Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - Fortuna Köln 3:3

Drama, Baby

Drama, Baby


Ohne Dramatik geht es nicht: Nach verheerendem Start zieht sich der FCK gegen Köln am eigenen Schopf aus dem Schlamassel, nur um in der Nachspielzeit den Sieg wieder herzuschenken. Die Roten Teufel stürzen auf einen Abstiegsplatz.

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Bei manchen Unentschieden muss man nicht lange darüber nachdenken, wie sie sich anfühlen. Zum Beispiel, wenn man nach 0:2-Rückstand unmittelbar vor dem Schlusspfiff mit 3:2 in Führung geht und dann in der Nachspielzeit doch noch den Treffer zum 3:3-Endstand kassiert. “Brutal weh” tut der Last-Minute-Gegentreffer aber nicht nur den Spielern des 1. FC Kaiserslautern, sondern auch den Anhängern, deren Geduld in der bislang alles anders als nach Plan laufenden Drittliga-Saison allmählich aufgebraucht ist.

Nicht mehr wegzureden ist das vor allem in der 24. Minute des Heimspiels gegen Fortuna Köln, als Mads Albaek, der nach verletzungsbedingter Pause als einziger Neuer zurück in die Startelf gerückt war, nach einer eigenen Ecke als letzter Mann den Ball zu Torwart Jan Ole Sievers spielt. Wahrscheinlich ist das die richtige Entscheidung des Dänen, der mit der Sicherheitsvariante aber vor allem die eigenen Anhänger unter den 17.588 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion in Rage bringt. Um die aufgebrachte Reaktion zu verstehen, muss man dann auch eher das Spielgeschehen bis dahin betrachten.

Fünf Spiele ohne Sieg und wieder früh in Rückstand

Mit einer Negativserie von fünf Ligaspielen in Folge ohne Sieg in die Partie gegangen, liegt die Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck zu diesem Zeitpunkt bereits wieder mit 0:2 im Hintertreffen. Keeper Sievers macht bei beiden Treffern keine gute Figur. Dennoch greift es zu kurz, die Gegentore Nummer sieben und acht in dieser Saison lediglich unter der Rubrik Torwartfehler abzubuchen. Die Art und Weise wie die Gäste die FCK-Defensive nicht nur in der Anfangsphase ein ums andere Mal aushebeln können, ist schon ein Grund für größere Besorgnis.

Es sieht also wieder nicht gut aus für die Roten Teufel bei ihrem Versuch, dem schlechten Saisonstart endlich mit dem zweiten Sieg entgegen zu wirken. Und manch einer auf dem Betze ertappt sich in dieser Phase womöglich bei der Überlegung, welch gewaltiges Pfeifkonzert mit der riesigen Anzahl an Trillerpfeifen, die an diesem Abend im Stadion dabei sind, wohl möglich wäre.

"We don’t like Mondays" - MIt Trillerpfeifen gegen Montagsspiele

Der Hintergrund des ohrenbetäubenden Dauertons aus eben diesen Pfeifen zu Beginn beider Halbzeiten ist natürlich ein anderer. "We don’t like Mondays - FCK-Fans gegen Montagsspiele" heißt es während der ersten 45 Minuten auf einem über die komplette Breite der Westkurve aufgespannten Transparent. Abgelöst wird es im zweiten Durchgang von zahlreichen kleineren Spruchbändern, die sich ebenfalls gegen den fanfeindlichsten aller Anstoßtermine am Montagabend richten. Bei den Gästen aus der Domstadt boykottieren die Ultras der "Fortuna Eagles 1986" das Spiel derweil komplett. "DFB, DFL & Vereine - Eure Ignoranz kotzt uns an", liest man stattdessen im sehr spärlich gefüllten Gästeblock mit Blick auf die in dieser Saison auch in Liga drei eingeführten Montagsspiele.

Apropos DFB: Jan Löhmannsröben, Teile seiner schon jetzt legendären Wutrede in Zwickau und der Protest gegen die Ermittlungen des Verbandes sind natürlich auch beim Spiel eins nach der Cornflakes-Affäre auf mehreren Spruchbändern in der Westkurve präsent. Bei der Mannschaftsaufstellung bekommt Löhmannsröben extra viel Applaus. In den 90 MInuten danach spielt der Mittelfeldmann aber eher unauffällig.

Bergmann trifft sehenswert, Sievers patzt erneut

Im Blickpunkt stehen an diesem Abend zwei andere Spieler. Zunächst ist da Theo Bergmann, der in der Startelf zunächst für Albaek weichen muss, aber mit Beginn der zweiten Halbzeit ins Spiel kommt. Da hat der FCK durch zwei Tore von Timmy Thiele und Julius Biada bereits ausgeglichen. Hinten haben sie anschließend Glück, dass Sievers eine Großchance der Kölner im Eins-gegen-eins-Duell mit Moritz Hartmann vereitelt, ehe der gleiche Hartmann bei einem im Gegensatz zu Zwickau dieses Mal berechtigten Strafstoß ausrutscht und den Ball deutlich über den Lautrer Kasten setzt.

In der 88. Minute legt sich dann Bergmann die Kugel zum Freistoß zurecht. Der Mann mit der Nummer 16 nimmt Maß und zirkelt den Ball sehenswert ins Eck. 3:2 nach 0:2. Allen Unzulänglichkeiten zum Trotz steht der Betze kurz vor 21:00 Uhr an diesem Montagabend Kopf. Doch leider gibt es auch noch die Nachspielzeit. Eine letzte Ecke für Köln. Sievers - der andere Hauptprotagonist des Spiels - lässt den Ball fallen und Bone Uaferro trifft zum 3:3-Endstand.

Pfiffe und Applaus: Der Betze brodelt

Keine Frage, Moral und Einsatzwille haben gestimmt, es wurden auch genügend Chancen kreiert, um mehr als die drei Tore zu schießen. Sie wurden nur einmal mehr nicht konsequent genutzt und hinten wirkt die Mannschaft alles andere als sattelfest - nicht nur wegen ihres mehr als unglücklich agierenden Torwarts. Viele Fans auf den Tribünen sind nach dem Schlusspfiff hin und her gerissen. Bei aller Fassungslosigkeit gibt es Applaus, aber auch wie schon nach dem KSC-Spiel auch deutlich vernehmbare Pfiffe. Der Kessel auf dem Betzenberg brodelt, anstatt Aufstiegskampf dümpeln die Roten Teufel aktuell auf Platz 17 herum. Damit die Stimmung nicht weiter kippt, braucht es dringlicher denn je Ergebnisse und Siege. Gerne auch mal ganz ohne Drama.

Autor: Ingo

Weitere Links zum Thema:

- Stimmen zum Spiel | Lautrer Frust: "Es tut wahnsinnig weh" (Der Betze brennt)

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