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Gegner-Check

Gegner-Check KSC: "Unsexy" Spätstarter mit Luft nach oben

15.10.2025, 12:40 Uhr - Autor: Eric Scherer

Der KSC hat Stand jetzt nur Heimsiege eingefahren. Beim FCK stottert auswärts noch der Motor. Da dürfte klar sein, wie die Prognosen stehen. Allerdings sind die Pfälzer nicht mit den Gegnern zu vergleichen, die den Badenern bislang unterlagen.

Titelfoto

Foto: Imago Images

Anspruch und Wirklichkeit: In der Länderspielpause haben sich beide mal mit Erstligisten gemessen. Und ordentlich aufs Dach bekommen. Der 1. FC Kaiserslautern unterlag der TSG Hoffenheim mit 0:4, der Karlsruher SC dem SC Freiburg gar mit 0:7. Allzu viel Bedeutung hat diesen Ergebnissen jedoch niemand zugemessen. Allenfalls die Erkenntnis gewonnen, dass die zweiten Anzüge, die beide in diesen Partien testeten, noch nicht so recht passen. Ansonsten haben die Badener aktuell ebensowenig Grund zu lamentieren wie die Pfälzer. Beide liegen mit 15 Punkten nach acht Runden gleichauf, die Karlsruher haben jedoch ein schlechteres Torverhältnis. Außerdem ließen sie nach einem starken Start mit drei Siegen ein wenig nach. Am 6. Spieltag setzte es bei Holstein Kiel die erste Niederlage (0:3), zuletzt musste man sich in Dresden trotz zweimaliger Führung mit einem 3:3 zufrieden geben. Überhaupt hakt's im Team von Trainer Christian Eichner in der Fremde: noch kein Auswärtssieg, dafür alle vier Heimspiele gewonnen. Der insgesamt aber gelungene Start wundert allerdings nicht: Von allen Zweitliga-Teams, die mehr oder weniger verstohlen die Aufstiegsplätze anvisieren - was ungefähr auf die Hälfte des Feldes zutrifft -, hat der KSC im Sommer neben Darmstadt 98 die wenigsten Leistungsträger abgegeben. Keeper Max Weiß wechselte für geschätzte vier Millionen Euro Ablöse in die Premier League. Von den Feldspielern verließ mit Leon Jensen nur ein Profi den Wildpark, der in der vergangenen Runde meistens gesetzt war. Entsprechend eingespielt präsentierte sich das Team vom Start weg. Was außer seinen Gegnern auch die Neuzugänge zu spüren bekamen, von denen sich einige erstmal hinten anstellen mussten.

Die Neuen: Als Ersatz für Keeper Weiß überwies Sportchef Mario Eggimann für Hans Christian Bernat (24) rund eine halbe Million Euro an den bulgarischen Erstligisten Plovdiv. Der macht bislang eine gute Figur, behielt schon viermal eine weiße Weste. Für Jensens Sechser-Position holte Eggimann aus Darmstadt Andreas Müller (25), für eine für KSC-Verhältnisse hohe Ablöse von 700.000 Euro. Der fand sich zuletzt in Dresden allerdings auf der Bank wieder, musste dem alteingesessenen Dzenis Burnic (27) weichen. Mit zuvor sieben Startelf-Einsätzen ist Müller dennoch der Neue mit den meisten Einsatzminuten unter den Feldspielern. Stürmer Roko Simic (22), von Cardiff City geliehen, startete fünf Mal, kommt sei Spieltag 6 aber nur noch von der Bank. Andere, obwohl als qualitativ hochwertig eingeschätzt, kamen noch nicht über Kurzarbeit hinaus, etwa die Gladbacher Leihgabe Shio Fukuda (21). Philipp Förster (30) wurde erst kurz vor Transferschluss verpflichtet, nachdem sein Vertrag in Darmstadt nicht verlängert wurde. Er durfte in den beiden jüngsten Partien gegen Magdeburg (2:1) und in Dresden von Beginn an ran. Ebenso wie Eigengewächs Rafael Pinto Pedrosa (18), der in Dresden mit seiner ersten Torvorlage in Liga zwei glänzte. Das aus Bremen geleaste Talent Leon Opitz (20) indes kam noch gar nicht zum Zug.

Die Formation: Eichner bevorzugt seit Mitte der vergangenen Rückrunde Dreier- und Fünferkette, nachdem zuvor lange Zeit eine 4-4-2-Formation KSC-typisch war. Das bedeutet Schienenspieler statt Außenverteidiger. Eine Umstellung, die den etablierten Stammkräften Sebastian Jung (35) (rechts) und David Herold (22) (links) an und für sich keine Probleme bereitet. Veteran Jung stand zuletzt allerdings zwei Mal nicht im Kader, anscheinend vollzieht sich da gerade die Staffelübergabe an Youngster Pinto Pedrosa. Die Dreier-Abwehr steht mit Ex-Lautrer Nicolai Rapp (28), Marcel Beifus (22) und Christoph Kobald (28), Oldie Marcel Franke (32) fällt zurzeit aus. Fürs zentrale Mittelfeld stehen neben Burnic und Müller auch Lilian Egloff (23) bereit. Und über Kapitän und Topscorer Marvin Wanitzek (32) müssen wohl gegenüber niemandem, der hier regelmäßig mitliest, noch viele Worte verloren werden. Die eierlegende Wollmilchsau im KSC-Spiel gilt längst auch als der verlängerte Arm des Trainers. Im Sturm ist nach wie vor Fabian Schleusener (33) eine feste Größe. Ihm zur Seite stand zuletzt Förster, davor Simic. Top-Talent Louey Ben Farhat (19), der beim 2:2 im vergangenen Mai auch gegen den FCK traf, arbeitet nach einem Mittelfußbruch noch an seiner Rückkehr.

Zahlenspiele: Den Karlsruhern stellte sich nach Platz 8 in der vergangenen Runde das gleiche Probleme wie den Lautrern: 55 Gegentreffer waren einfach zu viele, um weiter oben Ansprüche anmelden zu können. Und wie der FCK sind sie in dieser Spielzeit auf dem Wege der Besserung: Beide stehen bei neun Gegentoren nach acht Runden. Behielte man diesen Schnitt bei, würde man nach 34 Partien unter 40 bleiben. Und sechs der neun Gegentreffer kassierten die Badener in den beiden Spielen gegen Dresden und Kiel. Viermal schon spielte man zu null. Wie schon erwähnt, gewann das Eichner-Team bislang alle vier Heimspiele. Allerdings gegen Gegner, die diese Liga im Moment nicht gerade rocken: Münster (3:2), Braunschweig (2:0), Nürnberg (2:1) und Magdeburg (1:0). Meistens also ging's nur knapp aus, und die entscheidenden Treffer fielen erst in der Schlussphase. Wanitzek gab bislang die meisten Torschüsse in der Liga ab (30), wird in diesem Ranking aber vom Lautrer Ivan Prtajin verfolgt (26). Der allerdings hat zwei Mal gar nicht mitgespielt und trotzdem schon siebenmal ins Schwarze getroffen, Wanitzek nur dreimal. Der linke Außenbahnspieler Herold schlägt die meisten Flanken aus dem Spiel heraus, 39 bislang. Bester FCK'ler in dieser Disziplin ist Mika Haas, mit vergleichsweise bescheidenen 23 Flanken.

Fazit: Das - hinter dem FCK - bislang zweitstärkste Heimteam trifft auf einen Gast, der in der Auswärtstabelle grade mal auf Rang 12 dümpelt. Da dürfte der nicht so tief informierte Sportwetter sich schnell entschieden haben, wo er sein Kreuzchen macht. Genauer hinschauen wäre vielleicht aber kein so schlechte Idee. Bei den Wettanbietern sind die Quoten nicht umsonst auch relativ ausgeglichen statt eindeutig. Nicht nur, dass der KSC bislang nur Teams aus der unteren Tabellenzone geschlagen hat: Münster, Nürnberg und Magdeburg haben obendrein gemein, dass sie sich unabhängig von ihrer individuellen Qualität an einem recht passintensiven Spielansatz versuchen. Der KSC dagegen will mit eher wenigen Kontakten zum Erfolg kommen - eben das ist auch das Spiel von FCK-Trainer Torsten Lieberknecht. Beide Teams weisen bislang nur 45 Prozent Ballbesitz im Schnitt aus. Selbst Kollege Eichner musste den Seinen trotz ihrer Heimsiege schon konstatieren, dass sie "noch zu viel Luft nach oben" haben und Gegner wie Nürnberg und Magdeburg den gepflegteren Fußball spielten. Aber: "Ich bin unsexy und sage, dass man erstmal die Schallmauer erreichen muss", wird der KSC-Coach im "Kicker" zitiert. Der Gastgeber trifft also erstmals auf Besucher, die mit ähnlichen Mitteln den Erfolg suchen wie er selbst. Das könnte ein über weite Strecken eher kämpferisches Spiel werden, das womöglich erst in der Schlussphase entschieden wird. Späte Tore können nämlich auch die Roten Teufel mittlerweile wieder ganz gut. Und da sich bei beiden in den Tests während der Länderspielpause niemand aus der zweiten Reihe aufgedrängt hat, sind wohl keine großen Überraschungen in den Startformationen zu erwarten. Mit dem nach acht Wochen Verletzungspause endlich wieder einsatzbereiten Daniel Hanslik steht dem FCK aber eine echte Trumpfkarte rechtzeitig zum Derby wieder zur Verfügung. Ansonsten muss er noch ein zweites Mal auf Maxwell Gyamfi verzichten. Und in der Fremde endlich zu der Zweikampfstärke finden, die ihn auch auf dem Betzenberg auszeichnet.

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