Im Porträt: YouTube-Kanal "Matzes Daily Madness"

"Leuten das Gefühl geben, sie wären im Block dabei"


FCK-Fan Matze de Behler betreibt den größten YouTube-Kanal im Umfeld des 1. FC Kaiserslautern. Wir haben mit ihm über seine Rolle als "Influencer", seine Anfänge als Filmemacher und natürlich über seine Leidenschaft für die Roten Teufel gesprochen.

Matze ist heiß aufs Derby. Das gibt er seinen Zuschauern zum Ende seines vorletzten Videos noch mit auf dem Weg. Doch eine Woche später ist der Frust auch beim YouTuber aus Schifferstadt groß. "Da muss was passieren", schimpft Matze bei seinem Rückblick auf das KSC-Spiel. "Sonst kämpfen wir am Ende der Saison gegen den Abstieg in die vierte Liga." Der 30-Jährige betreibt auf dem Videoportal YouTube den Kanal "Matzes Daily Madness" und erreicht regelmäßig mehrere zehntausend Zuschauer. Mehr als 18.000 haben den Kanal abonniert. Zum Vergleich: Das sind etwa 5.000 mehr als beim offiziellen YouTube-Auftritt des 1. FC Kaiserslautern.

"Matzes Daily Madness": Nicht nur Fußball und der FCK

Angefangen habe alles mit einer geschenkten Kamera und mit einem Urlaubsvideo im Jahr 2011, blickt Matze bei einem Treffen mit Der Betze brennt zurück auf die Anfänge. "Ich hatte keine Lust, Postkarten zu schreiben." Stattdessen habe man ein kurzes Filmchen gedreht. "Hallo an alle zu Hause. Uns geht’s gut. Hoch damit auf YouTube. Und fertig." Mit Fußball hatten die ersten Gehversuche also gar nichts zu tun. "Deshalb heißt unser Kanal ja auch Matzes Daily Madness", so der Vorderpfälzer. Zu den Themen Fußball und FCK sei es dann aber kein großer Schritt mehr gewesen. "Seit ich zehn, elf Jahre alt bin, fahre ich auf den Betze. Das ist schon lange ein sehr großes Hobby von mir und es ist für mich undenkbar, irgendwann mal nicht mehr ins Stadion zu gehen."

Bei einem Auswärtsspiel in Köln sei er zum ersten Mal auf die Idee gekommen, etwas vom Spiel zu filmen. Richtig losgegangen sei es dann zur Saison 2013/14. "Danach wurde es immer mehr und immer professioneller", erzählt der Filmemacher. Zuerst habe es ein paar Spielszenen gegeben, dann die Idee mit dem eingeblendeten Spielstand, dann die mit der Aufstellung. Heute bestehen die meistens 20 bis 30 Minuten langen Videos in der Regel aus einem Vorbericht, den Einstellungen aus dem Block und Matzes abschließendem Fazit vor seiner kultigen FCK-Wand. "Die Wand ist bei uns zu Hause im Wohnzimmer und war eine Überraschung meiner damaligen Freundin und jetzigen Ehefrau Bella." Für Matzes immer emotionale Nachbesprechungen ist das Kunstwerk mit der glutroten Fankurve der perfekte Hintergrund.

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Augenkrankheit: YouTube-Filmemacher Matze ist fast blind

Zu allen Spielen einer Saison habe er es bisher leider noch nie geschafft, erzählt Matze weiter. Meistens, weil die ein oder andere Partie mit Urlaubsplänen kollidiert sei. Diese leicht nachvollziehbare Erklärung hat bei Matze allerdings noch einen anderen Hintergrund. Der 30-Jährige ist fast blind und hat nur noch eine verbleibende Sehstärke von vier Prozent. "Ich möchte die Welt bereisen, so lange ich sie noch sehen kann", sagt er. Zusammen mit seiner Frau habe er sich dabei schon einige Träume erfüllt, erzählt Matze und berichtet von Trips nach Dublin und Rumänien, nach Tokio oder von einer Reise auf einem Eisbrecher im Polarmeer.

Matze leidet wie sein älterer Bruder auch an einer Netzhautauflösung. Eine Erbkrankheit, die bei dem Vorderpfälzer zum ersten Mal in der zweiten Klasse auftrat, deren Verlauf aber kaum vorauszusagen ist. Gemeinsam mit seinem Bruder hat er dazu ein Video gedreht, in dem die beiden ihren offenen Umgang mit der Krankheit schildern und eindrücklich beschreiben, dass ihre Leidenschaft für den Fußball und für den FCK unter der Beeinträchtigung trotzdem kein Stück kleiner geworden ist. "Ich werde häufig gefragt, wie ich das Spiel im Stadion überhaupt wahrnehme", sagt Matze und erklärt: "Wenn ich den Ball einmal fixiert habe, kann ich ihm zeitweise folgen. Wenn das Spiel aber zu schnell wird und der Ball einen bestimmten Bereich verlässt, ist es vorbei." Er empfehle jedem einmal, im Stadion für eine kurze Zeit die Augen zu schließen und nur auf die Reaktionen der Leute zu achten. "Man bekommt mit, was auf dem Feld passiert. Auch wenn man die Augen geschlossen hält."

Lieber Unabhängigkeit als Werbeeinnahmen

Die Krankheit hat natürlich auch Auswirkungen auf die Produktion der Videos. "Ich habe einen sehr großen Monitor mit einer Bildschirmdiagonale von einem Meter", beschreibt Matze seinen heimischen Arbeitsplatz. Beim Lesen helfe ihm die Bildschirmlupe von Windows, bei etwaigen Farbkorrekturen seine Frau. "Ansonsten kenne ich das Schnittprogramm mittlerweile nahezu auswendig." Auch so etwas wie ein Skript für seine Nachberichte könne er nicht benutzen. "Da rede ich aber eh einfach drauf los." Beigebracht habe er sich das technische Know-how selbst. "Learning by Doing sozusagen. Und zum Glück gibt es YouTube", grinst der Filmemacher.

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Auf der Plattform ist Matze der Video-Blogger im Umfeld der Roten Teufel mit der größten Reichweite. Ein Influencer, wie man heute dazu sagt. Dass seine Einschätzungen unter den FCK-Fans durchaus Gewicht haben, ist dem 30-Jährigen bewusst. So ganz recht ist es ihm häufig nicht. "Die Leute sollen sich ruhig selbst Gedanken machen, sich auch ihre eigene Meinung bilden", sagt Matze. Selbst immer sagen zu können, was er möchte, ist ihm dabei so wichtig, dass es bei der "Daily Madness" keine Werbung gibt. "Wir haben keinerlei Einnahmen durch die Seite. Das möchte ich auch nicht", sagt Matze. "Ich möchte über alles und jeden sprechen können - auch kritisch."

Feedback als Belohnung für den enormen Arbeitsaufwand

Diese Einstellung ist nicht unbedingt selbstverständlich, wenn man den enormen Arbeitsaufwand berücksichtigt. Alleine für die Vorberichte brauche er etwa fünf Stunden. Bei einem Sonntagsspiel nehme er den Montag Urlaub. Spielt der Betze am Samstag, wisse seine Frau, dass sie am Sonntag nicht mit ihm zu rechnen habe. "Das ist schon zeitintensiver als ursprünglich gedacht", so Matze. "Das Ergebnis ist schnell gesehen. Im Gegensatz zu der Arbeit, die dahinter steckt."

Der Lohn für den Aufwand ist die Rückmeldung der Zuschauer, die dabei längst nicht nur aus FCK-Fans bestehen. "Noch als wir weniger als 10.000 Abonnenten hatten, waren schon Fans aller Vereine aus der ersten bis zur dritten Liga vertreten", sagt Matze. Viele davon hätten durch die Videos einen anderen Blick auf die Roten Teufel bekommen. Das habe er gerade auch nach dem Abstieg erfahren. "Das finde ich ganz toll, dass die Arbeit in diesem Punkt so honoriert wird." Ansonsten wolle er Leuten das Gefühl geben, sie wären im Block dabei. Denn genau dieses Feedback sei immer "das allerschönste Kompliment".

Viele Ideen für die Zukunft: "An Kreativität mangelt es nicht"

Auch in Zukunft haben Matze, seine Frau, die bei den Filmen in den allermeisten Fällen die Kamera führt, sowie seine anderen Mitstreiter noch einiges vor. So ist seit dieser Saison auch eine 360-Grad-Kamera bei den Spielen im Einsatz. "Wir versuchen das Niveau immer möglichst hoch zu halten", sagt der 30-Jährige. "An Kreativität und Ideen mangelt es nicht."

Mehr Spaß würde das Ganze aber natürlich noch machen, wenn auch die Mannschaft sportlich möglichst schnell wieder in die Spur findet. Beim nächsten Anlauf auf eine Trendwende am Sonntag in Zwickau wird Matze wieder vor Ort mitfiebern. Wer es nicht nach Sachsen schafft, kann die Auswärtsfahrt so später in seinen Videos noch einmal miterleben.

» 360-Grad-Video: SG Sonnenhof Großaspach - 1. FC Kaiserslautern

Autor: Ingo

Weitere Links zum Thema:

- Zum YouTube-Kanal mit allen Videos: Matzes Daily Madness

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