzeugende Aufstiegssaison mit 79:14 Toren und 89 Punkten, um dann im Folgejahr direkt wieder abzusteigen. Den Verantwortlichen in Mannheim geht es deshalb vornehmlich darum, sich möglichst schnell in der 3. Liga zu etablieren.

Das Personal: Schon zu Regionalliga-Zeiten war der Kader des SVW mit drittligatauglichen Spielern gespickt. Trares kann auf eine erfahrene Achse bauen, die Torhüter Markus Scholz, Abwehrspieler Kevin Conrad, die Korte-Zwillinge Gianluca und Raffael (derzeit verletzt), Dorian Diring, der ehemalige FCK-Stürmer Maurice Deville und Torjäger Valmir Sulejmani bilden.

Sulejmani (zehn Bundesliga-Spiele) traf in der vergangenen Saison 18-mal. Mannschaftskollege Timo Kern erzielte 17 Treffer, wird die Mannheimer aber wohl Richtung Bayern München II verlassen. Als Ersatz holte der Waldhof mit Koffi den drittbesten Torschützen der vergangenen Regionalliga-Saison (19 Treffer) von der SV Elversberg. Viel Erfahrung bringt außerdem Mohamed Gouaida mit, der zuletzt beim SV Sandhausen unter Vertrag stand.

Die Fans: In Mannheim ist die Euphorie groß, nachdem das treue Umfeld in den vergangenen Jahren häufig enttäuscht wurde, aber auch immer wieder für Negativschlagzeilen sorgte. Vor einem Jahr bekam der Waldhof aufgrund etwa drei Punkte aufgrund des abgebrochenen Aufstiegsspiels gegen den KFC Uerdingen abgezogen. Gegen die durchaus fragwürdige Bestrafung setzte sich der Klub allerdings erfolgreich vor Gericht zur Wehr.

Ohne Frage werden die beiden Derbys gegen den SV Waldhof absolute Höhepunkte der Saison. Schon jetzt elektrisiert das Duell der beiden Südwestrivalen, das Kräftemessen zwischen Pfalz und Kurpfalz, die Fanlager. Zuletzt standen sich die beiden ersten Mannschaften von FCK und SVW im DFB-Pokal 2001 in einer hochemotionalen Partie gegenüber.

Das Stadion: Das Carl-Benz-Stadion in Mannheim fasst 25.700 Zuschauer und wird derzeit für die 3. Liga modernisiert. Der Gästeblock befindet sich auf der vom restlichen Stadionumlauf abgetrennten Hintertortribüne im Westen. Die Heimfans sind nach den Vorfällen in der Aufstiegsrunde von der gegenüberliegenden Tribüne ins Eck zwischen Osttribüne und Gegengerade gezogen.

Chemnitzer FC: Abstieg, Insolvenz - und wieder zurück

Die Vergangenheit: Der Chemnitzer FC gehörte zu den Sorgenkindern der Drittliga-Spielzeit 2017/18. Mit großen Erwartungen gestartet, stürzten die Himmelblauen ab, mussten am Ende in die Regionalliga gehen und zu allem Überfluss auch noch einen Insolvenzantrag stellen. Doch anders als Mitabsteiger und das wirtschaftlich ebenfalls in Schieflage geratene Rot-Weiß Erfurt fanden die Sachsen schnell zurück in die Spur: Mit 15 Siegen zum Auftakt stürmte der CFC unter Trainer David Bergner an die Regionalliga-Tabellenspitze und stieg letztlich souverän auf.

Nachdem Chemnitz auch die Lizenz erhielt und damit Besserung auf wirtschaftlicher Ebene bestätigt bekam, begannen die Vorbereitungen für die kommende Saison. Dort gibt es für den CFC nur ein großes Ziel: Der Klassenerhalt.

Das Personal: Vom Kader der letzten Abstiegssaison ist nicht mehr viel übriggeblieben. Lediglich Stürmer und Neu-Kapitän Daniel Frahn ("Wir freuen uns darauf, wieder in vollen und geilen Stadien zu spielen") gehört noch zum Aufgebot der Himmelblauen. Der 32-jährige Routinier traf in der vergangenen Saison in 32 Spielen 24-mal.

Ergänzt wurde der Kader mit Clemens Schoppenhauer (Aalen), dem ehemaligen bulgarischen Nationalspieler Georgi Sarmov und Marcelo Freitas (Cottbus). Hinzu kommen die Talente Taris Bonga (Zwickau), Sören Reddemann (Wehen Wiesbaden) und Nils Blumberg (Hertha BSC).

Die Fans: Die Fans des CFC haben ihrem Verein auch in der Regionalliga die Treue gehalten. Allerdings ist der Anhang der Sachsen spätestens seit dem vergangenen März durch eine im Stadion vollzogene Trauerfeier für einen bekennenden Neonazi in Verruf geraten. Auch Frahn wurde dabei kritisiert, weil er ein T-Shirt mit zweifelhaften Botschaften in die Höhe hielt. Der Verein musste öffentlich zurückrudern und entließ den Fanbeauftragten.

Das Stadion: Das im Sommer 2016 umgebaute und modernisierte Stadion an der Gellertstraße wird Ende Oktober Schauplatz der Partie zwischen Chemnitz und Kaiserslautern sein. Das in den Vereinsfarben errichtete Stadion bietet Platz für 15.000 Zuschauer. Der Gästeblock befindet sich seitlich auf der Hintertortribüne gegenüber vom Heimbereich.

Viktoria Köln: Rechtsrheinisch und auch sonst anders

Die Vergangenheit: Als Uwe Koschinat noch Trainer bei Fortuna Köln war, hatte der heutige Sandhausen-Coach eine große Sorge: Sollte Fortunas Stadtrivale Viktoria aufsteigen, hätte das aufgrund der Zuschauer- und Sponsorenpräsenz im Windschafften des 1. FC Köln schlimme Auswirkungen für seinen Verein.

Wenige Monate nach seinem Weggang ist Koschinats Befürchtung von einst wahrgeworden: Durch den gleichzeitigen Abstieg der Fortunen ist Viktoria Köln aus sportlicher Sicht zur Nummer zwei in der Domstadt aufgestiegen. Beheimatet ist der vom finanzkräftigen Mäzen Franz-Josef Wernze gepushte Klub im rechtsrheinischen Stadtteil Höhenberg. Wernze und die Viktoria-Verantwortlichen haben mit dem ehemaligen Zweitligisten (zuletzt 1980/81) große Ziele: Zwar steht der Klassenerhalt im Vordergrund, aber weitere große Ziele werden mittelfristig angepeilt.

Das Personal: Aufhorchen ließen die Kölner mit der Verpflichtung von Trainer Pavel Dotchev. Der Coach und Routinier folgte auf Jürgen Kohler, der von den Klubverantwortlichen für nur eine Partie verpflichtet wurde. Nachdem der Aufstieg am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison noch nicht unter Dach und Fach gebracht worden war, wurde dessen Vorgänger Patrick Glöckner kurzerhand ein Spiel vor Saisonende vor die Tür gesetzt.

Dotchev bekam eine ganze Reihe von neuen Spielern an die Hand: Torhüter Daniel Mesenhöler wechselte von Duisburg zu den Höhenbergern. Außerdem sollen Bernard Kyere, Moritz Fritz (beide Fortuna Köln), Fabian Holthaus (Cottbus), André Dej (Jahn Regensburg) und Mart Ristl (Aalen) das Team wettbewerbstauglich machen. Die Neuzugänge treffen auf Leistungsträger und Routiniers wie Kapitän Mike Wunderlich, Simon Handle und den ehemaligen FCK-Stürmer Albert Bunjaku. Der 35-Jährige schoss in der abgelaufenen Saison elf Tore.

Die Fans: Im Schnitt kamen in der vergangenen Saison 1.354 Zuschauer zu den Spielen der Viktoria. Eine Steigerung zur Vorspielzeit, als weniger als 1.000 Besuchern in den Sportpark Höhenberg pilgerten. Die organisierte Fanszene ist klein, wobei sich erst im vergangenen März die kleine Ultragruppe "High Society Höhenberg" aufgelöst hat.

Ansonsten kämpft die Viktoria in Köln um Anerkennung. Der finanziell unterstützte Aufstieg der vergangenen Jahre blieb zwar nicht unbemerkt, anders als beim 1. FC Köln oder der Fortuna gibt es aber wenn überhaupt nur einen kleinen harten Kern, der seit Jahren in den Sportpark Höhenberg kommt.

Das Stadion: Lange Zeit war fraglich, ob Viktoria Köln seine Heimspiele in der 3. Liga auch im eigenen Stadion austragen kann. Ein Umzug ins Südstadion stand im Raum, wurde aber aufgrund der Rivalität zur Fortuna kritisch beäugt. Inzwischen steht fest: Mit provisorischen Tribünen ausgestattet soll der Sportpark nach den Anforderungen des DFB für die 3. Liga aufgerüstet werden.

Bayern München II: Das Gründungsmitglied kehrt zurück

Die Vergangenheit: Die zweite Mannschaft von Bayern München ist nach acht Jahren wieder in die 3. Liga zurückgekehrt. Der FCB II setzte sich gegen den VfL Wolfsburg II in zwei Aufstiegsspielen durch - trotz einer 1:3-Niederlage im Hinspiel. Der Aufstieg der Bundesliga-Reserve gilt als wichtiger Baustein in der Nachwuchsplanung des Rekordmeisters und markiert zugleich die Rückkehr eines Gründungsmitglieds: 2008 gehörte Bayern II zu den ersten 20 Teilnehmer der eingleisigen 3. Liga. Nun ist das Team von Trainer Sebastian Hoeneß (Sohn von Dieter Hoeneß) mit der klaren Devise zurück, die Klasse unbedingt halten zu wollen. Ein Unterfangen, das aufgrund der Unerfahrenheit des Teams schwierig wird. Nicht umsonst führten die Buchmacher großer Wettanbieter den Aufsteiger neben Großaspach als ersten Abstiegskandidaten.

Für den FCK bedeutet der Münchner Aufstieg eine Premiere: Zum ersten Mal geht es für die Roten Teufel in einem Punktspiel gegen die Zweitvertretung eines anderen Profiklubs.

Das Personal: Im Kader der Münchner stehen einige vielversprechende Talente, darunter auch die beiden ehemaligen Lautrer Oliver Batista Meier und Paul Will. Hinzu zählt der womöglich auch für die Profimannschaft in Betracht kommende Jan-Fierte Arp. Mit Kwasi Wriedt - der wie Innenverteidiger Lars Lukas Mai vielleicht noch wechseln könnte - und Maximilian Welzmüller hat der FCB II zwei Routiniers in den eigenen Reihen, die die 3. Liga schon bestens kennen.

Timo Kern von Waldhof Mannheim dürfte nach Arp zeitnah als dritter externer Neuzugang vorgestellt werden. Außerdem wird der verpflichtete Neuseeländer Sarpreet Singh offiziell zur Drittliga-Mannschaft zählen.

Die Fans: Die zweite Mannschaft des FC Bayern erfreut sich - im Vergleich zu anderen Profiklubs - traditionell größerer Beliebtheit, wobei der Zuschauerzuspruch in den vergangenen Regionalliga-Jahren zum zweiten Mal unter die 1.000er Marke gerutscht ist. Weil die interessanten Spiele der Münchner allerdings nicht automatisch parallel zu Anstoßzeiten der Profis gelegt werden, ist auch in der 3. Liga mit der einen oder anderen guten Kulisse zu rechnen - vor allem gegen die Lokalrivalen Unterhaching und 1860 München. Der FC Bayern macht seinen Fans den Besuch der Spiele jedenfalls schmackhaft: Die Dauerkarte im Stehrang kostet nur 70 Euro - das mit Abstand günstigste Saisonticket der Liga.

Das Stadion: Für den 1. FC Kaiserslautern steht in der kommenden Saison das Grünwalder Stadion zweimal auf dem Reiseplan. Wie die Löwen spielt auch der FCB II in der Kultstätte auf Giesings Höhen. Der Gästeblock bleibt dabei gleich, die sogenannte Stehhalle (Gegengerade) ist der Platz für die Heimfans.

Autor: paulgeht

Weitere Links zum Thema:

- Gegner-Vorschau 2019/20, Teil 1: Die Absteiger: Schanzer, Elbestädter und Zebras (Der Betze brennt)

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