Interview mit der „Walter Elf“

„Wie geil wäre das, eine FCK-Hymne zu verfassen...“

„Wie geil wäre das, eine FCK-Hymne zu verfassen...“


Die Walter Elf ist wieder da! Nein, nicht die legendäre Fußballmannschaft, sondern die fast genauso legendäre Punkrock-Combo aus K-Town. Mit „Männer in Rot“ veröffentlicht die Band am 30. Juli ihr erstes Album seit 1991 - eine Hommage an den 1. FC Kaiserslautern. „Der Betze brennt“ sprach mit Sänger Beppo Götte und Gitarrist Jürgen Schattner über das neue Werk, über die anstehenden Konzerte und über ihre denkwürdigsten Betze-Erlebnisse. Außerdem: CD-Gewinnspiel und exklusive Song-Preview!

Der Betze brennt: Vor über 20 Jahren habt Ihr in einem Fernsehbeitrag für die damalige SWF-Sendung „Guten Abend aus Kaiserslautern“ immer wieder den Satz „Ich will uff de Betzebersch“ wiederholt. Am 31. Juli spielt Ihr nun tatsächlich zum ersten Mal vor Publikum im Fritz-Walter-Stadion und stellt Eure neue Single „Männer in Rot“ vor. Geht für Euch ein Traum in Erfüllung?

Beppo Götte: Hey, ihr kennt auch ja wirklich gut aus in unserer Bandgeschichte! Sagt bloß, ihr habt das damals gesehen? Das war übrigens schon unser zweiter Auftritt im SWF, ein paar Jahre vorher hatten wir „Leb wohl, Hans-Peter“ im Tor vor der Westkurve playback für die Sendung „Auf der Walz durch die Palz“ gespielt. Das Lied behandelt den damaligen Weggang meines Rodenbacher Mitbürgers Hans-Peter Briegel zu Hellas Verona - und wir spielen es auch demnächst beim Stadionfest.

Jürgen Schattner: Damals bei „Guten Abend aus Kaiserslautern“ war das „Ich will uff de Betzebersch“ als Running Gag gedacht und zum Schluss des Drehs durften wir ja tatsächlich auf den heiligen Rasen und ein bisschen kicken. Diesmal wird der Auftritt nicht auf dem Rasen, sondern hinter der Westkurve sein. Aber auch das ist natürlich etwas ganz besonderes.

Der Betze brennt: Bei „Männer in Rot“ handelt es sich um die erste CD der Walter Elf seit 1991. Wie kam es dazu?

Götte: Es fing damit an, dass ich 1997 in einer Kölner Kneipe eine absolut geile Hymne des FC Chelsea gehört hatte, die vom Sänger der Band „Madness“ gesungen wurde. Der Mann heißt Suggs, und ich glaube das Lied heißt „Blue Day“. Schon damals dachte ich mir: Wie geil wäre das, eine FCK-Hymne nicht in der üblichen „Humba-Täterä-Art“ zu verfassen, die dann möglicherweise im Stadion vor den Heimspielen läuft, und die - im besten Fall - sogar von den Fans mitgesungen wird. Mir kam direkt die Musik für den Song in den Kopf, der jetzt als „1991 (Lautern drei, Barcelona eins)“ auf die CD gekommen ist. Den habe ich also glatte 13 Jahre in meinem Kopf rumgetragen, weil es erstens die Walter Elf ja nicht mehr gab, und zweitens ich mich auch nicht so richtig getraut habe. Ich hatte Angst, die Fans würden das als billige Masche ansehen, mit der Betze-Begeisterung die schnelle Mark zu verdienen. Das Projekt blieb dennoch jahrelang im Gespräch, vor allem unser original Drummer Joachim „King“ König fand die Idee super und hat uns immer wieder ermutigt. Trotzdem kamen wir nie über diese Thekenpläne hinaus.

Der Betze brennt: Bis vor einigen Monaten...

Götte: Vor etwa einem Jahr kam mir ein zweiter Song in den Kopf, für dessen Refrain mir sofort die Wörter „Männer in Rot“ einfielen. Und das Lied fand ich so gut, dass ich den anderen Jungs von „Kick Joneses“ (Nachfolgeband der „Walter Elf“; Anm. d. Red.) vorgeschlagen habe, das Ding jetzt endlich mal durchzuziehen. Und zwar als Walter Elf! Das ist einfach unsere angestammte Band für Betze-Themen, und die wurde jetzt für dieses Projekt wiederbelebt. Vor allem von „King“ König, der sich extrem fürs Cover-Artwork und den Kontakt zum FCK verdient gemacht hat und von Jürgen, auf dessen Label Rookie Records die CD jetzt ja auch erscheint. Inzwischen sind wir da auch ganz selbstbewusst: Eine Band, die seit 1983 „Walter Elf“ heißt, darf im Jahr 2010 auch mal eine Betze-CD machen, ohne sich dem Verdacht des Abkassierens auszusetzen. Frank, unser anderer Gitarrist, und Alex, unserer anderer Sänger, haben noch eine Gänsehaut-Hymne namens „Der Betze brennt“ dazu komponiert. Und dieser Songtitel stellt durchaus auch eine Verbeugung vor eurer genialen Seite dar, die auch für uns Exil-Lautrer ein unverzichtbares Medium geworden ist - auch wenn es in dem Lied zunächst mal um „dem Fritz sei' Wetter“ geht.

Der Betze brennt: Wow, vielen Dank! Beppo spricht es an, mittlerweile lebt Ihr schon seit vielen Jahren quer verstreut in Deutschland, von Köln über Frankfurt bis Stuttgart. Wie gestaltet sich das Bandleben und habt Ihr überhaupt genug Gelegenheiten zum Proben?

Schattner: Das Bandleben gestaltet sich nicht nur durch das verstreute Wohnen eher schwierig, aber wir sind inzwischen Meister des Organisierens und üben auch viele Sachen in Heimarbeit. Die Proben sind eher selten, dafür dann aber sehr intensiv und produktiv.

Der Betze brennt: Alle drei neuen Songs haben einen Bezug zum FCK. Womit können die Hörer rechnen, sowohl inhaltlich als auch musikalisch?

Götte: Meine beiden Songs sind so was wie eine künstlerische Aufarbeitung wichtiger Erlebnisse mit dem FCK. „Männer in Rot“ ist quasi meine Fanlaufbahn im Zeitraffer: Frühe Spiele in den Siebzigern, meistens in Sorge vor dem Abstieg, 1991 und 1998 dann die beiden jedes Mal völlig unglaublichen Meisterschaften. In „1991 (Lautern drei, Barcelona eins“) geht es um dieses legendäre Spiel gegen Barca in der Hochphase der Pyrotechnik auf dem Betzenberg. Dieses Spiel war sowohl optisch (der Betze aus Hubschrauber-Sicht ein rauchender Vulkan) als auch spielerisch (die Roten Teufel zerlegen den großen FC Barcelona in seine Einzelteile) und vor allem emotional (bis zur 89. Minute Ekstase, nach Bakeros Tor kollektive Selbstmord-Gedanken) herausragend. Ich habe danach viele emotionale Momente als Betze-Fan erlebt, aber nie mehr war das, was die Sportart Fußball so anders macht als, sagen wir Rhönradfahren oder Eisstockschießen, derart komprimiert in einem Spiel vereint. Im Guten wie im Schlechten.

Schattner: Bezogen auf die Musik sind es für mich typische Walter Elf Songs, jedoch merkt man, dass wir inzwischen 20 Jahre älter sind und einfach reifer und musikalisch besser geworden sind.

Der Betze brennt: Ihr besingt also quasi Eure Erinnerungen, die sicher viele langjährige FCK-Fans mit Euch teilen. Welche Betze-Erlebnisse sind sonst noch fest in Eurem Gedächtnis eingebrannt?

Götte: Wie schon erwähnt natürlich die beiden beiden Meisterschaften in unserer Fanlaufbahn. Die erste 1991 haben wir im Autoradio mitverfolgt - am Rand der Autobahn mit einem Platten auf dem Weg zu einem Konzert in Baden-Württemberg. Die zwei Siege im Pokalendspiel, ich war beide Male in Berlin, wobei für mich vor allem der erste zählt: Es war mein erster großer Titel als FCK-Fan. Die Niederlage damals in Leverkusen, die den ersten Abstieg bedeutete. Meine Frau Ute fiel damals im Stadion in Ohnmacht und musste mit einem Zitroneneis an den Schläfen wiederbelebt werden. Und natürlich der 5:0-Sieg gegen Real Madrid 1982 - mein erster ganz großer Betze-Triumph als damals 19-Jähriger.

Der Betze brennt: Und bei Dir, Jürgen?

Schattner: Mein erstes Mal natürlich: Als Jugendkicker des SV Enkenbach duften wir nach einem guten 1:1 gegen die D2 des FCK noch ins Stadion. Gegen Tennis Borussia Berlin, Endstand 3:1, 1976 war das. Benny Wendt schoss ein Tor, aber damals noch für Berlin. Späte Tore von Josef Pirrung und Klaus Toppmöller bedeuteten den Sieg für den FCK.

Der Betze brennt: Neben dem Kurzauftritt beim Stadionfest spielt Ihr auch am 21. August beim Kuseler Festival „Kein Bock auf Nazis“, das auch der FCK unterstützt. Was können die Fans hier erwarten und wie lange werdet Ihr spielen?

Schattner: In Kusel spielen wir ein volles Set, also mindestens eine volle Stunde Programm. Darunter natürlich auch die drei neuen Songs. Außerdem spielen unsere Freunde von Frau Doktor mit, gute Stimmung ist also garantiert.

Der Betze brennt: Wird auch gewährleistet sein, dass die FCK-Fans, die sich an diesem Tag auf den Weg zum ersten Bundesligaspieltag in Köln machen (das Spiel ist noch nicht fix terminiert; Anm. d. Red.), rechtzeitig zu Eurem Auftritt in Kusel sein können?

Schattner: Wir spielen in Kusel als letzte Band. Das heißt man kann als Fan zumindest beim Samstagstermin um 15:30 Uhr locker beides schaffen. Die genaue Uhrzeit unseres Auftritts steht leider noch nicht fest.

Update vom 16. Juli 2010: Mittlerweile stehen beide Termine fest, der FCK spielt nachmittags um 15:30 Uhr in Köln und die Walter Elf tritt um 23:00 Uhr in Kusel auf.

Der Betze brennt: Ihr habt früher schon viele Songs mit FCK-Bezug gehabt, etwa das bereits erwähnte „Leb' wohl, Hans-Peter“ zum Abschied von Nationalspieler Briegel. Habt Ihr die „Walz aus der Pfalz“ mal kennen gelernt?

Schattner: Ich habe ihn leider nie getroffen. Bei Beppo als Rodenbacher waren die Chancen sicher höher.

Götte: Nein, wir hätten uns damals nie getraut, ihn anzusprechen. Er war der Nationalspieler und wir nur ein paar räudige junge Punks aus K-Town. Dabei wäre es so einfach gewesen, schließlich wohnte er in der Tat wie ich in Rodenbach. Ich hatte mir als Kind Autogramme von ihm geholt, als er noch als Rohdiamant galt und bei seinen Eltern auf dem Bauernhof lebte...

Der Betze brennt: In „Das Zeichen“ habt Ihr Bjarne Goldbaek besungen, der in jungen Jahren auf seine Chance beim FCK wartete und diese ja später auch bekam. Seht Ihr auch im heutigen Kader einen Spieler, dem man ein Lied widmen könnte?

Schattner: Gute Frage. Inzwischen läuft das ja Gott sei Dank mit den jungen Spielern auch ein bisschen anders.

Götte: Ich steh' ja schon immer auf Abwehrspieler, etwa Axel Roos oder Miro Kadlec. Bis vor kurzem hätte mich Axel Bellinghausen zu einem Lied inspirieren können, aber den Abgang nach Augsburg habe ich ihm nicht ganz verzeihen können. Jetzt ist Martin Amedick mein Held, und wenn der ein paar Jahre bleiben sollte - was ich sehr, sehr hoffe - dann wird das auf jeden Fall irgendwie künstlerisch verarbeitet.

Der Betze brennt: Unvergessen ist natürlich auch der Song „Kaiserslautern“, eine Hommage an Eure Heimatstadt, die Ihr auch in vielen anderen Liedern besingt. Wie seht Ihr Kaiserslautern heute, mit reichlich zeitlichem und räumlichem Abstand?

Schattner: Ein liebenswertes Provinzstädtchen, in das ich gerne, aber nicht allzu oft zurückkomme. Meine Familie lebt im Umland, mein Patenkind in der Stadt.

Götte: Damals war's eine Hassliebe. Einerseits unsere Heimatstadt, in der wir musikalisch, fußballerisch und persönlich tief verwurzelt waren. Und andererseits das „Bauernkaff im Pfälzer Wald“, in dem es die Punk-Platten, die wir hören wollten, nicht zu kaufen gab. Heute habe ich zwei Heimatstädte, Köln und Kaiserslautern. Wobei: Ich kann kein Kölsch, aber ich kann pfälzisch. Der FC ist mir egal, der FCK nicht. Und wenn ich nach Lautern zu meinem alten Kumpel Hardy ins „Simpel“ komme, fühle ich mich doch sehr zu Hause.

Der Betze brennt: Nun also die neue Single und Euer erster Live-Gig auf dem Betzenberg. Womit ist in Zukunft noch zu rechnen? Wird es weitere Songs und Konzerte geben?

Schattner: Das lassen wir alles auf uns zukommen. Eine Tour oder ein neues Album sind aber sicher nicht geplant. Schließlich gibt es ja auch noch „Kick Joneses“.

Der Betze brennt: Abschließende Expertenfrage: Wo landet der FCK in der neuen Saison?

Götte: Das Auftaktprogramm ist hart... Obwohl, in Kölle lief es doch meistens gut! Ich tippe auf irgendeine Platzierung zwischen 10 und 15.

Schattner: Der FCK landet nach kleineren Startschwierigkeiten im unteren, aber gesicherten Mittelfeld.

Der Betze brennt: Vielen Dank für das Gespräch!


Infos zur Single „Männer in Rot“

Die neue Walter Elf-Single „Männer in Rot“ ist ab dem 30. Juli 2010 erhältlich und wird einen Tag später offiziell beim Stadionfest des 1. FC Kaiserslautern vorgestellt. Die MCD wird 4,90 Euro kosten, die limitierte 7"-Single plus MP3-Download 5,50 Euro - 50% des Reinerlöses gehen an das Hilfsprojekt "Mama/Papa hat Krebs". Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit: http://www.rookierecords.de - - außerdem wird die Single in Kaiserslautern erhältlich sein im FCK-Fanshop, im Soundcheck Plattenladen, im Pop Shop sowie bei Saturn und MediaMarkt. Online ist die Single unter anderem bei www.flight13.com zu erwerben, als MP3 außerdem bei iTunes, Musicload und Co.


Song-Preview „Der Betze brennt“

Wir sind stolz, den Song „Der Betze brennt“ vorab und exklusiv auf unserem Online-Magazin veröffentlichen zu dürfen. Vielen Dank an die Walter Elf!

  Walter Elf - Der Betze brennt

Eine Hörprobe von „Männer in Rot“ gibt es außerdem auf der MySpace-Seite der Walter Elf, wo in den nächsten Tagen auch die beiden anderen neuen Songs folgen werden: http://www.myspace.com/walterelf


Gewinnspiel

„Der Betze brennt“ verlost in Zusammenarbeit mit der Walter Elf drei Exemplare der neuen FCK-Single „Männer in Rot“. Zur Teilnahme am Gewinnspiel muss folgende Frage beantwortet werden:

- Der älteste bekannte FCK-Song ist "Das Lied der Waltermannschaft" aus den 1950er Jahren. Welcher Spieler wird in diesem Stück nicht besungen?

Wir wünschen viel Erfolg!

Autor: Thomas

Weitere Links zum Thema:

- „Walter Elf“ spielt live beim FCK-Stadionfest (Der Betze brennt, vom 01. Juni 2010)
- Reportage: Music made by Herzblut (Der Betze brennt, vom 15. April 2010)
- Die Walter Elf bei: MySpace - Facebook - Twitter

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