Spielbericht: Arminia Bielefeld - 1. FC Kaiserslautern 2:0

Harmlos, hilflos, kopflos: Aufbaugegner FCK

Harmlos, hilflos, kopflos: Aufbaugegner FCK


Es ist ein Klassiker unter pessimistischen Fußballfans: Der eigene Verein als Aufbaugegner für Krisenclubs. Für den FCK wurde dieses Worst-Case-Szenario bei Schlusslicht Bielefeld wahr.

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Arminia Bielefeld hatte nach dem Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz seinen Trainer Jürgen Kramny entlassen und noch vor der Länderspielpause auf einen Befreiungsschlag gegen den 1. FC Kaiserslautern gehofft. Da war für die Pessimisten schon vorher klar, was kommen musste und dann auch kam: Mit Interimscoach Carsten Rump gewann der DSC verdient mit 2:0 gegen einen völlig überforderten FCK, an dessen Seitenlinie mit Norbert Meier ein anderer Ex-Armine stand. Und der nun endgültig selbst im Abstiegskampf angekommen ist, wie schon vor genau einem Jahr nach der Pleite beim damaligen Schlusslicht Düsseldorf – ein ganz übles Déjà-vu für alle Roten Teufel.

FCK-Fanblock füllt sich erst nach einer halben Stunde

Im Gästeblock auf der Bielefeler Alm zeigte sich schon zum Spielbeginn ein (vorläufig) trauriges Bild, kaum Zaunfahnen oder sonstige FCK-Symbole waren zu sehen. Der Grund: Ein Großteil der Lautrer Ultras hatte mit Verzögerungen bei der Zug-Anreise zu kämpfen. Ein kleiner Stimmungspulk im unteren Bereich des Blocks versuchte zwar sein bestes, konnte aber den Rest der rund 1.000 mitgereisten Betze-Fans nicht mitreißen. Die FCK-Anhänger wurden erst hörbar, als die Ultras nach 35 Minuten im Stadion ankamen und ihre Fahnen hissten.

Viel verpasst hatten sie bis dahin nicht – dachte man zu diesem Zeitpunkt jedenfalls. Tatsächlich war die beste Phase des FCK-Spiels da schon vorbei, für das Trainer Meier sich eine neue 4-4-2-Taktik mit Robin Koch und Daniel Halfar im Mittelfeldzentrum sowie Robert Glatzel und Jacques Zoua im Angriff ausgedacht hatte. Die beste Chance der ersten Halbzeit hatte dann auch Glatzel, der aus drei Metern an Daniel Davari scheiterte, während auf der anderen Seite Julian Pollersbeck ganz stark gegen Keanu Staude und Christoph Hemlein rettete. Zur Pause stand es somit nicht wirklich zufriedenstellend 0:0.

"Im Stil eines Absteigers"

So richtig katastrophal wurde es dann aber im zweiten Abschnitt. Die Roten Teufel präsentierten sich beim Schlusslicht harmlos, hilflos und kopflos. "Im Stil eines Absteigers", titelt die Rheinpfalz, während der SWR nüchtern konstatiert: "Kaiserslautern enttäuscht beim Letzten". Die Fan-Reaktionen im Diskussionsforum von Der Betze brennt fallen teilweise noch drastischer aus: "Meier ist die ärmste Sau". Wie ein Hühnerhaufen stand die Abwehr beim 0:1 durch Hemlein (48.). Und auch vom 0:2 durch Sebastian Schuppan blieb mehr das mangelhafte Abwehrverhalten als die leichte Abseitsstellung des Torschützen hängen (75.). Nach vorne ging abgesehen von einem Ewerton-Kopfball gar nichts mehr bei den Roten Teufeln, Mittelfeld und Angriff waren einmal mehr Totalausfälle.

Die Mehrheit der Bielefelder Fans unter den 16.618 Zuschauern auf der Alm konnte dementsprechend lautstark feiern (DSC-Coach Rump: "Wir wollten das Stadion zurückgewinnen"), während der Lautrer Anhang wenigstens auf der Tribüne noch einen Punktgewinn verbuchen konnte. Wenn man schon den ganzen Freitag für eine Auswärtsfahrt opfert, fast die komplette erste Halbzeit verpasst und dann auch noch gegen den Letzten verliert, dann sollte man wenigstens noch das Beste daraus machen. Und so ging der FCK sozusagen mit wehenden Fahnen unter, die Fans ließen die Stimmbänder noch mal glühen und sogar zum ersten Mal seit rund 15 Jahren eine Trompete in der Kurve erklingen. Gebracht hat das alles freilich nichts mehr und als die bedröppelten FCK-Spieler nach Abpfiff zum Gästeblock kamen, wurden sie mit einer Mischung aus Aufmunterung und deftigen Worten verabschiedet.

Meier fordert Kampfgeist statt Schnickschnack

Das Wochenende der meisten FCK-Fans dürfte gelaufen sein und es bleibt zu hoffen, dass auch die Spieler in der nun anstehenden Länderspielpause den Ernst der Lage erkennen. Norbert Meier machte deutlich, dass die Zeit der versuchten Schönspielerei jetzt endgültig vorbei sein muss: "Wir können die nächsten Spiele nicht mit rein technischen Möglichkeiten lösen, sondern wir müssen schon richtig dagegen halten. Das müssen wir uns heute vorwerfen."

Man muss gar nicht das legendäre 5:0 gegen Real Madrid als Vergleich heranziehen, welches sich am Tag der Niederlage beim Zweitliga-Schlusslicht zum 35.-mal jährte. Der Blick auf die Tabelle macht deutlich, dass die Rückrunde bislang nicht viel besser verlaufen ist als der desaströse Beginn der Hinrunde. Wie schon vor einem Jahr geht der FCK auf Tuchfühlung zur Abstiegszone in die letzte Länderspielpause (damals startete danach eine Siegesserie) und wieder einmal haben die Roten Teufel das Klischee des Aufbaugegners für Krisenclubs erfüllt.

Autor: Thomas

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