Im Blickpunkt: Der FCK in der Krise

Spiel auf Zeit

Spiel auf Zeit


Das 0:0 im Derby gegen den Karlsruher SC ist für den 1. FC Kaiserslautern undankbar. Denn in allen Bereich bringt das Remis die köchelnden Debatten nicht voran. Wie geht es jetzt weiter?

Michael Frontzeck wurde nicht müde, es zu betonen. In der "ARD-Sportschau", bei "Telekom Sport" und auf der Pressekonferenz wiederholte der 54-Jährige gebetsmühlenartig seine Sicht der Dinge: "Es war ein sehr schwieriges Spiel nach den letzten zehn Tagen, in denen wir einiges auf die Nuss bekommen haben", hielt Kaiserslauterns Trainer fest, verknüpft mit einem Lob für sein Team, das angesichts solch komplizierter Umstände ein gutes Spiel gezeigt habe.

Frontzecks Einschätzung war - dieses Ergebnis vorausgesetzt - absehbar, auch wenn er die in den vergangenen Tagen mit seiner Person verknüpfte Kritik einfach mal eben auf seine Spieler ausweitete. Angriffslustig und gereizt hatte er schon im Vorfeld auf die vorgebrachten Zweifel an seiner Arbeit reagiert. Dass die Nullnummer im Derby deshalb aus seiner Sicht ein Schritt nach vorne war - sein gutes Recht, die Partie so einzuordnen.

Eine Situation wie vor zwei Wochen

Tatsächlich allerdings tritt der FCK weiter auf der Stelle. Schon einmal beanstandeten die Roten Teufel in dieser Saison, aus ihren Möglichkeiten zu wenig gemacht zu haben. Nach den Spielen gegen Großaspach und Münster folgten die Ohrfeigen in Halle und gegen Hoffenheim. Frontzeck führte trotzdem seinen Argumentationsweg fort: Das Spiel gegen den HFC war ein Ausrutscher, der Ausgang der Pokalpartie auf den Zwei-Klassen-Unterschied zurückzuführen.

Der aufgekommenen Trainerdiskussion nimmt das aber keineswegs den Wind aus den Segeln. Zu offensichtlich fiel wieder auf, dass der FCK zwar gute Phasen im Spiel hatte, trotzdem selten zu zwingenden Chancen kam. Eklatant außerdem, wie oft den Roten Teufeln das Spiel entglitt. Beobachtungen, die schon an den ersten Spieltagen festzuhalten waren - die aber nach dem 5. Spieltag und dem nun fünften Pflichtspiel ohne Sieg in Folge auch nicht ausreichten, um die schwelende Trainerdiskussion eskalieren zu lassen. Denn zumindest hat der FCK ja mal wieder einen Punkt mitgenommen. Es ist ein Spiel auf Zeit, eine große Gereiztheit, weil das Pendel nicht entscheidend ausschlägt.

Die Emotionen schaukeln sich langsam hoch

Das Geduldspiel spiegelt sich medial. Die "Rheinpfalz" hielt zwar kritisch fest, dass der FCK die Partie "0:0 verloren" habe, umschiffte dabei aber fast komplett die Trainerposition. Anders der "Kicker", der von seiner vorgebrachten Frontzeck-Kritik in der vergangenen Woche nicht abrückte. Und die "Bild" wiederum stürzte sich lüstern auf einen der sich unweigerlich öffnenden Nebenkriegsschauplätze: Die Erwartungshaltung im Stadion, die das Team angeblich hindere.

Dabei gehen die Ansichten auf der Tribüne genauso auseinander - allerdings mit sich allmählich hochschaukelnden Emotionen. Als sich diesmal die Mannschaft der Kurve nach dem Schlusspfiff bemerkenswert kurz zuwandte, waren die Pfiffe lauter und deutlicher zu vernehmen, als noch vor einer Woche. Zugleich fiel der aufmunternde Applaus umso trotziger aus. Und die Spieler taten sich schwer, das Spiel wie die Zuschauerreaktionen irgendwie einzuordnen, griffen aus Mangel an Argumenten zu Durchhalteparolen.

Eine Geduldsprobe für alle Beteiligten

"Das ist jetzt eine wirklich schwierige Phase. Auch weil wir ein Spiel vor der Brust haben, das wir gewinnen sollten", sagte Michael Frontzeck vor dem KSC-Spiel. "Wir müssen in den nächsten Spielen anfangen, dreifach zu punkten", betonte er danach.

Das Spiel auf Zeit, es bleibt riskant. Gelingt dem FCK in Zwickau kein Sieg, dürften sich die Diskussionen noch einmal verschärfen, dem Trainer außerdem die Argumente fehlen. So lange köchelt der Brei aus Unzufriedenheit, Wut und Durchhaltewillen zwangsläufig weiter. Eine Geduldsprobe für alle Beteiligten.

Autor: paulgeht

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