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Gegner-Check

Gegner-Check Darmstadt: Sehet die Lilien auf dem Felde ...

28.08.2025, 19:00 Uhr - Autor: Eric Scherer

Nach einem fußballerisch enttäuschenden Liga-Start steht der 1. FC Kaiserslautern am Sonntag vor dem nächsten schweren Brocken. Torsten Lieberknechts Ex-Klub Darmstadt 98 musste im Sommer nur wenig umbauen und kommt als gewachsene Einheit.

Titelfoto

Foto: Imago Images

Anspruch und Wirklichkeit: Nach dem Abstieg 2024 schlossen die Hessen die anschließende Zweitliga-Saison auf Rang 12 ab. Darüber jubeln mochte am Böllenfalltor niemand, verständlicherweise. Andererseits: Es gab in den vergangenen Jahren einige Absteiger, die noch viel tiefer stürzten. "Übergangssaison" wollten sie die vergangene Runde auch nicht nennen. Andererseits: Sie könnte sich nachträglich durchaus als solche erweisen. Die Abgänge im Sommer hielten sich in Grenzen: Die Oldies Christoph Zimmermann und Tobias Kempe verabschiedeten sich in den Ruhestand, Sechser Andreas Müller wechselte zum Karlsruher SC, Kapitän Clemens Riedel zog es vergangenen Montag zu Espanyol Barcelona. Zudem fehlen weiterhin die Langzeitverletzten Matthias Bader (28) und der einstige Lautrer Juniorenkapitän Paul Will (26), doch deren Ausfälle müssen schon lange kompensiert werden. Coach Florian Kohlfeldt, der im Herbst 2024 auf den heutigen FCK-Trainer Torsten Lieberknecht folgte, durfte also mit einer weitgehend eingespielten Mannschaft in die Runde starten und weiter an seiner Vision vom fußballerischen State of the Art feilen. Die Ergebnisse muten bislang vielversprechend an. Ein klares 4:1 zum Auftakt gegen Bundesliga-Absteiger VfL Bochum, ein 1:0-Auswärtssieg beim 1. FC Nürnberg, zuletzt ein 0:0 gegen Hertha BSC, das aber kaum hätte torlos enden dürfen. Bei den diversen Tippereien vor Saisonbeginn wurden die Lilien nur selten als Aufstiegskandidat genannt. Das verwundert ein bisschen angesichts der vielen Umbrüche in zahlreichen anderen Zweitligaklubs, von denen noch niemand so recht wissen kann, was sie bringen. Die Darmstädter dagegen präsentieren sich als gewachsene Einheit. Und wären nicht die ersten, die diesen Vorteil zu nutzen wissen.

Die Neuen: Für kolportierte 700.000 Euro hat Sportchef Paul Fernie Patric Pfeiffer (26) aus Augsburg zurückgeholt. Der Innenverteidiger galt 2022/23 als bester Abwehrspieler der Zweiten Liga, hatte danach aber weder im bayrischen Schwaben noch auf diversen Leihstationen eine gute Zeit. Bei Kohfeldt ist Pfeiffer nun wieder gesetzt. Als Linksverteidiger kam der Deutsch-Russe Leon Klassen (25) aus Dänemark, aus Japan der Flügelstürmer Yosuke Furukawa (22). Ablösefrei holte Fernie Serhat-Semih Güler (28) von Viktoria Köln, wo er vergangene Saison der erfolgreichste Joker der Dritten Liga war. Stürmer Bartosz Bialek (23) hatte nach zwei schweren Knieverletzungen beim VfL Wolfsburg den Anschluss verloren, in Darmstadt sucht er nun wieder nach alter Stärke. Als Leihspieler sicherten sich die Lilien mit Hiroki Akiyama (24) die Dienste eines weiteren Japaners, der im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kommt. Und aus Mainz darf Flügelspieler Marco Richter (27) nun ein Jahr lang die paar Kilometer nach Darmstadt pendeln, um Einsatzzeiten zu sammeln.

Die Formation: Gerüchteweise hatten die Stürmer Isac Lidberg (26), Fraser Hornby (25) sowie Flügelspieler Killian Corredor (24) im Sommer diverse Begehrlichkeiten anderer Klubs geweckt. Derzeit aber sind alle noch da, und da am Montag das Transferfenster schließt, dürfen Trainer und Fans optimistisch sein. Lidberg machte beim 4:1-Auftakt gegen Bochum gleich mit drei Buden auf sich aufmerksam, Corredor sorgte mit einem späten Jokertor für den Auswärtssieg in Nürnberg. Alle drei sind Stützpfeiler des Kohfeldt'schen 4-4-2, das auf dem Papier altbacken aussieht, sich auf dem Platz aber sehr variabel verschieben kann. Da dem Trainer nach Riedels Weggang ein Rechtsverteidiger fehlte, probierte er gegen Hertha den zentralen Mittelfeldspieler Merveille Papela (24) auf dieser Position aus. Der eigentlich etatmäßige Nachrücker Sergio López (26) scheint derzeit außen vor. Später switchte Kohfeldt in ein 3-5-2, und Luca Marseiler (28) übernahm die rechte Außenbahn. Was dem Coach gegen Lautern einfallen wird, bleibt ungewiss. Pfeiffer zur Seite steht in der Innenverteidigung der Zwei-Meter-Mann Aleksandar Vukotic (30), bei einer Umstellung auf Dreierkette kommt Matej Maglica (26) ins Spiel. Links verteidigt Fabian Nürnberger (26), den Kasten hütet weiterhin Marcel Schuhen (32). Im zentralen Mittelfeld sichert Kai Klefisch (25) neben Neuzugang Akiyama, rechts offensiv ist Richter unterwegs.

Zahlenspiele: Nach Christian Titz (Hannover 96) und Vincent Wagner (SV Elversberg) trifft Torsten Lieberknecht nun bereits in der vierten Liga-Partie auf den dritten Trainerkollegen, der in der Zweiten Liga fußballerische Hochkultur propagiert. Dominanz, gepflegtes Aufbauspiel aus der Abwehr, et cetera, et cetera. Gegen die beiden Erstgenannten sah der FCK nicht gut aus, und Florian Kohfeldt darf an seinen Ideen schon ein wenig länger schrauben als diese. Es wird also erneut schwer werden. Beim 0:0 gegen Hertha beanspruchten die Lilien 59 Prozent Ballbesitz für sich und verzeichneten zwei Alu-Treffer, die Berliner allerdings auch einen. Nach xGoals endete die Partie 1,60 : 1,53, hätte also keinesfalls torlos ausgehen müssen. Auf den ersten Blick hoffnungsfroh könnte stimmen: In den Laufstatistiken liegen die Hessen aktuell hinter den Pfälzern. Aus diesen Schlüsse zu ziehen, ist aber gar nicht so einfach. Torsten Lieberknecht lobte nach dem Elversberg-Spiel die Gesamtlaufleistung seiner Elf: 120 Kilometer, die zeugten doch zumindest davon, dass es seinen Jungs nicht an Bewegungsbereitschaft mangelte. Bei näherer Betrachtung tun sich da aber Unstimmigkeiten auf. Beispiel Marlon Ritter: "MR7" setzte in 71 Spielminuten lediglich zu vier Sprints an. Simon Asta, der nach elf Minuten verletzt vom Platz ging, hatte in dieser kurzen Zeit schon fünf Spurts angezogen. Insgesamt legte Ritter auf dem Rasen 8,51 Kilometer zurück. Noch weniger liefen im FCK-Team nur Keeper Krahl und die später eingewechselten Spieler. Halbstürmer-Pendant Naatan Skyttä marschierte in 84 Minuten Spielzeit 2,11 Kilometer mehr als Ritter, war aber nur halb so oft am Ball. Dennoch kam der Kapitän in den diversen Spielerbewertungen hinterher vergleichsweise gut weg, auch deswegen, weil er mit seinen Freistößen noch am ehesten Torgefahr ausstrahlte. Bei "Sofascore" wird er sogar als bester Lautrer in einem schwachen Team dargestellt.

Fazit: Drei Punkte nach drei Spielen sind beileibe kein Grund, auf dem Betze schon nervös zu werden. Die Art und Weise, wie die Roten Teufel dabei aufgetreten sind, schon eher. Mehr aus letzterem als aus dem tatsächlichen Ertrag rührt wohl auch die miese Stimmung in den Foren derzeit. In das immer lauter werdende Klagelied, Torsten Lieberknecht habe kein Offensivkonzept, wollen wir dennoch nicht einstimmen. Es fehlt vielmehr an konsequenter Umsetzung, wie nach Elversberg auch mehrere Spieler offen bekundeten. Wer den Weg vors Tor nicht mit passbetontem Aufbauspiel aus der Abwehr suchen will, muss sich die Bälle weit vorne im Feld sichern, um mit weniger Zügen vor Gegners Kasten zu gelangen. Für frühe Balleroberungen aber braucht es laufintensives Pressing und Gegenpressing. In kurzen Spielphasen der bisherigen Partien war durchaus zu sehen, dass das Trainerteam an dergleichen schon gefeilt hat. Da müssen alle elf Spieler konzentriert mitarbeiten, Stehgeiger - siehe oben - kann man für ein solches Spiel nicht gebrauchen. Auch die feinen Füßchen müssen verinnerlichen, was der Pfälzer "druff unn ewerre" nennt. Dass es gegen Darmstadt insgesamt mehr Zweikampfwillen braucht als zuletzt in Elversberg gezeigt, muss wohl nicht erwähnt werden. Doch fehlte es vorne auch an Speed. Dass die eingewechselten Richmond Tachie und Dickson Abiama die bislang einzige Torchance dieser Partie aus dem Spiel heraus kreierten, indem sie auf den einfachen Faktor Tempo setzten, spricht für sich. Zum feierlichen Abschluss dieses Gegner-Checks aber wollen wir einen Mann zitieren, der einst durch die Prüfung zum Heilpraktiker fiel und heute als Cheftrainer in der Bundesliga wirkt. Werder Bremens Coach Horst Steffen erklärte unlängst in einem erbaulichen Interview mit "11 Freunde": "Ein Pessimist wird immer irgendwann mal Recht haben, aber bis dahin hatte er wenig Freude." In diesem Sinne: Bis Sonntag!

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