Interview mit Aufsichtsratskandidat Wilfried de Buhr

"FCK - jetzt erst recht"


Wilfried de Buhr war Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern in der Aufstiegssaison 1996/97. Nun bewirbt er sich um eine Rückkehr in den Aufsichtsrat des Vereins.

Der Betze brennt: Wilfried de Buhr, warum muss sich im Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern etwas ändern?

Wilfried de Buhr (64): Der bestehende Aufsichtsrat hat den aktuellen Vorstand berufen und keinen Sportvorstand installiert. Er trägt Verantwortung für die Verpflichtung des derzeitigen Mannschaftskaders. Im Ergebnis hat das zur bedrohlichsten Situation in der Geschichte des Vereins geführt. Es wäre daher folgerichtig, vollständig den Platz zu räumen.

Der Betze brennt: Stellen Sie sich doch bitte kurz vor: Welche beruflichen Erfahrungen und welche persönliche Verbindung zum FCK qualifizieren Sie für ein Amt im zweithöchsten Vereinsgremium?

de Buhr: Als studierter Betriebswirt bin ich seit 40 Jahren in Geschäftsführungsverantwortung. Für den 1. FC Kaiserslautern habe ich den Aufstieg von der zweiten in die erste Liga und den Pokalsieg in Berlin mitverantwortet. Für den 1. FC Nürnberg die Weichen für den Aufstieg von der zweiten in die erste Liga gestellt. Mit dem Karlsruher SC den Aufstieg von der dritten in die zweite Liga und das gleiche auch mit Rot-Weiß Erfurt geschafft. Als Vater des Fröhnerhofs habe ich die Entwicklung des FCK-Nachwuchsleistungszentrums schon 1996 eingeleitet und zusammen mit Norbert Thines, Horst Eckel und Ottmar Walter die "Initiative Leidenschaft FCK" gegründet, die bis heute das Fritz-Walter-Museum am Leben erhält. Mit meinem großen Beziehungsgeflecht im Fußball und der Gesellschaft bringe ich gute Voraussetzungen für das Amt mit.

"In stürmischen Zeiten braucht es keine Schiffjungen am Ruder"

Der Betze brennt: Neben der erwähnten Anstellung als Geschäftsführer (1995 bis 1996) waren Sie auch schon als Aufsichtsrat (2003 bis 2005) beim FCK tätig, scheiterten zuletzt aber 2014 mit einer neuerlichen Kandidatur. Welche persönlichen Gründe haben Sie nun zu einer weiteren Bewerbung veranlasst?

de Buhr: Ich bin 1995 kurz vor dem Abstieg zum FCK gekommen - dieser konnte damals leider nicht verhindert werden. Ich weiß aus Erfahrungen mit FCK, FCN und KSC was ein solcher Abstieg bedeutet. Der FCK befindet sich zwar in seiner bedrohlichsten Lage, aber noch ist der Klassenerhalt möglich - und dafür möchte ich kämpfen, meine langjährige Erfahrung einbringen.

Otto Rehhagel hat mir damals immer gesagt: "In stürmischen Zeiten braucht es keine Schiffsjungen am Ruder, sondern erfahrene Seeleute". Er hat reifere Spieler eingesetzt, die ausgiebige Erfahrungen mitbrachten. Er wollte damit ausdrücken, dass in einer solchen Situation Wissen und Erfahrung gebraucht werden. Diese haben im Fußball so manches Mal das Ruder schon rumreißen können.

Für die Mitglieder und viele Menschen in der Region ist der FCK ein Markenzeichen, ein Identifikationsmerkmal, nicht zuletzt Gesprächsaufhänger und bekannt überall in Deutschland. Das muss erhalten bleiben.

Der Betze brennt: Sie werben mit dem alten Motto "Jetzt erst recht", das vom ersten Abstieg 1996 stammt. Was konkret möchten Sie in die Wege leiten, um beim FCK eine neue Aufbruchstimmung zu entfachen?

de Buhr: Ich weiß um Stimmen, die derzeitig das Geschehen um den Verein beobachten, abwarten und erst zum Ende der Saison ihre Hilfe anbieten. Viele Anhänger sind resigniert und wenden sich ab. Mit dem von mir initiierten Motto "FCK - jetzt erst recht" und dem damaligen "Flagge zeigen" mit den rot-weißen Luftballons hatten wir 1996 einen durchschlagenden Erfolg. Nahezu jedes Spiel in der 2. Bundesliga war ausverkauft. Dieses gemeinsame und stark machende Gefühl, in bedrohlicher Situation aufzustehen und gemeinsam zu kämpfen, hat uns damals alle geeint - und der Erfolg war unser. Die Führungsgremien des Vereins sollen daher umgehend eine Kampagne entwickeln, um den Schulterschluss mit allen Anhängern und der Region zu erreichen.

"Ich bin gegen eine kurzfristige Außerordentliche Mitgliederversammlung"

Der Betze brennt: Zwei miteinander verknüpfte Diskussionen sind zurzeit die geplante Ausgliederung und der Einstieg von Investoren. Wie stehen Sie zu diesem Themenkomplex, was die Notwendigkeit, den Zeitplan und die konkrete Umsetzung angeht?

de Buhr: Grundsätzlich wird sich auch der FCK nicht der Entwicklung entziehen können. Wichtig ist und bleibt jedoch, dass der Verein das Sagen behält. Negativbeispiele gibt es einige. Was in der Diskussion völlig untergeht, ist folgendes: Eine Ausgliederung verwirklichen ist das Eine. Der Zeitpunkt des Verkaufs von Anteilen das Andere. Wir sollten Anteile nur dann abgeben, wenn sie besonders wertvoll sind, um das höchstmögliche Ergebnis zu erzielen. Zum derzeitigen Zeitpunkt ist das aber keineswegs der Fall. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass mit dem Thema Hals über Kopf von der aktuellen Situation abgelenkt und auch dem Rückzahlungsdruck der Fan-Anleihe begegnet werden soll.

Daher halte ich die derzeitigen Aktivitäten für nicht geboten, spreche mich auch gegen eine kurzfristige Außerordentliche Mitgliederversammlung aus. Das kann man alles und in Ruhe im Laufe des kommenden Jahres angehen.

Der Betze brennt: Der noch amtierende Aufsichtsrat versuchte im Kalenderjahr 2017 zwei Mal, einen Sportvorstand zu installieren, scheiterte jedoch mit beiden Anläufen. Wie stehen Sie zu dieser Frage: Braucht der FCK mehr Sportkompetenz - und zwar "ganz oben" im Vorstand?

de Buhr: Sportkompetenz ist auf allen Führungsebenen des Vereins von Nöten. Bei der Wahl des derzeitigen Aufsichtsrates hat man ja geglaubt, dieses auch erreicht zu haben. Das Ergebnis ist bekannt. Deshalb sehe ich die Notwendigkeit eines Vorstandsmitgliedes Sport. Mir ist zudem nicht erklärbar, warum der Aufsichtsrat mit dem Vorhaben zweimal gescheitert sein soll, außer er sah selbst die Notwendigkeit nicht ein. Zudem hätte er eine fähige Person mit einem Aufsichtsratsmandat ausstatten können, Stichwort "Kooptierung".

Der Betze brennt: In den letzten Jahren ist beim FCK auf allen Ebenen ein rückläufiger Zusammenhalt spürbar - obwohl genau das den Verein früher so stark gemacht hat. Was würden Sie als Aufsichtsratsmitglied tun, um das Wir-Gefühl und das Miteinander wieder zu stärken?

de Buhr: Zunächst verweise ich auf die Ausführungen zu meinem Motto "FCK - jetzt erst recht" und das Vorhaben eine Kampagne zu entwickeln, um den Schulterschluss mit allen Anhängern und der Region zu erreichen. Dieses muss jedoch einhergehen mit der Einbindung unserer vielen Ehemaligen, die sich sicherlich in der jetzigen Situation für den Verein einbringen würden, wenn man sie fragt. Es gibt so viele namhafte Persönlichkeiten, die mit ihrem Beziehungsgeflecht und ihrem Namen dem Verein jetzt sehr gut tun würden. Mir fallen spontan viele Namen ein, die auch jedem Leser dieses Interviews einfallen würden - und zu vielen habe ich noch einen persönlichen Kontakt. In diesem Sinne würde ich mich stark einbringen.

"Der FCK braucht Menschen mit Herz, Wissen und Erfahrung"

Der Betze brennt: Wie sieht für sie der perfekte Aufsichtsrat aus - sowohl was die Zusammensetzung der fünf Personen angeht als auch ihre Arbeitsweise in dem Gremium?

de Buhr: Ich darf daran erinnern, dass der Aufsichtsrat nicht aus fünf Personen bestehen muss. Vielmehr hat er die Möglichkeit zwei weitere Persönlichkeiten einzubinden. Und der Zeitpunkt hierfür ist gekommen. Von der Zusammensetzung sollten die Bereiche Sport, Vereinsmanagement, Marketing, Finanzen, Anhänger, Politik und Wirtschaft ihren Einzug finden. Sie sollten auch verstärkt Ressortverantwortung wahrnehmen, damit sich nicht jeder um alles kümmern muss.

Der Betze brennt: In der letzten Frage bitten wir Sie noch mal um eine prägnante Zusammenfassung: Warum sollten die FCK-Mitglieder Ihnen am 03. Dezember ihre Stimme geben?

de Buhr: Der FCK befindet sich in stürmischen Zeiten. Hier ist Umbruch und Aufbruch angesagt. Es braucht Menschen mit Herz für den FCK, die Anhänger und die Region. Ebenso zwingend wichtig ist das Wissen und die Erfahrung, solch eine Situation mit Umsicht zu meistern. Ich kenne das Fußballgeschäft seit Jahrzehnten und bringe Ruhe, Erfahrung, Kontakte/Beziehungen und Ideen zum Wohle des Vereins ein. Daher bitte ich um Ihr Vertrauen und Ihre Stimme am 03. Dezember. "FCK - jetzt erst recht!"

Der Betze brennt: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für die Wahl!

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- Komplette Interviewserie: Die Kandidaten zur Aufsichtsratswahl am 03. Dezember 2017

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