Neuzugang-Porträt
Linksfuß mit bewegter Vergangenheit: Norman Bassette im Porträt

Foto: Imago Images
Eigentlich war er ja schon vorher ein Roter Teufel. Im November 2024 gab Norman Bassette sein Debüt in der belgischen Nationalmannschaft, die diesen diabolischen Beinamen genauso führt wie der 1. FC Kaiserslautern. Belgien-Nationalcoach Domenico Tedesco wechselte ihn in der Nations-League-Begegnung gegen Israel ein, allerdings erst in der Nachspielzeit. Seither sind für Norman Bassette keine weiteren Einsätze im A-Team seines Landes mehr hinzugekommen. Was nicht weiter verwundert: Dass seine Berufung etlichen verletzungsbedingten Ausfällen bei den Roten Teufeln geschuldet war, hatte Tedesco schon zuvor durchblicken lassen.
Bassette war zu dieser Zeit in der zweiten englischen Liga aktiv, bei Coventry City, das ihn im Sommer vom französischen Zweitligisten SM Caen verpflichtet hat - für beachtliche 2,7 Millionen Euro Ablöse. Seinen Stellenwert im Verein allerdings hatte sich nach der Nationalelf-Berufung wohl ein wenig erhöht, zumindest vorübergehend. Denn nach dieser Länderspielpause kam er regelmäßig zu Einsätzen, während er zuvor nur sporadisch Wettkampfpraxis sammeln durfte.
In Coventry blieb's bei einem Zwischenhoch
Noch im gleichen Monat erzielte er auch seinen ersten Treffer für den neuen Klub, besorgte beim 2:2 gegen Sheffield United den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Hier zu sehen ab Minute 3:10:
Ende Januar nahmen seine Einsatzzeiten jedoch wieder ab. Im Sommer 2025 verlieh Coventry den Stürmer zurück nach Frankreich. Beim Zweitligisten Stade Reims durfte er unter dem zuletzt in Schalke glücklosen Karel Geraerts insgesamt zwölfmal ran, davon sechsmal von Beginn. Beim 4:1-Sieg gegen Clermont Foot gelang ihm dieser sehenswerte Treffer zum 3:1, bei dem sein starker linker Fuß zu Geltung kommt. Hier zu sehen ab Minute 2:54. Auch in den zuvor zu sehenden Ausschnitten ist er bei einigen Strafraumszenen zu sehen, die nicht zum Erfolg führen.
Zum Jahreswechsel wurde die Leihe nun abgebrochen, wohl weil es nicht so passte wie erhofft, und Bassette versucht jetzt sein Glück in Kaiserslautern. Zunächst für ein halbes Jahr. Laut Medienberichten besitzt der FCK - genauso wie zuvor auch Reims - eine Kaufoption.
Seine Berateragentur ist international schwer aktiv
Bassette wird von der großflächig vernetzten Berateragentur "CAA Stellar" vertreten, die über 1.000 Profis unter Vertrag hat. Ein Drittel davon kickt bei europäischen Erstligisten, darunter einige absolute Hochkaräter wie der Spanier Fermín López oder der Ex-Frankfurter Omar Marmoush.
Auch der aktuelle Eintracht-Spieler Ritsu Doan sowie Leverkusens Ibrahim Maza zählen zu ihren Klienten. Die Agentur scheint sehr rührig darin zu sein, für ihre Nachwuchsspieler Vereine zu finden, bei denen sie ihre Marktentwicklung vorantreiben.
Wallone mit vielen Wechseln in der Jugend
Norman Bassette stammt aus dem belgischen Arlon, das in der Grenzregion zu Luxemburg liegt und somit im wallonischen Teil des Landes. Er spricht also nicht das ans Niederländische gemahnende Flämisch wie einst der belgische FCK-Trainer Erik Gerets. Sondern französisch und womöglich auch ein wenig Deutsch.
Bis vor wenigen Generationen lebten die Mitglieder seiner Familie als Nomaden, was jedoch nicht der Grund ist, weswegen er schon in seiner Juniorenzeit viel wechselte. Das sei unvermeidlich, wenn man aus Provinz komme, wie er später in Interviews erklärte: "Junge Menschen müssen bei uns früher als anderswo ihren Kokon verlassen, um einen Verein zu finden, der sie auf ein gutes Niveau bringen kann." Schon mit elf Jahren verließ er seine Heimat, um sich in Charleroi erste Gehversuche als Fußballer zu unternehmen.
Traumatische Erfahrungen in Eupen
Eine weitere Station war der Investorenklub KAS Eupen, wo er zum Teil schreckliche Erfahrungen machte. Im dortigen Internat wurde der damals 13-Jährige von 18-Jährigen gemobbt. Später brachte ihn der Verein in einem deutschsprachigen Wohnheim für Menschen mit eingeschränkter Mobilität unter, was er zunächst als schwierige Zeit, schon bald aber als "wunderbare Erfahrung" empfand. "Mir wurde klar, dass ich kein Recht hatte, mich zu beschweren. In diesem Jahr bin ich reifer geworden."
Mit 15 landete er beim SM Caen. Dort endlich wurde sein Talent entdeckt und gefördert. Bereits als 16-Jähriger gab er sein Debüt im Profi-Team - Lauterns Dion Hofmeister lässt grüßen. Bassette wurde Torschützenkönig im französischen Jugendpokal, drang mit seinem Team sogar bis ins Finale vor, wo es an Olympique Lyon scheiterte. Er war in den belgischen Junioren-Nationalmannschaften von der U18 bis zur U21 aktiv. Bei Letzterer gehört er weiterhin zum Stammkader und traf bisher in acht Spielen fünfmal.
Von Caen ging's weiter nach Mechelen
Für die erste Mannschaft Caens kam er bis August 2024 allerdings nur auf 15 Einsätze. Seinen einzigen Treffer für SM Caen erzielte er beim 2:1-Sieg gegen Grenoble Foot. Es war der Siegtreffer in der Nachspielzeit, nachdem er erst in der 89. Minute eingewechselt worden war. Hier zu sehen ab Minute 2:05. Er kann's also auch mit dem Kopf:
Im Sommer 2024 lieh ihn Caen zum belgischen Erstligisten KV Mechelen aus. Dort lief es lange Zeit wirklich gut. 17 Einsätze, fünf Tore einschließlich der in Belgien üblichen Playoff-Runde. Diese Treffer sind hier dokumentiert:
Leider warf ihn in jener Saison eine Meniskusverletzung zurück. Was er bis dato gezeigt hatte, genügte jedoch, um Klubs im Ausland aufmerksam zu machen. Neben Coventry, das den Zuschlag erhielt, war auch Schalke an dem aufstrebenden Stürmer interessiert. Und Mechelen hätte den Jungen gerne weiterverpflichtet.
Haaland ist sein Vorbild
Die französischen Medien beschreiben Bassette als technisch versierten, schnellen Stürmer mit Beweglichkeit im Strafraum und guter Mobilität. Auch arbeitet er viel - sowohl, um sich in Schussposition zu bringen, als auch, um Räume für seine Mitspieler zu schaffen. In englischen Medien ist derweil unter anderem zu lesen, dass sein Talent unbestreitbar sei, er jedoch noch an seiner Einstellung, sprich auch an der Eigenmotivation auf dem Platz arbeiten müsste. Vielleicht ist hier der Spielerflüsterer Torsten Lieberknecht genau der Richtige für den nächsten Schritt im Kopf des jungen Belgiers?
Bassette selbst sagt über sich: "Mein Vorbild ist Erling Haaland. Für mich ist er ein Crack! Ich vergleiche mich mit ihm, weil ich einen ähnlichen Spielstil habe. Er ist groß, schnell, er setzt sich ab, er ist eine echte Inspirationsquelle. Mental inspiriert mich Ronaldo. Er ist ein immenser Arbeiter."

Norman Bassete bei seinem ersten FCK-Training; Foto: Imago Images
Andere Vorzeichen als bei Skyttä und Joly
Nach Naatan Skyttä und Paul Joly im vergangenen Sommer verpflichtet der FCK mit Norman Bassette nun innerhalb kurzer Zeit einen dritten Spieler, der den wesentlichen Teil seiner Entwicklung in Frankreich vollzogen hat. Das ist insofern bemerkenswert, als dass die Lautrer in den vergangenen Jahren auf diesem Markt nur selten aktiv waren, während etliche deutsche Profiklubs sich schon lange regelmäßig in der Grande Nation bedienen.
Im Vergleich zu den beiden anderen stellen sich die Vorzeichen bei Bassette allerdings ein wenig anders dar. Skyttä galt nach seiner starken Saison in Dünkirchen als heiße Transfer-Aktie. Joly war bei Auxerre zwar aufs Abstellgleis geraten, hatte sich zuvor aber schon in der Ligue 1 behauptet und eine überragende Saison in der Ligue 2 gespielt. Er ist allerdings auch vier Jahre älter als Bassette. Der kann im Profi-Bereich bislang nur ansatzweise gute Spielzeit in Mechelen vorweisen, die von einer Verletzung unterbrochen wurde.
Inwieweit er imstande ist, zum Rückrundenstart die Mittelstürmer-Rolle auszufüllen, bis Ivan Prtajin wieder fit ist, lässt sich also kaum beurteilen. Ein statistischer Vergleich mit einem aktuellen FCK-Spieler bietet sich in seinem Fall auch nicht an. Dazu ist die Datenlage zu dünn. Dass Bassette eine Verbesserung gegenüber Dickson Abiama, Faride Alidou und Richmond Tachie darstellen kann, denen die Verantwortlichen für diesen Winter einen Vereinswechsel nahegelegt haben, ist aber sicher keine unbegründete Hoffnung. Und dass der Offensivmann auch ein bisschen Marlon-Ritter-Vibes mitbringt, was das Provozieren des Gegners angeht, hat DBB-User "DonSchorle" auf diesem YouTube-Clip entdeckt.
Hier abschließend noch das Video, das zu seiner Vorstellung in Coventry produziert wurde:
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