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Gegner-Check

Gegner-Check FCN: Sie dribbeln viel und treffen wenig

22.10.2025, 23:15 Uhr - Autor: Eric Scherer

Nach sechs Heimsiegen in Serie trifft der 1. FC Kaiserslautern auf den Gegner, der ihn zuletzt im Fritz-Walter-Stadion bezwang. Das Team des 1. FC Nürnberg wurde seither zwar total umgekrempelt, kommt nach schwachem Start aber langsam auf Kurs.

Titelfoto

Foto: Imago Images

Anspruch und Wirklichkeit: So ein Cheftrainerjob mag ja gut bezahlt sein. Allerdings bringt er viele Irrationalitäten mit sich. Das ist jetzt, zugegeben, nichts Neues, im Falle von Nürnbergs Coach Miro Klose allerdings offenbart sich besonders dramatisch, in welchem Tempo sich die Wahrnehmung seiner Arbeit verändert. Was ist er vergangene Saison noch gelobt worden für sein akribisches Tüfteln an dem Talentschuppen, den er am Valznerweiher heranzog. Der FCN schloss die Runde zwar auf einem unspektakulären 10. Rang ab, doch wurde den Hochbegabten und ihrem Spiritus Rector allenthalben prophezeit, schon in Kürze Reife für höhere Weihen zu erlangen. Die Zeiten, in denen Übungsleiter Teams über zwei, drei Jahren formen durften, sind aber vorbei. Die zahlungskräftige Konkurrenz plünderte den Fohlenstall schon in diesem Sommer aus. Allein die abwandernden Offensivkräfte Stefanos Tzimas und Janis Antiste hatten 17 der 60 Saisontore erzielt. Top-Talente wie Caspar Jander und Jens Castrop verabschiedeten sich ebenfalls. Finn Jeltsch, der als herausragender Nachwuchsspieler gerade mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet wurde, war bereits zu Beginn der Rückrunde nach Stuttgart gewechselt. Im Sommer zuvor erst war Nürnberg seiner Juwelen Can Uzun oder Nathaniel Brown beraubt worden. Das Tafelsilber brachte zwar gutes Geld, doch baute die "Glubb"-Führung lieber Schulden ab und investierte in Infrastruktur statt in Personal. Ewig sprudelt jedoch auch der schönste Jungbrunnen nicht. Zudem verlängerte Sportvorstand Joti Chatzialexiou im Zuge neuer konzeptioneller Ideen Verträge von Stammkräften wie Lukas Schleimer und 10-Tore-Mann Mahir Emreli nicht. Emreli ist nun bekanntlich beim FCK (noch) unglücklich. Nach so viel Umbruch war es erstaunlich, dass die FCN-Verantwortlichen zu Saisonbeginn Platz 7 als Saisonziel ausriefen. Der Start bestätigte die Skeptiker. Nur ein Punkt aus den ersten fünf Partien - und schon stand der eben noch hochgelobte Trainer Klose in der Kritik. Nach Siegen gegen Bochum (2:1) und in Düsseldorf (3:2) scheint er jetzt aber eine zumindest wettbewerbsfähige Besetzung gefunden zu haben, die ihm die Weiterbeschäftigung ermöglicht. Auch nach seinem 1:1 gegen Bundesliga-Absteiger Kiel erntete der FCN überwiegend gute Kritiken, führte lange, hatte beste Chancen zu erhöhen und kassierte erst kurz vor Schluss den Ausgleich.

Die Neuen: Der "Glubb" hat nicht teuer, aber viel eingekauft. Einige Transfers tätigte er erst kurz vor Ultimo, um den mauen Saisonstart zu korrigieren. Viel zu tüfteln hatte Klose vor allem in der Offensive. Das aus Leverkusen geleaste Erling-Haaland-Double Artem Stepanov (18), an dem auch der FCK interessiert war, erwies sich nach ersten Startelf-Einsätzen als noch nicht bereit für Torjägerrolle. Die für Ablösen zwischen 300.000 und 800.000 Euro verpflichteten Semir Telalovic (23) und Mickaël Biron (28) haben ebenfalls noch nicht getroffen. Biron kommt seit Wochen nur noch von der Bank, Telalovic ist außen vor. Seit Spieltag 8 bringt Klose den gelernten Mittelfeldspieler Rafael Lubach (20) in der Sturmmitte. Den hat der FCN schon im Sommer 2024 aus Dortmunds Talentschuppen gefischt. Lubach traf immerhin schon zweimal. Gut läuft's beim aus Italien verpflichteten Mohamed Alì Zoma (21). Zuletzt in Kiel trumpfte der Tempodribbler besonders stark auf, erzielte den Führungstreffer. Ebenfalls aus Italien kam der Georgier Luka Lochoshvili (27), der in der Innenverteidigung zur festen Größe wurde. Im zentralen Mittelfeld eingefügt haben sich der aus Hoffenheim geholte Finn Ole Becker (25), der im Schlussverkauf in Portugal abgegriffene Adam Markhiev (23) und der ebenfalls spät aus Straßburg geliehene Pape Demba Diop (22). Kurz vor Torschluss kam dann noch Oldie Adriano Grimaldi (34) aus Paderborn, um Routine in die Rasselbande zu bringen. Der von Drittligist Verl verpflichtete Tom Baack (26) hat sich dagegen noch nicht durchgesetzt, ebensowenig das Kölner Talent Justin von der Hitz (18), das in Franken erste Profi-Erfahrungen sammeln soll.

Die Formation: Klose will auch mit seinem nunmehr umgekrempelten Team gepflegten Fußball zeigen, in der Regel dominant auftreten. Er macht da aber auch mal Abstriche, wenn es die Situation erfordert. Gespielt wird mit Viererkette und offensiven Außen, vorne zentral wird mal Doppelspitze, mal mit Zehner, mal 4-3-3 mit zwei Achtern gespielt. Lubach repräsentiert im Sturmzentrum den Typ des spielenden Mittelstürmers, Quirl Zoma kommt über die Flügel. Ergänzt wird das Offensivtrio vom erfahrenen Julian Justvan (27), der den Zehner, aber auch den Rechtsaußen mit linkem Fuß geben kann. Das zentrale Mittelfeld hat sich insbesondere durch die späten Verpflichtungen von Diop und Markhiev stabilisiert, Becker ergänzt die beiden. Auf der rechten Seite hat sich Tim Drexler (20) festgespielt, der schon im Januar aus Hoffenheim geliehen wurde. Linksverteidiger Berkay Yilmaz (20) ist schon im zweiten Jahr vom SC Freiburg geleast. In der Innenverteidigung steht Lochoshvili Fabio Gruber (23) zur Seite, den der FCN ebenfalls schon im Januar aus Verl holte. Seit dem 3. Spieltag trägt der auch die Kapitänsbinde. Das Tor hütet nach wie vor Jan Reichert (24).

Zahlenspiele: Interessant: Der Marktwert-Tabelle von "Transfermarkt.de" (wie immer betonen wir an dieser Stelle: der perspektivische Marktwert ist nicht gleichbedeutend mit der aktuellen Leistungsstärke) zufolge stellt der 1. FC Nürnberg den viertwertvollsten Kader der Liga. Ein Beleg dafür, wieviel Entwicklungspotenzial da immer noch vorhanden ist. Auch wenn die edelsten Personal-Pretiosen Papa Diop (4 Millionen Euro) und Yilmaz (2,5 Millionen Euro) kein Vereinskapital darstellen, sondern nur Leihgaben sind. Dass sportlich gegenwärtig dennoch keine höheren Ansprüchen gestellt werden können, ist der Abschlussschwäche des Teams geschuldet. Erst neun erzielte Treffer, das ist der zweitschwächste Wert der Liga. Dabei spielt der "Glubb" Chancen en masse heraus. Nach xGoals müsste er schon über 15 erzielt haben. Gegen Kiel zuletzt gewann er nach xGoals 1,53 : 0,93 - und spielte dennoch nur 1:1. Mit nur 45 Prozent Ballbesitz, aber starken 86 Prozent Passpräzison. Einige FCN-Spieler ragen in den individuellen Rankings heraus: Zoma, Yilmaz und Justvan etwa zählen zu den zehn Besten, der erfolgreich in ein Dribbling gehen. Dazu passt, dass kein anderes Team so oft das Eins-gegen-Eins sucht. Und nur die Schalke führen bislang mehr Zweikämpfe als die Franken.

Fazit: KSC-Trainer Christian Eichner hat dem FCK nach der 2:3 Derby-Niederlage vergangenen Samstag ein abermaliges "Fifty-Fifty"-Spiel gegen Nürnberg prophezeit. Und er wusste, wovon er sprach, denn auch sein Team hatte bei seinem 2:1 gegen die Franken am 5. Spieltag viel Mühe. Das sollte den Lautrer bewusst sein. Der aktuelle 15. Tabellenplatz der Gäste hat dagegen nichts zu bedeuten, das Klose-Team hat sich seit dem schlechten Saisonstart stabilisiert. Die dribbelstarken Außen fordern insbesondere die Außenbahnspieler Paul Joly und Mika Haas heraus. Beim FCK kehrt Maxwell Gyamfi nach zwei Spielen Sperre zurück, dafür muss Fabian Kunze nach fünf Gelben Karten pausieren. Als Vertretung bieten sich mehrere Lösungen an. Luca Sirch auf die Sechs vorziehen. Dem nach Einwechslungen zuletzt stets zuverlässigen Leon Robinson wieder mal eine Chance von Anfang an einräumen. Die fußballerisch ambitionierteste Idee wäre: Semih Sahin auf die Sechs, Marlon Ritter und Naatan Skyttä auf die übrigen zentralen Positionen. Dann stünden alle Kreativen in der Startelf - und für einen zweiten Stürmer neben Ivan Prtajin wäre noch Platz. Allerdings steht hinter dem Torjäger noch ein Fragezeichen, er droht mit einem leichten Muskelfaserriss auszufallen.

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