Neuzugang-Porträt
Paul Joly im DBB-Porträt: Kompakt und lernwillig mit mentaler Stärke

Foto: Imago Images
Im Netz kursiert ein Bild von Paul Joly, das ihn im Zweikampf mit Neymar zeigt, der damals noch für Paris St. Germain kickte. Die Aufnahme entstand im November 2022 und hat für den Jungen aus Orléans eine ganz besondere Bedeutung. Es steht nicht nur dafür, dass der AJ Auxerre in jener Saison in der Ligue 1 angekommen war, sondern auch für seinen ganz persönlichen Aufstieg. Zweieinhalb Jahre zuvor hätte er nicht mehr zu träumen gewagt, dass er einmal auf einem Fußballplatz einem brasilianischen Weltstar gegenüberstehen würde. Die Profikarriere, auf die er von Jugend an hingearbeitet hatte, schien beim fünftklassigen SC Amiens zu versanden.
Als 15-Jähriger war er in der Nachwuchsabteilung des damals noch erstklassigen FC Lorient gelandet, nachdem sein Talent zuvor bei verschiedenen Provinzvereinen aufgefallen war. Dort aber ging es für ihn nicht weiter, nachdem er dem Juniorenalter entwachsen war. Im Frühjahr 2020 war auch sein Abschied aus Amiens schon beschlossene Sache. Da erreichte ihn ein Anruf, der alles änderte.
Erst Innenverteidiger, dann Außenverteidiger
David Carré meldete sich, damals Trainer der zweiten Mannschaft des AJ Auxerre. Er habe sich das Spiel des SC Amiens gegen Chambly gesehen und eigentlich einen Innenverteidiger des Gegners scouten wollen - aufgefallen sei ihm aber er, Paul Joly. Ob er nicht Lust habe, nach Auxerre zu wechseln. Joly sagte direkt zu.
Im Corona-Jahr 2020 bestritt er als Innenverteidiger neun Startelf-Einsätze für Auxerres B-Team. Und lernte den damaligen Cheftrainer Jean-Marc Furlan kennen. "Er sah meine Qualitäten, war aber der Meinung, dass ich als rechter Außenverteidiger bessere Chancen hätte, einmal auf hohen Niveau zu spielen", erzählte Joly später der französischen Ausgabe des Fußballportals "90min". Er selbst konnte sich mit der Rolle sofort anfreunden: "Ich bin jemand, der es liebt, sich immer wieder anzustrengen, der gerne offensiv spielt, und deshalb hat mir diese Position sofort gefallen."
In der darauffolgenden Saison wechselte er bereits zwischen Zweiter und Erster Mannschaft, die damals in der Ligue 2 spielte. Sein Debüt in dieser Klasse gab er im Dezember 2021 gegen Le Havre (2:3). Vier Wochen zuvor hatte er im Coupe de France auf sich aufmerksam gemacht, als er beim 6:4-Siegs seines Teams gegen Chambéry gleich drei Treffer auflegte.
In der Rückrunde gelang ihm gegen den FC Pau (4:1) sein erster und bislang einziger Treffer für den AJ Auxerre. Hier zu sehen ab Minute 3:10. Joly trägt die Nummer 26, wie in allen Videos und wie auch zukünftig beim FCK.
» Zum Video: Paul Joly trifft für AJ Auxerre
Erst gegen Neymar, dann wieder Ligue 2 in Dijon
Insgesamt kam Joly 2021/22 auf sechs Einsätze in Frankreichs Unterhaus, war aber fester Bestandteil des Kaders und durfte den Aufstieg in die Erste Liga mitfeiern. Und im Dezember 2022 stand er Neymar gegenüber.
So schnell, wie es nach oben geht, kann es aber wieder runter gehen - auch diese Erfahrung ließ nicht lange auf sich warten. Nach dem deutlichen 0:5 gegen Paris war es mit Jolys Einsätzen in der Ersten Mannschaft erstmal vorbei. Auf der Trainerbank hatte mittlerweile Christophe Pélissier Jolys Förderer Furlan abgelöst. Joly landete im B-Team und wurde in der Rückrunde zum FC Dijon verliehen. Auf seiner Vereinsseite wird anlässlich seiner Verpflichtung die "Rekrutierungsabteilung" des Klubs zitiert: "Paul hat eine sehr gute Einstellung. Was das Spiel angeht, ist er stark im Spielaufbau und im Umgang mit dem Ball. Er ist defensiv gut, kann aber auch offensiv viel beitragen."
Also erneut die Ligue 2. Joly bestreitet im ersten Halbjahr 2023 fast alle Partien, wird dabei auch öfter mal als Linksverteidiger eingesetzt. Den Abstieg vermögen die Senf-Städter aber nicht zu verhindern.
Die überragende Saison 2023/24
Als er nach Auxerre zurückkehrt, ist auch AJA wieder abgestiegen. In der folgenden Zweitliga-Saison aber mutiert Paul Joly zur Stammkraft und zu einem der stärksten Außenverteidiger dieser Klasse, der am Ende sogar in die "Elf der Saison" gewählt wird. Er ist in 32 von 37 Partien von Anfang an dabei und legt als Rechtsverteidiger acht Treffer auf. Zweimal schnürt er Doppelpacks als Assistent. Einmal beim 2:1-Heimsieg gegen SC Caen, hier zu sehen ab Minute 2:40 und 3:10.
» Zum Video: Auxerre gegen Caen
Und einmal gegen Concarneau (4:1), hier zu sehen ab Minute 0:40, wobei Joly auch aggressives Pressingverhalten zeigt, und Minute 2:00.
» Zum Video: Auxerre gegen Concarneau
Am Ende kehrte Auxerre als Tabellenerster in die Ligue 1 zurück. In der anschließenden Saison switchte Pélissier öfter zwischen Dreier- und Viererkette, was Joly keine Probleme bereitete. In die Spielzeit 2024/25 startete er als Stammkraft, dann aber warfen ihn Verletzungen zurück. In der Rückrunde kam er häufig nur noch als Einwechselspieler zum Zug.
2025/26: In Auxerre ist die Tür zu, in Lautern offen
In der Sommerpause verpflichtete Auxerre mit Marvin Senaya und Lamine Sy gleich zwei neue Rechtsverteidiger. Seneya ist mit 1,5 Millionen Euro Ablöse sogar der zweitteuerste Neuzugang der AJA und war bislang in allen Partien gesetzt. Für Joly scheint die Tür damit erst einmal zu, weswegen seine Leihe folgerichtig erscheint.
An Auxerre hat er stets geliebt, wie gut Beschaulichkeit und Begeisterung da zusammenfinden. "Es ist eine ganz kleine Stadt, hat etwa 30.000 Einwohner und fast 20.000 Fans, die jedes Wochenende zu den Spielen kommen. Man spürt, dass das ganze Stadion wirklich hinter uns steht, selbst gegen die großen Mannschaften." Da würde es doch verwundern, wenn er nicht auch Kaiserslautern schnell ins Herz schließt.
Zudem passt er in die immer stattlicher werdende Riege von FCK-Profis, deren Karriere erst nach einem Stotterstart in Schwung kam. Er sieht darin sogar einen Vorteil: Die Misserfolge seien für ihn stets lehrreicher gewesen als die Erfolge, erzählt er im Interview. "Sie haben mir mentale Stärke gegeben. Dadurch kann ich heute besser mit schwierigen Phasen umgehen."
Vorbild Kimmich, Vorteile beim Vergleich mit Asta
Deutschland als Karrierestation ist ihm nicht unsympathisch. Zu seinen Vorbildern gehört Joshua Kimmich. "Ich war schon immer ein großer Fan von ihm. Er spielt sowohl als Sechser, als Innenverteidiger als auch als rechter Außenverteidiger. Ich habe ein wenig auf diesen drei Positionen gespielt, daher habe ich mich in ihm wiedererkannt." Und sein Lieblingsverein neben Auxerre heißt ... Bayern München. Na ja, das wird sich ja vielleicht bald ändern.
Welche Rolle er beim FCK einnehmen soll, ist nach Simon Astas Verletzung wohl keine Frage. Im statistischen Vergleich mit dem Ex-Fürther sieht der Franzose schon mal gut aus: Er verfügt über die höhere Passgenauigkeit (78,9 Prozent, Asta: 73,3), was auch für lange Pässe (51,3 Prozent, Asta: 48,7) und Flanken (34,2 Prozent, Asta: 28,4) gilt. Dribbeln beherrscht Joly ebenfalls besser (61,1 Prozent erfolgreich, Asta: 59,2), auch Zweikämpfe am Boden (58 Prozent erfolgreich, Asta: 52,7) sowie in der Luft (47,9 Prozent erfolgreich, Asta: 35,4).
Da könnte es für Asta schwer werden, wenn nach der Winterpause zurückkehrt. Zudem ließ sich der FCK eine Kaufoption in Jolys Vertrag festschreiben. Der Aufenthalt in der Pfalz könnte also länger dauern, wenn er sich in der Saison 2025/26 bewähren sollte.
Abschließend hier noch ein ausführliches Video, das den Neuen in vielen Zweikampfsituation zeigt. Und unter anderem auch, dass er außer Flanken auch diagonale Bälle beherrscht. Er scheint also im Lieberknecht'schen Sinne gescoutet worden und eher kein "Schnellschuss" sein.
» Zum Video: Paul Joly, a complete right back
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